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Der Israelit · 1901-12-09 · Heft 97 (9.12.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 97 (9.12.1901)
Date
1901-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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3140 den Benjamin ihnen wegnahm, als sie wehklagend ausriefen: „Was sollen wir Dir sagen, wie sollen wir uns rechtfertigen," — da heißt es: Und sie zerrissen ihre Kleider." Durch Benjamin veranlaßt, mußten die Brüder ihre Kleider zerreißen, wo wurde es den Nach' kommen Benjamin's heimgezahlt? „In Schuschan später, als Haman so schweres Unheil über Israel brachte, denn es heißt: „Mordechai zerriß seine Kleider." So wie der Urahne Jakob den Sack anlegte um den verlorenen Sohn, so ist das Trauergewand nicht gewichen von seinen Kindern und Enkeln bis in die spätesten Geschlechter. Welche tiefe Wahrheit liegt in diesen Worten unserer Weisen. Das Maß, mit dem die Menschen messen, mit demselben Maß wird ihnen wiedergemessen. Das ist die Stimme des Schicksals, das ist das Geheimniß der Weltgeschichte. Kinder, welche durch ihre Thaten das Herz des Vaters gebrochen, Kinder, um deren Lebenswandel der Vater trauert und seine Kleider zerreißen muß, sie werden einstens um ihre eigenen Kinder trauern müssen und die Thräne der Eltern wird zu einer Fluth, die mächtig wogend das Lebensschifflein der Kinder von Abgrund zu Abgrund schleudert, und inmitten des tosenden Sturmes, inmitten der finsteren Wolken erscheint aus dem Grabe die Gestalt des alten Vaters, und eine Stimme ertönt aus Himmelshöhen — lauter als alles Sturmesheulen mo "v:s mo. — „Maß um Maß" — mein Sohn! Um einen verlorenen Sohn hat Jakob geweint, aber er war nicht verloren. Man wollte ihn trösten, er weigerte sich, Trost anzunehmen wb .1171 by D'Dra ptapo pw ts xintr tripn nra jrm nnp „weil eine göttliche Stimme ihm sagte, daß er lebe, und über einen Lebenden kann man keinen Trost annehme n." . Ja, um einen verlorenen Sohn, den uns die kalte Hand des Todes von der Seite reißet, nehmen wir Trost an, — es war Gottes Rathschluß, dem göttlichen Willen beugt sich das fromme Gemüth. Ein solches Unglück ist nicht das größte, welches Elternherzen treffen kann, nein, das größte Unglück für Eltern ist die Thräne um einen verlorenen Sohn, den nicht der Tod, sondern das Leben ihnen geraubt. Ein Sohn, der lebt, und er ist verloren, ein Kind, das auf Erden weilt und durch schlechten Lebenswandel die Eltern von der erhabenen Höhe gestürzt, das reine Ehrenkleid der Eltern besudelt, den ehrlichen Namen des Vaters geschändet, ein solcher verlorener Sohn iss der bitterste Gram des Elternherzens, um ihn kann sich ein Vaterherz nimmer trösten. Das Lebensg l L ck der E l t e r n ist ein S p i e l b a l l in den Händen ihrer Kinder, mit ihnen st e i - gen sie, mit ihnen fallen sie. II. - Zu diesem Familienbilde liefert uns das Chanukkafest einen Rahmen aus der Geschichte Israels, der aus dem alten Baume vergangener Zeiten gefertigt, zu diesem Gemälde passend ist. Israel lebte ursprünglich mit den Syrern in Frieden, ja in Freundschaft, und wie kam es denn, daß später jene große Verfolgung eintrat, welche uns durch das Chanukkafest in's Gedächtniß zucückgerufen wird? Wie kam es, daß man Israel zwingen wollte, seine Gesetze zu übertreten, wie kam es. daß Mathisjahu in Trauer seine Kleider zerriß? Es war ebenfalls die Trauer um den verlorenen Sohn. So wie jener Wanderer, an welchem Sonne und Wind ihre Kraft erproben wollten, beim Winde, je schärfer und stärker er wurde, desto enger und dichter sich in den Mantel hüllte, während die glühenden Strahlen der Sonne ihn veranlaßten, allmählich seinen Mantel abzuwerfen, so haben viele Söhne Israels zu jener Zeit, als die syrische Freundschaft ihnen das Leben leicht und angenehm machte, den Mantel abgeworfen. In Zeiten des Sturmes haben Israels Söhne sich stets dichter in den Mantel ihres Glaubens gehüllt, in den Zeiten des Sonnenscheins sich der Bürde häufig entledigt. Sie liebäugelten mit den hellenischen Sitten und Gebräuchen, feierten mit Vorliebe die hellenischen Feste mit, nahmen Antheil an ihren Gelagen, mißachteten die Speisegesetze, und wenn die „Alten," die mit bangem Herzen voraussahen, wie das Ende kommen mußte, ihre mahnende Stimme erhoben, da sprach man von den „Dunkelmännern," die nicht verstehen wollten, daß man ,.Z e i t g e m ä ß" mit den andern Völkern leben, speisen und feiern müsse. Ja selbst die jüdischen Namen mußten bei dieser „zeitgemäßen Toleranz" weichen, Josua nannte sich Jason, Moses nannte sich Menelaos, bis endlich Antiochus Ephihanes kam und sagte: „Ihr wollt Griechen sein, gun, dann seid es ganz. Jene Assimilationsjuden in der syrischen Zeit haben zum großen Theil beigetragen zur syrischen Judenverfolgung, und als der alte Mathisjahu mit seinen Söhnen sich erhob, da trauerte der alte Vater nicht um diejenigen Jünglinge Israels, die in dem Heldenkampfe den Tod gefunden — sie waren die beneidenswerthen Märtyrer des Judenthums geworden — nein, um jene Söhne trauerte er, um jene konnte er sich nicht trösten, die da l e b t e n und doch verloren waren, die dem Judenthume sich entfremdet hatten, ihre Sabbate und Fasttage nicht kannten, die Bachanalien und andere griechischen Feste zu ihren eigenen machten. vnb jnw prr. Aber wann wird es ihnen heimgezahlt werden? Wenn sie, die zwar nur dem Namen nach — aber immerhin noch Juden sind, wenn sie mit innerem Schmerze selbst in ihren eigenen Kindern die Folgen ihres unjüdischen Lebenswandels erkennen, wenn sie ausrufen müssen bei ihren Kindern b'n “npn pw nt d’ttt; 2py\ Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Denn das Wasser, welches im ersten Gefäße heiß war, wird im zweiten noch warm sein; doch wenn es schon im ersten Gefäß blos lauwarm ist, dann ist es im zweiten schon kalt. So wird es mit jenen Söhnen werden. Esau, der Sohn Isaaks, der Bruder Jakobs, hatte als Nachkommen Amalek und Haman aufzuweisen, um den Morde-

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