Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1901)
- Date
- 1901-12-30
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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3398 dem der Jude zum Studiren gelangt, reizt in seiner paradoxen Absurdität zum Lachen und zum Weinen: er hat zum allerbescheidensten Beruf die Mittel so wenig, wie zum anspruchsvollsten — warum soll er nicht den anspruchsvollsten wählen? (Großer Beifall und Be wegung.) Es fehlt ihm dazu nicht mehr wie zum be scheidensten. sondern nur ebensoviel: nämlich Alles. Der jüdische Bettelstudent treibt ein tollverwegenes Spiel um hohen Gewinn mit lächerlich geringem Einsatz. Mancher Jude, der es fabelhaft weit gebracht hat, wenn er in die Tiefe seiner Beweggründe Hineinblicken würde, müßte bekennen: da ich nicht Taglöhner werden konnte, blieb mir nichts übrig, als Minister zu werden. (Beifall.) Wir sind ein Volk von Luftmenschen und Bildungsproletariern. Wir leben vom Zufall und Wundern, wir haben keine Reserve für morgen und kein Kapital für heute. Unsere Handelsleute hängen zitternd am brüchigen Faden des Kredites. Unsere Tagelöhner können nicht den besten Arbeitsmarkt aufsuchen; unsere Handwerker müssen, jeder für sich, Amerika entdecken und das Pulver erfinden. Unsere studierenden Leute sind Leute, die zum Studium kein Geld und keine Zeit haben, und wie wir kein Betriebskapital haben, so haben wir keine Kundschaft. Jedes Volk unter normalen Verhältnissen bildet einen selbstständigen Wirthschaftsorganismus, der sich ursprünglich selbst genügt; später tauscht er den Ueberschuß seiner Produktion mit anderen Völkern aus. nicht um zu leben, sondern um besser zu leben, nicht um die elementarsten, sondern um die höheren Bedürfnisse befriedigen zu können. Rur das jüdische Volk bildet keinen geschlossenen Wirthschaftskörper; denn es fehlt ihm am Boden: es hat keine Erzeuger wirthschaftlicher Werthe. die sich auf die Volksgenossen beschränken können. Der jüdische Erzeuger ist auch auf nichtjüdische Kundschaft angewiesen; er muß den Nichtjuden verkaufen, und für sie arbeiten, denn er kann nur dort Rohstoffe einkaufen. Der Nichtjude wird aber nur mit Widerstreben sein Kunde: er wird es nur. wenn ihm Vortheile geboten werden, die er bei Nichtjuden nicht findet. Um den marktgängigen Preis zu erlangen, muß er eine Leistung von höherem als dem marktgängigen Werthe anbieten, um seine Leistung von marktgängigem Werthe anzu> bringen, muß er sie unter dem marktgängigen Preise anbieten; also bei gleicher Leistung, ein schlechter Preis, bei gleichen Preisen mehr und bessere Leistungen. Der Jude hat nur die Wahl zwischen Boykott und Preisschkeuderei. Das ist das Verhältniß. das ich an anderer Stelle die Ausbeutung des jüdischen Volkes durch andere Völker genannt habe. Wer die Nothlage eines Andern benutzt, um daraus Vortheile für sich zu gewinnen, der ist nach dem Wortlaut des Gesetzes ein Wucherer. Die Völker, die uns ihre Kundschaft nur zuwcnden, weil wir gezwungen sind, mehr zu geben, bewuchern uns buchstäblich. (Beifall.) Wer für andere arbeitet, ohne den dem Werth entsprechenden Lohn zu erhalten, und wem nicht freisteht, den günstigsten Markt zu verwerthen, dessen Arbeit nennt die Nolkswirthschaft eine unfreiwillige oder Sklavenarbeit — wir sind die Sklaven der Völker, für die wir zu arbeiten gezwungen, weil nur uns nicht selbst genügen können und nur unter der Bedingung geduldet werden, daß wir die entlohnte Sklavenarbeit willig verrichten. Denn beobachten Sie, meine Verehrten, wie nicht nur unsere Feinde, sondern auch die, welche sich für unsere Freunde halten, sprechen. Forttnährend ist von unseren Diensten, von unserer Nützlichkeit die Rede. Die Feinde sagen, wir leisten keine Dienste, >vir sind nicht nützlich; die Freunde betheuern, vnr leisten Dienste, wir sind nützlich. Ueber die gleich giltigc Frage: welche Dienste leisten die Juden, welchen Nutzen bringen sie uns, scheint sich Niemand zu wundern. Niemand scheint sich zu wundern, wie unerhört, wie ungeheuerlich dieser Standpunkt, diese Fragestellung! (Großer Beifall.) Welches andere Volk der Erde hat man sich je erdreistet zu fragen: Wozu dient es? Wo hat man je gehört, daß ein Volk zu etwas dienen soll? Ein Volk ist sich Selbstzweck, es lebt sich, nicht Andern zu Gefallen! (Großer Beifall und Bravorufe.) Es darf natürlich keinem anderen Volke schaden, weil es sonst Abwehr hervorruft, die es vernichten kann; aber es braucht Niemandem zu nützen, es braucht sein Dasein nicht zu erkaufen dadurch, daß es Andern Dienste leistet. Nur von uns findet man es selbstverständlich, daß wir unser Recht auf's Dasein durch Anderen geleistete Dienste erweisen müssen; nur wir haben nicht das Recht, für uns selbst zu leben, wir sind die natürlichen Hausknechte aller Völker, die der Dienstherr wegjagen kann, die aber selbst ihrem Dienstherrn nicht kündigen können, weil es keine Auswahl von Dienststellen gibt. (Bewegung.) „Wir Zionisten suchen zum ersten Male die K ü n d i g u n g in dieses schmachvolle Dienstverhältniß hineinzubringen' (Lauter Beifall.) Der Zionismus ist thatsächlich die Kündigung des jüdischen Hausknechts an diejenigen Dienstherren, die ihn allzu nichtswürdig mißbrauchen. (Beifall.) Fürst Bismarck hat einmal gesagt, er wünsche dem deutschen Volke eine große Anzahl Thalermillionäre, denn ihr Reichthum komme der Kultur des Volkes zu Gute. Was Fürst Bismarck von dem deutschen Volke gesagt hat, das ist von allen Völkern richtig. Die Millionäre sind für das ganze Volk von Werth, sie können gar nicht anders, als die Bildung des Volles erhöhen, die Kunst fördern, die wirthschaftliche Kraft stärken: wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten. (Bravo!) Nur bei unserem armen Volke ist alles so annormak, daß es in seiner Gesammtbeit als Volk nichts dabei gewinnt. Die bekannte Ausnahme, die angeblich die Regel nur bestärken soll, zugegeben, können wir sagen, daß jeder Jude, der Millionär wird, ein dem Judenthum verlorener Sohn wird. Wird es ein Jude ausnahmsweise, so sind die Millionen gut für ihn und sein Land; aber für sein Volk sind sie eine Schwächung, denn der jüdische Millionär hält es für seine erste Pflicht, ein schönes Beispiel von Vorurtheilslosigkeit und Toleranz zu geben, und er thut es unabänderlich in der Meise, daß er tolerant für