Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1901)
- Date
- 1901-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3375 tootnni gewordener Physikate durch Glaubensgenossen begegnet bei der Strömung des Tages großen Schwierigkeiten." Die Richtigkeit dieser für uns Inden, namentlich die akademisch gebildeten, traurigen Thatsache läßt sich nicht ableugnen. Auch aus anderen Provinzen kommen Klagen über Zurücksetzung jüdischer Kreisphvnler, von denen eine große Anzahl anläßlich der Reubesetzung durch die „Kreisärzte" zur Disposition gestellt worden sind. Zu dieser ungünstigen Strömung in Regiernnaslreisen gesellt sich noch die skrupellose Agitation der Antisemiten, welche durch allerhand Jntrignen und Wühlereien dem jüdischen Arzte seine Existenz erschweren, so daß es letzterem kaum noch möglich ist, eine auskömmliche Praxis zu erringen. Angesichts dieser Thatsachen sollten dock alle jüdischen Eltern und Vormünder ihre Söhne, resp. Mündel, lieber aus einen anderen praktischen Berus hinlenken, welcher ihnen nicht so viele Schwierigkeiten bietet, wie gerade der ärztliche Berus. Der Kaufmannsstand, die Industrie, die Elektrotechnik, die Chemie, bietet begabten jüdischen Jünglingen immer noch ein lohnendes Jeld der Berussthätigkeit. Kein anderer Berus zeigt eine so erhebliche llebersiillung, wie der ärztliche. Die neueste amtliche Statistik für 1902 aus Börner's Medizinalkalender zeigt uns, daß das deutsche Reich über 28,000 Aerzte besitzt,' es kommt im Durchschnitt ans 2000 Einwohner ein Arzt. Dieses schon an und sür sich ungünstige Verhältnis; gestaltet sich noch schlimmer in den Großstädten, in denen schon aus 700—800 (!) Einwohner ein Arzt kommt. Es ist somit klar, daß die Aussichten auf eine lohnende Eristenz von Jahr zu Jahr sich verschlechtern, zumal für die jüdischen Aerzte, bei denen als erschwerendes Moment noch die Abneigung der antisemitischen Bevölkerung hinzutritt." Ende Dez. Im Juni wurde von einem Erreß berichtet, der auch einem Dampfer der „Hamburg- Südamerikanischen Dampfschifffahrts - Gesellschaft" gegen einen jüdischen Paffagier verübt worden war. Ein österreichischer Geschäftsreisender, Herr Leo Glück, war nach seinen Angaben auf der Reise von Bahia nach .Hainburg auf dem Dampfer „Sao Paolo" von zwei deutschen Mitreisenden, den Herren Otto Kuhlen und Baut Haase, in seiner Kabine überfallen und blutig mißhandelt worden; der Kapitän hatte ibm, wie er mittheilte, nicht nur keinen Schuß gewährt, sondern ihn noch obendrein in Cherbourg zum Aussteigen bewegen wollen, damit es keinen Skandal gebe. Die Direktion der Südamerikanischen Linie gab Herrn Glück's Beschwerde ebenfalls keine Jolge. In einer Zuschrift an die „Jrankf. Ztg." behauptete dagegen einer der des Ereeffes beschuldigten Herren, daß der Vorfall sich wesentlich anders zugetragen und daß Herr G. provozirt habe. Die Verhandlung vor dem Hamburger Sckwssengericht ergab indessen ein wesentlich anders Bild und zeigte, daß Herr G. völlig im Rechte war. Die der gemeinschaftlichen Köververletzung angeklagten beiden Herren, Kuhlen und Haase, behaupten wieder, von Glück wiederholt durch sein Renommiren gereizt worden zu sein. Am 70. April hätten sie mit mehreren Personen im Speisesaal Wein getrunken; als G. zufällig vorbeiging, habe Kuhlen gesagt: „Hier stinkts." G. habe das aus sich bezogen, sich umgedreht und gesagt: „Sie stinken'" und außerdem Kuhlen einen gemeinen Hund genannt. Hierauf habe Haase bem Glück einen Schlag versetzt. Ganz anders lautet die zur Verlesung kommende Aussage des Zeugen und Nebenklägers Glück, der auswäris kommiffarisch vernommen worden ist. Danach war Kuhlen gegen ihn gereizt, weil G. ihm erklärt hatte, ihin eine von K. gewünschte geschäftliche Vertretung nicht verschaffen zu können. An dem betreffenden Tage habe K. ihm im Speisesaale zugerusen: „Sie stinken, Jude!" Er, Glück, sei indessen nach seiner Kabine weitergegangen', dort habe er plötzlich von hinten einen wuchtigen Schlag bekommen. Beim Umsehen fand er Kuhlen vor sich, der ihn nun würgte. Haase kam hinzu und schlug mit auf ihn ein. Später sielen dann beide nochmals über ihn her. G. hat so schwere Verletzungen erlitten, daß sein Gehör beeinträchtigt worden ist, und er seine Stelle hat aufgeben muffen; ärztliche Atteste bestätigen, daß seine Gesundheit erheblich gestört worden ist. Die übrigen Zeugenaussagen geben G. Recht. Eine Mitpaffagierin erzählt, daß sie den G. am Tage nach dem Vorfall in jämmerlichem Zustande angetroffen habe. Das Gericht ist von der Schuld der Beiden überzeugt und verurtheilt sie zu je drei Monaten Gekängniß. Die Untersuchungsbaft kommt in Anrechnung. Die Sache ist nicht nur an sich bedauerlich, sondern gleichzeitig für die betheiligte Rhederei wenig rühmlich. Sollte man es für möglich halten, daß aus einem großen deutschen Dampfer ein kleiner schwächlicher Mann — das ist Herr G. — von zwei vierschrötigen Menschen — das sind die Berurtheilten — derartig mißhandelt werden kann, ohne daß irgend Jemand sie daran hindert? Evvtknhncn, 20. Dez. Die russische Zollbehörde bat, um deu Abgebrannten in Wystiten die Möglichkeit zu bieten, sich wieder ausznbauen, die „zollfrei e" Einfuhr sämmtlicher Baumaterialien aus Preußen gestattet. Unzweiselhast ist dieses Entgegenkommen der russischen Behörde der Initiative unseres Kaisers zu verdanken, der sich in so huldvoller Weise der Abgebrannten angenommen hat. Die Unglücklichen überwintern in Miethswohnnngen, eng beieinander, oft drei bis vier Jamilien in einer Stube! Dieser Umstand hat schon öfters zu kleinen Bränden geführt, da die Schornsteim Ven erhöhten Anforderungen sich nicht gewachsen peigten. Die Verkeilung der Ml. 4351 betragenden Sammlungen wird dieser Tage erfolgen, da der Landrath Link in Wilkvwischken, der von den Komitees aufgefordert worden ist, derselben beizuwohnen, nicht eher