Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1907)
- Date
- 1907-01-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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etttt 14. Nr. l. Dämon traft Phintias In der Von Arthur Kuh«. 1481 Nachdruck verboten. Mit Simon, den sie mit „Sie" ansprachstand sie leidlich gut, um einige Nuancen herzlicher mit der Schwägerin, und mit Emil sprach sie überhaupt nicht. Sie betrachtete sich als eine Frankfurter Patrizierin sehr deplaziert in einer so kleinen Stadt und hielt es unter ihrer Würde, einen Menschen wie Emil, der mit Schustern und Schneidern verkehrte, als Schwager zu betrachten. Mit gemischten Empfindungen hörte der Gast die ihn nur noch wenig interessierenden Neuigkeiten anes kam ihm alles so kleinstädtisch und geistesarm vor, daß er über sich selber erstaunte, wie er in diesem Städtchen ein halbes Leben lang hatte zubringen können. Und gerade noch m dieser Nacht sollte er noch einige Leistungen kleinstädtischer Einrichtungen kennen lernen. Am selben Morgen, an dem Limbachers Schwager seine Reise angetreten hatte, war, in Hahnemanns Wohnung eitel Lust und Freude eingezogen. Der Briefträger, der nur selten im Gäßchett etwas abzuliefern hatte, kletterte die steile und knarrende Treppe hinauf in Hahne-; Manns Wohnung mit einem Brief aus Amerika. Mit zitternden Händen öffnete Hahnemanns Frau •s das umfangreiche Schreiben. Fast wandelte sie eine Ohnmacht an, denn seit Sette in die neue;*■ Welt gefahren war, hatte sie kein Lebenszeichen ■f von sich gegeben. Frau Hahnemann, mit Sorgen '1- und Sehnsucht nach der Tochter sich verzehrend,!fc. »■. 1 . % k' 4 y f-: k? c p schlich sich seit deren Abreise häufig in der Dämmerstunde hinab zu der Schusterssrau, um ihre Besorgnisse wegen der Tochter auszusprechen und sich ein wenig auszuweinen. Kam dann Hahnemann nach Hause, fand er die Frau verhärmt auf dem Stuhle sitzend, dann erging er sich in Verwünschungen und Drohungen gegen Bunnewjtt, den gewissenlosen Urheber all dieses Unheils. ,>Wann nur der Sette kein Unglück zugestoßen ist", jammerte die bedauernswerte Frau, „vielleicht ist sie längst tot." Acht Monate waren seit ihrer Abreise hingegängen, ohne daß eine Nachricht eingetroffen war. Hahnemann, der jetzt nur noch beim Schoppen einige Beruhigung über das Schicksal der Töchter fand, beschloß, von den bösen Ahnungen seiner Frau angesteckt, wie schon des öftern, und obgleich er stets dasselbe wieder gesagt bekam, nochmals zu seinem Vetter, dem Steuermann, zu gehen, und dessen fachmännische Ansichten über den möglichen Untergang des Schiffes zu vernehmen. Peteranton, der Steuermann, der sich kaum in seiner nieder» Stube ausrichten konnte, ohne an die Decke zu stoßen, schob eine kleine schwarzflänzende Kugel Tabak in seine linke Backentasche, puckte fein durch die langen, gelblichen, fest zuämmengepreßten Zähne und gab seine Ansicht 'olgendermaßen kund: „Aus dem Rheine sind auch schon Schiffe untergegangen. Der Rhein ist aber nicht so breit, als daß die Leute nicht ans Land schwimmen oder vom Ufer aus gesehen und gerettet werden können. Wenn aber ein Schiff auf dem Meer untergeht, dann, gute Nacht! da muß alles ertrinken, weil das Untergehen von Schiffen immer zu weit vom Land ab passiert. Sobald nun so etwas eingetreten ist, und alle Menschen, sogar der Kapitän mitsamt Matrosen untergehen, können die Leute nicht mehr nach Hause schreiben. So wirds eben mit der seligen Sette auch gegangen sein, aber", setzte der Steuermann milde tröstend hinzu, „so was passiert häufig, und sie ist doch wenigstens nicht allein ertrunken. Ihr ist wohl, sie hats überstanden. Nimms nicht zu schwer, Du hast ja noch mehr Kinder." Daraufhin war Hahnemann nachhause gegangen, um seine Frau zu trösten, statt zu beruhigen. Dank riefen sie ihre Kinder hinzu und Der Israelit. ■ ' ■■ ■ ■- - f ' '. . teilten ihnen mit, daß die Sette ganz sicher unteraegangen sei und sie weinten gemeinsam eine Weile, bis Berez erschien. Als er den Grund des allgemeinen Wehklagens vernommen hatte, ging er, nicht etwa zum Peteranton, sondern zum Schiffsagenten, der ihm lachend mitteilte, das Schiff, das Settchen nach Amerika gebracht habe, sei bereits zum zweitenmale aus der Reise von Newyork nach Antwerpen unterwegs. Trotzdem wurde, wenn von der Tochter in der Familie die Rede war, von ihr wie von einer Toten, der „Sette selig" gesprochen. Und nun entnahm die Mutter dem hastig erbrochenen Brief eine aus feinem Metallblech hergestellte Photographie, auf der die Tochter neben einem vierschrötigen Mann, mit einem lang herabhängenden Schnauzbart saß und ein Kind auf dem Schoß hielt. Des Weiteren enthielt der Brief einen grauen Papierschein mit hübschen Figuren aufgedruckt. Blitzschnell begriffen die Ueberraschten, daß dieser kleine Zettel Geld bedeute. Aber doch überwog die Neugier auf den Inhalt des umfangreichen Schreibens die Freude an den Geldschein.' Auch die Handschrift eines Mannes fiel sofort den Empfängern aufsie rübrte wohl von dem Manne her, der so behäbig und gutmütig neben Settchen saß. Und schnell begriffen die Leute den Zusammenhaug — die Tochter war verheiratet. Die Zweitälteste Tochter, das schöne Träudchen, las mit vor Freude bebender Stimme den andächtig Zuhörenden das Schreiben vor. In der schlichten Weise der ehemaligen Volksschülerin schrieb die Totgeglaubte: Meine lieben Eltern und Geschwister! Mit Freuden ergreife ich die Feder, um Euch einen Brief zu schreiben .... Nun schilderte sie ihre Reise auf dem Meere, wie sie seekrank geworden und dadurch ihr Glück gemacht habe. Sieben Tage sei ihr sterbensweh gewesen, der Sturm habe entsetzlich gewütet und sie hätte schon alle Hoffnung aufgegeben, je wieder Land zu sehen. Am achten Tage hatte das Unwetter nachgelassen und sie stieg, unterstützt von mitleidigen Passagieren, hinauf ans Deck, an die frische Luft. Sie war aber unfähig zu gehen und hielt sich am ersten besten Gegenstand fest. Da stand in der Nähe ein Mann in grauem Anzug, der sie fortwährend scharf musterte und ihr schließlich den Arm bot und sie auf dem Schiff herumführte. Dieser freundliche Herr erzählte ihr dann, daß er in Deutschland gewesen sei um eine Erbschaft zu erheben. Er sei ein deutscher Bäcker und habe in Philadelphia eine schöne Bäckerei. Da er noch ledig sei, habe er auch ein deutsches Mädchen, am liebsten aus seiner Heimat, der Pfalz, als sein eheliches Weib mit in sein neues Vaterland nehmen wollen. So hatte er es sich in Amerika vorgenommen, denn eine Amerikanerin sei nicht das richüge Weib für einen Deutschen und gar für einen Bäcker taugen die Amerikanerinnen erst recht nicht. So. war er in der Pfalz, in Baden und schließlich auch im Hessischen herumgereist, hatte alte Kameraden, Bekannte und Verwandte besucht aber nichts gefunden, was ihm gepaßt hätte. So wüßten beispielsweise die Mädchen in Kirchheim, seinem Geburtsort, einen Bäcker nicht richtig zu würdigen, die Mannheimerinnen schliefen des morgens zu lange, die Wormser Mädels seien im Haushalt nicht gewürfelt, die Mainzerinnen zu fidel und in Ludwigshafen zu putzsüchtig Und von Kirchheimbolanden, wo er eine Tante wohnen habe, möchte er überhaupt kein Mädchen heiraten - dort hätten ihm die Weibsleute am meisten mißfallen. Von diesem Tag ab war der Bäcker die einzige Gesellschaft der Sette für die ganze übrige Fahrzeit geblieben. Am nächsteir Tag erzählte der Bäcker aus Philadelphia, er habe das Heiraten noch lange nicht aufgegeben, aber von Deutschland sei er enttäuscht und habe es doch anders gefunden, wie er es in Amerika in Erinnerung gehabt. Dann, als er eben mit seiner Erzählung zu Ende war, ____3. Januar 19Ö7. blickte der Bäcker, dessen Name Balthasar Fastenbretzel war, seine neue Bekannte scharf an und frug sie ganz plötzlich, welche Meinung sie von einem Bäcker habe und ob ein solcher nicht viel nützlicher sei, als ein Polizeidiener und Bürgermeister. Sette antwortete, ein Bäcker sei für Jedermann nützlich, hingegen ein Polizist und ein Bürgermeister für die meisten Menschen völlig überflüssig. Bei dieser Antwort blickte Balthasar Fastenbretzel aus Kirchheim seine neugewonnene Freundin mit einem so bedeutungsvollen Blick an, daß ihr ganz heiß und kalt wurde. Dabei sagte er: „Settchen, Du gefällst mir- Dich tät ich gleich vom Stumpf weg heiraten. Ueberleg' Dir's einmal, bis heute Abend." Nun ging Sette in ihre Schlafstelle und weinte sich halb tot. Sie fühlte sich sehr unglücklich in ihrem Zustande, und wünschte zu sterben und tief ins Meer gesenkt zu werden. Sie ging nicht mehr ans Deckgegen Abend kam Balthasar Fastenbretzel und frug nach ihr. Da habe sie ihm ihren Zustand eingestanden. Da wurde der Bäcker nachdenklich, die Sette weinte aber immer weiter. Endlich habe Balthasar Fastenbretzel gesagt, es sei ihm gerade nicht erwünscht, daß so etwas mit ihr los sei, obzwar er es schon so halb und halb bemerkt habe. So was passiere aber braven Mädchen am ehesten und das Schlamassel sei noch nicht das größte aus der Welt. Dann bat er Settchen, nicht mehr zu flennen. Er dächte, sie beide würden ein passendes Paar und was dann komme, sollte auch willkommen sein. Wenn weiter kein Unglück passiere und Sette ihm ein treues Weib werden wollte, dann sollte gleich bei Ankunft des Schiffes in Newyork die Trauung stattfinden. Und so kam es denn auch. Dann beschlossen sie, den Bekannten und Nachbarn zu sagen, die Trauung habe schon vor Monaten in Deutschland stattgefunden, um den lieben Freunden keinen Anlaß zu Redereien zu geben. Nun sei sie eine glückliche und wie sie gleich verraten könnte, eine vermögende Frau. Balthasar Fastenbretzel sei der bravste Ehemann und beste Vater des kleinen Charlie, der, wie alle Leute behaupten, dem Papa wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sehe. Zum Schluß kam Sette auf den Zehndollarschein, wofür sich Eltern und Geschwister etwas kaufen tollten. Alle Vierteljahr sollte ein solches Papierchen ins Haus geflogen kommen. Der Bäcker Balthasar Fastenbretzel schrieb nur kurz, es freue ihn, seine Frau kennen gelernt zu haben. Er fühle sich glücklich mit ihr, auch freue es ihn, die werte Bekanntschaft der Familie Hahnemann gemacht zu haben, womit er verbleibe und bestens grüße Balthasar Fastenbretzel. (Fortsetzung folgt.) Für de« Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich r insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Kaiser Friedrich Quelle 6346) - OfTenbach a. Bf. --— ©egen ©ich t u. Rhenmatismns bewahrt.“ Ihn sill Einer sagen, was ne Sacbe ist! w •b •b Gestern scheußlicher Zustand: Halsschmerzen, Heiserkeit — total, sag ich Ihnen! — und ein ttockener Husten — war mir ordentlich angst! Und heute? Quitschfidel und alles vorüber. Und wieso? Habe Sodener Mineral-Pastillen — ächte von Fah — gekauft, nach Vorschrift gebraucht und heute alles fort. Und der ganze Spaß kostete nur 85 Pfg. Für diesen Preis in jeder Apotheke, Drogen- oder Mineralwafserhandlung zu haben. SM Siager, frankiert a. II.,bö?ä23 "■■■■ Stoff« fftr Ansfige und Paletots billigst (6560)