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Der Israelit · 1901-12-30 · Heft 103 (30.12.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 103 (30.12.1901)
Date
1901-12-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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3366 Daß diese Aufgabe im Zionismus nicht erfüllt wird, daß die religiöse Kultur nicht der Gipfelpunkt des zionistischen Programmes ist, wissen die Leser dieser Zeitschrift. Und über diesen Widerspruch zwischen der nationalen Theorie und den vorhanden praktischen Bestrebungen, die von den nationalen Theorien doch getragen werden sollen, kann uns auch nicht der lauteste zionistische Enthusiasmus hinwegtäuschen. Entweder müßte, wenn die Theorie Recht behalten sollte, die zionistische Bewegung eine andere Richtung cinsckilagen, oder die Theorie bleibt auf dem bloßen Papiere. Dann soll man uns aber auch nicht davon reden, es gelte die Rettung und Pflege der jüdischen Kultur. Die aufrichtige Pflege religiöser Güter findet im Zionismus nicht zahlreiche warme Herzen und für den größten Theil ist die Religion im besten Falle einstweilen aus politischen Gründen als Agitationsmittel gerade noch gut genug. Andere, wie die Teilnehmer der sog. akademischen Conferenz, die während dieser Woche hier getagt und sich fast ausschließlich aus Russen und Russinnen rccrutirt hat, halten es für die nächste Aufgabe des Zionismus, die Religion todt zu schlagen. Angeblich war die ursprüngliche Absicht dieser Eonferenz den Zionismus wissenschaftlich zu begründen, und nun hat sse eine solche bedrohliche und den Zionismus kompromittirenve Richtung genommen, daß sie von den offiziellen Vertretern desavouirt wird. Jedenfalls werden diese Stürme ein gefährliches und turbulentes Element in die Verhandlungen hineintragen, die für die Ruhe und Klarheit derselben nicht von Vortheil sein wird. Der Kongreß wurde Dienstag Abend durch eine Rede von Dr. P a s m a n i t aus Genf „ü b e r verschiedene Strömungen im Zionismus" eingeleitet. Wir geben die Rede, die ursprünglich für die hiesige zionistische Vereinigung berechnet war, wieder, einmal, weil sie sich sehr ossen über die verschiedenen Strömungen im Zionismus ausspricht und sse daher zur Orientirung für den Leser dienen kann, der sich über die verschiedenen Strömungen, die sich da innerhalb des Zionismus bekämpfen, und die sich auch in den Kongreßverhandlungen geltend machen werden, unterrichten will. Dann ist die Rede interessant, weil sie die Stellung des offiziellen Zionismus zur Religion beleuchtet; aus den schönen Worten, von dem Einfluß der sozialen Verhältnisse auf die Religion, wird man mit Leichtigkeit den groben Materialismus herausschälen, der sich dahinter versteckt. Nicht weniger deutlich ist die Absage an die Teilnehmer an der akademischen Conferenz, an die sogen. Kulturzionisten. Rede des Herrn Tr. Pasmnnik: lieber verschiedene Strömungen im Zionismus. Hochverehrte Versammlung! Bevor ich in das eigentliche Thema meines Vortrages eintrete, möchte ich mir einige persönliche Bemerkungen erlauben. Der Vortrag nämlich war für die zionistische Vereinigung in Basel bestimmt, er sollte keinen agitatorischen Charakter haben, sondern rein informatorisch sein; daraus hat man nun einen öffentlichen Vortrag gemacht, obwohl man keine interne Angelegenheit ins große Publikum hineinbringen sollte. Der Zionismus hat sich aber zur Devise die »olle Oeffentlichkeit gemacht und deßhalb wird es nichts schaden, wenn auch Nicht-Zionisten von den verschiedenen Strömungen, die vorhanden sind, sich Kenntniß verschaffen, denn ich glaube, daß, wenn mau die verschiedenen Strömungen genau kennen wird, man eher den Zionismus im Großen verstehen kann. Daß es verschiedene Strömungen giebt, liegt außer jedem Zweifel, Sie können dies aus der zionistischen Litteratur erkennen, noch viel besser aber aus dem Leben, wenn Sie sich mit der zionistischen Propaganda vertraut machen. Sic können erkennen, daß es verschiedene, ziemlich große, scharfe Unterschiede giebt. Nun muß mau sich fragen, wie es möglich ist, daß eine Bewegung, welche erst seit 4 oder 5 Jahren auf der Weltbühne erschienen ist, schon verschiedene Strömlingen allslveisen kann, oder, wenn man das Kind beim rechten Namen nennen will, daß schon Streitigkeitcn entstanden sind. Die Antwort hierzu, kann aus drei Thatsachenreihen geschöpft werden. 1. Aus Thatsachen psychologischer Natur: Wir müssen zugestehen, daß der Jude seiner Anlage nach, besonders der ost-europäische, sehr individuell ist. Jeder Jude meint im Stande zu sein, in der Natur und auf jedem Gebiete des Denkens nrtheilen zu können und jeder Jude hat seine Meinungen über alle Erscheinungen der Well, und da der Jude sehr skeptisch veranlagt ist, kommt es oft vor, daß, wo zwei Inden streiten, sich drei Parteien bilden. Dies ist der erste Grund. 2. Es giebt aber auch eine geschichtliche Antwort. Die besteht darin: der Zionismus als politische Organisation eristirt wirklich nur seit 4 oder 5 Jahren: der Zionismus als Gefühlsrichtung eristirt so lang als der Goluß. -- Jeder Jude wird ja in unseren Gebeten täglich an den Zionismus erinnert. Was für Manche Formalität ist, ist für Biele aber tiefes Gefühl. Als Gefühlsrichtnng also ist der Zionismus eine Erscheinung alten Datums, und als bewußtes Streben nach einem Ziel, als intelektuelles Streben, als politischer Zionismus, bauert er schon seit mehr als 20 bis 25 Jahren. Sie erinnern sich, daß das erste systematische Werk nicht von einem Ost-Europäer, sondern von einem West-Europäer, von dem berühmten Moses Heß, in den Jahren 1861 und 1862, betitelt: „Rom und Jerusalem", geschrieben wurde. Hier iss die zionistische Ausgabe so klar sormulirt, wie es meiner Meinung nach bis jetzt noch nie geschehen ist. Und in Rußland iss der Zionismus als bewußtes Streben wenigstens 20 Jahre alt. Eine spezielle Form,

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