Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1907)
- Date
- 1907-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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WMWM 31. Januar 1907. Der Israelit. Seite 5. Rr. 5. frucht, von Tau, und vom Erdgrund, der tief irnten lagert, von Frucht der Sonnenspenden und von Frucht des Mondentriebes". Die Schrift spricht es hier klar aus, „daß das Schaffen der Natur kein bloßes mechanisches Produkt der Naturordnung, sondern dem Walten und dem Segen Gottes zu verdanken sei". Und wenn der Chamischoh-Osor des Schewat uns kündet, daß für die Baumfrüchte des „vierten" Jahres die Zeit gekommen sei, sie zu einer „Weihung zur Lobpreisung" zu machen, so mahnt er uns eben dadurch, das Bekenntnis abzulegen, daß der Ertrag der Obstbäume, die ja als besonders vorzügliche Gottesgeschöpfe zu betrachten sind („Du sollst ihren Baum nicht verderben, denn von ihm issest Du"), uns nicht zu Teil geworden durch eigene Kraft, nicht das zufällige Produkt einer sinnlos mechanischen Heltordnung ist, sondern durch den Segen Gottes entstanden ist, durch das Wirken der von dem Schöpfer in die Natur gelegten Kräfte. Und der denkende Jehudi wird am Chamischo- Osor durch den Segensspruch vor dem Genüsse der herrlichen Gottesgaben „die zu genießenden Früchte Gott als dem Schöpfer huldigend zu Füßen legen",, freudig bekennend, daß er in den Rätseln des Lebens nuf dem Erdball das Wirken Gottes erkennt. Selbständigkeit und Einheitlichkeit der Forschungen Samson Raphael Hirschs ts*. An feinem JaHrzeitstage, 27. Teweth, 5667. *) Von I. Talmioo. In einem jüngst im Israelit erschienenen Artikel über Bernays wird wiederholt von den Beziehungen des Ehacham zu Hirsch gesprochen. Ich möchte das zum Anlaß nehmen, am Jahrzeitstage Hirschs die schon verschiedentlich aufgestellte Behauptung von einem wesentlichen Einfluß des Ehacham oder eines anderen Zeitgenossen auf Hirschs einheitliche und selbst erarbeitete Forschertätigkeit auf ihre Richtigkeit zu untersuchen. Wie mir nun ein durch gründliches und bedächtiges Geschichtsstudium wohlbekannter, von mir hochverehrter Herr im Briefwechsel bezw. mündlich bestätigt hat, besitzen wir — was in dem erwähnten Artikel übrigens en passant ebenfalls angedeutet wird — vom seligen Ehacham fast überhaupt keine schriftlichen Dokumente, jedenfalls keine solchen Arbeiten, die uns von seinen Auffassungen, geschweige von einem Gedankensystem Kenntnis geben, sodaß man daraus Nachweisen könnte, was,Hirsch etwa von den Anschauungen Bernays' benützt o8er weitergedächt habe. Wohl aber wird jeder wissenschaftlich Urteilende in Hirschs Werken unschwer ein einheitliches Gedankensystem erkennen, wenn auch dies System der methodischen Zusammenfassung noch harrt. Daß dies Gedankensystem Hirschs selbstständige und originale Forscherarbeit ist, die weder auf des Ehachams Einfluß noch auf dem eines andern Zeitgenossen Hirschs basiert, soll deshalb einmal öffentlich konstatiert werden. Und zwar für heute zunächst aus den Bekenntnissen, die Hirsch selbst über sein Forschungswerk in diesem niedergelegt hat. Was sein Verhältnis zu Bernays anlangt, so hat Hixsch selbst — der Ausspruch wurde auch von Herrn R. B. zitiert — darüber klar und deutlich in seinem Kommentar zum Vvn geäußert: „Uebrigens steht mein Kommentar auch mit dem, was ich aus dem belehrenden und geistweckenden Umgang mit Bernays zu schöpfen so glücklich war, in keiner näheren Beziehung als der allgemeiner Anregung »und des vorleuchtenden Strebens, die Hallen der min mit dem Durst nach Erkenntnis zu betreten. Was ich Wahres oder Thörichtes auf diesem Wege gefunden und in meiner Arbeit niederzulegen gewagt, habe ich, wo ich keinen Urheber zitiere, vor Gott und Welt allein zu vertreten." Daß, was hier in Bezug auf den Pentateuch- Kommentar gesagt ist, auch auf alle anderen Werke von Hirsch . zutrifft, braucht für jeden Kenner der Einheitlichkeit des Hirsch'schen Gesammtschaffens keines weiteren Beleges. An derselben Stelle spricht S. R. Hirsch das lapidare Wort: „Nur ein Tor will in allem Original sein nnd sucht seinen Ruhm darin." Mögen sich also einzelne Erklärungen Hirschs schon anderwärts finden, -ja mag selbst die eine oder andere seiner Auffassungen, wie ich zu glauben wage, revisionsbedürftig oder sogar unzutreffend sein — was verschlägt das an dem Ruhme seines einheitlichen Gesamt- Forschungswerkes, an dem, was das Hi rsch'sche System zu nennen ist, wenn dieses auch, wie gesagt, noch nicht methodisch zusammengestellt ward. Wir sprechen von einem Kant'schen System. Auch Kant, wie. jeder große Entdecker im Reiche des Geistes und der Wissenschaften, hängt mit Vorgängern zusammen. Allein wer N e u l a n d entdeckt hat, dem wolle man nicht mit der unbewiesenen Behauptung zu nahe treten, er habe die Gedanken Anderer ausgeführt. Was in dieser Hinsicht Hirschs Forschungsarbeit anlangt, so ist der wissenschaftliche Nachweis aus seinen Werken selbst zu führeu. Und er wird, abgesehen von Hirsch's eigenen Bekenntnissen — wenn auch erst in der Zukunft zu erwarten — sehr wohl dahin zu führen sein, daß die Weltanschauung Hirschs eine einheitliche und daß sie selbständig erarbeitet ist. Dabei wird denn auch zu erörtern sein, warum Hirsch, anstatt seine Forschungen in einem großen systematischen Werke niederzulegen, sich entschloß, die Ergebnisse seiner Studien gleich „praktisch" in seinen Kommentarien anzuwenden. Hirsch wollte mit dem von ihm als wahr Erkannten schon seiner Zeit nützen. Mochten ihn Oberflüchkeit und Zunftdünkel für „unwissenschaftlich" halten. Im Anschluß an obige Darlegungen möchte ich noch eine zweite Aeußerung von Hirsch — an die m. W. zum ersten Male hier erinnert wird — über die Selbständigkeit seiner Forschung aus seinen Werken zur erwägenden Kenntnißnahme beibringen. Im letzen der „"Neunzehn Briefe" (S. 115, Ausg. 1839) schreibt Hirsch: „Ich habe den Weg zum Aufbau des Judentums als Wissenschaft fast allein gemacht. Nur die kleinere, leichtere und licht gere Hälfte geleitete mich ein treuer Freund als Genosse: und nur ein Stern schwebte mir Anfangs leitend vor." Wer dieser Freund und Genosse war, feftzuftellen, wäre ein verdienstvoller Beitrag zu Hirschs Biographie. Ob dabei an „Simeon" — aus dem ersten Hirsch'schen Briefwechsel' VlHSl — zu denken ist, der wohl keine fingierte Person und ein Kaufmann war, da in dieser Korrespondenz einmal seiner „koniptoirgeschäftigen Feder" Erwähnung geschieht, stelle ich als eine bloße Vermutung dahin. Wohl von größerem Belang würde der bündige Nachweis sein, wer mit dem „Stern" gemeint ist und ob man dabei an den Ehacham zu denken berechtigt sei, natürlich im Sinn des ersten zitierten Hirsch'schen Bekenntnisses, also im Sinn der „allgemeinen Anregung" und des „vorleuchtenden Strebens". Wie für die Originalität, so möchte ich auch für die Einheitlichkeit der Hirsch'schen Forschung auf eine Aeußerung (wo sich die Aeußerung findet, ist mir im Augenblick nicht erinnerlich) von ihm selbst Hinweisen. Hirsch spricht an dieser Stelle davon, daß, um Bedeutung und Wesensart des Judentums und seiner Gesetze zu finden, es gelte, bis zum Kern oder einem tiefsten Punkte einzudringen: von da aus ergäbe sich dann schon leichter die Bedeutung der Einzelbestimmungen, eine aus der andern. Auch diese Aeußerung Hirschs bekundetdaß seine Forschungen auf einem bewußt-einheitlichen und selbständigen systematischen Vorgehen beruhen. Wer Hirsch nach diesem Gesichtspunkt studiert, wird kaum ein Ueberschwänglichkeit darin finden, den Meister V'r mit jener von Secharjah geschauten Tempelleuchte zu vergleichen, die ihre Lichtquelle in sich selber trägt. Hirsch hat seine Jdeengänge bis zum Grunde selbst ausgedacht. Seine Erklärungen sind zuiveilen intuitiv; vornehmlich aber sind sie Ergebnisse eingehendster wissenschaftlicher Forscherarbeit, die der oberflächliche Blick freilich kaum ersieht. Gegenstand dieser Forschung ist das Judentum. Aber erkannt lediglich aus seinen eigenen Ouellenschriften also aus T'nach, Schaß und Poßkim. Als Beleg für die Richtigkeit seiner Forschungsresultate stellt ihnen Hirsch die Anschauungen und Aussprüche unserer Ehachomim und älterer Kommentatoren gegenüberihre Auffassung ist aber bei Hirsch zu neuem Leben erweckt und durch eine geniale psychologisch-vertiefte Uebertragung dem modernen Empfinden nähergerückt. Vieles von H.'s Forschungen und ihren Ergebnissen, insbesondere in seinen Erklärungen der symbolischen Gesetze, Opferhandlungen und Tempelgeräte muß aber als etwas seit der Zeit der Diaspora wohl ganz einzig Dastehendes, Neues bezeichnet werden. Denn es sind das nicht unzusammenhängende Einzelerklärungen, sondern die Erklärung für jeden Gesetzes- und Symbol-Komplex bildet eine Einheit. Und alle zusammen machen ein einheitliches System' aus-wie der göttliche und heilige Gegenstand dieser Erklärungen selber. Dies alles kann hier und heute nur in flüchtigen Strichen an gedeutet werden. Der erschöpfende wissenschaftliche Nachweis für die Originalität und Einheitlichkeit der Hirsch'schen Forschungen ist aus seinen gesamten Werken zu führen: er ist, wie schon erwähnt, ohne die Zeugnisse der hier beigebrachten eigenen Aeußerungen Hirschs möglich und notwendig. Wenn man sich erst ernstlicher, als es bisher meistens geschah, mit S. R. Hirsch wird auseinandergesetzt haben, wird dieser Nachweis seinen Autor finden. *) Wegen Raummangels verspätet. und Eachrichten. orrespondenzen Deutsches Reich. Berliner Brief. E. B., 22. Januar. Auf die Gefahr hin, Ihre Leser zu langweilen, muß ich auf das Thema „Rabbinerversammlungen" hier nochmals zurückkommen und mit den „liberalen" Rabbinern mich notgedrungen noch einmal befassen. Also, ich muß mich zuvörderst dementierendie Herren haben es, entgegen meiner wohlwolleitden Voraussetzung, doch für gut befunden, von ihrer Taten Größe und Inhalt der staunenden Mitwelt gebührend Kenntnis zu geben und die „A. Z. d. I " zum Herold ihres Ruhmes gemacht Den breitesten Raum in diesem Berichte nehmen die Familiennachrichten ein, die außer den Herren selbst und ihren Freunden sonst noch. schwerlich jemand interessieren. Den Clou der Veranstaltung bildete offenbar der „mit großem Beifall aufgenommene" Bortrag des Herrn Dr. Silberstein-Elbing, der dem Anscheine