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Der Israelit · 1901-12-09 · Heft 97 (9.12.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 97 (9.12.1901)
Date
1901-12-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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2149 diesjährige Generalversamlung ab. In den Vorstand wurden berufen: zum Präsidenten Gunvater Freiherr von Suttner, zu Vizepräsidenten Dr. Joses Freiherr von Seiller und Regierungsrath Dr. Karl Reichsritter von Kißling, zu Ausschußmitgliedern: Superintendent Pros. Dr. Seberiny, Dr. Kronawetter, Reichsraths- Avgeordneter Ärabetz, Oberinspektor Engel, Balduin Groller, Franz Frauenberger. Lemoerg. Atit der Erziehung der jüdischen Mädchen in Galizien ist es traurig bestellt, sonst tönnlen nicht so viele Klosteraffairen Vorkommen. In Przemysl ereignete sich ein Fall, der besonders hervorgehoben zu werden verdient. Am Abend des Jom- Kippur (!) verließ die Tochter eines angesehenen Juden aus einem dieser Stadt nahegelegenen Dorfe ihr väterliches Haus und begab sich in ein Kloster, wo sie natürlich freundliche Aufnahme fand. Alle Versuche der Eltern, ihre Tochter zur Rückkehr zu bewegen, blieben erfolglos. Der Kanonikus gestattete ihnen zwar, mit dein Mädchen zu sprechen, allein alles Flehen der Eltern rührte sie nicht, es verhöhnte sie vielmehr und kehrte ihnen den Rücten. Verzweifelt verließen die Eltern das Kloster und gingen zum Rabbiner, Herrn Mofcheh Meisels, mit der Bitte, er möge sich für sie verwenden, vielleicht gelinge es seiner Autorität, ihre Tochter zu retten. Herr Meisels erschien sofort beim Kanonikus, welcher ihn sehr böslich empfing, und mit beredten Worten überzeugte ihn der Rabbiner, daß das Mädchen noch nicht das entsprechende Alter erreicht hätte, um nach festem Entschlüsse zu handeln, daß es vielmehr beeinflußt und irregeführt worden sei. Seine Worte waren von Erfolg und der Kanonikus befahl, das Mädchen herbeizuholen und es selbst zu befragen, ob es zu den Eltern zuriickkehren wolle. Würde es diese Frage bejahen, so sei er bereit, die Klosterpforten vor ihm zu öffnen. Das Mädchen wurde herbeigeholt und als es den Rabbiner erblickte, erschrak es und blieb schweigend stehen. Der Rabbiner aber sprach dasselbe mit mildem Tone an: Aendere Deinen Entschluß, liebe Tochter, der liebe Gott wird Dir verzeihen. Er wird über Dir Seine Gnade walten lassen und Du wirst glücklich sein etc. Hier sing das Mädchen an zu weinen: „Haben Sie Erbarmen, Rabbi, ich fürchte meinen Vater, er wird mich schlagen und immer hassen." Daraus ließ der Rabbiner den Vater herbeiholen, nahm ihm das Versprechen ab, seiner Tochter niemals Vorwürfe zu machen, und das Mädchen kehrte in's elterliche Haus zurück zur Freude und zum Staunen der Menge, die draußen aus die Folgen des Einschreitens des Herrn Rabbiners wartete. England. London, im Rov. Die englischen Antisemiten, lnelche mit — wie nunmehr feststeht — ausländischem Geld die Judenhetze zu importiren versuchen, machen sich, in den Mitteln nie verlegen, die auch in England herrschende Wohnungsnoth für ihre Zwecke zu Nutzen. Nor einigen Monaten gelang es dem Aldermann Silver, im Bezirksausschuß von Stepney Borough (Ostlondon) eine Resolution zur Annahme zu bringen, welche die Wohnungsnoth als eine Folge der ununterbrochenen Einwanderung und des natürlichen Zuwachses der „Fremden" (d. h. Juden) bezeichnet und sämmtliche communalen, kirchlichen und parlamentarischen Vertreter des Stadtbezirks zu einer Besprechung über die zur Beseitigung dieser Kalamität erforderlichen Maßregeln einladet. Der Verlaus dieser Versammlung, welche in der Stadthalle tagte, dürfte den Einberufern wenig Freude bereitet haben, schon deßhalb nicht, weil die Arbeiterschaft, in deren Interesse die ganze Veranstaltung stattsand, nicht einen einzigen Delegierten entsandt hatte. Schon der erste Redner, der Vorsitzende des „Komitees zur Errichtung von Arbeiter-Wohnungen," ging mit den verkappten Antisemiten stark in's Gericht. Er bestritt, daß die Zahl der eingewanderten Juden unverhältnißmäßig gestiegen sei, und betonte, daß diese „Fremden" durch die Einführung neuer Industrien, der Fabrikation von Mänteln (für die England früher an Deutschland sechs Millionen Mart zahlen mußte), von Pantoffeln, Kunsttischlerarbeiten etc., sich große Verdienste erworben haben und zu einem gewissen Wohlstand gelangt seien. Rach den Feststellungen des „Board of Trades" habe die Zahl der nothleidenden Juden in ganz England nicht zugenommen, in London sogar abgenommen. Der Versuch, diese armen, verfolgten Fremden von England fern zu halten, wäre absolut undurchführbar und zugleich eine schwere Sünde. Die Rede erregte so großen Beifall, daß sofort beschlossen wurde, sie zu drucken und zu verbreiten. Herr H. Gordon stellte darauf folgenden Antrag: „Die Versammlung erblickt in der Anhäufung von Fremden in East-London einen wichtigen Faktor für die Steigerung der Miethspreise, sie denkt aber nicht daran, die Gesetzgebung gegen die Fremben-Einwanderung anzurufen, da auch im übrigen London, sowie in ganz England z. Zt. Wohnungsnoth herrscht. Dagegen fordert die Versammlung die jüdische Gemeinde Londons auf: 1) Alles aufzubieten, um den weiteren Zuzug fremder Juden zu verhindern; 2) die Vertheilung und Angli-, sirung der bereits in London lebenden Fremden zu betreiben." Punkt 1 der Resolution wurde ohne Diskussion angenommen, während Punkt 2 von den anwesenden Antisemiten heftig bekämpft wurde. In der Begründung seiner Resolution beschuldigte Herr Gordon die englischen Antisemiten, daß sie die statistischen Zahlen ignorirt oder zu Ungunsten der Juden gefälscht haben. Wohnungsnoth herrsche auch in den Städten, in denen kern einziger fremder Jude wohnt. Das Par-' lament werde sich niemals dazu hergeben, der „Liga der englischen Brüder" zum Gefallen mit der alten, glorreichen englischen Tradition zu brechen und den armen,

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