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Der Israelit · 1901-12-05 · Heft 96 (5.12.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 96 (5.12.1901)
Date
1901-12-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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3135 Fürth, 2. Dez. Die Sozialgesetze, sofern dieselben eine Begrenzung der täglichen Arbeitszeit, sowie Beschränkung der Sonntagsarbeit involviren, machen sich in der Hauptsache in jenen Geschäften fühlbar, deren Inhaber auf dein Boden des gesetzestreuen Judenthums stehen. Bedeuten sckion die Samstage und vielen israelitischen Feiertage einen Nachtheil gegenüber der christlichen und neologen jüdischen Concurrenz, so ist eine weitere Beschränkung der Sonntagsarbeit mit einer großen Schädigung der jüdischen Geschäfte verbunden. Wenn trotz dieser Sachlage christliche Agitatoren die vollständige Sonntagsruhe am hiesigen Platze erringen wollen, so wird es keinem Juden einfallen, dcsthalb diese Personen zu verachten,' aber wenn ein „streng-fromm" sein «Vollender jüdischer junger Mann üch an die Spitze einer derartigen Agitation stellt und in öffentlicher Versammlung in rüdem Tone und aggressiver Form gegen seine Glaubensbrüder, diese Forderung vertritt, so kann ein derartiges Borgehen nicht scharf genug gegeißelt werden. Und leider sind nur in der traurigen Lage, uns mit einer solchen Handlungsweise des hiesigen Kommis N. zu beschäftigen. Was können denn die Motive sein, die Herrn N., welcher wöchentlich zum Lernen geht und sich sonst den Anschein eines frommen Juden gibt, veranlassen, in solch' rücksichtsloser Weise für die vollständige Sonntagsruhe einzutreten und noch dazu in einer Zeit, wo eine schwere wirthschastliche Depression über dem gesummten Geschäftsleben lagert? Bei oberflächlicher Prüfung dieser Frage wird man vergebens des Räthsels Lösung suchen. Nehmen wir aber die Person des Herrn N. zu Hilfe, so finden wir bei kritischer Betrachtung derselben, dass lediglich die Sucht, öffentlich genannt zu werden, die Triebfeder einer derartig wüsten Agitation ist, und eben, weil wir zu diesem traurigen Resultate kommen, deßbalb bereiten wir auch Herrn N. nicht das Vergnügen, seinen Namen hier zu nennen. Welche tiefgehende Entrüstung das Benehmen dieses jungen Mannes sowohl in streng-orthodoxen, als auch in neologen jüdischen und loyal-denkenden christlichen Kreisen hiesiger Stadt hervorgerufen hat, erhellt wohl daraus, daß man allgemein diesen Herrn als einen jüdischen Antisemiten der schlimmsten Sorte bezeichnet, und diese sind bekanntlich gefährlicher, als die Berufs¬ und Radauantisemiten. Hat denn Herr N. noch nicht darüber nachgedacht, daß, falls in Folge einer weiteren Kürzung der Sonntagsarbeit, der eine oder andere Geschäftsmann, welcher lediglich aus Herkommen sein Geschäft am Samstag geschlossen hielt, dasselbe nunmehr öffnet, er sich zum Mitschuldigen desselben macht, ebenso zum Mitschuldigen eines Angestellten, welcher dadurch vor der Alternative steht, entweder des Samstags zu arbeiten, oder seinen Posten zu verlieren, und sich durch seine laxe, religiöse Anschauung für das Erstere entscheidet? Vielleicht dämmert doch allmählich bei .Herrn N. die Erkenntnis auf, daß er sich durch sein frevelhaftes Thun eine schwere Verantwortung aufgeladen hat und, daß er als Jude bei den gegebenen Verhältnissen unter keinen Umständen einer weiteren Verkürzung der Sonntagsarbeit das Wort reden darf. Wir wollen noch nicht den Stab über den Genannten brechen, da wir annehmen, daß diese Zeilen geeignet sind, Herrn N. von der Verwerflichkeit seines Treibens zu überzeugen. Sollten jedoch unsere gutgemeinten Worte taube Ohren finden, dann bleibt nichts weiter übrig, als Herrn N. so zu würdigen, wie er es verdient — mit der allgemeinen Verachtung. N. O e st e r r e i ch. TLicn. Der jüngste jüdisch-politische Verein Wiens, der „Jüdischer Volksverein" hat sich schon beim Publikum eingeführt. Seine Lesehalle und Bibliothek, sein Creditinstitut, seine Thätigkeit in politischen und Rechtsfragen werden geschätzt und in Anspruch genommen. In religiöser Beziehung ist er neutral, man könnte sagen, von einer für religiöse Dinge wohlwollenden Neutralität. Die Vorträge des Vereins sind besuchter, als die aller anderen jüdischen Vereine. Kürzlich hörten wir verwundert einen sehr religiösen Doktor-Rabbiner vom „alten Testament" reden und erfuhren so, daß auch unser Gott Testament gemacht habe, obwohl wir ihn ewig lebend wissen. Dieser Tage ließ sich Herr Lucian Brunner hören. Der Mann spricht gut, mir überraschender Leichtigkeit, und wäre sein Vortrag acclamirt worden, umsomehr als seine Persönlichkeit durch sein muthiges Auftreten gegen die Judenfeinde uns allen höchst sympathisch ist, hätte er nicht über Dinge gesprochen, von denen er keine blasse Idee hat. Dieser Mann, der, wie er selbst erzählt, das Judenthum nur aus dem Katechismus (eine Erfindung der modernen Zeit) kennt, vielleicht auch Grätz ein wenig geblättert hat, erklärte die Gesetze Mosis für antiquirt, constatirte, daß Niemand ernst daran glaubt u. s. w. Auch sagte er, die Juden hätten ihren Monotheismus für sich behalten und Convertiten bedrückt. Herr Brunner wurde von mehreren Redner ad absurdum geführt und blieb Wohl von seinen antireligiösen Tiraden nicht viel übrig. Wir möchten aber den Volksverein doch aufmerksam machen, soweit thunlichst ähnliche Aeußerungen zu eontrolliren: jeder Jude, dessen Religiosität durch irreligiöse Belehrung Schiffbruch leidet, ist auch für das Nationaljudenthum verloren, dessen Pflege sich doch der Volksverein zur Hauptaufgabe macht. P a l ä st i n a. Jerusalem, im Nov. Der dritte Sohn unseres Kaisers, Prinz Adalbert, der in diesem Winter an einer Uebungsfahrt des Kriegsschiffes Charlotte im Mittelmeer theilnimmt, weilte vom 5. bis 7. November in Jerusalem. Der Prinz, dessen Wissenseifer, schnelle Auffassung und herzgewinnende Freundlichkeit gleich bewundernswertst sind, benutzte in schier unermüdlicher Ausdauer seinen kurzen Aufenthalt zur Besichtigung nicht nur einer großen Zahl der geschichtlich denkwürdigen Orte, sondern auch eines Theiles derjenigen

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