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Der Israelit · 1907-01-17 · Heft 3 (17.1.1907) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 3 (17.1.1907)
Date
1907-01-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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I^^PP)pp3pg^P^j3PPPIIP!jjWfip)pppitp»ipi|pfiwpifH«wj*w^^^ l Crzic^ung und Del? Bund lesetzestreusr jid. Lehrer Deutschlands. Die Generalv rsammlung unseres Bundes findet Sonntag, den 27. Januar 1907, (Kaisers Geburtstag) vormittags 11 Uhr in Frankfurt a. M., Tiergarten 8, statt, Tagesordnung: 1. Bericht des Borsitzenden. 2. Rechnungsablage. 3. Bundesthema: „Auf welche Weise muß der Lehrer den Ergebnissen der Wissenschaft im Religionsunterrichte Rechnung tragen?" Res. Herr Rektor B. F a l k. 4. Bortrag über „Koheleth". Herr Realschul-Direktor Dr. Lange.*) 5. Kassenstatuten. «. Anträge und Mitteilungen. Anträge müssen 14 Tage vor der Generalversammlung schriftlich bei dem Borsitzenden eingereicht werden. Den Mitgliedern unseres Bundes wird ein Zuschuß zu den Reisekosten gewährt. Gemeinsames Essen ist vorgesehen. Kollegen und Kolleginnen, sowie Freunde unserer Bestrebungen sind zur Teilnahme an der Generalversammlung herzlich eingeladen. Der Vorstand. I. A.: Direktor Dr. Lange, Borsitzender. *) Anmerkung der Scliriftleitung: mir die Teilnehmer an der General-Bersammlung dürfte es sich empfehlen, TiSrrp vorher gründlich durch,mkiehen, da der Gewinn aus dem Bortrage um so größer ist, je gründlicher man sich darauf vorbereitet hat. Ao bleibt der Calmud? Eine Erwiderung und — ein e Anregung. Man muß es mit Freuden begrüßen, wenn auch gebildete Laien in Erziehungsfragen das Wort ergreifen, und wir haben deshalb keinerlei Bedenken getragen, der Anregung des Herrn S.' die Spalten dieser Blätter zu öffnen, obwohl seine Ansichten teilweise, wie er selbst sehr richtig vermutete, recht bedenkliches Kopfschütteln Hervorrufen müssen. Da er sich als Nichtlehrer bezeichnet, so entfiel für uns auch jeder Grund, gar manche Bemerkung, die wir einem Kollegen nicht hätten hingehen lassen dürfen, zu streichen oder zu mildern. Den ersten Teil seiner Ausführungen, die ja nur den Nachweis erbringen sollen, daß auch Nichtlehrer in Erziehungs- und Unterrichtsfragen, ehört werden müssen, hätte sich Herr S. aüerings ersparen können. Wenn er in der pädagogischen Litteratur bewandert wäre, so würde ihm bekannt sein, daß heutzutage Männer aus allen Kreisen und Berufen: Aerzte, Juristen, Künstler, ja selbst praktische Landwirte in Erziehungsfragen ein sehr gewichtiges Wort mitsprechen, von den Geistlichen aller Konfessionen ganz abgesehen, die ja zum großen Teil in der Schule tätig sind und also zum Bau gehören. In der Institution des S ch u l v o r st an d e s, ben jedes kleine Dorf heute besitzt, wurde dem unbe st reit baren Rechte der Eltern auch offiziell Rechnung getragen.*) Selbstverständlich gebührt auch hier, wie überall, den Sachverständigen — und das sind in dem vorliegenden Falle die Lehrer — das entscheidende Wort. Unterrichten ist eine Kunst und eine Wissenschaft zugleich, und der gebildetste Laie wird dem Lehrer gegenüber einen schweren Stand haben, wenn er eine sozusagen „unpädagogische" Meinung vertreten zu können glaubt. Er wird vielleicht manchen originellen Gedanken zu Tage fördern, aber noch häufiger wird er aus Mangel an Sachkenntnis daneben hauen, was ja auch unserem Herrn S. passiert ist. Seine Forderung, den Talmud in seinerTotalität — nicht etwa 80—100 Blatt, wie es bisher in den orthodoxen jüdischen Realschulen, in Präparandien und Seminarien geschehen — in Volksschulen, Gymnasien und Realschulen zu lehren, kann ernsthaft gar nicht zur Diskussion gestellt werden.**) Das ist eine Uebertreibung, die von einer starken Unkenntnis deutscher Verhältnisse zeugt. Auf dem endlosen Meer des Talmuds haben sich in Deutschland auch in seiner besten Zeit nur einzelne hervorragende Geister getummeltdas Gros der jüdischen Bevölkerung hat sich mit einem Bruchteil begnügen müffen, welcher Umstand aber der tiefernsten Religiosität keinen Eintrag getan hat. Ebensowenig werden wir von dem Lehrplane, wie ihn Herr Kollege Lebermann in biefen Blättern ausgestellt hat, irgend eine Disziplin streichen können. In der nachbiblischen Geschichte, die ja vor allem Begeisterung und Bewunderung für unsere Geistesheroen erwecken soll, lernen die Schüler denn doch noch etwas anderes als ein paar trockene Geschichtsdaten von Alexander Jannai. Die Geographie Palästinas, die übrigens in einigen Stunden erledigt werden kann, wird beim biblischen Geschichtsunterricht gar nicht zu entbehren sein, will nran sich nicht gegen den obersten Grundsatz eines jeden Unterrichts, die Anschaulichkeit, versündigen. Und was den liturgischen Gesang anlangt, so ist die darauf verwendete Zeit wahrlich nicht verloren, denn dadurch kommt ein belebendes und fördendes Element in den Religionsunterricht, das die *) Jüdische Eltern machen leider in der Regel nur dann davon Gebrauch, wenn es gilt, dem Lehrer und der Schule Prügel zwischen die Beine zu werfen. **) Wir glauben auch nicht, daß Herr S. an eine solche Forderung gedacht hat, denn nirgends in der Welt, nicht einmal an einer ungarischen oder russischen wird der Talmud „in seiner Totalität" ausstudiert. Red. d. Jsr. Freudigkeit und Lernwilligkeit bei den Schülern erhöht. Aber alle diese Bemerkungen treffen nicht den Kern der Ausführungen des Herrn S., den ich für durchaus berechtigt halte. „Das Thorastudium wird aussterben, wenn dem eigentlichen, wahrhaft fruchtbringenden Thoraunterricht im Rahmen der jüdischen Jugendunterweisung in - kürzester Zeit nicht ein größerer Platz eingeräumt wird." Das ist der Notschrei eines Mannes, der von der Unzulänglichkeit des bisherigen Religionsunterrichts überzeugt ist, der überall einen Rückgang und nirgends einen Anfang zur Besserrmg sieht, und der nun einen Alarmruf ins Land hinaussendet, der die Gewissen schärfen und die Gleichgesinnten ailfrufen soll, über Mittel und Wege nachzusinnen, wie dem drohenden Unheil zu steuern ist. ^Es wäre traurig, wenn er in den Herzen der jüdischen Lehrer keinen Widerhall fände, oder wenn man sich aus den Nachweis beschränken würde, daß nicht wir, sondern das Elternhaus, die Verhältnisse usw. für den Rückgang des jüdischen Wissens verairtwortlich sind. Nein, es ist wünschenswert, daß dieser warme und temperanrentvolle Appell an unser Gewissen ein recht kräftiges Echo Wachrust, und diesem Zwecke sollen auch die folgerrden Zeilen dienen. Auch sie sollen nur eine Anregung sein, aber auch zugleich ein erster Sammelruf, für all die Männer, denen es noch Bedürfnis ist 1^270min zu sein, damit sie einmal zusammentreten, um Rats zu Pfleger: JT*?y 0227 IV'V! 17211 ixy Wir haben ja alle mit so großer Genugtuung die erfreuliche Wahrnehmung gemacht, daß die Bewegung der rat? 'iviV-Vereine einen überras lend kräftigen Resonanzboden in der jüdischen Bevölkerung gefunden hatsollte sich nicht auch für mm llv^> ein ähnlicher Erfolg erzielen lassen? Eine vorläufige Aussprache wäre aber durchaus notwendig, denn wir^besitzen eigentlich keine Korporation, welche im Stande oder auch nur beauftragt wäre, aus die jüdische Erziehung in unserem Sinne irgend einen weitgehenden Einfluß auszuttbeü. Es sind Kommissionen für die Ansbildung von O'VNIL', für rituell vollkommen entsprechende mrroi pSsn vorhanden, es gibt einen Verein zur Ueberwachung und Förderung ritueller Speisehäuser, als aber Schreiber dieses bei der Gründung des „Bundes" die Einsetzung einer Kommission zur Förderung jüdischer Lehranstalten beantragte, da stieß er auf heftigen Widerstand. Der Tiefstand des religiösen Lebens, den wir alle beklagen, rechtfertigt gar manche Maßregel, die früher ullnötig und darum unberechtigt war, und wir finb überzeugt, daß der damalige Vorschlag noch einmal seine Verwirklichung finden wird, vielleicht sogar mit höher ilnd weiter gesteckten Zielen.

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