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Der Israelit · 1907-01-10 · Heft 2 (10.1.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 2 (10.1.1907)
Date
1907-01-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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daß ein Ml. Fast möchte man vermuten, -erschlag der christlich-theologischen Anschauung von dem fanatischen^, „eifervollen" Kientum Nöldeckes Urteil beeinflußt und ihn in mers Gedankengängen sympathische Züge hat orblicken lasten. So schmerzlich das ist, muß es doch ausgesprochen werden. jder io. JmuarE 3um Code des Schah von Perlten. . . . bsur' ':a inw'i ,enn -jVo op’i Aus Teheran kommt die Botschaft, daß der Schah von Persien gestorben ist, und daß sein Söhn,Muhammed Ali Mirza,der34jährige Prvrz, den Thron seiner Väter bestiegen hat. Dieses Ereignis lenkt mehr als sonst unsere Blicke auf die Überaus traurige Lage unserer Glaubensg^en im fernen Osten, und es ist unsere t, darüber nachzudenken, wie der soeben chabte Regierungswechsel Zugunsten unserer verfolgten und unterdrückten Brüder ausgenutzt werden kann. Kaum ein Jahr vergeht, ohne daß aus Persien ein Notschrei Unserer unglücklichen Brüder zu «ns dringt, ohne daß wir um Hilfe anaefleht werden für die zahlreichen Juden, die auf dem tochland Irans in Persien unter dem Joche rer Verfolger schmachten. Ihre Lage ist fürchterlich. Geschlagen, beschimpft und verachtet, verfolgt sogar von den Sklaven und den Ewern, wissen sie doch immer noch zu existieren, fristen ihr Leben als Musikanten, Tänzer und Pofsenreißer, als Arbeiter bei der Zubereitung von Wern und Spiritus und als Hausierer, im günstigsten Falle als Gold- und Silberarbeiter. Ist irgewdwo eine schmutzige Arbeit zu verrichten, so wird ein Jude damit beauftragt und wehe chm, wenn er sich weigert. Das ist der Bericht, den ein Dr. Will in seinem Buche „Das Land des Löwen und der Sonne" gibt, auf Grund von Erfahrungen, die er während eines vieljährigen Anfenthaltes in Persien gemacht hat. In der Tat, außer Marocco dürfte kaum ein Land auf der Erde sein, in dem die Juden so vielerlei Entbehrungen und Rechtsverkürzungen ausgesetzt sind. Es wird den Lesern des „Jsraeut" bekannt sein, daß vor vielen Jahren Scharen flüchtiger persischer Juden nach Jerusalem kamen, hier die Unterstützung der europäischen Glaubensgenoffen fanden und mit Hilfe der im Westen gesammelten Summen in den Stand kamen, sich ein einigermaßen erträgliches Leben zu schaffen. Auch durch den Uebertritt retten sich manche schwächliche Elemente, besonders da ein Gesetz besteht, welches das Erbrecht der Juden in Frage stellt, während es dem zum Islam Uebertretenoen seine Erbfähigkeit in vollem Maße gewährleistet. Trotz der Auswanderung und des Abfalles sind indeffen dew er aenarr die Qualität der Ohrringe ersehen könne - er solle oie Ohrringe in demselben Kästchen jedenfalls vor Pesach ihm zustellen. Rabbi Joseph wollte eben auS dem Schlafzimmer das leere Kästchen Wen, aber eS fühlte fich gar nicht leer an. (St Sffnete es und wer beschreibt fein Erstaunen: Da lagen atttfi Ohrringe tritt Steinen von solcher Glut und vollendetem Schliff, wie er fie noch nie in dieser Größe und BVllendung gesehen Hütte. „Chaja, Chaja!" rief er durch's ganze Haus. „Was ist das?" Sie lächeltedenn sie glaubte, kein anderer als ihr Mann, habe ihr diese Freude bereitet und wolle jeden Schein von fich ablenken, daß er der Spender sei. Je mehr er fich dagegen verwahrte, desto mehr glaubte Chaja, daß doch kein anderer als ihr Mann das getan haben Wye. Als er ihr nun den Brief zeigte, den er nach Warschau geschrieben habe und den er gerade mit dem Kästchen absenden wollte, meinte Chaja: «Jetzt hast Du Dich verraten, denn Du hast jedenfalls mjt bim Brief bestätigt, daß Du wirklich fähig bist, besten ich Dich im Verdacht habe." „Aber, Chaja, sei doch keine Närrin, die Ohrringe sind unter Brüdern das Doppelte desjenigen wert, was Deine früheren gekostet habe»; so hoch hätte ich mich nicht verstiegen." „Ich muß hinüber zu Dina", sagte Chaja, „und ihr die Geschichte mltteilmdie wird Augen machen!" „Höre einmal Chaja", bemerkte Rabbi Joseph, „drei Jahre hast Du jbie ganze hiesige Welt zum Narren gehabt unv sie haHen Deine falschen Steine für echt gehalten. Es märe doch interessant zu sehen, wenn Du Jomtof mit hen echten Steinen kommst, ob Dina und ihr Mann eüvas davon merken: fie find doch die einzigen, die in Dein Geheumris mit den falschen Steinen eingeweiht waren." „Ja, Las ist ein guter Gedanke", entgeguete Chaja, „das wird «» Gelachter geben. Dina preint nämlich jeden immer noch zahlreiche WraMten unter der Herrschaft des ,-Königs der Königs von Persien und verdienen ob ihres Opfermutes wohl, daß sich ihnen unser Interesse in vollem Maße zuwende. Die großen Organisationen im Judentums können jetzt zeigen, daß sie zur rechten Zeit zu handeln verstehen. Ist das Sebetbuch des Sadlscben Oberrats in der Schule verwendbar? Bon einem praktischen Schulmanne. Ueber das Badische Gebetbuch ist schon viel gesprochen, geschrieben und — gestritten worden. Es handelte sich dabei aber fast stets nur um seine Verwendbarkeit für den Gottesdienst. Nun ist selbstverständlich ein Buch, das wegen wichtiger religiöser Bedenken zum Gebrauch im häuslichen und Gemeindegottesdienste ungeeignet erscheint, vor vornherein auch für die Schule unbrauchbar. Trotzdem halte ich es für zweckmäßig, das vorliegende Gebetbuch einer pädagogischen Beurteilung unter Ausschaltung aller religiösen Differenzpunkte zu unterwerfen, um dadurch zu einem auf objektiven Erwägungen beruhenden Ergebnisse zu kommen, das mir zur Erzielung eines abschließenden Urtells als wesentliche Ergänzung unerläßlich zu sein scheint. Das Gebetbuch soll gleichzeitig als Schulbuch dienen, denn die Kinder müssen in seinem zweckentsprechenden Gebrauche erst unterwiesen werden. Diese Belehrung verteilt sich auf die Unterrichtsfächer: Hebräisches Lesen, Uebersetzen der Gebete, systematischer Religionsunterricht. Die Schüler werden nur dann dem öffentlichen Gottesdienste folgen können, wenn sie die Gebete in der Schule so oft gelesen haben, daß sie sie korrekt und geläufig vorzutragen vermögen. Sie werden nur dann andächtig beten können, wenn sie den Inhalt der Gebete genau erfaßt haben. Ihr Gebet wird endlich nur dann einen Sinn und Wert haben, wenn sie mit den religiösen Lehren und Vorschriften wohlvertraut sind, die den Gebeten zu Grunde liegen. Das Badische Gebetbuch scheint für den Leseunterricht im allgemeinen geeignet zu sein. Es ist mit den bekannten Rödelheimer Typen gedruckt, besteht aus gutem Papier und ist hübsch gegliedert. Als störend empfinde ich nur, daß sich die Stellen, die von dem hergebrachten Texte abwejchen, auch äußerlich durch verschiedenen Druck deutlich abheben, z. B. Seite 106, und daß die Keduschah in der Regel sehr klein gedruckt ist. Mancher Lehrer würde vielleicht auch die sogenannten Verbandstypen in etwas gefälligerer Form lieber gesehen haben. Jomtof, sie müsse mich wegen meiner gläsernen Ohrringe tröstenwas fie wohl für Augen machen wird! Ja, wir behalten einmal die ganze Geschichte für uns." Pesach kam und Pesach gingaber beide Familien behielten ihr Geheimnis für sich. Erst als sechs Wochen später es bekannt wurde, daß Reb Jakos Ullreich eine große Erbschaft gemacht habe, gingen Chaja Mirels und ihrem Mann die Augen auf, woher die herrlichen Ohrringe gekommen waren! Frau Dina Ulreich ließ es fich nicht nehmen, die Gläser frisch fassen zu lassen. Sie trug jetzt die falschen Steine, als beredtes Zeichen für die echte Menschenliebe ihrer treuen Freundin. (Eine jüdische Wetterregel.) Die abnormen Schnee- und Kälteverhältntsse dieses Winters erinnern an eine merkwürdige von dem berühmten Pri megodim (1767) im Namen des Maggid R. Jizchak zitierte Wetterregel: tpji'i Anfangsbuchstaben antr * -p-p i wenn der dritte Tag des tsaw auf Freitag fällt -rrr Vnä nöi giebts großen Schnee und Frost. Dieses Datum wiederholt sich seit 13 Jahren erst diesen Winter. (Ausgrabungen in Palästina.) Aus London wird berichtet: In der Jahresversammlung des „palesüne exploratioa fund“ erstattete Steward Macallster etnen sehr interessanten Bericht über die letzten Ausgrabungen, die unter seiner Leitung in Palästina vorgenommen worden find. Besonders bemerkenswert waren die Entdeckungen in der kanaanitischen Königsstadt Gezer, wo wertvolle Reste der alten Stadt, Stadttore, Teile von einem Tempel, Stadtwälle, Häuser auS der Zeit von 1460 v. Chr. und Pfeiler auf einer Steinbafis, auf denen der Tempel ruhte, gefunden wurden. Auch dte Eingänge zu fünf oder sechs Höhlen mit 15 oder 16 einzelnen Kammern wurden durchforscht - fie stammten aus sehr verschiedenen Epochen, die fich über die Zeit von 3000—200 v. Chr. erstreckten, und in riner Ob das Buch aber auch zum Uebersetzen der Gebete geeignet ist? Der verrat selbst verneint diese Frage. Ist doch die erste Bedingung für die Verwendbarkeit einer Uebefetzung die Trennung vom hebräischen Text. Die Gegenüberstellung von Text und Uebersetzung führt die Kinder in Versuchung und beeinträchtigt ein methodisches Verfahren. Den Schülern soll doch keineswegs von vornherein die ganze Uebersetzung eines Stückes dargeboten werden! Sie müssen vielmehr die Vokabeln, die bereits früher im Unterricht vorgekommen sind, herausfinden und besprechen und auch die neu auftretenden nach Abstammung und Form kennen lernen und üben. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn nicht durch Darbietung der Uebersetzung ein geistloser Mechanismus gefördert wird. Die Vereinigung von Text und Uebersetzung erschwert sonach ganz bedeutend den Schulunterricht. Eine Uebersetzung für die Schule muß ferner wörtlich sein. Diese Forderung wird wohl schwerlich bestritten werden. Nur wenn die einzelnen Vokabeln bekannt sind, wird der Inhalt dauernd festgehalten werden können. Die vorliegende Uebersetzung ist aber selbst in den prosaischen Abschnitten f o frei, daß sie für den Unterricht gar nicht in Betracht kommen kann. Ja, selbst dem Erwachsenen wird es oft nicht möglich sein, aus der deutschen Uebertragung das hebräische Gebetstück zu erkennen. Zum Beweise möchte ich ein recht bekanntes Gebet anführen: ,-Führe bald herauf die Zeit des Heilst da Gerechtigkeit die ganze Erde erfüllet! Laß uns zum herrlichen Ziele gelangen! Auf deine Hilfe hoffen wir jeglich Tag! Gelobt feist du, o Gott, der heraufführt die Zeit des Heils." Ich glaube, daß selten jemand erraten wird, daß dies die Uebersetzung von nos nte ist. I2?ip> zw«? heißt: „Laß unsre Stimme zu dir dringen!" Ich könnte noch an Hunderten von Beispielen zeigen, daß selbst da, wo die einfache Uebersetzung leicht und ungezwungen gebraucht werden könnte, geschraubte, gewundene Redensarten dafür einaeschoben worden sind, die wohl in einer Predigt zuweilen recht nett klingen mögen, in einem Schulbuch aber durchaus nicht am Platze sind. Sicherlich bildet das Vorhandensein dieser Uebertragung eine sehr bedeutende Störung des Uebersetzungsunterrichts. Wer im Lehrfache steht, wird auch wissen, daß der Gegensatz zwischen einer wörtlichen und einer freien Uebersetzung den Kindern nicht erklärt werden kann. Sie bezeichnen stets die eine als falsch. Es bliebe dann höchstens die Verwendung der deutschen Uebertragung für die Erschließung des Inhalts übrig. Dazu wäre nur erforderlich, daß die deutschen Stücke den Geist und Gehalt der Gebete treu und in leicht verständlicher Sprache wiedergeben. Daß dies von ihnen wurden wertvolle Gegenstände ägypischen Ursprungs, und zwar aus dem Mittleren Reich, gesunden. An der nördlichsten Ausgrabungsstätte lag die große Anhöhe, die vielleicht die früheste Stätte semitischer Gottesverehruna in Palästina darstellt. Auch ein einzelner großer Stein wurde entdeckt, der augenscheinlich nicht lokalen Ursprungs war, sondern, wie man vermutet, aus Jerusalem stammte. Auch Gegenstände, die augenscheinlich mit vorsemitischer Gottesverehrung zusammenhingen, fanden sich, ebenso eine Bronzestatuette der Göttin Asthtoreth in gutem Erhaltungszustände. Man grub ferner das alte Reservoir aus, das etwa 14 Millionen Liter faßte, und stellte aus einigen Fragmenten und den Toren die Identität der Burg von Simon Makkabäus fest, auf deren Dach eine Reihe von Bädern entdeckt wurden. Auch die künftigen Ausgrabungen scheinen. reiche Ergebnisse zu versprechen, denn an dieser Stelle wurde Stadt auf Stabt gebaut, und so wurden im Laufe von einem Jahttausend immer neue Städte auf den Trümmern der untergegangenen früheren errichtet. Macalister war auch in der Lage, den Grundriß des Tempels Salomos festzustellen und die späteren assyrischen Hinzufügungen abzu trennen. Schließlich wurde noch eine Reihe von Gräbern aus verschiedenen Zeiten, von den ältesten bis zu denen der Makkabäer und noch später, geöffnetvon einem Grabe nimmt man an, daß es eins oer frühesten Philistergräber im Lande sein dürfte, während ein anderes deutlich der Makkabäerzeit angehörte. Zu den interessantesten Einzelsunden gehörte eine Weinpreffe mit Mosaikfußboden und Kufen. Weitere Arbeiten sollen an einer noch nicht genannten Stätte mit einem neuen Ferman vom Sultan in Angriff genommm werden. Die Ausgrabungen erforderten eine Ausgabe von 2000 Mark für jeden Monat.

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