Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1907)
- Date
- 1907-01-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jsraeku Skr. 4. St. Januar 1SV7 leUen IS Jahren 75,000 Exemplare des ReformgeoetbuchÄ in Amerika abgesetzt worden sind. New-Aork, 16. Januar. Wie bereits kurz gemeldet, hat Staatssekretär Straus eine Kommission zur Prüfung der Verhältnisse in den ««decken der Dampferlinien eingesetzt. In egründundung, die der Staatssekretär seinem Erlasse beigegeben hat, heißt es n. a.: „Seit dem Erlaß des Gesetzes von 1882 hat der Umfang der Ozeandampfer dank der ausgedehnten Anwendung von Stahl ungeheuer zugenommen, so daß die Verhältnisse sich seitdem in jeder Beziehung veränderten. Im letzten Jahre sind über eine Million Zwischendeckpassagiere herübergekommen und im Jahre vorher 300 000 solcher Paffagiere abgereist. In der Stadt NewAork allein kamen im letzten Jahr 880000 Einwanderer an. Die Schiffsakte von 1882 entsprechen in verschiedenen Einzelheiten nicht den gegenwärtigen Berhältniffen des Schiffsbaues und des oceanischen Reiseverkehrs. Nach meiner Ansicht ist es dringend nötig, daß die Vorschriften revidiert und den modernen Anforderungen angepaßt werden. Einige der vorgesehenen Strafen sind übertrieben hoch, andere dagegen viel zu milde. So wurde beispielsweise im vorigen Jahr ein Kapitän mit 19000 Dollars bestraft, weil er einige formale Verstöße gegen untergeordnete Bestimmungen des Gesetzes begangen hatte, während dagegen ein unverantwortlicher Mangel, wie das Fehlen eines Chirurgen an Bord eines Dampfers mit 2200 Zwischendeckpassagieren durch eine Strafe von nur 250 Dollars geahndet wurde." Eine Revision des Gesetzes wird zweifellos irr erster Reihe den unglücklichen russischen Auswanderern zugute kommen. Vielleicht bleibt dann die günstige Wirkung auf die deutschen Dampfer nicht aus, bei denen bekanntlich noch bis vor kurzem über schlechte Behandlung der Zwischendeckpassagiere lebhaft geklagt worden ist. Newyork, 14. Januar. Die dem Senate noch aus der vorigen Session vorliegende Novelle zur Einwanderungsbill ist jetzt nach langer Kommissionsberatung in eine Form gebracht worden, welche ihre Annahme im Hause sicher erscheinen läßt. Danach sollen in den europäischen Auswan d erungshä fen amerikanische Kommissionen niedergesetzt werden, die vor der Einschiffung der Auswanderer über ihre Aufnahme in den Vereinigten Staaten entscheiden sollen. Die Kommissionen sollen aus Aerzten bestehen und der Bildungsgrad des Auswanderers durch die amerikanischen Konsulate festgestellt werden. Die Dampfschifffahrtsgesellschasten würden natürlich die von den Kommissionen als „untauglich" Befundenen gar nicht mehr befördern. Oermiscdter. Hannover, 15. Jan. Die Frage, ob in Hannover jüdische Kinder in der jüdischen Religion unterrichtet werden müssen, die kürzlich vom Schöffengericht Hannover bekanntlich verneint ist, wurde Mittwoch vom Landgericht bejaht. ie wird nun zur Entscheidung vor das höchste Gericht gebracht werden, und wenn sie auch dort bejaht wird, will man die Verneinung im Wege der Gesetzgebung herbeizuführen versuchen. Bankier t. in Hannover wird beschuldigt, sich der Uebertretung des § 125» des Hannoverschen Polizeistrafgesetzes in Verbindung mit den §8 1, 2 3, der Hannoverschen chulordnung für die jüdischen chulen vom '». März 1854 dadurch schuldig gemacht zu haben, daß er seinen ohn seit Beginn der chulpflicht den jüdischen Religionsunterricht ohne Entschuldrgung harte versäumen laffen. t. läßt ihn auf dem hiesigen Lhceum l in allen Fächern, auch in der christlichen Religion, unterrichten. Das Landgericht Hannover, das jurni Ausdruck brachte, daß die Rechtslage im vorliegenden Fall eine äußerst schwierige sei, gelangte zu der Feststellung, daß die alten Gesetze noch uneingeschränkt in Kraft und nicht durch neuere Gesetze aufgehoben seien. Es erachtete den Angeklagten der Ueoerlretung im inne der Anklage für schuldig und verurteilte ihn zu 2 Mk. Geldstrafe. Br es! au, 20. Januar, Anläßlich seines 25jährigen Bischofjubiläums hat die hiesige ynagogengemeinde den Kardinal Kopp, der auch den Juden gegenüber immer seine Vorurteilslosigkeit bewiesen hat, eine Glückwunschadreffe übermittelt. .. . Luckenwalde, 18. Januar. Vorige Woche beschäftigte sich die Stadtverordneten-Bersammlung mit dem Antrag, däS Schächten im hiesigen Schlachthof zu verbieten. Nur der erste Bürgermeister trat für den Antrag ein und berief sich dabei auf eine im Schlachthaus veranstaltete Probeschlachtung. Wie von Stadtverordneten, die dabei zugegen gewesen waren, festgestellt wurde, hatte der - chlachthofdirektor alle Mittel angewendet, um den Akt, der an sich die humanste Tötungsart ist, als möglichst „grausam" erscheinen zu laffen. Die tadtverordneten- Bersammlung war jedoch nicht gesonnen, die jüdischen Mitbürger in der Ausübung ihrer religiösen Pflichten zu behindern und schenkte auch den Darlegungen über den angeblich tierquälerischen Charakter des chächtens keinen Glauben. Die dreißig anwesenden Mitglieder lehnten einstimmig den Magistratsanttag ab. Petersburr», 17* Januar. Unter den hiesigen Juden wird eine Sammlung veranstaltet, durch die die Kosten für die Errichtung einer Mauer um das alte fYfQ^n JYQ aufgebracht werden sollen. Veranlassung gab hierzu die Wahrnehmung, daß von verbrecherischen Händen Gräber in gewinnsüchtiger Absicht verschiedentlich aufgebrochen worden waren. Li-ms», 18. Januar. Sechs Schüler der hiesigen Jeschibah veröffentlichten in der Zeitung „Der Weg" einen Ausruf, in welchem sie das Elend der in Lomsa lernenden Bachurim schildern. Bonden 60—70 Zöglingen der Jeschibah empfangen nur zwei eine Unterstützung, die übrigen sind der furchtbarsten Not preisgegebeu Manche haben nicht einmal eine Wohnung und schlafen daher in Kellern und in den Räumen der Jeschibah Die weithin bekannte Anstalt sendet nun 42 Vertreter aus, die allenthalben für die Jeschibah sammeln sollen. L mb rg, 17. Januar. Die hiesige jüdische Lehrerbildungsanstalt gibt ihren 4. Jahresbericht heraus. Die Zöglinge dieser Anstalt werden in durchaus unjüdischer Weise ausgebildetes ist traurig, daß diese jungen Leute einmal die Erzieher der jüdischen Jugend werden sollen. Lemberg, 18. Januar. Die Rabbinerfrage in der hiesigen tadt hat nun endlich ihre Lösung gefunden. Am vergangenen Sonntag wurde Rabbiner Löb Brode zum der Gemeinde Lemberg gewählt. .Von 51 Wählern haben 42 ihre timmen auf ihn vereinigt. Die Chassidim, die lange seine Kandidatur bekämpften, gaben ihm nur widerwillig ihre Stimmen. London, 15. Januar. Eine der angesehensten englischen wissenschaftlichen Gesellschaften, die „Gesellschaft für Volkskunde" in London, hat den Oberrabbbmer Dr. Ga st er zum Präsidenten gewählt. Gaster hat sich bekanntlich viel mit Folklore beschäftigt und ist von dem zurücktretenden früheren Präsidenten der Gesellschaft als Nachfolger vorgeschlagen worden. Korrftantmopel, 10. Januar. Ein angesehener sephardischer Jude namens Alkali in hiesiger Stadt, heiratete die einzige Tochter einer bejahrten Wittwe. Die Greisin besaß ein großes Vermögen, das sie aber bis an ihr Ende selbst verwaltete. Kurz vor ihreni To. e lieh sie einem türkischen Hausbesitzer eine Viertelmillion Francs zum Ankauf eines Handelsschiffes Als nun die alte Frau gestorben war, begab sich Alkali zu dem Türken, um in seiner Eigenschaft als Erbe das Darlehen zurückzufordern. Dieser aber leugnete die Schuld und trieb den auf seiner Forderung Bestehenden aus dem Haus. „Zeig' mir doch", so sagte er, „deinen Schuldschein, dann werde ich ihn bezahlen. Wer von mir Geld verlangt ohne . chuldschein, den werfe ich einfach hinaus." Alkali suchte alle Wi. kel des Hauses durch nach der wertvollen Urkunde, fand aber nichts. Er geriet nun in große Not, niußte sein Haus Gläubigern überlassen und fristete mit seiner Familie ein kümmerliches Dasein. Als er nun am Erew Jomkippur nach alter Gepflogenheit die Zedokohbüchse für „Rabbi Meir bal Hanes" öffnete, um den Inhalt an die die Weiterbeförderung besorgende Stelle abzuliefern, fand sich zur steudigen Ueberraschung auch der gesuchte chuldschein darin vor. Die Greisin tzatte den chein an diesen Ort gelegt, weil am Erew Jomkippur der Fälligkeitstermin für die chuld war und weil sie wußte, daß sie an diesem Tag die Büchse öffnen würde. Alkali begab sich nun zum Richter und gelangte schnell in den Besitz der ihm gehörenden umme. Jerusalem, 10. Januar. Der Kolel Pinsk schuldete der Regierung an rückständigen Steuern die umme von 2400 Francs. Da keine Bezahlung erfolgte, so wurde gegen zwei Vorsteher des Kolel die chuldyaft vollzogen; die Bitten angesehener Mitglieder 15er hiesigen Gemeinde, die beiden Männer sreizugeben, waren erfolglos. Darauf wurde in einer Versammlung von Rabbinern und Vorstehcrn beschlossen, der Behörde für den Kolel zunächst 600 Francs zu übermitteln. Nach Empfang dieser Summe und nachdem die Vertreter des Pinsker Kolel versprochen hatten, die Restschuld in monatlichen Raten allmählich abzutragcn, gab man den beiden Verhafteten die Freiheit tvieder. Jerusalem, 10. Januar. Am vergangenen Montag wurde in der Jeschibah Thorat Chahim von Herrn Rabbiner I. V eingart ein Hesped auf R. S. B. Schreiber V'SJT, den Heimgegangenen Preßburger Oberrabbiner, gehalten. Netvhort, 10. Januar. In Cleveland, im Staate Ohio, erscheint jetzt als Monatsschrift eine hebräische S ch ü l e r z e i t un g. Alle Redakteure und Mitarbeiter des Blattes sind chüler und . chülerinnen im Alter von 11—14 Jahren. Newyork, 11. Januar. In Chicago ist unter den jüdischen Bäckern ein streik ausgebrochen. Die 170 Mitglieder des Koscherbäcker-Berbandes sind in Differenzen mit den Arbeitgebern geraten. Auch die hiesigen jüdischen Bäcker haben, wie das übrigens alljährlich um diese Zeit der Fall zu sein pflegt, beschlöffen, in den Ausstand zu treten. Oereinswesen. Karlsruhe, 22. Januar. Eine von den Bereinigungen NY2VV mnrt, tti und onya -p:n veranstaltete Gedächtnisfeier versammelte wie in den vorhergegangenen Jahren, so auch heute Abend eine zahlreiche Zuhörerschaft in dem Lernsaale des vor drei Jabren Heimgegangenen Herrn amuel - traus r"}?) nach Beendigung des hier allabendlich slattfindendcn hielt. Herr Rabbiner Dr. chiffer eine auf die heutige Jahrzeit bezughabende Ansprache, in welcher er die markanten Charakterzüge des Verstorbenen in die Erinnerung der Anwesenden zurückrief und seiner hervorragenden Bedeutung für unsere Gemeinde und die Gesamtjudcnheit in Dankbarkeit gedachte. Ein von dem Redner gesprochener Lern-Kaddisch schloß die einfache, aber würdige Feier Berli «, 20. Januar. Gestern Abend fand in der erst ki.rzlich gegründeten Misrachi-Gruppe, die bereits über 40 Mitglieder zählt, eine Mitgliederversammlung statt. Der Vorsitzende, Herr Hermann * truck, begrüßte die Versammlung und in ihrer Mitte Herrn Rabbiner Reines, Sohn des Führers der Misrachi-Bewegung, und erstattete dann Bericht über die bisherige Tätigkeit des Vereins. Hierauf referierte Herr stuck jur. Möller über die Ziele des Misrachi und betonte die Notwendigkeit einer intensiveren Arbeit und Vertiefung der Misrachi-Jdee vor allem in gesctzestreuen, nichtzionistischen Kreisen, dann aber auch bei den nichtgesetzestreuen Zionisten Eine lebhafte und anregende Aussprache, die sich hieran anschloß, führte zur Einsetzung einer Propagandakommission, deren Aufgabe besonders in der Ausarbeitung praktischer Vorschläge zur Ausbreitung des Misrachi bestehen sollte. Der Vorstand, der dann neu gewählt wurde, setzt sich nunmehr aus folgenden Herren zusammen: Hermann Struck, Dr. Erlanger, 8tucl. Zur. Möller, Edmund Lewy, Harry Geis, canck.'pdii. Lescynsky und Arthur Marcus. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß fortan regelmäßige Mitgliederversammlungen stattfinden werden und eine zweite öffentliche Werbeversammlung in Aussicht genommen sei. rvascl, 15. Januar Der Verein „Esperance", welcher trotz seiner verhältnismäßig kleinen Zahl von nur 60 Mitgliedern zu den wohltätigsten Vereinen unserer Gemeinde gehört, feierte vor wenigen Tagen das Fest seines 40jübrigen Bestehens. Das Fest nahm einen sehr schönen und würdigen Verlauf. Von den Ansprachen seien erwähnt diejenigen des Herrn Rabbiner Dr. Cohn, des Gemeindepräsidenten, Herrn I. Dreyfus-Brodski, und des Vorsitzenden des Vereins, Herrn I. Dreyfus-Strauß, welcher denselben seit 30 Jahren mustergiltig leitet. Prag, 21. Januar. Der böhmische Rabbinerverband hat in einer am 20. d. M. stattgehabten Ausschußsitzung beschlossen, Schritte au maßgebender - telle einzuleiten, um die Lage der Rabbiner, sowie der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens hinsichtlich der Anstellung und Sicherung ihrer Zukunft in einer den modernen Verhältnissen entsprechenden Weise zu gestalten. Personalien. Hamberg, 15. Januar. Herr F. Uhlfelder, dahier, pensionierter Kultusbeamter, beging am 14. ds. Mts. mit Frau, geb. Weismann, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar hat sich durch gewissenhafteste Pflichterfüllung und langjährige, unermüdliche Berufstreue die ungeteilte Liebe und Zuneigung der hiesigen Gemeinde erworben. Dieselbe nahm auch freudigsten und regsten Anteil an der schön verlaufenen Feier. Das Haus Uhlfelders genoß besonders in Lehrerkreisen vorzüglichen Klang, denn er ist denselben stets ein treuer Freund und Berater gewesen. Möge sich das wackere Paar noch viele Jahre geistiger und körperlicher Rüstigkeit zu erfreuen haben. «ruS Ateittelfra» ken, 20. Januar. Auch unser Regierungsbezirk hat seinen jüdischen „Hauptlehrer" erhalten und zwar in der Person des verdienten, berufstreuen und pflichtbewußten Herrn Massenbacher its Hüttenbach, der schon seit vielen Jahren seinen gegenwärtigen Posten versieht. Priftburi- Oberkantor Abraham Schwaczkin, der vor Monaten nach abgehaltenem, mit großem Betfalle aufgenommenem Probevortrage von der Repräsentanz der orth. isr. Kultusgemeinde zum Oberkantor an derselben Gemeinde erwählt wurde, erfreut durch seinen meisterhaften .Gesang, seine klangvolle Stimme, sowie durch seine tüchtige Leitung des Chores jeden Freitag und Samstag seine Zuhörer in ganz besonderer Weise. Während der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit hat Oberkantor Schwaczkin sich in Preßburg einen bedeutenden Ruf erworben. Vom Chore muß ganz besonders der Chorknabe und Solosänger Grünfeld hervorgehoben werden, dessen brillante Leistungen zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. — Oberkamor Schwaczkin hat vor Kurzem einen sehr schmeichelhaften Ruf nach einer bedeutenden isr. Gemeinde Ungarns erhalten, doch hat derselbe diesen Ruf bedingungslos refustert._ Briefkasten der Redaktion. S 45. Der Betreffende wird im Jahre 1908 NkttlO mo ,nnK «armizwoh. N. A in Baltimore. Die Frage, ob matt einen durch Dampf oder Elektrizität betriebenen Fahrstuhl am Sabbath benutzen-dürfe, ist zu verneinen. Lehrer H. i« I. Eine mpü gehört zu den reltgionsgesetzlich vorgeschrtebenen Jnstituttonen einer jüdischen Gemeinde, und der Steuerletstung dafür können sich ©§£ Seine auch dann nicht entziehen, wenn sie privattm M die gleiche Institution 4m Hause schaffen.