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Der Israelit · 1907-01-10 · Heft 2 (10.1.1907) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 2 (10.1.1907)
Date
1907-01-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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llleraris ar Uk-ft. n R. Salomo Buber Vr Es sind gewiß nicht wenige, die von der aus Lemberg eingetroffenen Trauernachricht, Salomo Buber sei aus dem Leben geschieden, tief berührt wurden, eine Nachricht, deren schmerzlicher Inhalt von seiner Herbheit etwas verliert in dem Gedanken, daß der Verblichene ein hohes Alter — er hat das achtzigste Lebensjahr überschritten — erreicht hat und daß seine Lebensarbeit, die in einer großen Reihe von Werkelt sich kundgibt, seinen Namen für unabsehbare Zeiten in ehrendem Gedächtnis der Nachwelt aufbewahren wird. Buber war eine seltene Erscheinung: er war Großgrundbesitzer, Seniorchef der Firma Salomon Buber, Vorsteher der Lemberger Gemeinde, Vorsteher vieler gemeinnützigen Gesellschaften usw., er war sogar „Kaiserlicher Rat" — aber, er war noch mehr, er war Gelehrter und Forscher auf dem Felde der Thora, er.war Sebulun und Jifsachar in einer Person, und dies verleiht ihm den Kranz unverwelklichen Ruhmes. Sein Vermögen stellte er in den Dienst der Thora, er erwarb seltene hebräische Handschriften, gab diese heraus, entriß auf diese Weise so viele kostbareSchätze jüdischen Wissens der Vergessenheit und konnte manches, das durch Alter und Vernachlässigung entstellt war, von seinen Mängeln befreien und in der ursprünglichen Schönheit wieder Herstellen. Und wie arbeitete er, mit welcher peinlichen Sorgfalt, mit welcher Hingebung! Aus jeder Anmerkung leuchtet seine Gelehrsamkeit uns entgegen, erkennen wir seinen Scharfblick, dem das Kleinste nicht entging, und der selten irrte. Die Einleitungen, die er den Werken vorausschickt, bllden selbständige größere Abhandlungen, und wir erkennen in ihnen, wie er aus den: Vollen schöpfte, nicht mühselig zusammen getragene Citatensplitter, sondern Resultate eines inneren Wifsensschatzes unwiderstehlich aus dem Innern hervorsprudelnd. So erinnert dieser Mann an Koryphäen der Vorzeit, bei denen nVnai min “tnK Dlpön waren, und die ihre mm in den Dienst der nun stellten. Seine gelehrte Tätigkeit bewegte sich zumeist auf midraschischem Gebiete. Von den 300 Werken, die er herausgab, heben wir hervor die bisher unedierten Kam 2*n Knp'DS, o\aa auf 2i'K, tnz emo, rninn max umo, anna KD1T, 21O tTHD, ""«n JD NUKN 'D sein letztes Werk zum Raschi-Jubiläum und noch viele ärmere. Nach Handschriften richtig hergestellt: irilö ,KDinan I. cop1? 'Vw ochnn anno mit einer trefflichen Einleitung, aber ohne weitere Noten. Aus diesen genannten Werken, denen noch andere hinzugefügt werden können und zu denen noch eine große Reihe wissenschaftlicher Artikel in verschiedenen Zeitungen hinzukommt, wie auch eine weit verbreitete Korrespondenz, d e w^hl auch ihren Herausgeber finden wird, kann man erkennen, welch ein fleißiges und tatenreiches Leben mit dem Heimgange Buber's vorige Woche feinen Abschluß fand. n"2¥an. _ S. Rellglö$-pbilo$opbl$cbe Strömungen der Gegenwart. Bon Rabbiner Dr. I. Unna in Mannheim. (Schluß.) Ein eigentümliches Buch, das sozusagen mit Paradoxen angefüllt ist, ist die „Diesseits- Religion" des Amerikaners Charles Ferguson (Diesseits-Religion, eine Denkschrift über die Prinzipien der Moderne, deutsch von Cecilie Mattenis, Leipzig 1903). Die Grundtendenz läßt sich vielleicht am kürzesten durch den Satz des Verfassers ausdrücken: „Die kirchliche Gestaltung eines demokratischen Katholizismus ist die letzte Form der sozialen Organisation. Die Kirche soll eine ökumenische Demokratie darstellen, die internationale Republik der Menschheit in den Tagen, wann der Abergtartbe einer Souveränität des Staats nicht mehr geglaubt wird und die ungeheuren, sinnlosen politischen Apparate ihre Kraft verloren haben." „Demokratie" ist das Ideal Fergusons: in ihr erkennt er das Wesen der Moderne. Er meint aber darunter jene Demokratie, die nicht nicht niederreißt, sondern aufbaut, eine Demokratie „innerer sakramentaler Gleichheit", eine Demokratie, deren Regierung „das gemeinschaftliche Zusammenwirken der kraftvollsten und tüchtigsten Persönlichkeiten zur Herbeiführung von Schönheit nnd Gerechtigkeit ist." Auf dieser idealen Demokratie beruht ihm alles: wissenschaftliche, soziale und religiöse Ideale sind darin eingeschlossen. Ein seltsames Gemisch von Wahrem und Phantastischem will das Buch die fortschreitende Demokratisierung als das innerste Wesen unserer Zeit begreifen und darauf baut sich die „Diesseits-Religion" auf. Ein ungleich tieferer und klarerer Denker ist der jugendliche Leopold Ziegler. «Das Wesen der Kultur, Leipzig 1903.) „Die Kultur als Selbstbefreiungsprozeß des bewußtlosen Weltgeistes in dem Bewußtsein des Menschen, seine doppelte Freiheit von den Schranken der Naturabhängigkeit und des nach Glückseligkeit haschenden Egoismus", das ist die Definition, die der Verfasser gibt und die er in seinem zweifellos tiefangelegten und gedankenreichen Werke nachzuweisen sucht. Hartmann und Drews sind die beiden Philosophen, deren Spuren er folgt. Die Philosophie des Unbewußten bildet die Voraussetzung seines Buches und von Drews hat er den Begriff des „Selbst", das er dem indischen Atman aleichsetzt, entlehnt. Kultur ist das Verlassen der Natürlichkeit. Das Individuum setzt seine eigenen Zwecke den Zwecken der Gattung entgegen. Der Wille zur Freiheit wird in ihm rege. Die erste Stufe der Kultur ist die Selbstzwecks tzung des Individuumsdie Natur wird ihm Mittel für seine eigenen Zwecke. Es tritt der Begriff der persönlichen Glückseligkeit auf. Der Staat, der die Zivilisation verwirklichen will, sucht festzustellen, inwieweit der Eiitzelne Entsagung üben muß. damit ein Zustand möglichster allgemeiner Glückseligkeit erreicht wird. Außer bem Staate dient der Verwirklichung der Zivilisation nnch die Wissenschaft. Aber alle Wissenschaft ist relativsie sagt nur, wie die Dinge erscheine n, nicht, wie sie sind. Der tiefste Wert der Wissenschaft zeigt sich erst auf der Stufe der Kultur, für welche die Zivilisation nur eine Vorbereitung ist, in der „Selbstbewußtwerdung des Unbewußten". Die Religion der Kultur hätte das ganze Leben in allen seinen Ausdrucksformen in ihren Bannkreis zu ziehen. Sonderbar berührt es, daß der Verfasser als die drei mächtigsten menschlichen Gedarcken die humanistische Idee der Antike und der klassischen deutschen Dichter, die deutsche Philosophie und die indische Lehre des Atman bezeichnet. Schon daraus erkennt man die einseitig arische Richtung seines Kulturbegriffs. Für die Kulturfördernng durch den monotheistischen Gedanken scheint er kein Verständnis zu haben. Wenn aber die Arier alle semitischen Kulturmomente ausmerzen wollten, so müßten sie damit anfangen, auf den Gebrauch der — Buchstabenschrift zu verzichten. Der, manchmal unbewußte, Widerwille gegen alles Semitische trübt eben das Verständnis der Forscher und läßt sie nicht zu einem objektiven Urteil kommen. Uebrigens scheint Ziegler das Judentum auch zu wenig zu kennen, als daß er feinen Kulturwert würdigen könnte. Als letzten in der Reihe will ich für heute den amerikanischen Schriftsteller Ralph Waldo Emerson anführen, der zwar schon im Jahre 1882 starb, aber jetzt erst in Deutschlandbekannt zu werden anfängt. (R. W. Emerson^ Vertreter der Menschheit. Aus dem Englischen von Heinrich Conrad. Jena 1905.) Alle Entwicklung strebt nach Emerson dem Einen, Absoluten zu, und alles hat nur Wert, insofern dadurch die Ideen verwirklicht werden, die zu dieser Einheit hiuführen. Aber es läßt sich auch in allem etwas von solchen Ideen finden. „Im Grunde genommen hat jeder Mensch eine gewisse Größe." „Jede Handlung eines Menschen prägt sich dem Gedächtnis von Mitmenschen, prägt sich zugleich feinen eigenen Manieren und Gesichtszügen ein." Aber andrerseits liegt auch die Bedeutung der großen Männer nicht in ihnen selbst, in ihrem Leben und in ihren Handlungen, sonoern darin,

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