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Der Israelit · 1901-12-09 · Heft 97 (9.12.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 97 (9.12.1901)
Date
1901-12-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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2148 Gemeinden kommt es vor, daß einzelne Mitglieder die religiösen Vorschriften sogar öffentlich verletzen Dies ist allerdings vom Standpunkte der Thora tief zu bedauern, aber alle diese antijüdischen Handlungen haben doch nur einen Privat-Charakter. fiel auch keinem Gesetzeslehrer jemals ein, die Betreffenden deßhalb aus dem Judenthum zu stoßen; sie wurden einfach als „Gesetzesübertreter" bezeichnet, unter An Wendung des schonenden Grundsatzes: xcrtr *c bv sjx Kn Sur. Ein anderes ist es jedoch, wenn die Z u - l ä s s i g k e i t des Abfalles vom tradirten Religionsge setze in einem jüdischen Gemeinde st atute rechtsziltig m a n i s e st i r t wird, resp. wenn die religiösen Anstalten einer Kultusgemeinde der artig beschaffen sind, daß ein gesetzestreuer Jude die selben nicht benützen kann, nicht benützen darf, ohne sein religiöses Gewissen selbstmörderisch zu belasten. Ich werde diesen unanfechtbaren Grundsatz nicht mit Eitaten aus Rambam und Jore-Dea erhärten. Unsere Maulhelden würden sich ja mit MoseS, Hillel und Rabbi Akiba zur Sache legitimiren und dem Kultusminister und der Tagespresse haarscharf Nachweisen, daß diese „Juden" den Schulchan-Aruch garnicht gekannt haben. Ich werde diesmal blos den Schluß- Passus des greisen Seminardirektors Moses Bloch in Budapest, den „Egyenlosev" und die isr. Landeskanzlei als den größten lebenden Talmudisten verehren, der geneigten Aufmerksamkeit unserer Neologen empfehlen. Am 13. März 1872 schrieb Rabbi Moses Bloch Folgendes: „Im Hinblick auf die Reformbestrebungen unserer Zeit.erklärt der Gefertigte nach seinem besten Willen und Gewissen . . . ., daß es ein nicht zu rechtfertigender Gewissenszwang sein würde, wenn jene, denen schriftliche und mündliche Lehre als heilige, unantastbare Güter und die aus denselben resultirenden, in den Codices gesammelten und im historischen Judenthume wurzelnden Vorschriften und Anordnungen als Lebensgesetze gelten, gehalten sein sollten, zur Erhaltung und Förderung r e l i g i o n s - widriger Zwecke Geldbeiträge zu leisten." Dieses Gutachten schrieb Bloch gegen die große Wiener Kultusgemeinde. Auf Grundlage dieses Gutachtens sind die orthodoxen Juden aus dem Verbände der Kultusgemeinden dazumal ausgetreten. Die ungarischen Kongreßgemeinden sind aber viel radikaler reformirt, als die offizielle Wiener Großgemeinde. Bis auf ganz geringe Ausnahmen haben fast alle den Boden des alten traditionellen Judenthums gänzlich verlassen, verleugnen die verbindliche Autorität der von der Gesammtjudenheit anerkannten und angenommenen Religions-Kodizes und anerkennen für den offiziellen religiösen Kultus keine andere Normen, als ihre eigenen jeweiligen Reformbeschlüsse, welche als Ausflüsse einer wetterwendischen k u l t u s v o r - stündlichen Laune natürlich mit jedem Tage wechseln und mit jedem Tage neue Formen und Gestaltungen annehmen können. Mit solchen Kultusköri perschaften können wahrhaft Transaktionen eingehcn. Der letzte gesetzestreue Jude >vird solchen Kultusgemeinden gegenüber — allerdings in religiösen: Sinne — noch eine separate R e l i g i o n s g e n o s s e n s ch a f t bilden. „Ich und meine Söhne und meine Brüder werden vom Gesetz treue Hass r a e l s unserer Väter nicht aofatlen," sprach die monäerbrust eines Heldengreises — und I Heiligth u m war g e r e t t e t. Zeltungsnachrichterr urrv (5orrcfponvc„ren. Deutschland. Köln, 5. Dez. iJ s r a e l i t e n i m I u st i z - dien st.) In Besprechung des in der baierischen Kammer angenommenen antiscniitischen Zentrumsantrages, betr. die „Anstellung von Israeliten im Justizdienst," wendet sich die „Kölnische Bolkszeitung" gegen den Antrag, annihrcnd, daß derselbe unter allen Umständen grundsätzlich schief sei, daß die Israeliten aus den Justizdienst angewiesen seien und es auch mißlich sei, die Stimmung der Bevölkerung zu berücksichtigen. Samotschin, 8. Dez. Unser allverebrter emeritirter Lehrer. Herr M. S p i e w k o w s k i. beging am 3. Dezember seinen achtzigsten Geburtstag. Der wackere Greis übt in geistiger und körperlicher Frische noch immer eine große Zahl von Ehrenämtern in Gemeinde und Stadt mit der ihm eigenen Hingebung und Umsicht aus. ES wäre aufrichtig zu wünschen, daß der reichwerdiente Lehrerveteran seine, ein Stück .Kulturgeschichte bildenden „Erinnerungen," mit deren Veröffentlichung er vor einigen Jahren begonnen hat, fortsehen möge. München, in: Dez. Wie wir bereits kurz berichtet, ist der durch seinen Preußen- und Judenbaß bekannte Herausgeber des „Bay. Vaterland," Dr. Sigl, auf Antrag seiner von ibm getrennten Gattin durch Gerichtsbeschluß entmündigt worden. Sigl leidet an Gehirnerweichung und siecht langsam dahin. In Bagern galt er längst nur noch als komische Figur. Ungeachtet der bedenklichsten Makel, die auf seinem Privatleben lasteten, wurde dieser Mann in den Reichstag gewählt, ungeachtet seiner landesverrätherischen Haltung im Jahre 1870 konnte er in den achEmer Jahren Präses des Münchener Journalisten- und Schriftftellervereins sein und als solcher einen Prinzen des königlichen Hauses empfangen. Daß sein Preußenhaß sich zudem nur auf den männlichen Theil der preußischen Bevölkerung erstreckte, davon haben die Münchener sich während seiner Reichstagszeit zu überzeugen Gelegenheit gehabt. O e st e r r e i ch. Wien, 1. Dez. (Verein zur Abwehr es Antisemitismus.) Genannter Verein gläubige Juden keinehielt gestern Abend im Wissenschaftlichen Klub seine

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