Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1907)
- Date
- 1907-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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'Konzessivst MkWAMMg aller Förmen dm aüsgeen Gebrauch machen. Es sollten Schulen rists Lebest gerufen werden ähnlich den jüdischen L ehranstalten zu Frankfurt a. M. Gewiß könnte " auch eine großangelegte jüdische gesetzestreue Presse in dm bei den russischen Juden üblichen -/Sprachen, dem Hebräischen, Jüdischdeutschen, ''Russischen und Polnischen bedeutende Dienste gleisten, aber nur unter anderen, mehr wirksamen /Mitteln zur Hebung und Förderung des gesetzes- . treuen Judentums, die nur von einer festgefügten Mrd wohlorganifierten großen und mächtigen Partei geschaffen, geleitet und gehandhabt werden rönnen. Also vor Allem muß eine solche Partei gebildet werdm. Selbstverständlich wäre mit der pädagogischen Wirksamkeit, wie weitgehend diese auch, wäre, die BÄeutturg dieser Partei durchaus nicht erschöpft. > Die Tragweite ihrer Bedeutung wäre gar nicht Schon ihre bloße Existenz als la r t e i hätte den unschätzbaren Wert, daß „ cung nnd auch andere maßgebende Kreise, mehr wir bis jetzt die Juden mit dm Msten" und „Anarchisten" idmtifizieren was uns so unsäglich viel schadet. Als ~ * wüde es ihr nicht schwer fallen, rs Gemeindewesen Licht und mng bringen, sie könnte auch das verfallene Wat emporrichtm, mit einem Worte: sie nach innen und nach außen segensreich Öfen. Die Bildung einer gesetzestreuen Partei Mr die russischen Juden ein Rettungsanker, Witte Lebensfrage. Zum Behufs ihrer Begründung wäre es vor MaistMt geboten, daß die Spitzen der Chassidim und ^Misnagdim, Rabbiner wie auch Laien — am im Auslande, um von „Bunde" und Konfich geschützt zu wissen — zu einer Ver- IMMÄung zusammenträten, um über die Mittel ffnstd Wege, wie man sich zu organisieren und zu f' krmsolidieren hätte und über die Frage zu beworin hauptsächlich die Tätigkeit der Partei -/kDehen müffe. An einsichtsvollen Männern fehlt den gesetzestreuen russischen Juden durchaus wohl aber fehlt es diesen allem Anscheitt an dem nötigen Mut und an energischer ~ llative. Das muß aber anders werden. Es stp sich Männer finden, welche sich sofort ans F Jf machen. Sie dürfen auf die tatkräftigste Mnterstützung der besten jüdischen Elemente des »Mt- und Auslandes rechnen und vor allem ge- Avst auf Gottes Hilfe bauen. (Anmerkg. der Red.: Wir halten die Ausführungen unseres Wilnaer Mitareines euilleton. Nach rvanrig Iadre«. Eine Ehassidimgeschichte. Bon P. I. ft. Auf seiner Reise kam einst der Bal-Schem-tow *) bei ebiem seiner treuesten Anhänger vorbei und ließ bet ihm Mhakten. Der Chaßtd, über diese große Auszeichnung ausS Höchste erfreut, strengte seine ganze Erfindungsgabe an,um den heiligen Mann würdig zu empfangen. Nichts .war ihm zu viel ober zu teuer, um es für den Rabbi herbetzuschaffen. Der Bal-Schem-tow, dem dieses Bestreben Woylgmel, wollte fich dem Ehaßid durch die Gewährung Änes Wlmsches dankbar zeigen und sagte: . «Die Ehrerbietung Men einen Talmtd-Chochom ist . Mt Gdtt wohlgefälliges Werk. Da Ihr dies ln hohem NStz ausgeübt, so ist jetzt ein Sss rozaun (Zeit des göttllchm Wohlwollens), und mein Gebet für Euch dürste von 'Gott erhört werden. Wenn Ihr daher eine Bakofchoh (Bitte) ' so teilt sie mir mit, und ich will für Euch beten." h danke Euch, Rabbi", sagte der Mann, „aber es nötig. Der liebe Gott hat mich gesegnet, und ich llleS, wonach mein Herz verlangt. Ich habe Euch Aufwarttmg nicht wegen der Erfüllung einer Bitte 7t, es ist aus Dank geschehen für die große Ehre, mir durch eurm Besuch erwiesen habt." -4*1101) dann möchte ich Euch um einen Gefallen bitten," JSraelBaal-Schew-tow ist der Begründer des ts er lebte im 18. Jahrhundert in Podolien. möchten sie der sorgfättigen Beachtung aller, denen die Sache des gesetzestreuen Judentums wahrhaft am Herzen liegt, auf das angelegentlichste empfehlen. Es giebt für das Judentum gegenwärttg keine wichtigere Frage, als die, wie die Gefahr abgewendet werden kann, in der die Fahne der Thora gerade bei unseren Kerntruppen in Rußland geraten ist. Was den Weg anlangt, der hierbei einzuschlagen wäre, so wollen wir auch hier wieder nachdrücklich hervorheben, daß im Osten keinesfalls zu einer einfachen Nachahmung der bei uns eingebürgerten Bildungsmethoden geschritten werden darf. Das würde, wie die Geschichte der deutschen Juden beweist, der bei unsren östlichen Brüdern heimischen Regsamkeit im min 11v^> verderblich werden müffen. Die Frage ist: Wie ist es möglich, durch die Vereinigung von NUN und TpK -pH die run* im ruffischen Judentum zu stärken, ohne daß dabei die Blüte des Thorastudiums eine Einbuße erleidet? Möchten die Besten unseres Volkes es versuchen, dieses Problem in befriedigender Weise zu lösen.) r.v c» 'ochenrmöschau. Her Husfalt Ser SWwsiilen. Die Stichwahlen ^zum Reichstag haben den antisemitischen Parteien Erfolge gebracht, die die von uns in der vorigen Nummer bei Würdigung des Ergebnisses der Haup'wählen ausgesprochenen Befürchtungen leider bestätigen. Unsere Leser erinnern sich, daß wir schon damals darauf hinwiesen, daß die Antisemiten einen Gewinn von 5—6 Mandaten erzielen dürften. Merkwürdigerweise hat sonst die jüd. Fachpresse wie auch die politische Presse die Situation völlig verkannt und als Höchstes angenommen, daß die Antisemiten in gleicher Zahl wiederkehren. Auch die „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Anttsemittsmus" nahmen dies in ihrer Nummer vom 3v. Januar noch an. entgegnete der Bal-Schem-tow. „Da Ihr in der Nähe von Lemberg wohnt, so kommt Ihr wahrscheinlich öfter dorthin. Ich wäre euch sehr verbunden, wenn Ihr mir etnm Brief, den ich sofort schreiben will, an dm Adressaten übergeben wolltet." - „Sehr gern, Rabbi", antwortete der Chaßtd, erstellt, dem Rabbi einen Dienst erweisen zu könnm, und nahm den bald geschriebenen Brief in Empfang, um ihn in seine Brusttasche zu steckm. Er ging hierauf in dm Stall, um für den Bal-Schemtow, der nun weiter reisen wollte, eigenhändig änzuspannen. Als er fich dort über die Krippe beugte, entfiel ihm der Brief, dessen Verlust er auch später, aw er vom Geleite des Rabbi zurückkehtte, nicht merkte. — Run waren zwanzig Jahre vergangen. Der Bal-Schem-tow hatte schon längst das Zettltche gesegnet, und auS dem reichen Ehaßid war inzwischen ein armer Mann geworden. Seit dem Tode dieses heiligen Mannes war eS immer abwärts mit ihm gegangendie Unglücksfälle folgten aufeinander, und von dem einstigen Reichtum und Wohlstand war keine Spur mehr vorhanden. Mir aller Kraft hatte er fich dagegen gewehrt seine großen Liegenschaften und Güter zu verlieren, aber seine Schulden warm immer mehr angewachsen, und so wurde sein Eigentum schließlich auf gerichtlichem Wege veräußett. Nur mit Mühe war eS ihm gelungen, für feine zahlreiche Familie das tägliche Brot herbeizuschaffm, und als auch dies ausgehört, hatte er, um nicht hetteln zu müssen, alles entbehrliche verkauft. Nichts war ihm geblieben, als das Haus, in welchem er einst dem Bal-Schem-tow den großartigen Empfang bereitet hatte, und auch dieses war so verschuldet, daß es mehr seinm Gläubigern als ihm gehörte. Als er eines Tages in den verödeten Stall ging, um die nun zwecklosm Strippen, die er verkaufen wollte, loszumachm, sah er zwischen einer derselben und der Wand hervsrschdmyern. Er erkannte darin zu Die Antisemiten unterlagen in Waldeckfyrmont, gewählt ist der freisinnige Pott-- off, in Erbach-Bensheim, gewählt ist der nattonalliberale' Haas, in L ie g n i tz, geioählt ist der freisinnige Fischbeck. Bon den antisemittschen Kandidaten wurden gewählt: Anhänger der Reformpartei in Hersfeld-Rotenburg (Werner),Meißen- Großenhain (Gaebel), Alsfeld-Lauterbach (Bindewald). . Deutsch soziale sind gewählt in: Kassel- Melsungen (Lattmann), Esch Wege - Schma lkalden^(Raab), Eisenach (Schack), Weimar (Gräf), Rinteln-Hofgeismar (Herzog), Marburg (Böhme), Gießen (Köhler). Von den Christlich-Sozialen wurde in Wetzlar Behrens gewählt. Von den Kandidaten der Mittelstandspartei wurde gewählt: Rieseberg in Wanzleben. Mit den Resultaten der Hauptwahl ergibt sich folgendes Bild: Reformpartei 6 Deutschsoziale 8 Christlich-Soziale 3 Wirtsch. Bereinigung.*) 3 Mittelstandspartei 2 r zusammen 22 MaÄdaie. E Das Mehr von sechs Mandaten hat für uns nichts Erschreckendesauch kommt in Betracht, daß die Antisemiten durchaus keine homogene Gruvpe bilden, sondern daß. die einzelnen Teile in den meisten Fragen gänzlich abweichende Meinungen entwickeln. Doch wäre es verkehrt, dem Wachstum unserer Gegner mit verschränkten Armen zuzusehen. U. Eist es vielmehr eine zwingende Notwendigkeit, sich jetzt die Frage vorzulegen, ob die bisherigen Methoden der Abwehr oie richttgen waren. Hier ist ein Feld gegeben, auf dem wirklich einmal die deutschen Juden einerlei welcher Richtung sie sonst angehören, Zusammengehen könnten. — Gerade der unleugbare Aufschwung, den das liberale Bürgertum bei den jetzt vollzogenen Wahlen in fast allen Teilen des Reiches gezeigt hat, ist der beste Beweis dafür, daß es bei entsprechender Organisation und zeitiger Vorbereitung gelingen muß, den Anttsemiten den größten Teil chrer Mandate u entreißen. Wir unsererseits werden gerne ereit sein, uns an dieser Arbeit zu beteiligen. *) Es kann dahingestellt bleiben, ob die Mttglteder der Wirtsch. Bereinigung das ganze Programm der Anttsemiten unterzeichnen. seinem Entsetzen den Brief, den ihm vor zwanzig Jahren der Bal-Schem-tow zur Besorgung übergÄen hatte. Nun war es ihm klar, warum das Unglück über ihn heretngcbrochm war. Gewiß war eS nur der Brief, den er abzuliefern versprochen, aber vergessen hatte, der dieses Unglück verschuldet.' Aber was sollst er machen? KMnke er einen Brief, der vor zwanzig Jahren geschrieben wurde, dessen Schreiber — und vielleicht auch dessen Adressat — längst nicht mehr lebten, konnte er einen solchen Brief jetzt abgeben? — Er besah die Adresse und fand, daß er für die zwei ersten Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Lemberg bestimmt war. Er teilte seiner Frau deü ganzen Sachverhalt mit, und auch ste war der Meinung daß der Brief den Umschwung ihrer Verhälmisse herbei-. geführt habe. Sie riet ihm, wenigstens den Versuch zu machen, den Brief an seinen Bestimmungsort zu bringen. „Vielleicht", sagte fie, „leben diese Leute noch, da ste ja zur Zeit, wo der Brief geschrieben wurde, noch jung gewesen sein könnten. Uno wenn dies auch nicht der Fall ist, so mußt Du den Brief, auf jedm Fall, den Erven übergeben." Diese Worte leuchteten dem Chaßtd ein, und er machte fich unverzüglich mit dem Briefe auf den Weg. Als er in Lemberg ankam, erkundigte er fich bet den Leutm nach den zwei Vorstehern, deren Namen auf dem Briefe standenaber Vorsteher dieses-Namens gab es nicht. Er erzählte den Leuten sein Mißgeschick und bat fie, doch Nachdenken zu wollen, ob eS nicht vor zwanzig Jahren Borsteher, die so geheißen, gegeben habeaber, auch dies war nicht der Fall. Er wurde von ihnen, die noch nie gehört hatten, daß inan einen Brief erst nach so langer Zeit ablieferte, für verrückt gehalten und ausgelacht. „Heute ist gerade die Wahl des Vorstandes", lle einer spöttisch vernehmen, „vielleicht werdm Leute,bie Ramm Mrm, a«S der Urne heMorgehm." - - - -“-vT vT? V* A