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Der Israelit · 1901-12-30 · Heft 103 (30.12.1901) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 103 (30.12.1901)
Date
1901-12-30
Page
– (sequence 22)
Language
German
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3393 gesunde Wohnungen und gute Nahrung vorhanden sind. — Im Punkte der Religion ist unser Standpunkt, daß Religion Privatsache ist- »vir können sie nicht unterlaßen, »vir können sie auch nicht Allen vorschreiden: denn sie ist ein Theil des pshchologischen Inhalts des Judenthums. So ergibt sich der politische Zionismus, er vereinigt alle berechtigten Forderungen, ohne dabei das Ziel zu verlassen, ohne die Wirklichkeit zu verlassen, indem er sich immer an das nächste Ziel hält. Wir haben also vorläufig nur zwei Ziele: die Er richkung einer gesickerten Heimstätte und die Borbereitung der Völker für die Ergreifung derselben. Dazu ist aber die Vorbereitung jetzt schon nöthig. Aber Muskeljuden können wir nicht hier schaffen, sondern erst in Palästina." Der Redner führte dann »veiter aus, daß dazu die Kräfte zusammenzufassen seien und daß man sie nicht in verschiedenen Parteien zersplittern dürfe. Wenn inan diese nächsten praktischen Ziele in's Auge faßt, müssen alle ideologischen Streitigkeiten aufhören. Wir verhalten uns daher zu den Streitigkeiten nur negativ. Was uns Roth thut. ist eine strenge Disziplinirung. Wir müssen uns den Grundsatz Belgiens zum Vorbild nehmen: 1'Union fait la foree. Der Redner legte dann nock besonderes Gewicht auf die Schekelzahlung und den Aktienverkauf, auf die man nicht von oben herabsehen dürfe. „Wir können Alle einig gehen, sobald »vir »ins das Basler Progra»mn z»ir Richtschnur nehmen." Diese Ausführungen tvaren von allgemeinem Bei fall gefolgt; es schloß sich an dieselben eine kurze, aber rege Diskussion. Wir bringen dem Leser zunächst die größeren, bedeutenderen Reden zur Kenntniß. indem in den nachfolgenden Nummern das eingehende und ausführliche Referat über die Verhandlungen folgen ivird. Zunächst sollen die Reden von Dr. Herzl und Dr. Nordan zum Abdruck gelangen; die Neve von Dr. Herzl leitete am letzten Donnerstag die diesjährigen Kongreßoerhandlungen ein. Geehrte Kongreßmitglieder! Wir versammeln uns heuer zu»»» fünften Male, zur»» vierten Male in Basel, wo unsere Beivegung »nit einem von uns aufrichtig bedankten Wohlwollen angesehen wird. Es darf auch gesagt »verden, daß die Gastfreundschaft für eine Be»vegung, »velche Rothstände lindern will, den alten Ruhm dieser Stadt nur noch vermehrt hat. Schon ist manches, was uns schwer »var, halb vergangen, und anderes halb erreicht, Eines aber lassen Sie mich vor allem begrüßen: daß wir uns in Treue »nieder fanden und daß die Jahre nnfere Begeisterung für ein schönes Ziel nicht abgekühlt haben. Der Tod hat uns manchen guten Mann fortgenom»nen. Alter, körperliches Leiden oder Berufspflichten haben »uehrere ve» hindert, aber auch sie sind irn Geiste anivesend. Die i»» anderen Welttheilen Wohnenden konnten in dieser Jahreszeit nicht leicht reisen; aber auch solche sind erschienen und neue Mitarbeiter sind uns in erfreulicher Weise zngeivachsen. Aber nicht nur gilben. Es geschieht nicht in der Verblendung eines Parteimenschen, lvenn ich sage, daß die ans anderen Konfessionen und Nationen herangekomrncnen .Helfer zu den besten und edelsten gehören. Es sei gestattet, die Worte zu dikkiren, die der englische Dichter Hall Baine vor kurzen» in einer Versammlung sagte: „Wenn ich selbst ein Jude märe, so »väre ich auf diese Thatsache höchlich stolz, stolz darauf, zn einer alten Rasse zn gehören, die einige der größten Männer hervorgebracht hat; stotz auf eine Nation, die noch immer einen starken Antheil an de»» Weltangelegeuheiten hat, ob»vohl sie tveder Thron, noch König, noch Soldaten, noch einen Zollbreit Erde ihr Eigen nennt, stolz auf die Litteratur, die in der heiligen Schrift eine Erhabenheit erstieg, »»»»erreicht von anderen Meisterwerken des menschlichen Geistes, ich wäre stolz auf die Gelegenheit, mich an einer Anstrengung zu betheilige»», »velche Palästina a»»s de»»» Zustande einer dürftigen Wüste zu eine»u Lande von reicher Fruchtbarteit und Wohlfahrt erheben soll. Stolzer als Alles aber würde »nieh die große Möglichkeit machen, die jetzt vor den J»»de»» liegt: daß sie nämlich für die Armen und in manchen Ländern Gedrückten ihres Volkes thätig sein können, um die gewaltige religiöse Hoffnung zn verwirklichen, die sie aufrecht erhalten hat dreitausend grausame Jahre hindurch!" So redet ein Christ. Diese Sprache, die ihn ehrt, würde aber uns nicht ziemen, wir haben eine sittliche Pflicht einfach zu erfüllen. Die Schivachen haben ein blecht auf die Hilfe der Stärkeren. In welcher Form »vir uns diese Hilfe deuten, das haben unsere früheren Kongresse dargethan. und a»»ch dieser wird hoffentlich Ailsklärung über die Gerechtigkeit unserer Wünsche und die Lovalität unseres Vorgehens verbreiten. Die Judenfrage kann nur von den Inden selbst gelöst werden, das ist unsere Ansicht. Aus diesem Grundsatz ergibt sich logisch alles Weitere. Wir haben uns darum von den früheren Methoden abgeioendek. Wir haben nicht durch Schimpfereien zu beweisen versucht, daß »vir feinere Leute seien. Wir haben auch nicht in unbestimmten Predigten an» die nahe bevorstehende Verbrüderung aller Menschen hingeiviesen. Mir »vollen »ins ferner nicht eine andere Nationalität als Maske vorbinden. Und endlich arbeiten »vir nicht auf den Umsturz aller Dinge bin. All dies ist unsere Sache nicht. Wir glauben vielmehr, daß in der bestehenden Rechts- und Gesellschaftsordnung die Mittel zur Lösung der Judenfrage zu finden sind. Was »nun von Leuten, die sich an die Lösung einer großen Frage heranivagen, vor allem verlangen dürfte, ist so»vohl ein genügender Ernst, als auch die Ruhe »»» der Beurtheilnug der gegebenen Verhältnisse.

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