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Der Israelit · 1901-12-12 · Heft 98 (12.12.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 98 (12.12.1901)
Date
1901-12-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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9173 Auswanderung von Glaubensgenoffen nach Amerika in keiner Weise vom Verein unterstützt werden soll. Berlin, pi. Dez. Das Kammergericht hat in jüngster Zeit eine bemerkenswerthe (Entscheidung über die Frage gegeben, ob der Vormund eines jüdischen Mündel« diesem den Gintritt in ein Geschäft deßhalb verweigern darf, weil daselbst am Samstag gearbeitet wird. Die 1 Ojährige Tochter eines verstorbenen jüdischen .Kaufmanns orthodorer Richtung war mit Genehmigung ihre« Vormundes als Handlungsgehülfin iu ein Geschäft in Frankfurt a. M. eingetreten. Nachträglich zog aber der Vormund die Ermächtigung zurüg und forderte das Mündel aus. die Stellung zu kündigen, tveil in dem betreffenden Geschäft am Samslag gearbeitet wird. Amtsgericht und Landgericht standen auf Seiten des Vormundes und wiesen den Antrag des Mündels, auf $ 113 Abs. 3, B. G.-B. die «Ermächtigung zu ergänzen, zurück. Dagegen gab das Nammergericht auf die weitere Beschwerde des Mündels dem Antrag statt, indem es aussprach, die Unterlassung der Sabbatarbeit hänge lediglich von der Stellung des «Einzelnen ab, die er zu den Ritualvorschriften seiner Religicn einnehme, und da das Mündel nach seiner 'Angabe in Beziehung auf die Sabbatheiligung den Vorschriften der jüdischen Religion freier gegenüber- Lehe und sich in seinem Gewiffen durch Verrichtung von Arbeit am Sabbat nicht bedrängt fühle, sei der Vormund nicht berechtigt, das Mündel hierin zu stören und es zur Einnahme eines anderen Standpunktes zu nningen. Gestatte das Gesetz dem Kind von 14 Jahren schon die eigene Wahl des Glaubensbekenntniffes, so 'nüsie ein Kind dieses Alters, und erst gar ein erwachsenes Mädchen von 19 Fahren auch berechtigt sein, sich eigenmächtig dafür^zu entscheiden, ob es innerhalb seiner Religion einer freieren oder strengeren Anschauung in Bezug auf bloße (!) Ritual-Vorschriften (?) huldigen und diese bethätigen will. Nicht einmal der Vater wäre dazu berechtigt. Es bleibt abzuwarten, ob der Vormund sich mit diesem Erkenntnis! begnügen wird; es wäre zu wünschen. daN eine reichsgerichtliche Entscheidung hierüber berbeigefübrt würde. 7yrankf„rt a. M., 11. Dez. Unter außergewöhnlich starker Betbeiligung fand beute die Wahl dreier Mitglieder für den ..Ausschuß der Jsr. Gemeinde" statt. Gewählt wurden die Herren Jacob Sichel und Dr. Leop. W alter, denen keine anderen Kandidaten gegenüberstanden. Dagegen unterlag der Vorsitzende de^> sog. ..Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben," Herr Mar Mertheimer, gegen den Kandidaten der artbodoren Partei. Herrn Julius E a r l e b a ch. Letzterer erbielk 673, Ersterer nur 491 Stimmen. Br<wk«7u. 10. Dez. Die jüdischen 'Zeitungen kämpfen mit aller Entschiedenheit gegen die hauptll^dtischen Antiscmitenblätter. welche in wüsten Lärm tönen unser Vckentniß und unsere Glaubensgenossen bestbimvwn. Weit gefährlicher als jene lauten Ruier im Streit sind aber die im Stillen wühlenden eonser vativen Blätter mit dem Dolch im vornehmen Gewände. die so langsam ihr Publikum vergiften. Zu den gemeingefährlichsten Blättern dieser Art gehört die .Schlesische Zeitung". In maßvoller Form verrichtet dieses weit gelesene Blatt mit seinen Sammetpfoten eine Hetzarbeit, deren Wirkungen die Leistungen der Radauprcffe unendlich überragt. Die ..Schles. Ztg." leitete die antisemitische Bewegung in den siebziger Jahren mit einer Artikelserie über den „jüdischen Referendar" ein, und seitdem giebt es keine schmähliche Nachricht über die Juden, die das Blatt nicht abdruckt, und keine günstige Notiz, die sic nicht verschweigt. Aus den obskursten russischen und österreichischen Hetzblättern holt sie ihr Material, das sie scheinbar gleichgiltig den Lesern in ihren Spalten vorsetzt. Mit steigender Erregung und Entrüstung verfolgte das hiesige gebildete Publikum die Berichterstattung dieses Blattes über die Drevfus. Afsaire, über Polna, Könitz u. s. w. Da wird das Judenthum nur als Jobberclique, als goldene Internationale, als vaterlandssremde Gesellschaft hingestellt, und diese Hetzereien werden mit einer geradezu verblüffenden Selbstverständlichkeit vorgetragen. Erst heute bringt es eine Pariser Eorrespondenz über die Affaire Labori, in der das vornehme Blatt die ganze Dreyfus-Agitation als Judcnmache, die bisherigen Verteidiger als bezahlt, die Schuld des Helden als eigentlich nie bezweifelt hinstellr. Nun bedenke man, daß dieses Blatt von allen Behörden. Kollegien, Gvmnasiallehrern, den sonstigen höheren Beamten gelesen wird, und dann wird man die Strömung verstehen, welche dann die jahrelang durch solche Giftkost verseuchten Kreise durchbringt And dann auch naturgemäß in Vorstellung und Urtheil sich darstellt. Und dieses Blatt enthält zahlreiche Inserate von I nben, die sich nicht schämen, in diesem Blatte ihre Anzeigen zu machen und ihre Maare feilzubieten, lind es geschieht ihnen Recht. Wir werden auf das Antisemitenblatt jetzt unser scharfes Auaenmerl wenden und über fein Treiben, wenn es geboten erscheint, die Sefientlichkeit unterrichten. Eammin, in: Dez. Der jüdische Lehrer und Kultusbeamte Herr I. Finder wird, nachdem er 37 Jahre der hiesigen Svnagogengemeinde treu gedient bat und auf eine 32jährige Amtsthcitigkeit zurückblicken rann, nunmehr in den wohlverdienten Ruhestand treten. Ans diesem Anlaß ist Herrn Finder der Adler der In Haber des königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen worden. Die ilebergabe der Insignien gestal tete sich zu einem feierlichen Akt für alle Betheiligter Herr Landrath Dr. v. Massow begab sich in Begleitung der Magitratsmitglieder, den Herren Breslich und Ge bauer, nach beendigtem Gottesdienste in die Svnagc-ge. Hier richtete derselbe vor versammelter Gemeinde bei lleberreichung der Drdensinsignien an den Dekorirten eine 'Ansprache, in welcher er besonders hervorhob, daß Herr Finder sich während seiner langjährigen Amtszeit nicht nur das volle Vertrauen und die Liebe seiner Gemeinde. sondern auch die allgemeine Achtung der Bür-

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