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Der Israelit · 1907-01-31 · Heft 5 (31.1.1907) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 5 (31.1.1907)
Date
1907-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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31. Januar 1907. Der Israelit. Sette 3. Nr. 5 Lbamirrcho-Oror Im Cfcbte der naturwi$$en$cb<m. Bon Seminaroberlehrer Int. StoU in Würz bürg. Während der grimme Nordost die Gegenden Mitteleuropas noch mit allen Schauern eines strengen Winters heimsucht, hält in den südlichen und östlichen Mittelmeerländern schon der Frühling seinen Einzug. In jenen anr Südrande der gemäßigten Zone gelegenen Landstrichen, denen auch Palästina, das Land unserer Sehnsucht, angehört, hat die Sonne anfangs Februar einen solchen Höhenstand am Firmament erreicht, daß mit Beginn des Monats Schewat alle Spuren eines kurzen Winters getilgt sind und die warme Frühlingssonne überall neues Leben hervorzaubern kann. In saftig grünen Tälern hoben Frühlingsboten aus dem Reiche Floras längst den ersten buntfarbigen Teppich gewirkt. Ueber grünende Saaten gießt die Sonne ihre Strahlenfülle, um dann auf umso längere Zeit hinter grauen Regenwolken sich verbergen zu können. Ueber waldumrahmten Seen liegen blaue Schleier, die die Sonnenkraft aus Dunst gewoben. Bald trägt der Wind vom Meere herüber Gewölk, das die Landschaft einhüllt. Es ist wiederum dip Sonne, die das Wasser des Meeres zu den Wolken emporzieht, die Wochen hindurch die unter der Strahlenglut der Sonne durstig gewordene Ebene mit ihren Regenschauern erquicken. Ueberall die Sonne! Mit der ungeheuren Kraftmenge, die ihre Wärmestrahlen ununterbrochen dem Erdball zuführen, bewegt die Sonne die atmosphärische Maschine und hebt damit ganz gewaltige Lasten — das verdunstende Wasser — bis zu den Wolken hinauf. Die wieder herabstürzenden Wassermassen arbeiten beständig an der Ausgestaltung der Erdoberfläche, indem sie die Gebirge abtragen und die Meere wieder ausfüllen mit dem in die Tiefe beförderten Erdreich, und alle diese Arbeit verrichtet ausschließlich die Sonne. Nur einen ganz kleinen Bruchteil dieser Kraftfülle benützen wir, indem wir z. B. vom Niagara, der rechnungsmäßig eine Kraft von 17 Millionen Pferdestärken in der Sekunde entwickelt, verschwindend kleine Wassersträhne abzweigen, die in ihrem Fall genügen, um ganze Städte mit elektrischem Licht zu versehen. Nicht nur die große atmosphärische Maschine bewegt die Sonne, sie greift überall in die mikroskopisch kleinsten Maschinen der Organismen ein und verrichtet dort wahrhafte Wundertaten. Ohne Sonnenlicht und Sonnenwärme könnte keine Pflanze gedeihen. Die Sonne bewirkt die Reife der goldenen Aehren, deren Mehl uns nährt, sie schenkt uns „Most und Oel" und vieles Schöne und Köstliche in Fülle. Die Sonne reinigt die veratmete Lust in den molekularen Maschinen der Pflanzeuzellen auf uns unerklärliche Weise, indem oie grünen Blätter die aus unfern Lungen kommende Kohlensäure einatmen und daraus den Sauerstoff, unsere Lebenslust, abtrennen und uns zurückgeben. Welch unermeßliche Arbeit leistet die Sonne auf diese Weise rings um die Erde, herum, indem sie ihr den wundervollen grünen Teppich wirkt! Ueberall die Sonne! Und doch ist sie, die gewalttge Herrscherin auf dem Erdball und im Himmelsraume, uns Erdbewohnern unerreichbar fern! Unmittelbar eingreifend in all unsere Lebensregungen und doch ungreifbar und fast unsichtbar — denn sie straft den Allzukühnen, der es wagt, sie änzuschauen, mit Blindheit, daß er es nimmer wagen kann — scheint sie nicht eine Gottheit selbst? Und sie war das Symbol der Gottheit, zu der alle Heidenvölker beten. Unter allen Dingen der Welt gibt es nichts, das. so mächtig eingreift in das Naturgeschehen, und darum konnte der naive Glaube aller Naturvölker sie für die Gottheit selbst halten, die der Mensch, tief zur Erde gebeugt, verehren sollte. Wenn darum die warme Frühjahrssonne am Himmel Palästinas ihre Kreise wieder größer und höher zu ziehen begann, da sollte der Landmann, der mit tausend frohen Hoffnungen dem Wiedererwachen des Lebens in der Natur entgegenblickte, daran erinnert werden, daß die Sonne selbst nicht das allgewaltige Wesen im Himmelsraume ist, sondern daß der Sonnenball, wie sein Name — „Schemesch" (der „Diener") — schon kündet, nur das Werkzeug in der Hand eines Höheren ist, der durch diesen Diener tausendfältige Wohltaten spendet: „Der Ewige, Dein Gott, bringt Dich... zu einem Weizen- und Gerste-, Wein-, Feigen- und Granatapfellande, zu einem Oliven- und Dattelland. . . Issest Du dann und hast Dich gesätttgt, so segne den Ewigen, Deinen Gott, für das gute Land, das er Dir gegeben." Wie S. R. Hirsch s. A. zur Stelle richtig bemerkt, gehören die sieben Fruchtgattungen in der Reihe, in der sie genannt werden, immer wärmeren Klimaten an: Wein, Feige und Granatapfel sind Bewohner der gemäßigten Zone, Oelbaum und Dattelpalme haben ihre Heimat in der heißen Zone. Alle köstlichen Gaben des Feldes, die die Sonne in den verschiedenen Erdstrichen reift, finden sich vereinigt auf dem Boden Palästinas. Die Fülle der Fruchtbarkeit als den Ausfluß des besonderen Gottessegens anzuerkennen, will das Bibelwort mit seiner Mahnung, „Gott zu segnen für das gute Land", uns lehren. Und wenn täglich der Sonnenball seine segenspendende Arbeit aufs neue beginnt, so erkennt der gottesgläui ige Ackerbauer täglich aufs neue die Existenz und die Allmacht desien, der durch Licht und Wärme die Früchte des Feldes reifen läßt. Und wenn im Jahreslaufe die licht- und wärmespendende Sonne im Monate Schewat ihre Segenfülle aufs neue auf das von Gott begnadete Land herabschüttet, da soll sein Bewohner sich erinnern, daß der Baum des Feldes, den er gepflanzt, nur gedeihen, blühen und köstliche Frucht bringen kann, indem die von Gott in die Natur gelegte Schöpferkraft in ihm lebendig und wirksam geworden. „Am 15. Schewat ist die Jahreswende für die Baumpflanzungen." „Wenn ihr . . einen Baum zum Fruchtgenuß pflanzet, so sollt ihr, während einer ihn eurem Gebrauch entziehenden Zeit, in Beziehung auf seine Frucht im Gebrauche gehemmt sein. Drei Jahre soll sie euch nur im Gebrauche gehemmt zustehen, soll nicht genossen werden." Wenn aber die vierte Jahreswende sich vollzogen, deren Zeitpunkt nach der Ueberlieferung durch den hamischa-Offor Schewat bestimmt ist, so „soll in diesem vierten Jahre all seine Frucht eine Weihung zur Lobpreisung für Gott sein." Klingen diese Worte nicht wie ein Protest gegen die Auffassung des Naturwaltens im Sinne jenes Mechanismus, der die Welt als eine aus sich selbst heraus, durch Zufall gewordene und funktionierende Maschine anspricht, deren Räder durch die alles beherrschende Sonnenkraft im Gang gehalten werden? Und dieser Protest richtet sich sowohl gegen die Anschauung der alten Naturvölker, die in der Sonnenkraft das Symbol der Gottheit verehrten, als gegen die moderne Naturphilosophie, die glaubt, mit ihrer Maschinentheorie auch alle Lebenswunder im Weltall erklärt zu haben. Sinnloses Walten der Materie, zufälliges Aufeinandertreffen blind waltender Energien, sollen die Ursachen des in der organischen Natur pulsierenden Lebens, Kraftwirkungen der toten Materie, wie sie der Sonnenball in den Weltenraum hinaussendet, sollen die Triebfeder und einzige Ursache der um den Erdball mächttg wogenden Lebenswelle sein. Wie die Materie aber Leben erzeugen kann, das bleibt Geheimnis trotz aller fein ausgeklügelten Theorien von der „Entwicklung in Jahrmillionen", vom „Kampfe ums Dasein" und wie die Schlagworte derBer-' fechter „des sinnlosen Mechanismus" im Weltgetriebe alle lauten mögen. Die Bibel will uns die Rätsel des Lebens nicht erklären, ebensowenig wie sie das Wesen und Sein Gottes unseren Sinnen wahrnehmbar machen will. Eins bleibt so unerklärlich wie das andere — aber das Vorhandensein der Lebenswunder soll das Vorhandensein eines unfaßbar „Wunderbaren" nahe legen, indem wir von der sür uns wunderbaren Wirkung auf den für uns wunderbaren Urheber schließen. gütigen, der ihn so gnädig beschützte, ßv verschenkte alsbald eine größere Summe ätt Arme, vor allen an die Hinterbliebenen des unglücklichen Reisenden Sttatt und traf die Bestimmung, daß stets einer seiner Nachkommen sich dem Amt eines Mohel widmen solle. Die Anordnung des gottesfürchtigen Mannes ist mehrere Generationen hindurch befolgt worden. Ob das heute noch der Fall ist, weiß ich nicht. Die mir bekannten Abkömmlinge R. Mendels haben allerdings mit dem Judentum nicht mehr viel gemein. Ab$cMcd. Es war beschlossen und entschieden, ich mußte den mir liebgewordenen Ort meines Aufenthaltes verlassen. Die Hoffnung auf eine „diras kwah“, eine beständige Wohnung, sie war zu Nichte geworden an der Gewalt von Tatsachen, gegen die es kein Ankämpfen gab und wieder mußte ich zu mir selbst sprechen: „Lech lecho“ Gehe! Nun die Vorbereitungen getroffen und der Tag der Abreise festgesetzt war, geht es ans Abschiednehmen. Abschied von Freunden und Bekannten, von nahen und iernen Verwandten, Abschied von der Arbeitsstätte, Abchied von den liebgewordenen Stätten des Gebets und •er Versammlung. Noch einmal erinnern wir uns, daß wir diesen Bau nach dem Maße unserer schwachen Kräfte mit aufgerichtet haben, daß wir ihn erwartet und ersehnt, daß wir sein Fortschreiten vom Beginne an mit Interesse verfolgt und baß wir uns an seinem Bestände erfreut haben, so oft wir ihn betraten. Es kam der letzte Sabbath im alten Heim, es kam die Stunde des Abschieds von der Stätte des Gebets. Und wie nimmt der Jude Abschied von dieser Stätte, die in Wahrheit die „diras kwah“ ist, der „beständige" Ott nicht für die, die ihn betreten, sondern beständig für das das man bott fpttcht, und bas zu uns gefpWchen wird? Man wird „aufgerufen", man fpttcht zum letzten Male von der „Redestätte" aus das Wort, daß: Gott uns erwählt hat von und vor allen Nationen, daß Gott uns seine Thora gegeben hat, und der „Kore", der „Sprecher", liest von der Errichtung der Stätte, denn es ist Sabbath Lhanukah, von der ersten Errichtung, die uns erinnert an die dritte Errichtung nach empörendster Entweihung. Man sollte in diesem Zusammenhänge erwarten, daß die Haftara von der Einweihung des Salomonischen Tempels spräche, aber dem ist nicht so: die erste und die dritte Einweihung find Marksteine in der Geschichte des Volkes, die zweite gehött in die Geschichte der Herrscher, und obwohl Herrscher sein müffen, so warm sie doch immer geschieden vom Volke. — Auch dieses ist beendet, und es beginnt die so unendlich kluge und weisheitsvolle Einrichtung des „Mischeberach". Allerdings in der heutigen Zeit in welcher unter Umstanden sogar die weltliche Behörde ihren Arm leiht, um die „Kultusmitglieder" an ihre Pflichten zu erinnem, da mag es dem „Modemen" oder dem sonst Außenstehenden eine sonderbare Einrichtung erscheinen, daß man öffentlich Spenden gelobt, deren Bestimmung mehr oder weniger scharf geregelt ist, und da bekanntlich die theoretische Heiligung des Sabbaths um so größer ist, je mehr man fich von der praktischen Heilighaltung mtfernt, so empfinden es manche Leute als unästhetisch und unpassend, seine Freigebigkeit in Mark und Pfennigen öffentlich melden zu lassen, und in den liberalm Gemeinden hat man ja diese Einrichtung längst abgeschafft. Bedenkt man aber, wie wie in stüheren Zeiten der ganze Bettteb einer jüdischen Gemeinde auf Freiwilligkeit gestellt war, wie die weltliche Obrigkett in gar keinem glle mit den inneren Angelegenheiten der Gemeinde le beschäftigt werden durste, wie auf der anderen ite doch fich die menschliche Natur nicht verleugnet und ein Jeder, mag e» so groß oder so llein sein, wie nur einer, doch dafür empfänglich ist, baß sein Name seiettich genannt werde, so begreift man die Feinheit dieser Ein' richtung, deren Kem weiter nichts besagt als daß „Gott den N. N. segnen möge, weil ick die oder jene Gabe zu spenden mich öffentlich verpflichte." Und so sagt, wer Abschied nimmt von dem Otte seines Aufenthaltes, seinen Dank der Gemeinde, die ihn ausgenommen und deren Mitglied er war, in der Weise, daß er Gottes Segen erbittet für die Führer und die Lehrer der Gemeinde, und daß er Spenden gelobt für die Gemeinde und ihre Institutionen und auch für das Heilige Land, welches ja auch zu den Jnstituttonen gehött, denen - jede Gemeinde ihr Interesse zuzuwenden hat. So ist der Abschied, so ist aber auch der Empfang. Auch die neue Gemeinde nimmt mit offenen Armen jeden auf, der fich ihr zurechnet, und noch ehe man seinen Steuersatz kennt, ruft man ihn zur Thora, und wieder erbitttt der Gerufene den Segen Gottes über die Gemeinde und ihre Leiter. Möge Gott diese Bitte erhören, wie er diejenige nach einem ständigen Wohnsitze, nach dem Ende der Wanderschaft erhören möge, dem Ende der Wanderschaft des Einzelnen wie der Gesamtheit v' Jisroel jischkaun lowetach! R. J. E. (Die Degqendorser i. I. 1337 und der Verein Bay rwald). Die Ktrchenchronik der Stadt Deggendorf erzählt ungefähr folgende Geschichte: Im Jahre 1337 wußten sich die Juden von Deggendorf heilige Hostien zu verschaffen, die fie zu peinigen und zu vernichten suchten. Sie kratzten und durchstachen die Oblaten, so daß fie bluteten und in strahlendem Glanze ein kleines Kind (der J.-Knabe) über den Hostien erschien. Auch verschlucken und verbrennen wollten fie die Gegenstände ihres Hasses, aber es gelang nickt. Da Watten fie die unverwundbaren Hostien in einen Brunnen. Aber die Helligtümer stiegen von selbst wieder aus dem Brunnen empor und ließen fich in dem Kelch eines Pttesters nieder. Daraufhin wuÄe die gesamte Jubenheit unter Mhrung

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