Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1907)
- Date
- 1907-01-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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' Seite 12. No. 1. _ r wir mit gutem Bedacht gewählt. Der Verband besitzt ja einen „bewährten" Führer, dem bei jeder Gelegenheit Weihrauch gestreut wird, und dessen Verdienste um den Verband wir keineswegs verkleinern wollen. Die gesetzestreuen Lehrer werden ihm aber doch nur eine kurze Strecke Nachfolgen könnendann komint plötzlich ein Punkt, wo sich die Wege des Führers und der Geführten endgiltig trennen. Herrn Direktor Dr. Lange dagegen können »vir überall hin folgen, denn er strebt den Zielen nach, die das gesetzestrene Judentum dem Lehrer steckt. Gleich uns erblickt er diese dariil,mrter Vereinigung von umfassender Thora-Kenntnis und gründlichem profanen Wissen mit ganzem Herzen Lehrer der Jugend und min zu sein, an allen das Judentum bewegenden Fragen teilzunehmen und sich in den Dienst der vielen „Sonderinteressen" zu stellen, deren Wahrung dem gesetzestreuen Judentum obliegt. Und nur haben in der Tat eine ganze Anzahl von „Sonderinteressen", Herr Steinhardt. Da sind die Ausbildungskurse für jüdische Lehrerinnen, da ist unser Bund, da ist die jüdische literarische Gesellschaft, da galt es unsere vitalsten Interessen bei dem preußischen Bolksschulunterhaltungsgesetz zu wahren, da hieß es für ' den B. g. j. L. eine Pensionskasse schaffen (beiläufig bemerkt, erscheint diese heute schon leistungsfähig, noch bevor das Kassenstatut beraten ist) da — wenn Sie es wünschen, setzen wir die Auszählung fort, Herr Steinhardt. Und auf allen diesen Gebieten waren und sind wir mit voller Einmütigkeit in der Gefolgschaft des terrn Realschuldirektor Dr. Lange. Die Angriffe teinhardts, die übrigens von langer Hand geplant waren, gereichen unserem Führer "nur zur Ehre, uns aber werden sie in unserem Vertrauen nicht wankend machen. Psychologisch v e r ft ä n d l i ch sind ja di^se rüden Angriffe. Der Bund hat in so kurzer Zeit, ohne viel Aufhebens davon zu machen und ohne die Gespreiztheit, die von dem Wesen des Steinhart'schen Lehrerverbands unzertrennlich scheint, die meisten jener Aufgaben erfüllt, die einer solchen Bereinigung zusällen, wie die Einrichtung von Fortbildungskursen, Schaffung eines Vereinsorgans und der oben bereits erwähnten Pensionskaffeandere sind in Angriff genommen. Diese Wahrnehmung reizte der» Zorn unseres Magdeburger Kollegen aufs höchste, er holte wieder einmal zu einem, wie er meinte, vernichtenden Schlage aus und traf — daneben. Es ist nämlich gar nicht wahr, wenn er behauptet, er habe vom Bunde „bisher keine Notiz genommen". Noch keine sechs Monate sind es her, daß er der süddeutschen Orthodoxie und dem Bunde aus ihrer doch so erfolgreichen Wirksamkeit für die Interessen der jüdischen Volks- und Religionsschule in Preußen eine ganz hübsche Schlinge zu drehen versuchte. Das ist ihn» ebensowenig gelungen wie sein jetziges Unterfangen, uns in den Augen der Welt verächtlich zu machen. Seine Angriffe fallen auf ihn selbst und auf seine Hintermänner zurück. Wir haben im ersten Artikel eine ganze Musterkollektion von »vahrhaft beschämenden Beispielen angeführt, welche beweisen, daß uns der Verband nicht nur in der Zahl der Mitglieder, sondern auch in der Kunst Fehler zu nrachen, ganz u n v e r h ä l t n i s m ä ß i g „über" ist. Und »vas den Vorwurf der Flüchtigkeit anlangt, so hat unser verehrter Kollege von der Feder im Fall Spatz ja erst jüngst einen recht eklatanten Beweis seiner Oberflächlichkeit geliefert. Ja, dieNemesis hat Sie erreicht, Herr Steinhardt, gründlich und schnell. ^OIL 1V1V2 ^Dl§n! , Wenn Sie aber pathetisch erklären: „Die Nemesis hat Herrn Ehrmann und seine Helfershelfer, wie sie auch immer heißen mögen, sehr bald erreicht und (sic!) »vir haben »lachgewiesen, wie das Organ dieses Bundes l,,Erziehung und Lehre"? die Schriftleitungsogar ein Bibelwerk mit streng katholischer Tendenz ernpfohlen hat", so können »vir »ind die geradezu verblüffende Meisterschaft bewlmder»», mit der Sie eine sehr bekannte Zirkusfignr kopieren und sich stellen, als ob Ihnen noch keine Ahnung von de»»» fundamentalen Unterschied Der Israelit. zwischen der Empfehlung des Herrn Professor Dr. Sulzbach und den» Fortbildungsprogramm des Herrn Dr. Gutmann aufgestiegen »väre, aber ernst »»ehme»l wir Sie in dieser Frage schon lange nicht mehr. Daß Sie an unserer Artikelserie „Bund und Verband" recht viel auszusetzen haben, wundert uns nicht. Ein Vorwurf würde uns allerdings schmerzen, wenn er von unbefangener Seite käme, derjenige der persönliche»» Gehässigkeit. Nein, die lag uns ganz fern - »vir haben sogar, »rm auch den Schein einer solchen 511 vermeiden, ein sehr »vichtiges Motiv »veggelassen, das i»us die Gründung des Bundes als besonders nötig erscheinen ließheute, da »vir die Angegriffenen sind, dürfen »vir es ganz ruhig rnitteilen: für uns liegt der beste Be»veis, daß der Charakter des Verbands — sagen »vir — kein paritätischer ist, in der Tatsache, daß zum Schriftleiter seines Organs ein Mann berufen wurde, der sich als der erbittertste Feind des gesetzestreuen Judentums ertviesen hat. Wir »vollen »licht nach berühmtem Muster heuchlerisch erklären, daß wir uns nur „mit schwerem Herzen" unserer Haut gewehrt. Neiil, wenn »vir angegriffen sind, dann ist ein frischer, fröhlicher Krieg ga»»z unser Fall. Aber »vir kämpfen für den Frieden, und »vir werden keine Bruderhand zurückweisen, die »ms z»im Frieden entgegengestreckt »vird. Niedrigen Verdächtigungen gegenüber aber tverden wir immer nach dem Grundsatz verfahren: auf einen Schelmen anderthalb. Lorrespsmlelirei, «. Nachrichten. Aus O b e r h e s s e n. Fo - tbildungskurse sind für jederl Ber»»f ein Bedürfnis, an» »»reisten aber für den jüdischen Lehrerder „Bund g. j. L." hat diesem dringende»» Bedürfnis Rechnung getragen und unter Leitung Sr. Ehr»v des Herrn Provinzial - Rabbiner Dr. Hirschfeld einen ständigen Kursus i»» Gießen eingerichtet, au dem seit VU Jahr ungefähr 12 Lehrer der Provinz Oberhessen reilnehmen. Monatlich einmal versammeln sich die Kollegei» in der Provinzialhauptstadt, um zi» „lernen". Es verdient rühmenswert hervorgehoben z»» »verden, daß viele derselben die »veite und nmställdliche Fahrt »licht schellen und gern den freier» Sonntagnachinittag opfern, um sich gemeinschaftlich in nBHpn iarmn weiter zu bilden. Wegen der knapp bemessenen Zeit — es stehen uns kaum vier Stunden zur Berfügilng — mußte der durchzuarbeitende Stoff stark beschllitten »verden. Anfangs »vurde beabsichtigt, die nachbiblische Geschichte unb Literatur in einen Cyklus vor» Vorträgen zusammenzufassen - jedoch schon »»ach de»»» erste»» Vortrag ließ »na»» diese»» Teil des Programms fallen - ebenso »vurde a»»ch die Beschäftigllng mit Jehuda Halevhs „Kusari", »vobei Se. Ehrw. Herr Prov. Rabb. Dr. Hirschfeld eine treffliche Einleitung und Einführung in die jüdische Religionsphilosophie des Mittelalters gab, aus Mangel an Zeit gestrichen. Nachde»»» ich zuerst die nicht durchgeführten Unteruehmuugeu erivähnr habe, »vende id) mich nun dein positiven Resultate zu. In y"trp »vurde nir^n nutr: 2'y 'D bis '£ durchgearbeitet. In "'ttH »vurde zuerst der Konnnentar zu der jetveiligen H"HD besprochen - später aber gi»»g ina»» z»»r rPHD über, von der Kapitel 21 eine gründliche, statarische Behandlung erstlhr. Unser hochverehrter Herr Dozent verstand es, uns a»» der Hand der aphoristischen Bemerkungen Raschis einen tiefen Einblick in die zivilgesetzlichen Vorschriften »»nserer min zu gewähren. Auch in den übrigen Fächern »vird inehr auf Gründlichkeit als auf die Quantität des Stoffes gesehen. Mit besoilderem Nachdruck betonen »vir dieses Prinzip auch bei den UM-Vorträgen, die abwechselnd von den Kollegen über eine»» p)D£ der jetveiligen rrHD unter Zugrundelegung eines Brno gehalten werden - auch hier ist die „Kürze die beste Würze". In der anschließenden Diskussion »vird der vorgeführte Gedanke weiter ausgesponnen, und eventuelle Meinungsverschiedenheitel» werden ausgeglichen. In der letzten Zeit hat »»ns der Leiter __3. Januar 1Ä07 Herr Dr. Hirschfeld, selbst einige Mustervorträge skizziert, die sich des allgemeinen Beifalls in dem Maße erfreuten, daß beantragt »vurde, bei jeden Zusarnmenkunft solche Skizzen zu behandeln »»nd diese»» Punkt als nay m?i Pin zu betrachten, womir sich der Leiter des K»»rses einverstanderi erklärte. Del» Schlliß der Z»lsammcnkünfte bilden freie Besprechungen und gemütliches Beisammensein. Bei dieser Gelege»»heit »verden aktllalle Fragen besprochen, die teils das religiös-rituelle Ge- »neindeleben, teils das religiös-politische Lehrerleben gezeitigt hat. Daß diese Veranstaltung ein wichtiger Faktor ist zur Pflege der Kollegialität und z»»r Hebung des Geineinsinnes unter den so zerstreut wohnende»» Kollegen unserer oberhessischen Provinz, braucht »vohl nicht besoilderS hervorgehoben zu »verden, u»»d es ist fast selbstverständlich, daß alle ai» dieser segensreichen Institution freudig teilnehmen, und ii» dem Bewußtsein, etwas für das Leben urrd für die Schule gelernt z»l haben, scheidet man des Abends aus der geistigen Metropole der Provinz. Herzlicher Dank gebührt deshalb dem „Bund", der diese Eil»richtyi»g i»»s Leben gerufei» und, zrpn pnn« p"»n«, dem verdienstvollen Leiter des Kursus! Möge diese Einrichtung weiteren Segen stiftei» und tiefere Thorakenntnis verbreitenpivh^ ,nT-iKn*1?') min *11 nvb iö^Vi! B. R 0 hrheimer, Lehrer. Fulda, 27. Dezember. Die am 23. d M. im Birkenruth'schen Saale dahier abgehaltene General-Versam»nl»»»»g des „Jeschurum" »var wohl der »lngüustigel» Witteru»»g »vegeu schwächer als so»»st besucht. Der Ehrenvorsitzende, Herr Provinzialrabbiner .Dr. Cah»», begrüßte die Erschienenen in herzlicher Weise und zollte in seiner Rede der mühsanien Arbeit des jüdischen Lehrers volle Anerkennung. Hieran schloß sich der Jahresbericht des Vorsitzender», in dein zunächst mit Bedaueri» erwähnt »vird, daß Herr Schwarzschild sei»» Amt als Vorsitzender niedergelegt hat. Nachden» Herrn Sch»varzschild für feine segensreiche Tätigkeit der Dank des Vereins nusgesproche»» ist und die Versam»nl»»»»g diesen» Dank durch Erheben von den Sitzen Ausdruck gegebei» hat, teilt der Bericht weiter »nit, daß Herr Spiro-Fulda de»» Vorsitz im Verein übernommen hat. Es folgt das Referat „Pflege der Vaterla»ldsliebe in der jüdischeil Schule nach der» Grundsätzen des gesetzestreuen Judentums". Herr Freudenberger- Flieden löste seine Aufgabe in geschickter Weisc> »ind es »vl»rde ihm sür seine Anregungen der Dank der Versammlung in herzlicher Weise zun» Ausdruck gebracht. Leitsätze, an die sich eine Debatte hätte anschließcn können, »varen »»icl»t allfgestellt »vorder», die Vecsammlung erklärt sich mit dein Gehörten einverstanden. Das Vermögen des Vereins beläuft sich auf ca. 19000 Mark - endgiltiger Rechnungsabschluß erfolgt a»n 31. ds. Mts. - zu Kassenrevisoren »verden Freudenberger- Flieder» »md Oppenheim-Wehrda gewählt. Die Borstaudswahl ergibt Wiederrvahl des bisheriger» Vorstandesals Delegierter des „Jesch»»rnn" in den Vorstand des „Bundes g. j. L. D." wird Neu-Hanau geivählt. Als Thema für die »»ächstjährige General-Versamml»»»»g »vird vorgefchlagen »n»d ange»»omrnen: „Welches Ziel ist im Pentate»»ch unb in» Gebetübersetzen in dev jüd. Schule zu erreichen?" Als Referent »vird Gans-Niedera»»la, als Korreferent So»»»»-Rhina bestimint. Mit de»»» W»»nsche, daß die Kollegen recht zahlreich zu der General-Versammlung des „Bundes" am *7. Januar s. G. w. in Frankfurt erschei»»en »»»öchten, »vurde die Versammlung gegerr 6 Uhr geschloffen. Der Schriftführer: Loewenstein. Darm sta dt, 27. Dez. Die Abteilung für Schulangelegenheiten Größt). Ministeriums »vird an» 11. März in» Darmstadt »viederum eine Religionsprüfung für israelitische Religioslehrer abhalten. Diejei»igen, »velche sich daran beteiligen wollen, haben die entspreche»»dei» Papiere und Zeugnisse bis 11. März bei den betreffenden Kreisschulkommissio»»en einzureichen, »vorauf ihnew Näheres zugestellt wird. WWW