Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1907)
- Date
- 1907-01-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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10. Januar 1907. Der Israelit. * npmigaij.ini.iUj No. 2. Seite 9. -Gemeinde Zweibrücken auf ihrem Anträge bestehe, neuen Beschluß zu fassen. Der Antrag der Gemeinde hat durch die stimmberechtigten Gemeindemitglieder unter amtlicher Leitung zu erfolgen. Das Kgl. Staatsministerium hat ausdrücklich betont, daß vor der Zurücknahme der Bestätigung eine Auflösung des Vertragsverhältnisses durch die Zivilgerichte nicht zu erfolgen brauche. Es ist somit im Prinzip entschieden, daß für ähnliche Fälle die Verwaltungsbehörden zuständig sind. Wien, 30. Dezember. In der Plenarsitzung des Kultusvorstandes ist nunntehr die Errichtung eines jüdischen Krankenpflegerinnen-Jnstituts endgiltig beschlossen worden. Das Institut wird an das Hospital der Gemeinde angeschlosfen und nach der verewigten Kaiserin Elisabeth benannt werden. Baron Albert von Rothschild hat aus dem Nachlasse des verewigten Freiherrn Nathan ie l einen Betrag von 100,000 Kronen für die Neugründung zur Verfügung gestellt. — Die Ausbildungszeit dauert ein Jahr. Nach Ablauf des Lehrjahres haben die Schülerinnen drei weitere Jahre im Verbände des Institutes zu bleiben, wovon zwei Jahre der Krankenpflege im Hospital und ein Jahr der Privatkrankenpflege zu widmen sind. Frankfurt a. M, 4. Januar. In dem Bericht über die Generalversammlung der Israel. Religionsgesellschast ist durch ein Versehen der Druckerei unter den in die Statutenkommission gewählten sieben Mitgliedern Herr Julius Hirsch nicht genannt worden. München, 18. Januar. Die Antisemiten für Bayern haben beschlossen, von der Aufstellung besonderer Zählkandidaten abzusehen, weil man mit Berücksichtigung der nahen Wahlen zuin Landtage den „Kriegsschatz der Partei" schonen und die 'Opferwilligkeit der Mitglieder nicht ohne Not in Anspruch nehmen will. Der Vorstand der bayer. Christlich-Sozialen stellt daher den Genossen die Teilnahme an der Relchstagswahl frei, spricht aber die Erwartung aus, daß keiner den Kandidat einer „Judenschutz t r u p p e", also weder einem Mitgliede der liberalen Blockparteien, noch einem Sozialdemokraten seine Stimme giebt. In München unterstützt die Richtung Wengg den vom Zentrum aufgestellten Kommerzienrat Nagler. Lausanne, 2. Januar. Im Kanton Zürich ist es bekanntlich kann: zu erreichen, daß die Schüler der öffentlichen Schulen am Sabbat vom Schreiben dispensiert werden. Im Gegensatz hierzu hat jetzt die hiesige Erziehungsdirektion verfügt, daß einem Antrag der Eltern auf Dispens von schriftlichen Arbeiten in allen Fällen entsprochen werden müsse. Hegenheim i. Elf., 1. Januar. Dar» hiesige Rabbinat (Dr. Schülerwird demnächst nach St. Ludwig verlegt, ohne daß jedoch dadurch sonstige Aenderungcn in den Beziehungen der Herrn Dr. Schüler unterstehenden Gemeinden Hegenheim, Hagenthal und St. Ludwig eintreten. Bafel, 28. Dezember Nach einer Pause von zirka vier Monaten ist es dem hiesigen Schomre- Thora-Männer-Vcrein endlich gelungen, seine gewohnten Abend-Schiurim wieder aufzunehmcn und zwar Dank der Bemühung des Hern Rabbiner Dr. Cohn. Der Verein hat in der Person des Herrn Freilich einen tüchtigen Lehrer, einen echten DKTavmVta ^1131 D'OEf *TP gefunden. Es ist eine wahre Freude für jeden min 3H3N zu beobachten, mit welchem Geschick er seinen Zuhörern die der ganz besonders schwierigen DDDC verständlich macht. London, 4. Januar. Der „Jewish Chronicle" ist in den Besitz des bekannten Zionisten L. I. Greenberg übergegangen. Finanziell soll Mr. Horatio Bottomlev, ein nichtjüdischer Kapitalist und Parlamentarier stark beteiligt sein. Tcrritorialismus und Zionismus kontrollieren jetzt also die beiden großen englischen Organe Jewish World und Jewish Chronicle. Uereinswesen. Frankfurt a. M., 3. Januar. In der „Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung" sprach gestern Herr Dr. Arnold Klein aus Würzburg über „das Wesen des Gegensatzes zwischen Pharisäern und Sadducäern". Der Redner lieferte auf Grund der Forschungen Halevys den Nachweis für die von der tendenziösen Geschichtsschreibung der Reform verdunkelte Tatsache, daß die Pharisäer nichts anderes als die uralte jüdische Ueberlieferung vertraten und daß man sich in den weitesten Bolkskreisen darüber auch völlig klar war. Die Saddueäer dagegen rekrutierten sich lediglich aus den Ueberresten der aufs Haupt geschlagenen Hellenisten, und wenn sie in dem ehrwürdigen Gewände philosophierender Religionsjuden einherstolzierten, so war das politische Maskerade. Der Redner verstand es vorzüglich, die historischen Gegensätze plastisch herauszuarbeiten und die oft recht verwickelte Beweisführung in volkstümlicher Form wiederzugeben. Am 9. Januar beging der Verein den Jahrzeitstag S. R. Hirschs durch einen Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Wolf aus Cöln über: „S. R. Hirsch als Exeget". - Der Redner skizzierte in einer von der Wärme der Begeisterung getragenen Darstellung Geist und Methode der Hirsch'schen Bwelexegese im engeren Sinne und des damit eng verknüpften etymologischen Systems und der Symbolik des großen Meisters. Das zahlreich erschienene Publikum spendete reichen Beifall. Berlin, 30. Dezember. Am 14. v. Mts., am dritten Chanukaabend, fand im hiesigen Zentralrestaurant das dritte Stiftungsfest der Bereinigung jüd. Akademiker statt. Zu dieser Feier waren zahlreiche Gäste erschtenen, unter ihnen auch Vertreter der mit der B. I. A. befreundeten jüdischen Vereine, so des Vereins jüdischer Studenten, des Dibuk-Chaweirim und des Montefiorevereins. Nach Begrüßung der Gäste durch den ersten Vorsitzenden ergriff Herr Dr. Auerbach das Wort zur Tendenzrede, in welcher er die Ziele deS Vereins klarlegte. Redner betonte die Notwendigkeit des Vorhandenseins einer Bereinigung, die allen jungen jüdischen Studenten einen Rückhalt für ihre jüdische Weltanschauung zu gewähren imstande sei. Diese Aufgabe habe die Vereinigung jüdischer Akademiker übernommen. Ende vorigen Sommers habe sich die V. I. A. zu Berlin mit den Schwesteraruppen in München und Straßburg zu dem Bunde jüdischer Akademiker zusammengetan. Als nächster Redner ergriff das Wort der Rektor des hiesigen Rabbinerseminars, Herr Dr. Hoffmann. Der Vortragende hob hervor, daß die Vereinigung mit Recht den Namen V. I. A. führe, weil sie eben ihren Mitgliedern die Via, den Weg des Lebens, weise. Hierauf überbrachten die Vertreter des Vereins jüdischer Studenten, des Dibuk- Chaweirim und des Montefiorevereins die Grüße ihrer Vereinigungen. Nach einigen zündenden Worten des Herrn Rabbiners Dr. Munk wurde der offizielle Teil des Festes beendet, worauf man zur Fidelitas überging. In fröhlicher Stimmung blieb man bis spät in die Nacht hinein zusammendie Versammlung trennte sich in dem Bewußtsein, eine Feier begangen zu haben, die bei allen Teilnehmern angenehme Erinnerungen hinterlassen wird. — Straftburg, 8 Januar. Die Notiz Ihres Straßburger Berichterstatters über die 25. Generalversammlung des Vereins nrsx cvp möchten wir insofern berichetigen, als der Verein gar nicht in die Lage kam, sich nach iuer anderen Kraft für Herrn I. Breuer umzusehen, da Herr Rabbiner Buttenwieser sich gleich zu Beginn des Semesters in dankenswertester Weise bereit erklärte, dessen selbst übernehmen zu wollen. I. L. Altona, 8. Januar. Am vergangenen Sonntag hielt im hiesigen „Israelitisch - wissenschaftlichen Verein" Herr Rabbiner Dr. Samuel Daiches einen Vortrag über „die Verhältnisse der Juden in Aegnpten zur Zeit Es ras nach den neuesten Entdeckungen". Eine zahlreiche Zuhörerschaft lauschte mit großem Interesse den Ausführungen des Redners, der auf die vielen Probleme, die durch^die neuesten Papyris angeregt sind, hinwies. M 2. Januar. Der im September 1905 gegründete Verein, Jüdischer Diskutierklub, der offenbar keinerlei religiöse Färbung hat, veranstaltete im ersten Bereinsjahre 20 Diskussionsabende. Zu Grunde gelegt waren Referate über folgende Thcmate: Ostmarkenpolitik und Juden — der Jude als Deutscher — der Einfluß der egyptischen Erziehung auf Moses (!! Red.) — Der Verband der deutschen Juden. — Lage der Juden in Deutschland und Frankreich. — Das Maranentum — Hellenismus und Judentum — Schulunterhaltungsgesetz — Lage der Juden in Rußland — Theodor Hcrzl - Zionismus — Soziale Lage der jüdischen Handlungsgehilfen — Brüsseler Konferenz — Raschi. — Heine als Nationaljude — Patrio tismus und Judentum — Sozialismus und Judentum. Außerdem sprach Herr Dr. Jeremias über: „Philantropische Gesellschaften und Territorialismus." — Herr Rabb. Dr. Bloch über: „Heinrich Grätz und seine Bedeutung f ir das Judentum" (2 Abende) und Herr Dr. Cassel über: „Die Juden in Frankreich am Ende der großen Revolution." Personalien. Frankfurt a. M., 1. Januar. Dem Oberlehrer Dr. Elias Fink an der Realschule der Jsr. Religionsgesellschaft ist der Titel Professor verliehen worden. Frankfurt a. M., 8. Januar. Das Fest der goldnen Hochzeit feierten gestern im Hause ihrer hiesigen Verwandten das Ehepaar Samson Bach aus Stuttgart. Der König von Württemberg widmete den Jubilaren einen schweren golden Ehejubiläumsbecher mit Inschrift, während die Hofkanzlei in warmen Worten glückwünschte. Homburg, (Rheinpfalz- 6. Dezember. Unserm Lehrer und Kantor Herrn Lippmann Holland, wurde anläßlich der Neujahrsauszeichnungen vom Prinzregenten der „Hauptlehrertitel" verliehen. Herr Lippmann Holland hat von 1852—54 die Lehrerbildungsanstalt zu Karlsruhe besucht. Von 1854—1864, unter Abrechnung eines Jahres, in welchem er seiner Militärpflicht genügte, wirkte er in Sct. Ingbert als Lehrer und Kantor und ist seit 1. Juni 1864 in hiesiger isr. Ku'tusgeiueinde in vorgenannter Eigenschaft zur allseitigen Zufriedenheit tätig. 5. R. in H. Icheuhauf n, 4. Januar. Herr Lehrer I. Brader ist anläßlich der diesmaligen Neujahrsauszeichnungen von Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzregenten Luitpold von Bavern zum Hauptlehrer ernannt worden. Wien, 4. Januar. Am letzten Sonntag hielt in dem Bethause mm TlOX) Herr Rabbiner H. Schenk einen -©Oil auf Dbexxabbinex Schreiber bei bem ein zahlreiches Publikum anwesend war. Haiusfarth, 7. Januar. Unserm Lehrer und Kantor Herrn M. Friedmann wurde anläßlich der Neujahrsauszeichnungen vom Prinzregenten der Ehrentitel „Hauptlehrer" verliehen. Polen, 6. Januar. Kantor und Religionslehrer Georg Schäfer, welcher über drei Jahre hindurch hier im Amte gewesen, hat eine Berufung nach Schopping in Schlesien erhalten. Herr Schäfer ist bereits nach dort übersiedeltdessen Nachfolger als Kantor ist Herr Reinhard von hier geworden. Herr Lehrer Hopp aus Schrimm soll in gleicher Eigenschaft vom 1. April d. I. ab in eine der hiesigen Stadtschulen eintreten. Außerdem sind an den hiesigen Mittel- und Volksschulen vier jüdische Lehrer angestellt. Sprecbsaal. Berlin, den 26. 12. 06. An die verehrliche Redaktion des „Israelit", Frankfurt a. M. In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes befindet sich ein Bericht . ber die jüngst vollzogenen Wahlen zum Direktorium der hiesigen „Akademischen Lesehalle", in dem gegen diejenigen jüdischen Studenten, die für die „Freie Verwaltungspartei" gestimmt haben, der Vorwurf der „Charakterlosigkeit" erhoben wird. Diesen Vorwurf, der sich auch gegen mich richtet, genügend zu qualifizieren, will ich mir versagen, es bedürfte dazu eines unparlainentcnischen Ausdrcks. Zur Klarstellung der Angelegenheit jedoch erlaube ich mir, die Sachlage nachstehend kurz zu schildern, und ich richte an Sie die Bitte, meine Zuschrift möglichst bald zu veröffentlichen, nicht als ob ich die Bedeutung der Wahlen oder gar die Bedeutung dieses Angriffs überschätzte, sondern weil die Leser daraus, daß er unwidersprochen bliebe, falsche Schl.sie ziehen könnten. Anläßlich der alljährlich stattfindendcn Wahlen zum Direktorium der Lesehalle treibt seit einer Reihe von Jahren der „Verein deutscher Studenten" unter der Studentenschaft in Flugblättern und Versannnlungen antisemitische Agitation und stellt, mit anderen Korporationen verbündet, als sogenannte „Nationale Partei" eine Kandidatenliste auf. Bei ihrer Agitation wurde diese Partei von dem „Verein jüdischer Studenten" bekäinpft, der auch für die Wahlen Kandidaten noncinierte. Im vorigen Jahre trat nun zum ersten Male die „Freie Verwaltungspartei" auf, die den Standpunkt vertrat, daß die vorher erwähnten Kämpfe sinnlos wären und deshalb ihre Beseitigung zu erstreben sei, da das Direktorium ja keine andere Aufgabe hätte als die gerechte Verwaltung der Lesehalledies allein sei zu fordern, alles andere auszuschalten. In diesem Jahre verband sich der „Verein jüdischer Studenten" mit drei anderen jüdischen Vereinen, und sie stellten gemeinsame jüdische Kandidaten auf. Der „Freien VerwalllMgSpartei" schlossen sich in diesem Jahre zahlreiche Korporationen an, und ihre Kandidatenliste enthielt daher neben nichtinkorporierten Studenten auch eine große Anzahl von Vertretern der ihr angeschloffeneu Korporationen, unter anderem auch einer antisemitischen. Hieraus ergiebt sich, daß nicht die „Freie Verwaltungspartei" antisemitische Ziele verfolgt, sondern viemehr Antisemiten für daS Programm der „Freien Verwaltungspartei" eintreten, das nach wie vor lautet: Beseitigung der bei dieser Gelegenheit unsinnigen Kümpfe, gerechte Verwaltung der Lesehalle. Wenn dies Programm richtig ist, so wird es, wie mir scheint, nicht dadurch falsch, daß auch Antisemiten es für richtig halten. Daß die „Freie Berwaltungspartci" nicht antisemitisch ist, geht auch daraus hervor, daß in diesem wie int vorigen Jahre unter ihren Kandidaten Juden waren, ferner daraus, daß in ihren Flugblättern ausdrücklich stand, sie bekämpften „die chauvinistisch-antisemitische Hetze", der sogenannten „Nationalen Partei". Für den antisemitischen Kandidaten, der „Freien Berwaltungspartei" zu stimmen, lag kein Zwang vor, da nicht die ganze Liste gewählt wird sondern jeder Kanditat einzeln - man brauchte also nur abzuwarten, bis der Antisemit, heran dritter Stelle stand, gewählt war, und konnte danach seine Stimme abgeben, wo sie dann aus einen jüdischen Kandidaten fiel, da dieser der vierte war. Zur Kennzeichnung der Kandidaten der jüdischen Korporationen möge übrigens dienen, daß einer unter ihnen als Bertteter eines jüdischen Vereins aufgestellt war, der grundsätzlich von seinen Mitgliedern einen -hb3 llD’W nämlich unbedingte Satisfaktion verlartgt. Nach dieser Darlegung des Sachverhalts wird jeder vorurteilslos Denkende beurteilen können, ob der Vorwurf der „Charakterlosigkeit" irgendwie gerechtfertigt ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Ivan Haarburger. Sabbat-Anfang u. Ausgang. ORT: Anfang Datum Ausgang Uhr!Min. 1906 5667 Uhr jMin. Frankfurt a M 4 25 12Jan. 26. Teweth 5 40 Berlin .... — — ff tt 5 05 München . . . 4 25 ff tt 5 30 Stratzbnrg - 4 45 ft „ 5 40 Posen .... — — n tt 4 50 Breslau . . . — — tt tt 4 55 Nürnberg - . — — ft tt ö 25 Stuttgart 4 30 „ tt 5 30 Prag 4 30 " ft 5 10