Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 97 (9.12.1901)
- Date
- 1901-12-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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S141 chai seine Kleider zerreißen mußte. Darum seid eingedenk Väter und Mütter Israels Eurer großen Veranwortung, die Ihr für die Z u k u n f t Eures Judenthums in der Gegenwart schon habt. Tröstet Euch nicht über den verlorenen Sohn unseres Glaubens, denn er lebt noch und einstens wird Euer Gewissen vorwurfsvoll seine Stimme gegen Euch erheben und Euch anklaaen, -feinde Israels großgezogen zu haben; und heil den Israeliten, die sich dann sagen dürfen: „Wir haben unsere Pflichten als jüdische Eltern erfüllt." Dann wird die spätere Generation uns nicht anklagen können, die Giftsaaten gestreut zu haben, welche erst nach unserem Tode auf dem einst so blühenden Felde Israels ausgegangen sind: ob Entsagungen und Entbehrungen, Zurücksetzung und Spott auch unserem Sohne den Weg zur Höhe erschweren mag, — aber der Trost bleibt uns, daß wir keinen verlorenen Sohn haben. Das ist die ernste Mahnung des Chanukkafestes, das ist das Gemälde vom „verlorenen Sohn e." Zeitungsnachrichten und Corresporr-enzeir. Deutschland. Posen. Nach dem 58. Rechenschaftsbericht über den Stand und die Verwaltung der „Israelitischen Waisenknaben Anstalt zu Posen" (1899 und 1900) verpflegte die Anstalt während dieser Zeit 23 Zöglinge. Das Waisenhaus erfreut sich vieler Gönner, das bezeugen die vielen Legate und Dotationen. München, im Dez. Der Abgeordnete Dr. Gäch bat bei der Berathung des Antrages Heim im Finanzausschüsse der Kammer der Abgeordneten behauptet, daß in Schweinfurt jüdische Rechtspraktikanten aus Hppothekenbüchern Mittheilungen an jüdische Freunde gemacht haben sollen. Die sämmtlichen im Laufe der Jahre bei dem königlichen Amtsgericht Schweinfurt in Praxis gestandenen fünf israelitischen Rechtspraktikanten haben in Folge dessen dem Vorstande des genannten Gerichts die schriftliche Versicherung abgegeben, daß der erhobene Vorwurf auf grober Erfindung beruhe; es wäre Sache des Abgeordneten Dr. Gäch, der für seine Behauptung wegen seiner Abgeordneteneigenschaft nicht zur gerichtlichen Rechenschaft von den Angegriffenen gezogen werden kann, seine Aufstellung entweder zurückzunehmen oder zu beweisen. Würzburg, im Dez. Dem 32. Rechenschaftsbericht über die „Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg", von Nathan Bamberger, Distrikts- Rabbiner und Vorstand der Anstalt, entnehmen wir: Mit dem Schlüsse des Schuljahres bestanden sieben Zöglinge des Oberkurses die Austrittsprüsung am Kgl. Schullehrer-Seminar dahier mit gutem Erfolge und wurden in die Praxis entlassen. Die Zahl aller seit dem Bestehen der Anstalt ausgebildeten und in die Praxis entlassenen Lehrer beträgt jetzt 314, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter hinaus segensreich wirken. Alljährlich wird von einem der geistlichen Mitglieder des Kuratoriums Prüfung aus der Religionslitteratur abgehalten, die auch in diesem Jahre ein ganz günstiges Resultat lieferte. Die Anstalt hatte im abgelaufenen Schuljahre 29 Zöglinge. Von diesen erhielten 6 Unterricht, Wohnung, Beköstigung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unengeltlich, 3 bezahlten die Beköstigung ganz, 19 theilweise und einer war extern. Bei Beginn des laufenden Schuljahres meldeten sich zum Eintritt in den ersten Kurs 6 Schüler aus der Präparandenschule zu Burgpreppach und 7 aus der zu Höchberg, welche auf Grund der bestandenen Schlußprüfung an ihren Präparandenschulen in die Anstalt ausgenommen wurden. Ein Schüler aus der Talmud- Thora-Schule zu Schwabach unterzog sich der Aufnahmeprüfung, die er auch bestand. Zwei Schüler des ersten Kurses verließen sreiwillig die Anstalt, mithin zählt dieselbe 30 Zöglinge. Am 17. Februar, Abends 6 Uhr, fand in der Anstalts-Synagoge aus Anlaß des Hinscheidens des Herrn Baron Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild s. A. in Frankfurt a. M., eine Trauerfeier statt. Es wurde die Anstalt als Ort zur Abhaltung dieser Trauerfeier gewählt^ weil der sel. Herr Baron Rothschild dieser Stätte, deren Aufgabe es ist, Thora mit weltlichem Wissen zu vereinigen, seine Sympathien zu jeder Zeit entgegenbrachte. Schon bei der Gründung dieser Anstalt erfreute sie sich der Gunst des Baron Rothschild, die er durch Zuwendung eines großen Gründungsbeitrages zeigte und bis zu seinem Tode hat er alljährlich einen ansehnlichen Beitrag hierzu bewilligt. In diesem Jahre hat die edle Tochter des großen Wohlthäters, Freifrau Baronin Emund von Rothschild zu Paris, die Anstalt durch einen ansehnlichen Beitrag erfreut. Laut Spendenverzeichniß haben die eingegangenen Spenden im abgelaufenen Jahre ein ganz befriedigendes Resultat ergeben. Es sei daher allen verehrten Spendern und Spenderinnen inniger, herzlicher Dank ausgesprochen. Wir hoffen, daß die Freunde und Gönner der Anstalt die Genugthuung empfinden, ein Werk von hoher Bedeutung, der religiösen und nationalen Volksbildung gewidmet, unterstützt, erhalten und gefördert zu haben. Diese Anstalt verfolgt seit ihrem Bestehen das erhabene Ziel, ihren Zöglingen eine echt religiöse Bildung und das Maß von Kenntnissen — neben der allgemeinen Fachwissenschaft — in der Religionslitteratur zu vermitteln, welches für den jüdischen Lehrer unerläßlich ist, wenn er seiner Aufgabe gerecht werden will. Mögen daher alle Föderer solcher Bestrebungen in ihrem bisherigen Wohlwollen für unsere Anstalt fortfahren und ihre Mitwirkung zur glücklichen Lösung unserer Aufgabe nicht versagen, mögen sie durch reiche Zuwendung