Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1901)
- Date
- 1901-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449239--54881-2505604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2165 dische Lehrgut mit Schweinezucht und Sabbatentweihung beginnt, hat es sich selber sein Todesurtheil gesprochen. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., im Dez. Dem neunzehnten Jahresbericht des „Israelitischen Hülfsvereins, Vereins zur Beschränkung des Wanderbettels, zugleich Auskunstsstelle für israelitische Armenpflege in Frankfurt a. M." entnehmen wir: Zu unserer Genugthuung können wir diesmal berichten, daß der Andrang Hülfsbedürftiger nicht so groß war, als während des vorigen Berichtsjahres. Namentlich hat sich die Zahl der rumänischen Auswanderer bedeutend gemindert. Im Ganzen stellten sich 2309 Petenten aus denr Bureau ein, von denen 2088 mit 8607 Mark unterstützt wurden. (Im Vorjahre wurden von 3317 sich meldenden Personen 2284 mit Ml. 18,104 unterstützt.) Das Hülsskomitee für nothleidende osteuropäische Juden wandte uns als Beibülfe Mk. 3034 zu. An sonstigen Geschenken zur Verwendung erhielten wir Mk. 7125 (gegen Mk. 11,112 im Vorjahr). Die Mitgliederzahl hat sich um 11 erhöht, und deren Beiträge sind um Mk. 136 gestiegen. Außer diesen Ausgaben für Reisende hatten wir für dringende Fälle auf Spezialfonds Mk. 30,746 auszugeben, denen nur Mk. 27,669 an Ginnahmen gegenüberstehen. Im Ganzen betrugen unsere Einnahmen Mk. 39,084. unsere Ausgaben Mk. 45,216. iWr mußten daher Mk. 6131 dem Kapitalfonds zur Deckung des Fehlbetrages entnehmen. Von den Geschenken zum Kapitalfonds sind zuerst zu erwähnen: ein Legat des sel. Freiherrn Adolph von Rothschild in Paris in Höhe von Mk. 1600 und eine Spende von den Hinterbliebenen des sel. Freiherrn Wilh. Carl von Rothschild im Betrag von Mk. 12,000. Weiter slosten dem Kapitalfonds zu: Mk. 1000, Legat des sel. Herrn Kommerzienraths Hermann Rothschild; Mk. 500 von den Hinterbliebenen der sel. Frau Eva Dreyfus-Jeidels; Mk. 1000 von Herrn General-Konsul Max Baer; Mk. 500, Vermächtniß des sel. Herrn Richard Löwenick. Ferner wurde uns in diesem Jahr das Heimische Legat von Mk. 20,000, besten wir im vorigen Bericht erwähnten, nach Abzug von 4 pCt. Erbschaftssteuer, mit Mk. 19,200, ausgezahlt. Allen Gebern, die uns mit Spenden, sei es zum Kapitalfonds, zur Verwendung oder zum Spezialfonds bedachten, sowie dem Hülfskomitee für nothleidende osteuropäische Juden, dem Almosenkasten der Israelitischen Gemeinde, dem Armenverein, der Frankfurt- Loge B. B. und der Centrale für, private Fürsorge, die uns bereitwilligst unterstützten, sagen wir unsern wärmsten Dank. Der „Rosch-Chodesch-Verein ließ, wie seither, allinonatlich seine Spenden durch uns vertheilen. Wahrnehmungen, welche unsere Pfleger hinsichtlich der sittlichen Zustände in manchen Kreisen seit einiger Zeit gemacht haben, veranlaßten uns, im Anschluß an den Hülfsverein ein Damenkomitee zu bilden, welches sich der weiblichen Fürsorge widmen sollte. In der zur Besprechung der Angelegenheit einberufenen Versammlung erstattete Fräulein Bertha Pappenheim auf Ersuchen des Vorstandes das Referat. Die Zustimmung, welche die darin entwickelten Ideen fanden, veranlaßten uns, das Referat deni Druck zu übergeben und an die Mitglieder zu versenden. Seitdem hat sich die Abtheilung „weibliche Fürsorge" konstituirt und in vielen Sitzungen mit zahlreichen Fällen beschäftigt; junge Mädchen, namentlich Galizierinnen, die sich dem Hausierhandel widmeten oder widmen wollten, wurden minder gefährlichen Verufsarten zugeführt; Kinder wurden ihren Eltern, die nicht genügend für sie sorgten, entzogen und unter bessere Aufsicht gestellt. Den Vorsitz bei den Verhandlungen übernahm Frau Henr. Fürth. Den Damen, die sich so bereitwillig zur Mitarbeit zur Verfügung gestellt haben, sprechen wir auch an dieser Stelle für ihre aufopferungsvolle Thätigkeit herzlichen Dank aus. Unser neues Heim, Langestraße 30. ist nach Vollendung der nothwendigen Umbauten am 31. Mai bezogen worden. Von dem Mk. 108,000 betragenden Kaufpreis der Liegenschaft sind M. 38.000 bezahlt worden, während Mk. 70,000 als Hyypothek vorerst darauf stehen bleiben. Die Hochherzigkeit unserer jüdischen Mitbürger wird uns sicherlich in den Stand setzen, diese Schuld bald zu tilgen. Für den Umbau sind ca. Mk. 15,500 verwendet worden. Sowohl diese Summe, als die Anzahlung sind dem Kapitalfonds entnommen. Köln, im Dez. Dem Jahresbericht des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Köln" pro 1900 entnehmen wir: Daß unsere jüdischen Mädchen in der Hingabe an ihren frei gewählten Beruf, in Pflichttreue und Aufopferung nicht hinter den Angehörigen anderer Konfessionen zurückstehen, dafür ist heute durch die Leistungen unseres Vereins und der zwei schon länger bestehenden Vereine in Frankfurt a. M. und Berlin der Beweis voll und ganz erbracht worden. Das bereitwillige Entgegenkommen des Kuratoriums unseres Asyls setzte uns in den Stand, bis zu sieben Schülerinnen gleichzeitig aufzunehmen, die an dem Krankenbestande unserer stets überfüllten Anstalt, sowie an dem reichen Material unserer Poliklinik Gelegenheit zur vielseitigen Ausbildung fanden. Mit dieser Zahl sind wir an die Grenze angelangt, welche uns durch die beschränkten Räumlichkeiten unseres Krankenhauses sowohl wie des Schwesternheims gezogen ist. Von den sechs Schwestern, die im Beginn des Jahres unseren Vereinszwecken zur Verfügung standen, versahen drei Dienst im Asyl, während drei in der Privat-