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Der Israelit · 1901-12-09 · Heft 97 (9.12.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 97 (9.12.1901)
Date
1901-12-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3144 Welche Eiweiß—Nährpräparate dürfen wir essen? In den letzten Jahren ist in Deutschland eine eigene Industrie entstanden, welche sich damit befaßt, für Kranke und Rekonvalescenten Nährpräparate herzustellen, die Eiweiß in konzentrirter Form chemisch rein enthalten. Der kranke Körper, der die Nahrung nicht ausnützen kann in Folge der allgemeinen Schwäche, bedarf, um nicht vollständig entkräftet zu werden, am meisten von allen Nahrungsmitteln des Eiweißes. Eine ganze Reihe von Präparaten sind in letzter Zeit auf dem Markte erschienen. Das erste war die sog. Samatose, ein Präparat, das aus Fleisch hergestellt wird; dann folgten die aus Milch bereiteten Präparate „Eucasin," „Nuirose" etc., und neuerdings das „Easeon", jetzt „Plasmon" genannt. Dieses sowohl wie das aus Fleischmehl und etwas Pslanzeneiweiß hergestellte „Tropon" beanspruchen sowohl in Aerztenals auch in Laienkreisen das größte Interesse und stehen vor allen anderen Eiweißsorten konzentrirter Form im Vordergrund. Wie bat sich aber der orthodoxe Jude all' diesen Errungenschaften moderner Chemie gegenüber zu verhalten, wenn er sich in die Lage versetzt sieht, sei es auf Anrathen des Hausarztes, sei cs eigener Initiative, zur Hebung seines Kräftezustandes sich Eiweiß in konzentrirter Form zuführen zu müssen? Die flüchtige Skizzirung, die wir den obengenannten Präparaten zu Theil werden ließen, gibt uns schon die Antwort: Er darf ste alle nicht brauchen, da sie aus thierischem Material hergestellt sind. Mit desto größerer Freude ist es daher zu begrüßen, daß der Vorrathskammer medizinischer Nährmittel ein neues Präparat einverleibt wurde, das wir ohne jeden Skrupel beruhigt nehmen können. Es ist dies „R o b o r a t," das ausschließlich zusammengesetzt ist aus dem Eiweiß, das im Weizen, Mais und Roggen enthalten ist. Dabei hat es den großen Vorzug, daß es den Darm absolut nicht reizt und sehr leicht resorbirbar ist. Ausführliche Versuche haben dargethan, daß „Roborat" im Körper noch besser ausgenützt wird, wie andere Präparate. Dabei hat es außerdem den Vorzug völliger Geschmacklosigkeit, ist größtentheils wasserlöslich und enthält in Folge seiner einwandfreien Herkunft keine schädlichen Verunreinigungen. Ein Pfund „Roborat" entspricht dem Nährwerth von ca. 100 Eiern oder o Pfund Fleisch und kostet nur Mk. 2.70. Das „Roborat" ist in Folge seiner vielen Vorzüge, speziell aber für uns wegen seines unbedingten Kaschrus, nur empfehlenswert und kann mit ruhigem Gewissen genossen werden. V. Der geehrte Herr Einsender scheint, abgesehen von verschiedenen, hier nicht näher zu erörternden Bedenken, an die Vorschriften für das Pessachfest nicht gedacht zu haben. Jedenfalls wird uns der Genuß des „Roborals" auch außerhalb der Peßachzeit so lange unmöglich sein, als keine gnügende Aufsicht für die Fabrikation gestellt ist. Feuilleton. Nach vierhundert fahren. 24] Von Friedrich Mott. Pedro blickte betroffen zu ihr empor. „Gleichviel welcher Konfession?" — — „Nun ja, ja," ergänzte seine Herrin, gezwungen lachend, „es ist mir vollständig einerlei, welcher Konfcssivn meine Leute angehören." Der Bediente verneigte sich ehrfurchtsvoll. „Ich werde sofort auf vas betreffende Bureau gehen und nach einer tüchtigen Haushälterin fragen. Wann sollte sich eine solche dem gnädigen Fräulein vorstellen?" „Sie braucht sich mir nicht erst vorzustellen," erwiederte das junge Mädchen leichthin, „ich verlasse mich auf meinen alten Pedro, wenn sie Ihnen gefällt, engagiren Sie dieselbe meinetwegen sofort." Pedro neigte achtungsvoll das graue Haupt. „Wie das gnädige Fräulein befehlen."- Jsabella unterhielt sich darauf längere Zeit mit ihren kleinen wißbegierigen Freunden, als der alte Pedro wieder eintrat und meldete: „Frau Doktor Müller, die Dauie aus der zweiten Etage, lasse bitten, bic Kinder zum Abendessen hinaufzuschicken." „Da will ich Euch nicht länger zurückhalten, die Großmama dürft Ihr nicht warten lassen. Gute Nacht, Ihr lieben Kinder." „Gute Nacht, Fräulein Jsabella," erwiederte Viktor. die Hand, die sie ihm gereicht hatte, herzhaft driickend. „Kommen Sie nicht noch mit hinauf zur Großmama?" „Ja, bitte Fräulein Bella, kommen Sie mit hinauf," bat Selma, sich an sie schmiegend. „Sie können doch mit uns essen." „Das geht nicht, Herzchen," versetzte Fräulein von Rauhenstein lächelnd, „die Großmama hat Euch zum Abenbrod rufen lassen und Ihr kennt doch das Sprichwort: Ungebetene Gäste setzt man vor die Dhüre." „Das ist kein jüdisches Sprichwort," rief Viktor, „bei uns heißt es: Jeder, der Hunger hat, der esse mit, wer Durst hat, der trinke mit u. s. w." „Also werden Sie mit hinaufkommen, Fräulein Bella?" „Für heute nicht, liebes Kind, ich habe augenblicklich weder Hunger noch Durst, und Eure Großmama hat heute sicherlich noch so viel zu thun, daß meine Gegenwart sie stören könnte." Das wollte den Kindern freilich nicht einleuchten. Sie hatten sich an das freundliche, junge Mädchen so gewöhnt, daß ste das Fräulein als vollständig zur Familie gehörend betrachteten. Doch Jsabella ließ sich nicht erbitten; sie drückte einen Kuß aus das Mündchen des kleinen Mädchens,

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