Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-01-03 · Heft 1 (3.1.1907) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 1 (3.1.1907)
Date
1907-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449246--63150-2505678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

3. Januar 1907. Der Israelit. Nr. 1. Seite 7. essen des orthodoxen Judentum" in Frankfurt a.M. der einzigen vorhandenen Zusammenfassung einer großen Anzahl von Gesetzestreuen in Deutschland. Der Bericht der im Verlauf dieser Verhandlungen ebildeteu gemischten Kommission wurde von eren Vertretern ttt einer Vorversammlung am Montag Nachmittag — unter Vorsitz des Herrn Rektor Dr. Hoffmann, Berlin — erstattet und es schloß sich daran eine gründliche Besprechung aller bei der Lösung des bedeutungsvollen Problems in Betracht kommenden Fragen. Sowohl der Bericht des Herrn Dr. Biberfeld, B e r l i n als die Ausführungen des Herr u Rosen heim, Frankfürt a. M. fanden lebhaften Widerhall, so scharf auch zuweilen die Ansichten einander gegenübertraten. Mit unverkennbarer Lebhaftigkeit trat namentlich unter den jüngeren Rabbinern der Wunsch nach einem endlichen festen Zusammenschluß der aus dem gleichen Boden der jüdischen Neberlieferung stehenden und bisher nur durch taktische Erwägungen von einander getrennten Parteien zu Tage. Die Verhandlungen wurden in später Stunde am Montag abgebrochen und Dienstag Vormittag nach Erstattung der offiziellen Vorstands- und Kommissionsberichte mit einem resümierenden Referate des Herrn D r. Auerbach, Halberst adt über die Frage der Verständigung fortgesetzt. Die Diskussion endet mit der einstimmigen Annahme einer Resolution, in der die Notwendigkeit des Zusammenschlusses betont und der Wunsch ausgesprochen lvird, daß aus Grund des von der gemischten Kommission bereits vorgelegten und in seinen Grundzügen gebilligten Entwurfes einer Reorganisation der „Freien Vereinigung" die Verhandlungen mit dieser Körperschaft fortgesetzt und zu einem baldigen glücklichen Ende geführt lverden mögen. Einige Wünsche, die dabei zu berücksichtigen sein werden, wurden uochmals zunk Ausdruck gebracht. Es folgte alsdann ein überaus anregender halachischer Vortrag des Herrn Dr. Horowitz, Frankfurt a. M. über die Begriffe 'lai nma nupn ,P2->1 ^rvnitn. Professor Dr. Barth, Berlin, sprach über die interessanten Ausgrabungen in Assuan (Südegypten), D r. W r e s ch n e r, S a m t e r über die geschichtliche Entwickelung der Verfassungs- Verhältnisse der jüdischen Gemeinden Preußens. Im Anschluß hierail referierte Herr Dr. M lln k, Berlin über die Organ isati onsb estrebungeh der preußischen Iudenheit. Die anschließende Diskussion gipfelte in der Annahme einiger Thesen, die wir in der nächsten Numnier veröffentlichen werdeit. Lebhaften Beifall fanden auch die Referate der Herren Dr. Hirsch Hildesheimer, Berlin über die Schachtfrage und Dr. P. K o h n, A n sbach: Ritualfragen. Der bisherige Vorstand der Vereinigung, bestehend aus den Herren: Rektor Dr. H offmann, Berlin, Vorsitzender, Dr. I. Bondi, Mainz, Dr. I. E oh ll, Kattowitz, Dr. M. H o r owi tz,Fr a n k u r t a. M., Dr. P. Kohn, Ansbach, Dr I. Loeb, Emden, Dr. E. Mllnk, Berlill, wurde wiedergewählt. Berlin, 2. Jan. Unter überaus starker Beteiligung wurde anr Dienstag nachmittag 5 Uhr in den Verwaltullgsräumen der jüdischen Gemeinde der De legier tentag des Verbau des der Sabbathfreunde eröffnet. Durch eigene Delegierte waren vertreten die Ortsgruppen: Breslau, Fulda, Hanau mit Schlüchtern und Langenselbold, Jchenhausen, Nürnberg, Marburg, Halberstadt, Gelnhausen, Frankfurt a. M., Schwabach, Stuttgart, Wreschen, Schweinfurt, Posen, Mannheim und Alsfeld, sowie die Württembergische Landesgruppe. Außerdem hatten noch eine Reihe weiterer Ortsgruppen die Delegierten der Nachbargruppen mit ihrer Vertretung beauftragt. Nach Verlesung eines poetischen Willkommgrußes des Delegierten Frey h an-Breslau eröffnete der Vorsitzende Dr. B i b e r f e l d - Berlin die Versammlung und ernannte zu stellvertretenden Vorsitzenden die Herren I. Rosen Heim- Frankfurt a. M., I. G a b r i e l - Posen, zu Schriftführern die Herren Max 9!eüberger-Berlin und Rszewski-Posen, zu Revisoren wurden die Herren A. Kober-Breslau und Loewenthal-Berlin gewählt. Der Geschäftsbericht schildere zunächst die Gründungsgeschichte des Verbandes, der wider Erwarten durch die lebhafte Unterstützung, die der gefchäftsführeude Ausschuß bei den Gesinnungsgenossen im Reiche fand, sich sehr rasch entfaltete und jetzt ungefähr 3000 Mitglieder zählt. Aus der Tätigkeit des geschäftsführenden Ausschusses ist vor allem die Anregung hervorzuheben, die der Verband bezüglich der bevorstehenden Novelle zur Gewerbeordnung andern jüdischen Verbänden gegeben hat, und die sehr bald Früchte zll zeitigen verspricht Sehr häufig hatte der Ausschuß Gelegenheit, als Berater von Gesinnungsgenossen zu fungieren, denen Behörden gegenüber, sei es in Schulangelegenheiten, fei es vor Gericht oder Militärbehörden durch die Beobachtung des Sabbaths Schwierigkeiten erwuchsen. Häufig hat der Verband in diesem Falle Eingaben an die betreffenden Behörden unter Benutzung des von ihm gesanrmelteu gesetzlichen Materials abgefaßt. Erfreuliche Erfolge hat die von der Ortsgruppe Berlin gegründete, sogenannte „Pea", d. h. eine Brockensammlung, die jetzt schon, obgleich es an geeigneten Räumen fehlt, über M. 3200 Einnahmen verfügt, und durchschnittlich 6 bis 8 ratr 'HD'itP b eschäftigt. Das Hauptaugenmerk des geschäftsführenden Ausschusses bildete natürlich in diesem ersten 'Jahre des Bestehens der Ausbau der Organisation. Auf der vorhandenen Grundlage muß weiter gearbeitet und das Netz der Ortsgruppen immer mehr ausgedehnt werden. An Gelegenheiten zu praktischer Arbeit fehlt es, wie die Tagesordnung und wie die vorliegenden Anträge der Ortsgruppen zeigen, keineswegs. In der anschließenden Diskussion des Berichtes gelangte eine große Fülle von Vorschlägen und Wünschen zur Anssprache. Unter anderem regte Delegierter Werth eim- Fulda die Ablösung von Telegrammen, sowie Maßnahmen ähnlicher Art an. Ko ber-Breslau wünscht eine stärkere Anregung der Ortsgruppentätigkeit von Seiten des geschüftsfnhrenden Ausschusses, da die Ortsgruppen häufig kurz nach ihrer Gründung in eine Art Marasmus verfallen. Rosenheim - Frankfurt weist auf das Beispiel der Ortsgruppe Gießen hin, die aus eigener Initiative die Einrichtung getroffen hat, daß in r e g e l in ästigen Zwischenräumen ö f f e ll t l i ch e Versammlungen mit geeigneten Vorträgen stattfinden, und die auch bereits ein Lesezimmer für junge Leute ins Leben gerufen hat. A r o n - Stuttgart wünscht die Bildung von Landesgruppen, ein Vorschlag, den der Vorsitzende als im allgemeinen nicht zweckmäßig zurückweist. G r a d e n w i tz - Berlill wünscht eine Herailziehung der Ortsgruppen für die Zwecke der Stellenvermittlung, was ja in einem Antrag der Ortsgruppe Berlill auch Allsdrnck findet. Zum zweiten Punkte der Tagesordnllllg: Die Ne ll r egelu n g d er S o n ilta gsru h e in der bevorstehenden Novelle zur Reichsgewerbeordnung liegen Anträge der Ortsgruppen Stllttgart ulld Breslall vor, die die gleiche Tendenz verfolgen. Namens des geschäftsführenden Ausschllsses berichtet Lazarus-Berlin von den Beratungen, die zwischen dem Ausschuß des Verbandes und dem Verband der Deutschen Juden in der Angelegenheit stattgefundeil haben. Man gedenkt in Betreff der Sammlung des Materials für die au die Regierungsstellen zll richtendeil Eingaben sich gegenseitig zu unterstützen. Dagegen wird der Verband der Sabbathfreunde alsdann selbständig Vorgehen. In der anschließellderl Diskussion betonten mehrere Redner die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit dieses selbst- 'tändigen Vorgehens. Die Verhandlungen werdell rnorgen fortgesetzt. Frankfurt, 3. Jarmar. Die Israelitischen Religionsgesellschaften in Hessen haben vor einiger Zeit ihre schweren Bedenken gegen das geplante Gesetz, das eine jüdische Zentralbehörde für das Land schaffen will, in einer Eingabe an die zweite Kammer ausgesprochen. — Kurz vor Redaktionsschluß geht uns nun ein merkwürdiges Schriftstück zu, das in Erwiderung aus jene Eingabe die Gemeinden der hessischen Provinzialhauptstädte der Kammer zu überreichen im Begriffe sind. — Wie ein roter Faden.Meht sich dllrch das Ganze der immer w ederholte Hinweis darauf, daß trotz aller Befugnisse des Oberrates das Ministerium stets das letzte Wort habe, daß also die Befürchtungeil der Orthodoxie unbegründet seien. Wie haltlos dieser Verteidigungsgrund ist, tjaOeu wir wiederholt nachgewiesen. Dos wäre indessen noch das wenigste. In keiner Weise zll verzeihen jedoch dürfte der Umstand sein, daß die Verfasser des Elltwurfes den ihre heiligsten Rechte verteidigenden Gesetzestreuen in gehässigster Weise unlautere Motive für ihr Vergehen unterschieben, sie einer falschen Darstellung der Tatsachen beschuldigell, mw zu behallpten lvagen, die Eingabe der Gesetzestreuen suche die Kammer zn täuschen. — Es ist bedauerlich, daß eill sinnloser Partei haß zll Aeußerungen führt, die ihre llrheber bei klarer Besinnung später selbst bereueil lverden. Wir kommen auf die Gegeneingabe, deren tatsächlicher Inhalt in starkem Mißverhältnis zu ihrem Umfang steht, in der nächsten Nlimmer eingehend zurück. Frankfurt, 30. Dez. Ueber das Gebetbuch des Badischen Oberrats hat die Rabbinerkommission der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" auf Ersuchen folgendes Gntachterr abgegeben: Das von dem Großherzoglich Badischerl Oberrat der Israeliten herausgegebene Gebetbuchs) ist lvegen der darin enihalteilen Abänderungeil lind Streichungen von einzelnen Gebetstücken oder Teilen derselben nach beit Bestimmungen des Religionsgesetzes für das pflichtgemäße Geber des Juden nicht brauchbar. Allßerdem bekundet es eine solche Planlosigkeit und Willkür und dadurch schon rein äußerlich eine solche Verletzung der schuldigen Achtung vor devl Gebete, daß — abgesehen von den inneren Mällgeln — die Benutzung des genanllten Gebetbuches mit der Anerkennuug der Heiligkeit des Gottesdienstes unvereinbar erfcheineil muß. Aus der Fülle voll Beweisen für vorsteheildes Urteil feien nur die folgenden hervorgehobell: I. Die Umgestaltungen all ulld für sich sind — ohne Rücksicht auf die in den „Vorbemerkuilgen" ausgesprochene und im Gebetbuch selbst sich zeigende Tendenz — ein Verstoß gegen die religionsgesetzliche Vorschrift, daß die voil den Ordnern der Gebete festgesetzte Forni beibehalten werden muß (Babli Verachoth 40b). U. In vielen Aenderungen und Streichungen liegt eine offenkundig Leugnllng grundlegender Wahrheiten des Judentums, insbesondere der prophetischen Verheißungen über die Zukunft Israels und der gesamten Menschheit. So z. B. lverden geleugnet: a die dereinstige Sammlung aller Glieder des Volkes Israel ( V. Buch Mos. 30, 4; Jerem. 31, 9-Maimonidess HilchothMelach im 11,1) in Nr. 49 Ziffer 10 S. 98, Nr. 111 Ziffer 4 S. 238, Nr. 149 Ziffer 4 S. 362; b) die Verheißung des persönlichen Messias «Jesaj. 11, 1/ Jerem. 23, 5. 6; Maimonides, ibid.) in Nr. 49 Ziffer 14 und 16 S. 100. 102; Nr. 105 S. 228; c) die Wiederherstellung Jerusalems ui d des Tempels (Jef. 2, 2; Micha 4. 1. 2; Maimonides, ibid.) in Nr. 89 Ziffern S. 202; Nr. 150 S. 368; Nr. 193 S. 492; d) die Auferstehung der Toten (Sanhedrin, Mischna X, 1; Babli 90 b- Maimonides Hilchets Theschubah 111,6) in dir 8 <s?. 10. III. Im Widerspruch mit den sub II b ge- *) Gebetbuch Erster Teil. Für Werktage, Sabbathe, Befreiungsfest, Offenbarungsfest u. Laubhüttenfest. Herausgegeben von dem Großherzoglich Badischen Oberrat der Israeliten. Als Manuskript gedruckt. Verlag des Großherzogl. Oberrats der Israeliten in Karlsruhe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.