Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1901)
- Date
- 1901-12-30
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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2299 christliche Riechen BlNipcldcr beistciierl lgrvsffl Beisotl», öffentliche Kranlcnbäiisclstiftet, in denen mit der strengsten Unpeirtcilichkcit jüdische Krankenpfleger und jüdische Arzte ausgeschlossen sind ianhaltender Beifall), dast er vorurtheilSloS für jüdische Zlvecke jeden Pfennig nerlveigert: ivenn er einen gemeinnützigen Sinn besitzt, so tvendel er seine Mittel solchen LandeseinAchtungen zu. an denen den Juden in der Regel kein Antheil ge gönnt ist. Und selbst wenn der jüdische Millionär einmal so parteiisch, so vorurtheilsvoll, so intolerant ist, dast er auch für jüdische Brüder etlvas thnn ivill, so tbut er es unfehlbar so, dast es dem jüdischen Volke nicht znm Segen, sondern znm fluche gereicht! tLautcr Bei fall und Zustimmung.) Er vertheilt Almosen und züchtet Schnorrer, oder gründet Kolonien mit solcher «Geschicklichkeit und so glücklicher Hand, dast er die Kolo nisten, die ursprünglich tüchtige Arbeiter und es bleiben ivollten, in Bernfsbettler verwandelt; oder er hinter lästt dem jüdischen Bolle Hunderte don Millionen, und umgibt dieses in der Geschichte des jüdischen Volkes beispiellos großartige Vermächtnist mit solchen Bestim mungen, dast, di-' Schenkung, die das Werzeug der Erlösung werden könnte, zur tückischen Bekriegnng und Auflösung des jüdischen Volkes verwendet wird, und lvir Juden in diesen Millionären den schlimuisten Feind des jüdischen Volkes erblicken müssen! (Hört' Hört! Tosender Beifall. Große Unruhe.) Sie sehen, die Erkenntnis;, die lvir erlangen, lvenn lvir die wirthschaftliche Verfassung des jüdischen Volkes mit Wirklichkeitssinn und Wahrheitsdrang prüfen, ist herzbrechend. Wir gelangen zur trostlosen Feststellung, dast wir ein Volk von bettelarmen Proletariern, mit geistigen Bedürfnissen von Gdellenten sind. Wie soll dieses bettelarme Volk die Anstrengungen machen, die der Zionismus von ihm fordert? Wie sollen die kläglich schwachen Elemente ein auf Freiheit hoffendes und strebendes Volk schaffen, ein starkes neues Gemeinwesen aufbauen. Diese Elemente sind es, mit denen wir zu arbeiten haben. Die erste Aufgabe ist es, sie zu stärken und ökonomisch tüchtiger zu machen, damit ne für den Zweck brauchbarer werden. Wir stehen hier vor einem mculus vitiosus, angesichts dessen ein schwaches Herz verzagen könnte. Das jüdische Volk kann aus seiner bittern Armuth nur erlöst werden, wenn es eine eigene Scholle besitzt itnb ein normales Wirtschaftsleben führt; und es kann nur regelrechten Erwerb und ein normales Wirthschaftsleben einrichten, wenn es von der bitteren Armuth erlöst ist. E; Hilst nichts vor der grausamen, geschloffenen Rundung des Kreises zu stehen und die Arme stecken zu lassen. Wir müssen in den Ring entbrechen, wir müssen damit beginnen, das Volk wirthschaftlich zu stärken. Nur dieses Volk kann zur Verwirklichung des Jedeals dienen. Dies ist meine Antwort an diejenigen, die von den sogenannten Gegenwart saufgaben des Zionismus nichts wiffen wollen, weil sie unsere Kräfte zersplittern und unser Streben vom Ziele ablenken. Man wird mir nicht bestreiten wollen, daß ich berufen bin, zum Basler Programm einen zuverlässigen Kommentar zu liefern. Wir können Sie versichern, daß wir, als wir die Mittel aufzählten, die zur Erreichung unseres Zieles dienen sollten, bei den Punkten 2 und 3, an die Organisation, an die ökonomische Kräftigung und die wirthschaftliche Stärkung dachten. Die Gegenwartsaufgaben fügen nichts neues hinzu, sie sind darin enthalten. Wir arbeiten für den Zionismus ebenso unmittelbar, wie wenn wir diese schwachen Elemente fähig machen, brauchbare Zionisten zu werden. (Beifall). Der Programmpunkt, zu dem ich als Berichterstatter bestimmt bin, spricht mit echt jüd.scher Weltsremdheit von der körperlichen, geistigen und wirthschaftlichen Hebung der Juden. Halten Sie mir die kleine wohlwollende Kritik zu Gute, die darin liegt, daß ich diese Reihenfolge umkehre. Denken Sie zuerst an die wirthschaftliche Erhebung. Das ist die dringendste Aufgabe, wir kommen nicht um diesen Zirkel herum. Ohne Geld keine Hochzeit, sagt das jüdische Volk. (Heiterkeit). Es ist eine Grausamkeit, von der körperlichen Hebung armer Teufel zu sprechen, die sich nicht aus Unwissenheit schlecht nähren, die nichts zu essen babcn; die nicht aus schlechter Gewohnheit in elenden .Löchern, in dumpfen Räumen und in verdorbener Luft hausen, sondern die die Kosten einer weniger lebensgefährlichen Wohnung nicht erschwingen können. Wer hätte den Mutb, nackten, hungernden Leuten salbungsvoll zu predigen: „Brüder, nährt Euch reichlich, kleidet Euch warm, lebt in luftigen, reinen, wohteingerichteten Stuben." Einen solchen Rath darf man nur dann ertheilen, wenn man seinen Worten gleich die Mittel zufügt. Anderen Völkern, die körperlich heruntergekommen sind, kann man cinschärfen, sie sollten ihre Laster ablegen — wir brauchen diese Laster nicht abzulegen; denn wir haben fte nicht. Wir müssen, um den physischen Verfall unseres Volkes aufzuhalten, Gewohnheiten annehmen, die wir nicht haben, nämlich die Gewohnheit, besser zu wohnen und reichlicher zu essen, und das sich anzugewöhnen, würde wahrlich nicht schwer werden, wenn wir erst das nöthige Geld hätten. Die körperliche Erhebung ist eine Geldfrage. Lassen Sie das jüdische Volk wohlhabend sein und Sie werden kein Wort über die körperliche Hebung zu verlieren brauchen. Es wird von selbst und mit größter Schleunigkeit wiedererstarken. L>ehen Sie sich die jüdischen Familien an, die seit drei Jahrzenten bemittelt sind; vergleichen Sie die staatlichen Reiter, die flotten Tänzer, die Turner, die Fechter, Schwinlmer; vergleichen Sie die großen