Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1907)
- Date
- 1907-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWW MN ^»WWMNßMMM : 1. Januar 1907.__j-_ ~ Erkenntnis heraus wurde, kurz nach der Gründung Ahlems von hervorragenden führenden Geistern der deutschen Judenheit die Anregung zu einer weiteren Schöpfung gegeben und so entstand vor nunmehr acht Jahren der Be rein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands. Wie voraus zu sehen war, hatte dieser Verein von vornherein mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Zahl derer, die den hohen inneren Wert dieser Kulturaufgabe erkannten, war nicht sehr groß, wenn auch die Zahl von ca. 3000 Mi gliedern immerhin die Ermutigung gab, das gesteckte Ziel mit allen Kräften weiter zu verfolgen. Nachdem nun eine kleine Anzahl junger Leute, , nach Eiiminierung der nicht weniger: untauglichen Elemente, zu tüchtigen Landwirten herangebildet worden ist, die mit Liebe und Geschick ihrem Berufe obliegen, will der Verein wiederum eine Anzahl Eleven in der Bodenkultur ausbilden. Es bietet sich hier für junge schulentlassene Leute, welche Liebe und körperliche Kraft für den landwirtschaftlichen Beruf haben, eine gute Gelegenheit sich darin praktisch und theoretisch grürrdlich auszubilden. Eltern rrnd Vormünder, die ein Interesse hieran rrehmen, wird vom Vorstand des Vereins jede gewünschte Auskunft durch den.Generalsekretär terrn Dr. ArthurKahn, Charlotten bürg, nglische Straße 30 erteilt. Es darf nicht als überflüssig erscheinen, hier hinzuzufügen, daß der Verein sich nicht etwa als ein Sanatorium für rrervöse „höhere" Schüler, oder für kränkliche und schwächliche junge Leute als Land- und Luftkuraufenthalt, ebensowenig als Zuflnchtftätte für geistig Minderwertige hergibt, um mit solchen untauglichen Elementen kostspielige Experimente zu unternehmen. Als unerläßliche Bedingung zur Aufnahme wird Intelligenz, körperliche Gesundheit rrnd vor Allem Liebe zu diesem Berus voraus gesetzt, ohne welche auch hier kein Emporkommen erwartet werden darf, und außer diesen Eigenschaften muß Fleiß vor Allem dabei sein. (Wir verweisen hierzu auf den Artikel in unserer Wochenrundschau. D. Red.) Berlin, 13. Jan. Am 10. ds. Mts. hielt die „Vereinigung jüdischer Religionslehrer Berlins" ihre3. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Höxter, konnte von einem erfreulichen Fortschritte der Vereinstätigkeit berichten. In den zumeist auch vor Gästen besuchten Monatsversammlungen wurden folgende Vorträge gehalten: Rabbiner Dr. Munk: Wie kann die Haggadah für den Religionsunterricht verwertet werden? B. May: Etwas über den. Mädchen-Unterricht in jüdischen Religionsschulen. Direktor Dr. Stern: Der jüdische Geschichtsunterricht. Direktor Dr. Pick: Wie läßt sich Hoffmann's Leviticus für den Unterricht in der UeligiozOschule perwerten? Dozent Dr. Wohlgemüth: Die Ethik im jüdischen Religionsunterricht (theoretischer Teil). Derselbe: Dasselbe Thema (praktischer Teil). B. May: Die Festgesetze in Hoffmann's Leviticus für den Gebrauch der Religionsschulen Außerdem fanden Diskussionsabeude statt über den Unterricht im Gebetübersetzen und die Verwendbarkeit von Hosfmann's Leviticus. — Daneben wurden in verschiedenen Sitzungen neuerschienene Bücher vorgelegt und kurz besprochen, auf andere Neuerscheinungen hingewiesen. Nach dieser Richtung soll die Vereinstätigkeit in Zukunft erweitert werden. — Auch der Bericht des Kassie ers, Herrn Dr. Bleichrode, konnte mit einem erfreulichen Kaffenüberschusse abschließen, sodaß der Verein nunmehr an die statuarisch schon vorgegesehene, von Mitgliedern mehrfach gewünschte Begründung einer Bibliothek herantreten kann. Ueber die Anfänge einer solchen berichtet der Schriftführer, Herr Dr. M. Hildesheimer, und dankt zugleich den Vortragenden, die ihm für die Protokolle bereitwilligst ausführliche Referate über die Vorträge zur Verfügung gestellt hatten. — Die Diskussion über den Bericht brachte eirre janze Reihe von beachtenswerten Anregungen, o z.B. sollen in Zukunft.die Themata möglichst Der Israelit. jo früh angegeben werden, daß eine gründliche Vorbereitung der Mitglieder auf sie möglich werde, auch sollen die Vortragenden, wenn angängig, vervielfältigte Thesen voklegen, von wichtigeren Vorträgen sogar Referate jedem Mitgliede zugängig gemacht werden. Die Vereinigung wird auch auf pädagogische Zeitschriften abonnieren und jedem ihrer Mitglieder eine solche, wenn auch nur auf kurze Zeit, zur Verfügung stellen - über neu erschienene Bücher soll mit möglichster Beschleunigung eingehend referiert werden. Der Vorstarid, der bisher nur 3 Mitglieder zählte, wird in Zukunft aus 5 Mitgliedern bestehen, indem noch ein Bibliothekar und ein wissenschaftlicher Beirat hinzukommen. Bei der: hierauf vollzogenen Neuwahlen wurden außer dem bisherigen Vorstande, der wieder gewählt wrrrde, noch Herr May und Herr Dr. Winter als Kassierer bezw. Bibliothekar hinzugewählt. Die Sitzungen der Vereinigung finden regelmäßig am Donnerstag nach dem ersten jedes Monats, abends 9x/4 Uhr im Restaurant Simon, Gipsstraße 12a statt und zwar die nächste am Donnerstag, den 7. Februar, in der Herr Dr. M. Auerbach über „Zweck und Methode des Unterrichts der jüdischen Religionsvorschristen" einen Bortrag halten und Herr Dr. Bleichrode über den von ihm heransgegebenen neuen Siddur referieren wird. E. R. Berlin, 27. Januar. Auch die heutige Sitzung der Repräseutanten-Versammlung drr jüd. Gemeinde verlief im Allgemeinen ruhig. Zunächst wurde eine Vorlage betr. Bau der Synagoge Fasanenstraße zur Kenntnisnahme gebracht, bl i welcher Justizrat Dr. Veit Simon die Bemerkung machte, daß die Syrmgoge in der Artilleriestraße die schönste von allen sei, die in letzter Zeit gebaut worden seien. Der verstorbene Herr Maurermeister Josef Fraenkel hat 12 000 M. zur Errichtung einer Bettstiftung für die Alterversorgungsanstalt letztwillig hinterlassen, dieselbe Summe eitie Frau Henriette Meyerstein. — Dem Verein Tiergarten-Synagoge an der Potsdamer Brücke, welcher 5000 M. Subvention gefordert hatte, wurde nur die alte Summe von 2000 M gewährt. — Es folgten dann die Rechnungsabschlüsse des Krankenhauses und der Synagogen für 1905/6, welche sämtlich dechargiert werden. Eine Ausgabe für den Religionsunterricht von zwei Proselyten wurde bewilligt. Ich füge noch hinzu, daß Herr Weinberg verschiedene Klagen über die Zustände in der Synagoge Kaiserstraße vorbrachte. Der Vorstand versprach Abhilfe. _ Breslau, 27. Jan. Dem hiesigen Magistrat ist ein auch an die Stadtverordnetenversammlung gerichtetes Gesuch um Einführung der völligen Sonntagsruhe imHandlsgewerbe zugegangen. Diests Gesuch hat der Magistrat dem Stadtverordnetenkollegium mit dem Anfügen übermittelt, daß nach 8 105 6 der Novelle zur Reichsgewerbeordnung vom 1. Juni 189 l durch Ortsstatut für alle oder einzelne Zweige des Handelsgewerbes die Beschäftigung von Gehilfen und Arbeitern beschränkt oder ganz untersagt werden kann. Gleichzeitig hat der Magistrat die Handelskammer um ein Gutachten in dieser Angelegenheit ersucht, um sich nach dessen Eingang über seine Stellungnahme schlüssig zu machen. — Die hiesige Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde, die sich auch bisher durch besondere Rührigkeit ausgezeichnet hat, wird gewiß nichts versäumen, um von den den Sabbat beobachtenden Betrieben eine etwaige Gefahr fernzuhalten. Gießen, 24. Januar. Die israelitische Religionsgemein dezuBad-N au heim hatte die Inhaber dreier Frankfurter Firmen die sämtlich zu Bad-Nauheim während der Saison offene Ladengeschäfte betreiben, mit einem Einzugsgeld von je 100 Mk. herangezogen und zwar auf Grund des § 1 ihrer Statuten, wenach „jeder auswärtigeod er vorübergehend in Nauheim ansässige israelitische Geschäfts- Rr. 3. Seite 7. Inhaber, der in Bad-Nauheim während der Saison ein Geschäft betreibt, oder durch angestelltes Personal betreib n läßt einerlei, ob der Wohnsitz des Geschäftsinhabers in Bad-Nauheim oder auswärts sich befindet", mit einem solchen Einzugsgeld herangezogen werden kann. Die Firmeninhaber bezahlten zwar die Beträge, um der Zwangsvollstreckung aus dem Wege zu gehen, ließen aber gleichzeitig bei dem Kreisausschuß des Kreises Friedberg Klage auf Rückzahlung und Befeiung von derartigen Beiträgen einreichen. Der Kreisausschuß wies die Klage mangels Zuständigkeit ab. Gegen diese Entscheid!,ng rekurrierte der Pertreter der Kläger an den Provinzial- Ausschuß. Dieser entschied heute, daß der Rekurs als unbegründet kostenfällig a bznweisen sei. Rußland. Moskau, 23. Januar. Es ist gestattet worden, zeitweilig hiesigen jüdischen Kaufleuten Gewerbescheine für das Jahr 1907 ohne den polizeilichen Nachweis der Berechtigung zum Aufenthalt und zum Betreiben eines Handels auszuhändigen. Die Anordnung bleibt in Kraft, bis die Entscheidung über diese Frage im Senat gefällt sein wird. Petersburg, 19. Januar. Nachdem die Untersuchung rcegen des an dem hiesigen Stadthauptmann verübten Mordes festgestellt hat, daß der Mörder kein Jude ist, hat sich die Petersburger Gemeinde an den Ministerpräsidenten Stolipin mit der Bitte gewandt, er möge die gegenteilige falsche Meldung der Now.-Wremja offiziell richtig stellen. (f&nglatib. London, 25. Januar. Der Katastrorhe in Kingston auf Jamaica ist auch eine Anzahl jüdischer Einwohner zum Opfer gefallen. Besonders schwer wurde die Familie Motta betroffen - dieselbe hat nämlich fünf ihrer Glieder bei dem Unglück verloren. Am vergangenen Sabbat besprach der Chief Rabbi Dr. Adler in der Brighton- Synagoge das furchtbare Elementarereignis und forderte die jüdische Bevölkerung auf, sich an den in London eingeleiteten Sammlungen zu Gunsten der Bewohner von Kingston eifrig zu beteiligen. $vatxkveiüj. Paris, 25. Januar. Wir haben s. Z. berichtet, daß sich hier eine sogenannte „Liberale Gemeinde" gebildet hat, die nach Art der Berliner „Reformgemeinde" einen besonderen Sonntagsgottesdienst einführen will. Die Sonntagsgemeinde hatte sich an das Pariser Konsistorium mit dem Ersuchen gewandt, man möge ihm eine der vorhandenen Synagogen für ihren Gottesdienst überlassen. In seiner letzten Sitzung beschäftigte sich das Konsistorium mit diesem Antrag, und der Vorsitzende, Baron Edmond de Rothschild trat mit aller Entschiedenheit gegen das Verlangen der Petenten auf. Er erklärte, er werde das Amt des Präsidenten nie erlegen, wenn die Forderung bewilligt würde. Die Wärme, mit der Baron Rothschild gegen die unjüdischen Bestrebungen der Sonntagsgemeinde seine Stimme in die Wagschale warf, verdient die dankbare Anerkennung aller derer, die es mit dem Judentun, ehrlich meinen. Rumänien. Bukarest, 22. Jan. " Die Jewish Colonisation Affociation hat, da die Emigration aus Rumänien im letzten Jahre an Stärke bedeutend zurückgegangen ist,ihr hiesiges Auswanderungsb ureau geschlossen. Der bisher dafür bestimmte Fond wird jetzt für die russischen Auswanderer verwendet werden. Im Jahre 1906 haben 4000 Juden ihre rumänische Heimat verlassen. Die Gesamtzahl derer, die seit dem Beginn der Emigrationsbewegung aus dem Land gezogen find, beträgt 7000.