Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1907)
- Date
- 1907-01-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14. Rr. 3 Der Israelit. 17. Januar 1S07. auf ein hochnotpeinliches Verhör vor dem Bürgermeister und dessen Räten verzichtete, wurde er mit schlichtem Abschied aus dem Amt eines städtischen Hilfsnachtwächters entlassen. Hahnemann, der darauf schwor, er habe einen Riesenbrand gesehen, nahm sein Schicksal sehr gelassen hin. Vierteljährlich zehn Dollars, die ihm von seiner Tochter Katharina Elisabeth, kurzweg Settchen Fastenbretzel, zugesichert waren, gaben ihm eine gewisse Zuversicht für die Zukunft. Und Hahnemann hatte Glück. Im Städtchen war eine Telegraphenstation errichtet worden und das Amt eines Telegraphendieners dadurch notwendig zu besetzen. Getragen vom Vertrauen der hohen Behörden und der Bürger, erschien er eines Morgens mit einer dunkelblauen Dienstmütze und einer großen Ledertasche in den Straßen des Städtchens. Telegraphie und Depeschen hatte es zuvor hier nicht gegeben und die Leute waren auf beides neugierig und hörten, als Hahnemann das Telegraphieren populärwissenschaftlich in einer Weinschänke erklärte, voller Aufmerksamkeit zu. „Ja, da nimmt der Telegraphist so'n Hämmerchen in die Hand, das genau wie ein ganz kleiner Weinkrahnen aussieht, klopft langsam und schnell I und im Augenblick ist das Telegramm schon 8 fünfzig und hundert Stunden weit-—" Hahnemann vergaß bei seinen Erklärungen nicht daran, sich einen zweiten halben Schoppen kommen zu lassen und saß wohl schon eine geschlagene Stunde neben der die Depeschen enthaltenden Mappe. „Wenn Jemand eine Depesche schickt, so hat's doch große Eile," meinte hier ein Bürger; „und Du sitzest schon eine ganze Stunde hier und schwatzest und trinkst-" „So?" entgegnete Hahnemann gekränkt, „ei, wenn's den Leuten mit den Depeschen so sehr eilig war, so konnten sie solche ja eine Stunde früher aufgeben. Wenn wir nun noch kein Telegraphenamt hätten, könnten sie ja überhaupt nicht hierher telegraphieren. So pressiert mir's denn doch nicht." — Der Bürger ging kopfschüttelnd davon. — Ein selten strenger Winter bannte die Flüsse in Erstarrung und die Nferbewohner trieben allerhand Kurzweil, besonders mit dem Vater Rhein, der es sich gefallen lassen mußte, daß nicht nur gewandte Schlittschuhläufer sich auf ihm vergnügten, sondern auch Festlichkeiten auf seiner meterstarken Eisdecke gefeiert wurden. Die Metzger schlachteten je einen Ochsen, ein Schwein und einen Hammel auf seiner spiegelglatten Decke, die Faßbinder errichteten ein mächtiges Faß daraus, wobei ein gewaltiges Hobelspahnfeuer angezündet wurde, ein Bäcker richtete eine Waffelbäckerei ein, kurz es schien, als sei in allen Städten und Dörfern ein mitten auf den Rhein verlegter Jahrmarkt. Fuhrwerke aller Art kreuzten über mit Asche bestreuten Wegen den Strom, als gäbe es kein Wasser mehr mit seinen Gefahren. Für die armen Leute war die anhaltende strenge Kälte nicht so vergnüglich, wie für die glücklicheren Mitmenschen, die in warmer Kleidung hinaus auf die Freuden des Winters eilten und dann in wohldurchwärmte Räume zurückkehrten. „Der halbe Verdienst geht in Rauch auf", klagte Koppel, der Vater von Hwei Kindern geworden. Nun konzentrierte sich die Schustersfamilie aus; Welkstätte und Wohnstube. In dieser wurde 3 gekocht. Der Dunst des schmorenden Sauer-,,4 krauts drang bis in die Werkstatt und reizteF FQr den Inseratenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ansschllessllchSache der Leser, die lm Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben reilglonsgesetzlichen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Die Religionsschol vorsäfigerood ßchochetstelle in Schlnctern, Rabbinatsbezirk Brettert» ist nach Pensionierung des seit 1860 unmtterbrochen dort amtterenden Cultusbeamten» baldmöglichst durch einen Geeigneten ledigen Standes wieder zu besetzen. — Fixer Gehalt 700 Mk., ca. 150 Mk. Nebeneinkünste und freie Wohnung für einen Ledigen. Frank. Meldungen mit kurzer Schilderung des Lebens- und Bildungsgangs, belegt mit Zeugnis abschrist en über Befähigung u. religiös-sittl. Führung smd innerhalb 3 Wochen einzureichen: an die Bezirks-Synagoge in Breiten 6751 Schleßinger, Bez.-Rabbin. Streu ksseliir: Ia. fette junge Gänse | per Pfd. 80 Pfg. 11a. fette junge Gänse | per Pfd. 70 Pfg. empfiehlt (64031 Leonhard Wertige III. Geflügelmastanstalt Gross-Zimmern, Hessen. Reelles Heiratsgesuch. (6769) Für meine Tochter, 25 Jahre alt streng rel., i. Haushalt» Geschäft sehr tücht. Baarmitg. 12-150002)1. u. sch. Ausst. suche pass.Partie. Kaufm.o. Lehrer in gesich. Pofit. woll. sich meid. u. B. 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