Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1907)
- Date
- 1907-02-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JrD*’-s^o.'; v* "^'•'>f' -- ^.?. ■ v■;. r\;>- \*7. ^^^-.vt-^^ir?7c?:.„';vrjv-* auch M Ihrem Watte schon die Rede war, hier immer brennender werden. Die Schwierigkeiten, /die der Board of Guardians bei der Unterbringung derzahlreichenindustriellen Lehrlinge unterWahrung des Sab bat Hs zu überwinden hat, die drohende Gesetzgebung über die Sonntagsruhe, die Gründung einer besonderen Liga, die sich die striktere Wahrung des Sonntags zu fördern vorsetzt, das alles sind Erscheinungen, welche die jüdische öffentliche Meinung für alle praktischen Vorschläge zur Förderung des Sabbaths besonders empfänglich machen. So hat die „Jewish World" schon gleich nach der Tagung des Verbandes der Sabbachfreunde aus die in Deutschland auf diesem Gebiete geschaffenen Einrichtungen hingewiesen und der „Jewish Chronicle" sendet nun neuerdings einen Vertreter zu dem bekannten Mir Samuel Montagu, um seine Meinung über Lqs .Mbbathproblem" zu hören. Montagus Ausführungen enchalten auch für die deutschen Beryättniffe soviel Interessantes, daß sie ausführlicher wieoergegeben zu werden verdienen. Es schmerzt mich sehr, sagte Sir Samuel, daß vor Mzem in jüdischen Vereinen dafür agitiert wurde, Lehrlinge in Geschäften unterzubringen, in denen sie am Sabbath arbeiten müssen. Ein Verein, der fich mit Lolchen Tendenzen identifiziert, stiftet meiner Meinung nach mehr *“"■ * als Gutes. Jchhätte niemals gedacht, daß von eines Mischen Vereins eine derartige Anregung werden könnte. Ich halte dieselbe für eine doppelte gung. Die Herren ermutigen andere zur EntdeS Sabbaths und zeigen, daß fie ihm selbst gleichgültig gegenüberstehen. V In Bezug auf die Schwierigkeiten, die der &>ard of Guardians bei der Unterbringung von Böhrlingen und bei seinen industriellen Bestrebungen infolge der Beobachtung des Sabbaths „ hat, äußerte sich Montagu folgendermaßen: ES ist daS alles nur eine Geldfrage. Wenn der Board .‘Igtipelt soviel Lehrgeld bezahlte alS jetzt, würde er leicht Meyprete Stellen finden. Mit seinen gegenwärtigen Mitteln Wmte er allerdings dcknn nur für eine halb so große "fl von Lehrlingen als bisher sorgen, aber das ist c, als die zweifache Zahl in Stellen ohne Sabbathunterzubrtngen. Ueber diese Dinge ist in Zuschriften cyr die jüdischen Zeitungen viel Ungereimtes gesagt worden. An einer dieser Zuschriften fragte jemand, ob ewer denn, wenn er am Sabbath arbeite, darum ein schlechterer Jude sei. Natürlich ist er ein schlechterer Jude. Ein anderer meinte, eS lei besser den Sabbath zu entweihen, wenn man dadurch fich in den Stand setzen kann, jüdische Institutionen zu unterstützen. Wieder ein anderer glaubt törichterweise, die jüdischen Geschäftsleute müßten nur ihren Angestellten ebenso viel zahlen, wie die christlichen, dann wäre jede Entweihung des Sabbaths aus der Welt geschafft. Es ist eine leere Behauptung, der ich widerwreche, daß jüdische Unternehmer ihren Leuten nicht diewlbe Bezahlung gewährten, wie die Christen. Die „Trade Unions" würden dann schon dafür sorgen, daß dies gehe. Es ist absurd, daß zu derselben Zeit, da man die «ressen der jüdischen Gewerbetreibenden gegenüber der in Zficht stehenden Gesetzgebung über die Sonntagsruhe zu schützen bemüht ist, daß zu derselben Zett eine Agitation für die Unterbringung von Lehrlingen ohne Rückfichtnahme auf den Sabbath hervortritt. Der Israelit. 7 F b ruar1907. mit der Sonntagsruhe-Frage befaßte Parlamentskommission machte bekanntlich in ihrem Bericht den Vorschlag, daß nur die am Sabbath geschloffenen Geschäfte die Befugnis haben sollten, einen Teil des Sonntags offen zu halten. Ueber die Frage, ob eine derartige Bestimmung eine bessere Beobachtung des Sabbaths zur Folge haben werde, denkt Montagu ziemlich skeptisch. Montagu äußert sich dann über seinen Vorschlag, daß Juden, die am Sabbath ruhen, die Stelle von in öffentlichen Betrieben angestellten Christen am Sonntag versehen sollten. Bor einigen Jahren, sagte Sir Samuel, regte ich bei dem - taatssekretär des Postamts .den Gedanken an, jüdische Mädchen anzustellen, die am Sabbath frei haben würden und am Sonntag dafür ihre christlichen Kolleginnen vertreten müßten. Ich glaube, daß fich das machen läßt und es gilt natürlich auch für den Telephonbetrieb. Ich glaube, die Tendenz der Gesetzgebung ist meinem Vorschlag günstig. Die allgemeine Bewegung für die Beobachtung eines wöchentlichen Ruhetages zeigt, wie die öffentliche Meinung über diese Dinge denkt. Man wird finden, daß es besser für die Juden, für die Gesellschaft und für jedermann ist, daß den Leuten die Heiligung des Ruhrtags, den ihre Religion vorschreiA. erleichtert werde. Was die Beschränkungen anlangt, die die Sabbathruhe dem Juden auferlegt, so ist Montagu der Ansicht, daß die Zahl der Berufe, die nicht ergriffen werden könnten, überschätzt werde. So ist z. B., bemerkt Montagu, em jüdischer Anwalt keineswegs gezwungen, am Sabbath zu plädieren. Es ist immer möglich ein Arrangement zu treffen, durch welches dies vermieden wird. Ich habe in meinem Leben zwei oder drei Prozesse gehabt, und ich habe immer die Verlegung der Verhandlung von Samstag auf einen anderen Tag erlangt. Mein Anwalt teilte dem Richter mit, sein Klient sei Jude und könne infolgedessen am Samstag nicht vor Gericht erscheinen, und das hatte stets den gewünschten Erfolg. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg und immer kommt es nur auf den Einzelnen selbst an, ob er den Sabbath beobachten will oder nicht. Wenn er der Versuchung nachgiebt, so hat er dies nur fich selbst zuzuschreiben. Der Entschluß ist die Hauptsache, und wer von vornherein mit dem Vorsatz ans Werk geht, der Versuchung zu widerstehen, der sieht die Schwierigkeiten fich ständig vermindern. Ich denke, es ist besser, daß ein junger Mensch sich von Wasser und Brot ernähre, als daß er die Sabbathgebote verletze. Sie wollen sagen: «es ist leicht.für Sie, Sir Eamuel, so zu sprechen. Sie hatten es niemals nötig, sich mit Wasser und Brot zu begnügen." O nein! Als ich mit dem sel. Dr. Ascher im Osten reiste, fest entschlossen, die Spetsegesetze nicht zu übertreten, da kam es vor, daß wir nichts haben konnten als trockenes Brot, und wir haben uns nichts t araus gemacht. Wenn ich höre, wie mitunter Leute sagen, sie würden verhungern, wenn fie nicht am Sabbath arbeiteten, denke ich immer an einen Hausierer im Londoner East End der fich auch mit diesem Borwand zu entschuldigen suchte und der von einem Bekannten die Antwort erhielt, „Sehr schön, aber Sie brauchen doch während des Hausterens nicht Zigaretten zu rauchen." Sir Samuel beantwortete auch die Frage, was er von dem deutschen „Verband der Sabbathfreunde" halte und ob eine ähnliche Organisation in England Aussicht aus Erfolg haben würde. Er erinnere sich, wie er vor einigen Jahren mit dem Chief Rabbi und einigen anderen Herren eine Anzahl nicht doch eine Ahnung gekommen ist, wie hattlos die neujüdische Herrlichkeit im Innersten war? Daß er objektiv genug war, auch einen chm liebgeworbenen Irrtum einzuaestehen, zeigt uns eine telle in den Briefen an den genannten Freund, an der er das Urteil über ine Amsterdamer Rabbiner in ihrem Verfahren gegen vinoza, das er in seMem diesen Philosophen verherrlichenden Roman gefällt hatte, in aufrichtiger Weise revidiert. Auerbach ylttte in Amsterdam das jüdische Gemeindehaus besucht imd fich von dem ekretär die alten Akten aus dem Portugiefischen Übersetzen lassen. Ueber den Eindruck, den der Inhalt dieser Urkunden auf ihn gemacht, berichtet er an. den Frankfurter Freund: „Der Sekretär las mir immer weiter und immer mehr, und gab er zuerst die Dokumente mir in die Hand, wie ein Priester ein Reliquie von einem Ketzer als Kunstwerk betrachten läßt, so wurde er allmählich durch meine Teil nähme immer wärmer. Ich vergaß Hunger und Müdigkeit und lebte so ganz unter den Märtyrern, daß es fast drei Uhr wurde, ehe ich wegkam, und draußen fühlte ich «ich vor Hunger und Aufregung so taumelnd, daß ich gftmbte, ich käme nicht weiter, und Droschken gibt es hier sticht. O, wie armselig erschien ich mir da! was haben diese Männer erduldet und wurden nicht müde! Was ist dke anttte Vaterlandsliebe gegen die Religionsliebe und Kren Lpsermut? Und diese heischteein Heldentum in der. Stille und Berborgenhett, und da wMkte dem Töpfern kein Siegeseinzug, kein Lorbeer, kein Ruhm unter seinen LandSgenoffen oder gar Beute — still, glanzlos, nur der /Sache htngegeben, nur dem Gotte in der Seele folgend muß noch einmal sagen, ich habe den portugiefischen nicht dqs volle Recht in meinem Spinoza anaebrffen, freilich, ich hatte damals noch nicht die Mzu und auch nicht die Einsicht, eS steckte zu viel KStüÄ in mir. Sonst hätte ich Spinoza einen istmchenSVMlen M«m, etwa wie Meyasse ben Israel, der ihm intellektuell ebenbürtig, wenn auch nicht congenial, mit gleicher Kraft und glelchem Gewicht entgegenhalten müssen, und es wäre auch das Höhere, die Philosophie, nicht allein Sieger werben zu lassen, sondern jede Macht behauptet fich in chrem Lager und auf ihrem Kampfgebiete." __ („Antisemitismus in Meyers Lexikon.) Aus Leipzig erhalten wir von der Redaktion von Meyers Kleinem Konversations-Lexikon nachstehende Mitteilung: „Der von Ihnen ln Nummer 1 unter „AnttsemitismuS in Meyers Lexikon"^gerügte Fehler ist durch versehentliche Weglassung des Wortes „angeblicher" entstanden und im Artikel „Blutbeschuldigung" richtiggestellt durch den Satz: In keinem (Falle) war jedoch ein jüdischer Ritualmord nachzuweisen." Ob die Weglassung des Wortes „angeblicher" wirklich nur auf ein Versehen oder auf die Anschauungendes Verfassers des betr. Arttkels zurückzuführen ist, könnte nur durch Prüfung des Origtnalmanuskriptes festgestellt werden. Jedenfalls dürste man — wenn es fich in dem Arttkel „Blutbeschuldigung" gar um eine abfichtliche „Berichtigung" eines früheren Irrtums handeln soll — verlangen, daß mit etwas kräftigeren Worten das Blutmärchen als eine Ausgeburt des Hasses und des Wahnes gekennzeichnet werde. Wenn fich das Bibliographische Institut entschlösse, für künftige Auflagen einen Mitarbeiter zu wählen, der nicht antisemitisch angehaucht ist, dann würde es — nicht sowohl den Juden, alS-vielmehr der W a h r h e i t und der ittlichkeit einen großen Dienst erweisen. Unternehmer besucht habe. Letztere zeigten fich mehrfach bereit, ihre jüdischen Arbeiter bei der Beobachtung des Sabbath zu unterstützen. Ein oder zwei Firmen versicherten jedoch, fie hätten ihren jüdischen Leuten den Dispens am Sabbath angeboren, diese hätten jedoch abgelehnt. Ich glaube das, denn als der König seinen Empfangsabend von Freitag auf einen anderen Abend verlegte, zogen die Juden es meist vor, von dieser Vergünstigung keinen Gebrauch zu machen. Als ich vor sechs Jahren in Leeds war — wo der Sabbath besser gehalten wird als in London — sagte mir der Kleiderfabnkant Sir John Barran, er beschäftige eine Anzahl Juden, denen er am Samstag fteigebe. Er deutete dann nach einer großen Fabrik hin, dessen Inhaber — ein Jude — einst bei ihm in Diensten gewesen sei. „Dieser Mann," sagte er, „hat nie am Samstag gearbeitet und sehen Sie, wie weit er es gebracht hat." Ich meine auch, fuhr Sir Samuel fort, daß jüdische Schneider gemeinschaftlich die Kleiderfabrikation unternehmen könnten, um so der abbatarbeit leichter entgehen zu können. Natürlich ist Geld und vor allem Rührigkeit und Initiative zur Begründung eines solchen Geschäftes notwendig, Eine Vereinigung der Sabbatsreunde würde u. a. eine Liste derjenigen Arbeitgeber, die ihren Arbeitern gestatten, am Sabbat zu ruhen, zu veröffentlichen haben. Montagu erhofft von einer autonomen jüdischen Ansiedlung keinen Vorteil für die Sache der Sabbathruhe. Die Kolonie werde, wenn sie einen Wert habe, von Christen nicht minder wie von Juden besiedelt werden. Und wenn die Christen die Mehrheit oder eine große Minderheit bildeten, so würden sie sich die gesetzliche-Festlegung der wöchentlichen Ruhe auf den Samstag nicht gefallen lassen. Sir Samuel sprach dann noch von den Schwierigkeiten, denen er selbst bei seiner strikten Beobachtung des Sabbaths begegnet sei. Aber, so schließt er, „es ist eine hohe Genugtuung, wenn einer in meine Jahre gekommen ist, zurückzuschauen und zu sehen, daß er so viele Versuchungen zur Uebertretung der jüdischen Gesetze siegreich bestanden hat. Ich kann nur wiederholen: wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." Serecbtigitett. Bon Rabbiner Dr. I. Bleichrode in Berlin. dt6 nmn pik rvoA n"apn ns-» nnsm mirv „Der^ Heilige, gelobt sei er, wollte Israel beglücken. Da..er gab er ihm zahlreiche Lehren und Gebote." Diesen Ausspruch R. Chanania ben Akaschias kann man als Motto über den Abschnitt O'vsrpv setzen,' denn kaum einer zeigt so deutlich wie dieser, daß Israels Beruf und Lebensglück allein das Gesetz, seine Erforschung und seine Erfüllung ist. Man betrachte nur die Stellung dieser hTHD in der Reihenfolge der Erzählungen der Thora. Gefallen waren die Ketten, gesprengt die Fesseln, in die Jahrhunderte lang Aegyptens Könige das Volk geschmiedet, hocherhobenen Armes hatte es das Land unsäglichen Druckes verlassen, jenen eisernen Glutofen, in dem es die Kinderjahre seines Voltstums verbracht, um von seinen Schlacken geläutert ins Leben hinauszutreten. Verrauscht war auch der Jubel des wunderbar aus Not und Gefahr erretteten Volkes, verklungen der vieltausendstimmige Lobgesang am Schilfmeere, der die neu errungene Freiheit mit begeisterten Worten pries. Und nun? Gewiß stürzten sie jetzt von Genuß zu Genuß, taumelten von Freuden zu Freuden, um zu vergessen, was sie gelitten, um auszukosten die süße Freiheit? Doch nein! Ein ganz anderes Bild bietet sich uns dar. Wir erblicken das Volk am Fuße des Sinai. Der Donner rollt, Blitze zucken, die Natur erbebt, die Menschen erzittern, denn das Flammenwort erschallt aus dem Munde des Allgewaltigen, das eherne Gesetz wird Israel gegeben. Kaum der Ketten ledig, eilt es, sich neue, drückendere, weil ewige Fesseln freiwillig anzuleaen. Wahrlich, ein erhebendes Beispiel, einzig dastehend in der Geschichte der Menschheit! qyn n« -jkwd *pnnW •oa« *0 m«n 7? hn nrn inn 73; D'pWi ntt p-Qyn d'-isbq- „Willst du eine sichere Gewähr dafür haben", so spricht am Dornbusch Gott zu Mosche, „daß deine Sendung eine göttliche, so wme, kaum frei geworden, wird JsraÄ an diesem Berge einen, neuen Herrn sich wählen." Da ist ein Volk, in der Sklaverei schmachtend, nach Befreiung durstend. Eswird ■v- ' -4 *