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Der Israelit · 1901-12-30 · Heft 103 (30.12.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 103 (30.12.1901)
Date
1901-12-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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abkommen kann. Im Frühjahr sieht man daher einer regen Bauthätigkeit in Mystiken entgegen. - Eduard Segall. Aurich (Ostfriesland). Die Notiz Ihres Berliner Eorrespondenten in Nr. 96 Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 5. Dezember d. %, enthält insofern einen Irrthum, als der verstorbene Kaufmann Abraham H e y - in ann (Secher Zadik limrocho) niemals Vorsteher der Gemeinde war. Dieses Ehrenamt hat vielmehr sein verstorbener Vater, der Kaufmann Samuel Calmer H e y m a n n s. A., mehr als 60 Jahre lang bekleidet. Derselbe wurde kurz Rebbe Sanwel genannt und ist noch heute unter dieser Bezeichnung weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus in lebendiger Erinnerung. Seine humanitären Bestrebungen, bei deren Bethätigung er Unterschiede der religiösen Bekenntniffe nicht kannte, sind überall anerkannt worden und haben einen Legendenkreis gezeitigt, bei welchem auch manches llebertriebene unterlaufen ist. Wegen seiner hervorragenden Verdienste war er mit dem Kgl.-Preußischen Kronenorden dekoriri. Seine Bestrebungen wurden kräftig unterstützt und gefördert durch seinen einzigen Sohn, den jetzt verstorbenen Herrn Abraham Heymann. Oeffentliche Ehrenämter hat dieser aber niemals bekleidet. Sein Ehrgeiz strebte nicht nach solchen, sondern das Studium unserer heiligen Lehre, die Vertiefung in dieselbe war die einzige Beschäftigung, welcher er sich neben seinen Berufsgeschäften widmete. Da der Tag nicht reichte, machte er die Nacht zum Tage und hat wohl die meisten Nächte in dem ihm vom Vater überkommenen Bes ha- Midrasch zugebracht. Seine größte Freude war, sich hier mit Lamdonim zu unterhalten, mit ihnen und von ihnen zu „lernen" und mancher durchreisende Fremde wurde von ihm veranlaßt, länger zu verweilen und mit ihm Thora zu lernen. In uneigennützigster Weise führte er die Geschäfte der Gemeinde, übernahm die Führung, der Kassen- und Rechnungsverhältnifse, versah die Funktionen eines Bal Kore, sowie an hohen Feiertagen diejenigen des Chasens. Er lebte nach dem Bibelworte „hishalech lefonai" und hat gleich unserem Stammvater Abraham nach dem er genannt war, seine eigenen Kinder gemallt, obgleich er nicht berufsmäßiger Mohel war, lediglich um auch die größte Mizwoh ausgeübt zu haben. In seiner Trauerrede hob auch Herr Dr. R e u h sehr treffend hervor: „Er war der letzte Vertreter aus jener Vergangenheit, in welcher noch Liebe zur Thora, Liebe zu religiösen Funktionen die Gemeindeangeh'örigen erfüllte." Mit seinem Heimgange gehört jene Zeit des lebendigen Interesses für die Erfüllung und uneigennützige Bethätigung der Mizwos und Maasim- Tauwim für einen großen Theil unseres Volkes leider der Vergangenheit an. Oesterreich. Aus Mähren, 25. Dez. Die Besetzung des Brünner Rabbinerpostens macht den guten Herren aus der Brünner Gemeindestube recht viel Sorgen. Probevorträge haben bereits die Herren B i a ch - Brüx, H o f f m a n n — Reichenberg, Bück — Lissa und Spira — Mähr.-Ostrau gehalten, aber wie man allgemein hört, scheint die Eandidatur aller dieser Berufenen ziemlich ungünstig zu sein, denn die Brünner Herren spannen ihre Forderungen ziemlich hoch und verlangen von dem zukünftigen Seelsorger so viele Eigenschaften, die selten in einer Person anzutrefsen sind. Der Rabbiner soll schön von Ansehen, stattlicher Natur sein, er soll eine klanareiche, melodiöse, den Tempelraum ansfüllende Stimme besitzen) er soll in wisienschastlicher Beziehung eine Größe sein, muß zu den vorhandenen Reformen seine Zustimmung geben, und auch sein Amen zu etwaigen Nachtragsreformen sagen. Der gegenwärtige Landes- und Lokalrabbiner Dr. Baruch Platschet, der mit seinem gewichtigen Rathe Klarheit in der verworrenen Situation vielleicht hätte schaffen können, hält sich bereits seit langer Zeit von den Hallen des Tempels fern, grollend darüber, daß ihn die Brünner nicht wie einst verehren und verhimmeln. Ja, wer kann denn dafür, daß Dr. Platschet den Ast, auf dem er gesesien, sich selbst abgesägt hat. Noch zwei Kandidaten sind zur Berufung in Aussicht genommen, nämlich Dr. Ziegler aus Karlsbad und Dr. Rieger aus Potsdam. Beide Herren gehören der äußersten Reformrichtung an und wir geben uns der Erwartung hin, daß die Conservativen alle ihre Kräfte anspannen werden, um die Kandidatur dieser Herren gegenstandslos zu machen. Wir brauchen in Mähren Rabbiner, die das Judenthum, welches in Bezug auf hebräischen Unterricht, der Schechita und in Bezug aus Gottesfurcht arg darmederliegt, auffrischen, aber nicht solche, die unsere Glaubensbrüder noch mehr von dem angestammten Glauben entfremden. Z. Dänemark. Kopenhagen, 17. Dez. Vorige Woche ist hier eine Frau gestorben, die — wenn irgend Eine — wohl einen Nachruf verdient. Es war die Enkelin des (hier gebürtigten) Wiener Predigers I. N. Mannheimer, nämlich Frau Jda Mannheimer, geliebt, geschätzt und verehrt in den weitesten Kreisen, und jetzt beweint, betrauert von all' den zahlreichen Freunden, die sie sich hier erworben hatte. Und dieser Schlag hat nicht nur unsere Gemeinde schmerzlich betroffen — die ganze Stadt hat an ihr eine ihrer besten Wohlthäterinnen, einen mächtigen Verlust erlitten. Hat sie doch sozusagen ausschließlich für die Armen, die Kranken und die Dürftigen gelebt und gewirkt. Als Vorsteherin zahlreicher Vereine hat sie überall, wo Hülse zu bringen war, Noth zu lindern, Hunger zu stillen, segensreich und schützend Beistand geleistet, manche Thräne getrocknet, Kummer und Elend gemildert; nicht allein durch fortwährende Geldspenden an Jeden, der sie suchte, oder den sie aufsuchte, auch durch ihr mildes, kluges Auftreten, ihre liebevollen Worte nnd ihre wahrhafte Opferfreudigkeit, für die Armen und Unglücklichen selbst zu arbeiten und zu wirken — hat sie es verstanden,

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