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Der Israelit · 1901-12-30 · Heft 103 (30.12.1901) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 103 (30.12.1901)
Date
1901-12-30
Page
– (sequence 24)
Language
German
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2394 daß das jüdische Volk an dem regierenden Khalifen einen Freund und Gönner besitzt. Der Sultan hat mich ermächtigt, dies öffentlich mitzutheilen. Mögen es denn die Juden der ganzen Welt erfahren, mögen sie auch verstehen, welche Aussichten für sie in dieser Thatsache enthalten sind, und mögen sie endlich bereit sein zur Aktion, durch die sie sich selbst Helsen und zu neuem Aufblühen des türkischen Reiches beitragen können. (Großer Beifall.) Geehrte Kongreßmitglieder! Wir, Ihre Beauftragten, sind mit unserer ersten Arbeit fertig. Wir sind gleichsam die Mechaniker gewesen, die eine elektrische Anlage herzustellen hatten. Wir haben die Maschinen gebaut, welche Kraft in Strom verwandeln können, wir haben auch die Leitungsdrähte gelegt, öfters an Stellen, die vorher unzugänglich schienen. Damit ist aber unser bescheidenes Werl auch gethan. Ueberblicken Sie es heute! Die Hauptsache in unserer Anlage war dieser Kongreß, ein Vertretungskörper für die in aller Welt Zerstreuten, eine jüdische Tribüne, deren Ansehen von Jahr zu Jahr gestiegen ist, Dank dem Ernst und den redlichen Absich ten der Männer, die hier zu Worte kamen. Von hier gehen heute schon Losungsworte aus für die ganze Diaspora. In allen Ländern Europas, in Mord- und Südamerika, in Nord- und Südafrika, bis nach Sibirien, Indien und Australien, gibt es heute zionistische Vereine mit dem Baseler Programm. Heuer zum ersten Male findet überall beinahe gleichzeitig eine Kundgebung statt: Der Welt-Zionistentag. Viele Hunderttausende von Juden nehmen daran Theil. (Großer Beifall.) Durch unsere Vereine ist ein unerwartetes Leben in's Judenthum gekommen. Es gibt zahllose einzelne Anstrengungen, die zusammen etwas Mächtiges darstellen. Die geistigen und moralischen Wohllhaten des Zionismus sind schon heute sehr bedeutend, das können auch unsere Gegner nicht bestreiten. Schon ist eine Plejade von Dichtern, Künstlern und Gelehrten durch unsere Idee ausgerusen und begeistert worden. Wunderbar genug: es sind, wie wir gesehen haben, nicht nur Juden. Das ist der Beweis, daß wir allgemein Menschliches verkünden und erstreben. Und schon fallen Lichtstrahlen in manchen dunklen Winkel unserer Armen. Toynbee-Hallen, Volksbildungsheime entstehen an vielen Orten. In Schule und Haus erhebt sich ein Ideal vor der Jugend. An den Universitäten ist in die Studenten ein neuer Geist gefahren. Arbeiter und Handelsangestellte kommen zu höheren Diskussionen zusammen. Daneben wird die körperliche Ausbildung in Turnvereinen, die Geselligkeit in Gesangvereinen gepflegt, Ge noffenschaften zur gegenseitigen Unterstützung entstehen. Dies Alles im Zeichen des Zionismus. Aber wir können die Anstalten nur einrichten — das Volk selbst muß sie weiter erhalten und ernähren.; Und dies gilt vor allem auch von dem finanziellen - Instrumente unserer Bewegung. Die jüdische! E c ( o n t a l 6 a n f in London i ft heute I aftiansf 8 hig (großer Beifall). Die Gegner j baden ihr im Vorhinein viel Uebles nachgesagt. Aber ) es gab da weder Gründergewinne noch auch Tantiemen oder irgendwelche Bortheile für den Ansüchtsrath, und die Verwalter haben kein anderes Bestreben, als die Sieberurig der gesellschaftlichen Habe gegen alle Gefahren. Wir müssen auch fernerhin dafür sorgen, daß dieses Gnt mit der größten Gewissenhaftigkeit gehütet werde. svarfam und lieber zu ängstlich, als zu muthig. Der Kongreß übt die Aufsicht durch seine freigewählten Organe aus, und darin liegt der Werth der Einrichtung. Er muß über die Verwaltung öffentliche Rechenschaft abgelegt werden. Die Mittel, welche für den Volkszweck da find, können nicht durch die Launen oder Fehlmeiiniugen einzelner Personen für etwas Anderes veriuendet loerden. Dieses Finanzinstitnt muß nach den: vom Kongresse vorher bestimmten Grundsätzen und mit der Sorgfalt eines guten, ängstlichen Familienvaters geleitet werden. Und jetzt, da es eristirt, tonnen mir auch an die Ausführung des Planes schreiten, den unser verewigter Freund, der Heidelberger Nniversitäts - Professor Schapira, dem ersten Kongresse vorgelegt hat. 1 Die S d) assu n a d e s N a t i o n a l s o n d s. Die Eolouialbauk in London wird die Depotsstellc sein. Sie weclcn im Lause unserer Aerhand langen den neuen Entwurf kennen lernen, und darüber beschließen. Das Volk soll nicht nur de: Stifter, son dern auch der dauernde Herr dieses Zweckvermögens sein. Dadurch sind willkürliche von den Absichten des Stifters abweichende Verwendungen ausgeschlossen. So können wir in einem gewissen Sinne sagen, daß wir mit unserer ersten Aufgabe.Fertig sind. Die Institutionen sind vielfach nur äuge deutet und derbesserungsfähig. aber sie sind Vorhang ’v, Das jüdiche Volk kann sie ausbauen, verstärken und benütze^, wenn cs will. In Allem haben!vir uns Hemüht Unpersönliches einzurichtcu. Nur das hat Dauer. Kein Einziger von uns ist heute mehr unentbehrlich. Mer immer von uns verschwinde oder aus den Reihen falle, die Sache geht weiter. Wie schnell -'der lvie tangsam die von uns vorbereiteien Wirkungen eintreten werden, das können wir nicht bestimmen. Von uns hier hängt es nicht ab. Wir konnten nur die Anlage Herstellen, die Kraft, kollnten wir nicht liefern. Die Kraft muß vom jüdischen Volke geliefert lverden, — wenn es will. Die Rede von Dr. Herzt wurde mit großem Beifall ausgenommen. Bexgutrvortlichr Redaktion: OScar Lehmann in Main». — Expedition des „Israelit", Schottstraße.Nr. 2,»Main-. Druck und Verlas der Ioh. Wirkh'scheu Ssfbnchdruekrii Actten^Gekekrsch^t **t MKn,-

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