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Der Israelit · 1907-01-10 · Heft 2 (10.1.1907) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 2 (10.1.1907)
Date
1907-01-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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10. Januar 1907. Der Israelit. Nr. 2. Seite 19. -ars. Nur der wird allerdings Schwierigkeiten finden, der weiß, worin solche bestehen können. Und es sollte einem ehrlichen Gewissen doch nichts Leichtes sein, einer Aufgabe sich zu unterziehen, die eine Vorkenntnis erheischt, die man gar nicht von Jedem verlangt. Aber bei einer Hausesgründung möglicherweise mitgewirkt zu haben, i>ie durch die Thora verboten ist, mag manchem ehrlichen Juden doch nicht leichte Gewissensbisse verursachen können. Es sind aber auch immer den jungen Eheleuten Ratschläge zu erteilen inbezug aus die ernstesten Gesetze der jüdischen Ehe, deren eingehende Kenntnis ebenfalls nicht zur Vorbildung eines jeden gehört hat. Da sollte doch der ernste 'iirp der seine Ueberzeugung nicht für eine Einnahme veräußert, sich doch erst die Frage vorlegen: „Fühle ich mich nicht weit sicherer bei dem Satz: „wer die Gesetze über Eheschließung und Ehescheidung nicht kennt, soll sich nicht damit beschäftigen."? Aus dem rechtlichen Charakter der jüdischen Eheschließung folgert die Art des symbolischen Ausdruckes, mit den; der Mann seine Frau sich ,,erwirbt." Natürlich kann man in juridischem Sinne nur erwerben, was man bisher noch nicht besessen. Daher darf der „Trauring" erst bei den „Kidduschin" übergeben werden unter Hinzufügung der bekannten Worte 'lül ncnipö nt? nn. Es ist wiederum eine Nachahmung fremder Sitte, wenn der Ring schon bei der Verlobung übergeben und bei der „Trauung" „gewechselt" (!) wird! Gehörte der Ring schon vor dem Kiddufchin-Akte der Brant, dann sind die Kidduschin null und nichtig. Auch die Kessuwoh soll nicht fehlen, deren Vorhandensein und Verlesung an den sittlichen Fortschritt erinnert, den die jüdische Eheschließung in der Geschichte der Moral darftellt. Es herrscht auf diesem Gebiete unter vielen, die die Vornahme von „Trauungen zu ihrem „einträglichsten Nebenverdienst" zählen und die jede ernst gemeinte Keitik ihrer Handlungen als einen empfindlichen Eingriff in ihre „Rechte" und eine noch empfindlichere „Schmälerung ihrer Einkünfte" mit Empörung zurückweisen würden, eine solch beispiellose Unkenntnis und solche höhnende Geringschätzung der einschlägigen Gesetze, daß man sich fragen muß, ob nicht die verletzte Pflicht eine viel vernichtendere Selbstverurteilung darstellt, als jede noch so scharfe Kritik einer unverantwortlichenTat. W ie la nge wird das Volk diesen täglich geführten Axthieb an der Wurzel seines Familienlebens noch ruhig hinnehmen? Wann wird das Volk endlich sprechen: entweder eine Eheschließung nach Gesetz oder keine? Aber zum Humbugist unser Judentum doch zu heil ig! Begreifen wir doch endlich wieder den tiefen Inhalt der jüdischen Lehre! Sehen wir doch den sittlichen Bankerott der Reform und den ziffermäßigen Verlust derer, die infolge der Irrlehren der Reform und ihres Zerstörungswahnes den jüdischen Fahnen die Treue abgeschworeu. Ja, hätte man sie die hohe Ethik und die vernünftige Anschauung des wahren Judentums ahnen lassen, das bei aller Treue zu Gott und dem Göttlichen nichts gemein hat mit den menschlichen Vermittlungsrollen zwischen Gott und Mensch, die anderswo zu finden sind, wer weiß, sie wären treue Söhne geblieben. Erkennen wir doch die einfache Schlichtheit der praktischen Begriffe, die wir überall in Thora und Judentum gewahren! Kehren wir ganz zurück zu ihm in Lehre und Leben, und wo das eigene Studium und das eigene Wissen nicht ausreicht, da muß man Rats erholen, wo man ihn zu finden voraussetzt. Dann werden wir wieder Häuser bauen dürfen, die wahre Bauten für die Zukunft sind, und „jauchzen und frohlocken wird das ihrer Kinder beraubte Zion, wenn sie sich in ihm wieder zusammenfinden in Freude.". Die praktische Ethik des Judentums und ihre Zukunft. (Fragmente ans den Sprüchen Salomos). (Fortsetzung). Die Probe auf eine Weltanschauung ist leicht dadurch Vollzogen, das; man deren Folgerungen für das praktische Leben prüft. Wie nicht nur die Gesamtheit sich unter der Herrschaft dieses Prinzips befindet, sondern zu welcher Freiheit und Selbständigkeit, zu welchem Glück und Wohlstand der Einzelne dabei gelangt, das ist das Kriterium zur Beurteilung und Würdigung einer Gedankenwelt. Wie bas ganze soziale Leben daraus erwächst, das Verhältnis der Klassen zu einander, das läßt auf den Geist der herrschenden „Wissenschaft" schließen. Eine Wissenschaft, die sich lediglich z. B. in den Dienst der Industrie oder überhaupt des Erwerbslebens stellt, würde nur dann als wahrer Fortschritt der Menschengesellschaft zu schätzen sein, wenn sie im selben Maße, in dem sie das Wissen mehrt, die Hunianitüt förderte, an die Stelle des Hastens und Jagens, Muße und Interesse für die Ideale in die Herzen pflanzte, statt den Hochmut der Besitzenden zu stärken, deren Empfinden für Gleichheit in der Arbeit erhöhte und Liebe und Interesse für Arbeit u. Arbeitgeber auch bei dem Arbeitnehmer erzeugte. Das kann aber nur dadurch erwirkt werden, daß die Seiten des Denkens und Fuhlens bei jeglicher Arbeit, ihr ideeller Wert, mehr in den Vordergrund treten würden. Der Arbeiter darf nicht mehr Sklave der Arbeit sein und der Besitzer nicht der Brotherr. Es müßte ein so inniges Verhältnis geschaffen sein, daß, wer den Angestellten bei dem Herrn schlecht beleumunden wollte, von diesen! gering geschätzt würde und beschämt dastünde. Es müßte mehr das Verhältnis der Erziehung zwischen den beiden Gesellschaftsklassen obwalten. Wie in der Erziehung es bei weitem ratsamer ist, das Kind so zu behandeln, wie es sein soll und nicht wie es ist, so dürfte der Arbeiter nur durch väterliche Freundschaft und nicht durch den Zwang der Abhängigkeit zu gewinnen sein Wenn man das Kind mit Schmähworten häufig schilt, dann wird es schließlich das, was man verhüten möchte. Das j-fiDT rp^> |"1 MN ist nicht blos eine besondere Gutherzigkeit. Bon vornherein sind die Motive des Menschen meistens gute und sachliche. Daß ihm infolge Vermeidung einer offenen ehrlichen Aussprache, schlechte Beweggründe untergeschoben wurden, führt ihn schließlich erst zur Unredlichkeit. Alle Feindseligkeiten lassen sich im letzten Grunde auf Mißverständnisse und Mißdeutungen zurückführen. Daher auch die Entgegennahme einer Bösrede schon Yn!? ist. Der Psalmist 101, 5 sagt von sich 151-, injn "IflDD rPDÜN- „Wer mir im Vertrauen seinen Nächsten bezüngelt, den mache ich starr." „Ein Blick macht ihn starr und stumm." „David duldet von seiner Umgebung keine Bezüngelung des Nächsten", daher auch die Hiphilform. Auch der Prophet Hosea wird nach DVIC3B 87 b von Gott zurückgewiesen, als er vor Ihm verklagen will. In diesem Sinne wird unser Vers aufgefaßt : „Verklage den Knecht nicht bei seinem Herrn, Damit er Dir nicht flucht und Du verödet dastündest." Das Keri Uketib glauben wir dahin deuten zu können, daß eigentlich nie ein Einzelner dies Recht hat, sich als Herrn eines Anderen zu fühlen. Der Mensch hat Herren, aber nicht einen einzelnen Herrn. Er ist immer gleichzeitig von vielen Personen und mancherlei Verhältnissen abhängig. Ein vollendeter Haß und eine Verzweiflung an der Menschheit darf aber niemals Platz greifen, auch wenn die Gestaltung der gesellschaftlichen Berhältniffe unseren Wünschen dafür und unseren Anschauungen darüber nicht entsprechen, selbst wenn das jeweilige Geschlecht so sündhaft wäre, wie es im Folgenden geschildert ist. So, als Bordersatz zu den als Nachsatz gedachten Versen 1—14 faßt der N"l2Hr)D zu DT1DD a. n. O. unfern Vers auf. Hirsch (I. N. F. i 245) sieht im B. 14 den Nachsatz zu den V. 11—13 und übersetzt demgemäß: „Ein Geschlecht, das für seinen Vater Fluch Und für seine Mutter keinen Segen hat, Ein Geschlecht, das in seinen Augen sich rein dünkt Und noch von seinen! Unrat nicht gewaschen ist, Das Geschlecht, wie hoch auch seine Augen sind, lind wie seine Wimpern sich auch erheben, Wird ein Geschlecht, dessen Zähne Schwerter Und Messer dessen Gebisse, Die Armen von der Erde weg zu speisen Und die Widerstandslosen aus den Menschen! Wir sehen auch hier wieder die Ausdrücke sehr fein gewählt : den Vater, den Erzieher, den Träger der Anschauung des praktischen Lebens, den natürlichen „Vertreter des „Zeitgeistes", trifft typ naturgemäß die „Verachtung" und „Geringschätzung" eines sich höher und mehr, gereifter und fortgeschrittener sich dünkenden Geschlechtes. Der Gegensatz zwischen den Lebensansichten zweier Geschlechter ruft einen sachlichen Zwiespalt zwischen Vater und Sohn hervot. Die Mutter bleibt immer die Mutter. Ihr Verhältnis zum Sohn und das des Sohnes zu ihr wird dabei nicht getrübt. Es vergißt und vergibt keiner leichter als eine Mutter. Die Mutter versteht es auch, alle außerhalb der häuslichen und der familiären Beziehungen liegenden Objekte möglichst den trauten Räumen des Hauses fern zu halten. Sie wird dadurch, ihrem Beruf entsprechend, das Bindeglied, der Mittelpunkt der Familie. Immerhin wird auch ihr der anders denkende und anders geartete Sohn den Borwurf nicht ersparen, ihn nicht in seinen jetzigen Ansichten schon erzogen zu haben. (Fortsetzung folgt.) Line alte Einleitung eines alten Kommentars zum Buche Exodus. Das große Trostwort, das der Weltenlenker und der allmächtige Leiter der Menschheitsgeschichte durch den Mund des großen Erlösungspropheten im 40. Kapitel seines Buches die Völker zu Israel sprechen läßt, hat den völkerbezwingenden und machtmeisternden Kerngedanken zu seinem Inhalt aip npi^tt ">2d nhty1? Jes. 40, 8. Mögen die gesellschaftlichen Einrichtungen, mögen die sozialen Errungenschaften in noch so grünender frischer Blüte erscheinen, so lange man noch sagen kann TXn pht Dyn, daß die Gesellschaft als das Produkt der Einzelnen, halt- und gehaltloses Gras ist, das heute sprießt und morgen schon wieder welkt, so lange ist es mit allem non nicht Ernst, vermag der humanitäre, soziale Schwindel nur die zeitige Frucht genießen zu lassen "{'XI non 731 mtttn — es bleibt kein Stamm übrig, aus dessen Saft und Kraft die Frucht sich immer wieder ergänzen und zu unermüdlichen, stets ergiebigen Schöpfungen sammeln könnte. Des wahren Segens Verkünderin kann nur fVX fein; denn Judas Städte allein kennen das Losungswort, das allem Halt gewährt und Dauer sichert. Ihnen ist nicht fremd das Lebenselixir, die Bodenkraft, die allen Wurzeln fruchtspendender Lebensbäume Nahrung zuführt. Ihr lebenspendendes Zauberwort ist nan. Der Gedanke ist die Macht, die das Gute schafft und zugleich den vernichtungsschwangeren Keim des Schlechten verdirbt. Der Gedanke stellt das Geschaffene unerschütterlich fest auf den Platz, den er ihm angewiesen und führt es zum Siege über die feindlichen Zerstörer. Der Trotz der Fürstengröß'n vor ihm wird zu nichts — unter dem Lichte Seiner strahlenden Gerechtigkeit liegt die Ordnung aller von Menschen gehandhabten Gerechtigkeit einem schwarzgähnenden Abgrund gleich öde vor den Menschenblicken. Welche Macht wird dann noch Ihm sich zur Seite zu stellen wagen Bnnp nvdC spricht der, bei dem das Gute nicht erst abgerungen wird int Kampfe gegen das Schlechte, des ganzes Wesen erfüllt ist von spendender Liebe und erziehender Güte, BYii? "tötO spricht der, der gegen alles Toben und Poltern der die Selbsttäuschung wollenden Welt das Gute hineinsetzt in den Menschenkreis, auf daß es bilde und bessere die widerstrebende Menschheit. Und ein Volk, ein winziges, Menschen, unbedeutend in ihrer Erscheinung, wählt Er sich aus, läßt den Abglanz Seiner Erleuchtungskraft auf ihnen ruhen und läßt ihren vereinten Lichtstrahl die Welt durchfluten, die Geistesnacht zu erhellen. Und wenn sie wanken wollten und zweifeln an ihrem Können, dann ruft der Herr, der Wecker ihrer Scharen 'v itm üim itw. Erhebet zum Firmament in die Höhe Euren Blick und seht, Wer sie geschaffen, die Sternlein alle in Menge mit ihrem funkelnden Strahl; Er läßt hinaustreten ihre Scharen, gezählt; ihnen allen ruft er namentlich zu. So werden sie mit Fülle von Macht bekleidet und kraftgestärkt, wird keiner vermißt." Spricht etwas anders dieses große Erlösungswort, als den bloßen Hinweis aus Jissroels Bestimmung, auf seine Geschichte, in der es der verfolgte Besieger gewesen, in der es nicht untergegangen, sondern zur Höhe gestiegen und in der das kleinste Volk die einzige Größe geblieben? Dieses Prophetenwort, das das Ende aller Zeiten von Glanz umwoben schaut, ist nur die poesievolle Schilderung desjenigen Abschluffes, wovon die knappen prosaischen Worte mol? nWl nö*n*ö crtan '23, den Anfang bilden: der Geschichte des jüdischen Volkes. Und dieses sind die Namen. Der Beginn dieses min reiht sich eng an das erste an. Es liefert in den ersten Sätzen noch einen Nachtrag zu den letzten Versen des ersten Buches und zieht diese

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