Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1907)
- Date
- 1907-01-10
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Januar 1907. Der JSraelit. Rr. S. Sette 11' daß „in ihnen im Augenblick des Erfolgs eine Eigenschaft reif geworden ist, die gerade in diesem Augenblick begehrt wurde." Sie sind gleichsam nur der Brennpunkt der Ideen ihrer Zeit, Sendboten der Vorsehung, um den Fortschritt der Menschheit zu fördern. Dieser Fortschritt aber liegt letzten Endes auf dem sittlichen Gebiet Der sittlichen Förderung dient alles. „Durch' Schurken wie durch Märtyrer wird die gerechte Sache gefördert." Und weil alles auf dem sittlichen Gesetz beruht, darum mußte das Wirken eines Mannes wie Napoleon schließlich ohne jeden Erfolg sein. „Er tat alles, was in seinen Kräften lag, um ohne moralische Grundsätze zu leben und zu wirken. Die Natur der Dinge, das ewige Gesetz der Menschheit und der Welt trat ihm in den Weg und brachte ihn zu Fall." Und so ist denn der Zweck der Menschen hier auf Erden sich ganz in den Dienst des Sittlichen zu stellen. „Er lerne, daß er hier auf Erden ist, nicht um zu schaffen, sondern um verarbeitet zu werden." So sehen wir nach den verschiedensten Richtungen, wie eine tiefere Auffassung des Lebens sich Bahn zu brechen sucht, und das berechtigt uns zu der Zuversicht, daß nach dem beispiellosen Aufschwung der Technik und dem damit zusammenhängenden Zurücktreten der Geisteswissenschaft nunmehr eiue Periode vertieften philosophischen Schaffens und religiösen Erkennens einsetzen wird. Das zeigt sich u. a. auch in dem wiedererwachenden Interesse für die Mystiker, das unseres Erachtens nicht aus Schwärmerei, sondern aus der Sehnsucht nach den Ouellen der tiefsten Empfindungen des Menschen hervorgeht. Diese neue Periode, in deren Anfang wir stehen, wird die Menschheit wiederum einen Schritt näher zu dem großen Endziele allgemeiner Gotteserkenntnis führen, wenn auch freilich dieses Ziel selbst noch in ferner Zukunft zu liegen scheint. Aber jede Vorwärtsbewegung des menschlichen Geistes ist eine neue Bestätigung für die Berechtigung des jüdischen Optimismus, der sich durch nichts an der Ueberzeugung von dem einstigen Siege der Wahrheit irre machen läßt. Major Burg, Lebensbild eines jüd. Offiziers. Für Jung und Alt bearbeitet von Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe. Herausgegeben unter Mitwirttmg der Jugendschriften-Kommisston der Großloge für Deutschland VIII. U. O. B. B. Berlin, Lamm. Der Verfasser will zunächst dem jüdischen Jüngling zeigen, „daß auch in unserm Baterlande 'der Jude zu hohen, ehrenvollen Aemtern gelangen kann," vorausgesetzt, daß er pflichttreu, bescheiden, ohne Anmaßung und Selbstüberhebung auftritt. Das Lebensbild aber, das er auf Grund von Burgs „Geschichte meines Dienstlebens" entwirft, ist zu wahr, um den beabsichtigten Eindruck hervorzurufen. Burg tritt im Jahre 1813 als Freiwilliger in ein Garderegiment ein, wird aber schon nach zehn Tagen wieder entlassen, da er Jude ist, versucht es alsdann bei der Artillerie, kommt aber, trotz seiner wiederholten Bitten, nie vor den Feind, wird stets nur als Zeichen- oder Mathematiklehrer beschäftigt, kann niemals in seinem Dienstgrade ohne Protektion aufrücken, da er Jude ist, und »nuß gar, endlich zum Hauptmann befördert, auf des Königs Befehl schwarze Epauletten anstatt der roten tragen, die kein anderes Abzeichen waren „wie die ijelben Lappen, durch welche die Juden im Mittelalter als olche gekennzeichnet sein sollten." Wahrlich, das sind Tatachen, durch die der Verfaffer das Gegenteil von dem beweist, was er in seinem Schlußworte behauptet. Erscheint uns aus diesem Grunde vorliegendes Merkchen als nicht zweckentsprechend, so muß es geradezu als gefihrlich bezeichnet werden, wenn dadurch die Jugend zum Einschlagen solcher Laufbahnen ermutigt werden soll, die ein Hinwegsetzen über viele wichtige und grundlegende religiöse Gebote zur unerläßlichen Voraussetzung haben. Ein Jude, der Berufssoldat wird und als solcher den Sabb t entweiht und sich gegen die Speisegesvtze vergeht — von den herrlichen Tafelfreuden im Kreise der Offiziere ist gar zu oft die Rede —, kann nicht als „der Frömmsten einer" bezeichnet und der Jugend als Vorbild vorgestellt werden, wenn er auch zu viel Charakter besitzt, als daß er sein Judentum gänzlich abschwört, zumal er es bei einigen Gelegenheiten erst dann bekennt, wenn — ihm ein weiteres Verschweigen nicht mehr möglich ist. Aus diesen Gründen müssen wir das vorliegende Buch ablehnen, obwohl cs in angenehmer, leicht verständlicher Sprache geschrieben, trefflich gegliedert und hübsch ausgestattet ist. Schöpfung und Sündenfall des ersten Menfchenpaares im jüdischen und moslemischen Sagenkreise nrit Rücksicht auf die Ueberlieferungen in der Keilschrift-Literatur von August Wünsche. Leipzig 1906. Eduard Pfeiffer. Preis brosch. 1.60 Mk., geb. 2 Mk. Die vorliegende 84 S. starke Schrift gehört einer Sanrmlung von Abhandlungen an, die unter dem Namen Ex Oriente lux unter der Redaktion des Prof. Dr. Hugo Winkler erscheint. Ihrer Aufgabe, den orientalischen Kulturen größere Aufmerksamkeit zuzuwenden und das Interesse für sie anzuregen, wird diese Sammlung gerecht, und die vorliegende neueste Erscheinung, mit der der zweite Band schließt, bestätigt die alte Erfahrung aufs neue. — Der Vers., einer der besten christlichen Kenner der hebräischen agadischen Literatur, hat gewissenhaft aus Talmud und Midrasch die Stellen zusammengestellt, die sich mit der Auslegung der Schöpfungsgeschichte in der Bibel beschäftigen. Das woher'? und woraus? ventiliert ja gerade eine Frage, welche der Phantasie und der Spekulation einen weiten Spielraum und die schönsten Anknüpfungspunkte dem Morallehrer und Volksprediger bietet. Besonders intereffant werden uns aber die midraschischen bilderreichen Darbietungen, die an die Schöpfungsgeschichte anknüpfen, wenn wir sie mit den Vorstellungen aus anderen Kreisen vergleichen können, die den gleichen Stoff behandeln Und dies zu erkennen und zu übersehen, ermöglicht uns die vorliegende Arbeit Wünsches Jüdische, babylonische, moslemische Gedankenwelt offenbart sich uns, und — das ist wohl das Wichtigste — es offenbaren sich uns Züge, die einen wert vollen Beitrag zur Völkerpsychologie liefern. Denn wie ein Volk das u m w e r t e t, was es von einem andern Volke empfängt, darin gibt sich die Eigenart des Denkens und der Anschauung zu erkennen, und die Kraft, sich diese Eigenart zu wahren. So sehen wir auch dort, wo bei der Ausgestaltung einzelner Gedanken der Einfluß der babylonischen Zeitgenoffenschaft, sich kund zu geben scheint, wie die jüdische Grundanschauung von Gott und Welt oder die wörtliche Auffassung des unbedingt feststehenden Bibelworts dabei niemals verdunkelt oder in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Die Schrift bietet dem Forscher reichen Stoff, und kein Sachkenner wird sie ohne Nutzen lesen Auf einiges jedoch, das uns beim Lesen aufgefallen ist, wollen wir hier noch aufmerksam machen. S. 15. Wir haben bereits bei Besprechung von des Vers. „Die Schönheit der Bibel" in Bezug auf das Wort ipVl auf Sachs Beitr. II, 51. verwiesen^ der das i als Genetiv-Partikel auffaßt; der Vers, scheint sich hier schon dieser Ansicht zu nähern. — S. 63: Zu „rr soll nicht pfänden" wäre zum Verständnis dieser ohne Erklärung dunkeln Stelle auf Jbn Esr zu Deut. 24, 5. hinzuweisen gewesen, der die Auffassung, wie sie hier im Midrasch hervortritt, aufs schärffle bekämpft. — Zu D"D1p ist die ausführliche Erörterung Sachs' in den Beiträgen II, 194 zu dergleichen. Es ist dieses D13p verschrieben für D"0p und bedeutet die Stachelpflanze Kö-papo;; die falsche Schreibung hat die Beranlaffung gegeben das Wort als Pfahl zu deuten. — S. <7. In der Bibel wird die Erschaffung des Menschen nicht als Werk einer Beratung mit höheren Wesen dargestellt, das 3 in rUPJtt ist plur. mai.; die Agada allerdings faßt dieses als einen wirklichen Plural auf und läßt den Menschen erschaffen, nachdem eine Beratung mit dem „Hofstaate" Gottes stattgefunden hat; pjWÖ / diese volkstümliche Erklärung mag durch babylonischen Einfluß entstandeu und dann in jüdische Anschauung umgebogen sein, denn aus den babhlonnische Göttern werden hier Engel. 8. Rafchi, Vortrag im Verein für jüdische Geschichte und Literatur gehalten von Prof. A. Berliner. Berlin, M. Poppelauer 1906, 27 S. Der genannte Bortrag des bekannten Raschiforschers ist ein weiterer, schätzbarer Beitrag zu dem, was wir in den letzten 2 Jahren an Rafchi-Literatur erhalten haben und den grundlegenden Schriften, die von dem Verfasser über Raschi, seine Werke und sein Wirken veröffentlicht worden sind. Es gestattet auch diese vorliegende Arbeit einen, wenn auch nur kurzen Einblick in die Geisteswerkstätte des großen Meisters. Wir erfahren auch hier manches Jnteresiante über Raschi's allseitiges Wissen und seine große Erfahrung, die ihn in seinem Kommentar zur Bibel sowohl wie auch zum Talmud nie im Stiche ließen und die das ganze Geschehen und Treiben der Welt seinem Verstände nahe brachten. Der Verfaffer fuhrt die gründlichen Kenntnisse Raschi's auf dem Gebiete des praktischen Lebens auf die äroße Bedeutung zurück, die Trohes zu jener Zeit als Meßplatz und als ein bedeutendes Handelsemporium hatte. Wie alle, die sich mit Raschi des Näheren befaßt haben, weist auch B. in dieser Schrift auf den großen Einfluß hin, den Raschi's Schaffen und Wirksamkeit noch zu seinen Lebzeiten auf alle Kreise, denen die jüdische Wiffenschaft nicht ftemd war, ausgeübt hat. So hat sein Kommentar zur Bibel die Schriftbetrachtung in der christlichen Theologie nicht nur beeinflußt, sondern sie in neue Bahnen gewiesen. Noch viel größer ist sein Einfluß auf die jüdische Wiffenschaft gewesen, zu deren Popularisierung seine Schriften unenendlich viel beigetragen haben. Die Kenntnis der Raschi - Kommentare hat seit jeher als Gradmesser für den Stand der Gelehrsamkeit in jüdischen Kreisen gegolten. Zum Schluffe gibt der Verfaffer noch ein Verzeichnis der anläßlich der Rasch i- Centennarfeier erschienenen, deffen Leben und Wirken behandelnden Schriften. Dr. Frankl in Fulda. p*onö n sr ö 7 n b£n tnrns oy D’^nn V'xr ntriD 'l j"rQrttOl. Im Verlage des Herausgebers: L. Boldenberg, Buchdrucker in Szolyva, Ungarn. 700 S. 8. Preis K 2.50. Der Verfasser des Kommentars ist der rühmlichst bekannte Oberrabbiner von Uhely und Szioet, der durch seine Werke HPD 3'trn rv'ltp und nrD HOLt' auch als hervorragender Gesetzeslehrer und großer pjm seinem Namen alle Ehre gemacht. Die exegetischen Betrachtungen und Texterklärungen sind scharfsinnig, gediegen und an den meisten Stellen auch zeitgemäß, d. h. die aus dem Schriftworte geschöpften Wahrheiten sind aus dem Leben gegriffen Daß dieser große Kommentar auch die Auslegung der einschlägigen Talmudstellen umfaßt, ist selbstverständlich. Dieses Werk ist jetzt mit zahlreichen Zusätzen des Verfaffers in 2. Auflage erschienen. Druck und Ausstattung lasien nichts zu wünschen übrig. Auch nilSD in und pnj nTIUD ist beigedruckt. Für Rabbiner und Prediger, die Thilimvorträge halten, kann die Lektüre dieses herrlichen Kommentars nicht genug warm empfohlen werden. nann monEi itiistkp mDbn by /rmn nmo herausgegeben von Jsne Halpert in Mako (Ungarn) 280 S. 4. Preis K 2.30. Verlag des Herausgebers. Verfasser behandelt mit großer Fachtüchtigkeit die Vorschriften über das Schächten und Untersuchung der Lunge. Die Einteilung ist eine sehr praktische. Es werden zu Beginn an 200 einschlägige Fragen, die in den bisher erschienenen Hilfsbüchern nicht Vorkommen, halachisch behandelt. Die folgenden 5Teile umfaffen in alphabetischer Ordnung folgende Abschnitte: Sämtliche tfmynb vnrv die von pmn iW) bn: JTIiJ 1OO11, die Fälle von npnu Sammlung wichtiger aus den hervorragendsten und schließlich, den ganzen Stoff in katechetischer Form zusammengestellt zur Selbstprüfung des B1T3P und zum Examinieren durch den Rabbiner. Der Verfaffer und sein für Rabbiner und Schächter gleichmäßig wertvolles Handbuch werden von den hervorragendsten □'bfU Ungarns auf's wärmste empfohlen. Der Druck ist sehr schön, nur kommen verhältnismäßig zahlreiche Fehler vor, die im mypn mb korrigiert sind. An vielen Stellen sind die Vorschriften durch Abbildungen erläutert. Angegangene Weber. Dr. Samson Philip Nathan. Ein Lebens- und Charakterbild von Salomon Goldschmidt. 24 Seiten. Mit Anhang: Erklärungen zur Mischna. 51 Seiten. Hamburg, Ä. Goldschmidt 1906. Wir Juden von Ch. Münv. 123 Seiten. Berlin, Oesterheld u. Co. 1907. Das neue preußische Einkommensteuerges e tz vom 19. Juni 1906 in der vom Steuerjahr 1907 ab in Kraft tretenden neuen Fassung. 64 Setten. Berlin, L. Schwarz u. Co. Major Burg. Lebensbild eines jüdischen Offiziers von Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe. 100 Leiten. Berlin, Louis Lamm. rmam Magyar C’enu urenuh. (Ungarische Uebersetzung) von Rabb Siegmund Büchler. 575 Seiten. Josua Goldstein, Dnaßerdahely. minn by ^ns: rra> von N. Schwartz. Herausgegebcn von P. S. Schwartz. S. Moses von Karl Hauptmann. (Bühnendichtung in 5 Akten. 234 Seiten. München 1906, Verlag von Georg. D W. Callwey. Die jüdischen Frauenpflichten über rpn, D^D £17*301 nnna npnn. Rach dem Rituale bearbeitet unter vorzüglicher Benutzung des ausgezeichneten Merkchens PPB? "TCN von S H. Bamberger?"st- Zweite verbesserte Auflage. Preis 60 Heller. Verlag von Wilhelm Alexanders Buchh. 1907 Satoraljaujhel«.