Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1907)
- Date
- 1907-01-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWFWWWWWW £rziel?umj und I>el? M 2. Benerai - llersammlung des Bundes gesetzestreuer jüd. Ecbrcr Deutschlands. Frankfurt a.M., 27. Jan. Die heutige Generalversammlung des Bundes g. j. L. D. in der Aula der Jsr. Religionsgesellschaft war ein Festtag in des Wortes schönster Bedeutung. Festlich stimmte die große Anzahl der erschienenen Teilnehmer — über 80 —, darunter Männer mit dem Silberschmuck des Altersin gehobene Stimmung versetzte der von dem Vorsitzenden, Herrn Realschuldirektor Dr. Lange, erstattete Rechenschaftsberichtwahrhaft herzerquickend wirkte die warme und zündende Begrüßung, die Herr Louis Feist namens des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft an die Versammlung richteteerfreulich war die Wahrnehmung, daß unsere Pensionskasse prosperiertihren Höhepunkt aber erreichte die Festesfreude bei dem fröhlichen Mahle, das die Kollegen Ln den oberen Räumen der Realschule zur frohen Tafelrunde vereinigte. Toast folgte hier auf Toast, und jeder war ein Schlager. Als dann der rrpyon W aus 80 Kehlen emporstieg, da fühlte ein jeder: das war ein schöner Tag, und er bedeutet eine Kräftigung für unsere Sache. Daß auch der Ernst und die Arbeit zu ihrem Rechte kamen, braucht nicht erst erwähnt zu werden. Vor allem hat aber diese Tagung mit Ueberzeugung dargetcu;- der Buyd ist leistung sführg auf allem -Gebietest! *Und irdch-ein anderes zeigte sich hier: Der Bund wird von seinem Vorsitzenden zielbewußt und tatkräftig, aber auch mit Mäßigung und Umsicht geleitet, und kein Wort war zuviel von dem, was Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn-Fulda über die Bedeutung unseres Führers in seinem Toaste gesagt hat. Wir wollen dem offiziellen Protokoll nicht vorgreisen und beschränken uns heute darauf, einen vorläufigen kurzen Bericht über den Verlauf der Verhandlungen zu geben. - Nach kurzer Begrüßung stellte der Vorsitzende in seinem Rechenschaftsbericht zunächst fest, daß die Erwartungen, die bei der Gründung des Bundes gehegt wurden, noch bedeutend übertroffen worden sind. Ein neuer Verein, Emden-Oldenburg-Bremen, sei beigetreten, die Zahl der Mitglieder sei von 110 auf 175 gestiegen. Dreizehn Lern- und Fortbildungskurse seien vom Bund entwtder neu gegründet oder reorganisiert worden. In Frankfurt a. M. seien unter der verdienstvollen Leitung des Herrn Oberkantor Pessachowitsch Ferienkurse für die Fortbildung im Kantorat ins Leben getreten. Die Hauptprobe seiner Leistungsfähigkeit habe der Bund anläßlich der Kämpfe um das preußische Volksschulunterhaltungsgesetz abgelegt. Alle unsere Vorschläge, so rief der Redner mit erhobener Stimme, sind fast wörtlich angenommen, die der Gegenseite glatt abgelehnt worden. Der Bund besitze auch bereits sein eigenes Organ in der mit dem „Israelit" erscheinenden Beilage „Erziehung und Lehre". Die Pensionskasse besitze bereits ein Vermögen von über 13000 M. und verfüge über Jahresbeiträge von nahezu 4000 M. Der Vorsitzende forderte zu eifriger Propaganda für dieselbe auf. Heute, so schloß der Bericht, sei es vor allem nötig, sich nach innen zu kräftigen und zu stärken, dann erst könne man versuchen, auch nach außen hin zu wirken. Nach kurzer Debatte über den Rechenschaftsbericht, die von der weisen Mäßigung und Zurückhaltung der Versammlung beredtes Zeugnis ablegte, — es handelte sich um die Angriffe auf den Bund und seine Leitung — und dem von Herrn E. Ettlinger erstatteten Kassenbericht, brachte Herr Rektor Falk-Frankfurt a. M. sein Referat: „Auf welche Weise muß der Lehrer den Ergebniffen der Wissenschaft im Religionsunterricht Rechnung tragen?" zum Vortrag. Es fand ungeteilten Beifall. Der Lehrer mache sich, das war ungefähr der Kernpunkt seiner Ausführungen, nach Möglichkeit mit den Fortschritten der Wiffenschaft vertraut, mit noch größerer Liebe aber laffe er sich die Fortbildung in den Religionsfächern angelegen sein. So ausgerüstet, ist es ihm ein Leichtes, nachzuweisen, daß die tatsächlichen Er-, ebnisse der Wissenschaft den Grundwahrheiten er jüdischen Religion nicht widerstreiten. Hypothesen, besonders diejenigen auf dem Gebiete der Bibelkritik, kennzeichne er als solche und zeige ihre Haltlosigkeit. Wie das zu geschehen hat, zeigte Referent an einigen gut gewählten Beispielen. Die Debatte, die äußerst anregend verlief, ergab im allgemeinen Nebereinftinimung mit dem Referenten. Bei dem Festmahle, das die Synagogenaemeinde Israelitische Religionsgesellschaft den Teilnehmern an.der Generalversammlung gab, erfreute Herr Oberkantor Pessachowitsch die Anwesenden durch den Vortrag des 133. Psalms - reicher Beifall lohnte auch ihn. Die Beratung der Satzungen unserer Pensionskasse hielt den größten Teil der Kollegen bis zur späten Abendstunde zusammen. Zwei Richtpunkte waren dabei maßgebend: 1. die rechnerischen Grundlagen, die Herr Moritz A. Löb auf Grund seiner vielseitigen versicherungstechnischen Erfahrungen geschaffen, wurden stets beachtet - 2. die wirtschaftlich Schwachen wurden durch Bildung eines Hilfsfonds besonders berücksichtigt; so ward verhältnismäßig rasch eine Einigung erzielt. Mit der Aufforderung zu rüstiger Weiterarbeit, schloß der Vorsitzende die Versammlung, nachdem ihm für seine umsichtige Leitung der herzliche Dank derselben zuteil geworden war. □2*7 vxm 'n1? vxn, Wahrung der ideellen und der materiellen Interessen des Lehrerstandes, das ist die Charakteristik des Tageses war ein echter Festtag! Uns der Beschichte einer Wischen Schule. Bon Seminarlehrer L. Anjanger in Würzburg. Nahezu ein Jahrhundert ist verflossen seit in Bayern die ersten jüdischen Volksschulen unter behördlichem Hochdrucke, sehr oft gegen den Willen der betreffenden Kultusgemeinden, errichtet wurden. Die allgemeine Entwicklung des jüdischen Schulwesens im letzten Jahrhundert bildet einen integrierenden Bestandteil sowohl der Geschichte des Unterrichtswesens als der Geschichte der Juden in Bayern und ist für den Historiker von besonderem Interesse. Aber auch wenn wir die große geschichtliche Universalentwicklung unberücksichtigt lassen, wenn wir vielmehr hinabsteigen in das Leben und Treiben und Wachsen und Wandeln jener mittleren und kleineren Landgemeinden, die abseits vom Getriebe des großen Weltverkehrs liegend, scheinbar unberührt geblieben sind vom rauschendem Flügelschlage der Zeit, erkennen wir einen Wechsel der Gesinnung, einen Umschwung der Ansichten und Anschauungen, die uns den großen Gang des Weltenrades in nuce zeigen. Für den Nichtfachmann ist die Darbietung solcher „Wanderungen und Wandlungen" im engumgrenzten Gebiete meist interessanter und instruktiver als der allgemeine Gang der Geschichte und damit mag die Berechtigung für die Zusammenstellung der markansten Momente aus der Geschichte einer jüdischen Schule, bzw. auch Schulgemeinde in diesen Blättern gegeben seines- Im Jahre 1817 erging an die jüdische Gemeindeverwaltung M. durch das von Hirsch'sche Patrimonialgericht erstmalige Aufforderung seitens der Kgl. Regierung des bayr. Untermainkreises (Unterfranken), eine öffentliche Elementarschule zu errichten, oder, wenn die jüdischen Kinder die christliche Ortsschule besuchen könnten, durch Anstellung eines ri<* geprüften Religionslehrers für öffentlichen Religionsunterricht zu sorgen. Die Privatreligion slehrer sollten nicht mehr geduldet werden. Die jüdische Gemeinde wollte sich jedoch zu nichts verstehen und machte in ihren Gegenbittschriften *) Das Material zu meinen Ausführungen entnahm ich den Akten der jüdischen Gemeinde Memmelsdorf, die ich auf div. „Böden" zerstreut fand, sammelte und ordnete. S. auch meine Geschichte der „Juden in Memmelsdorf" im Jahrgang 1904 des „Israelit".