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Der Israelit · 1901-12-05 · Heft 96 (5.12.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 96 (5.12.1901)
Date
1901-12-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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am Das ist eine edle Handlungsweise des „Frauenvereins." Wenigstens gibt er in diesem Falle das Geld dahin, wo es wirklich sehr n o t h thut. Die Frau Otuniewitz, deren vor einigen Jabren verstorbener Mann von sehr braver und religiöser Gesinnung war. wird wegen ihres Leidens hier allgemein bedauert und ihr die Unterstübung von Herzen gegönnt. Cr fr n a r b Segall . Affaltrcrch, 1. Dez. Gestern beging die hiesige israelitische Gemeinde ein Doppeliubiläuiu. 1701 wurde zum ersten Male eine „Judenschul" in Assaltrach versteuert, und am 28. Nov. 1851 wurde die neue, ge schmaelvollc Synagoge, eine der nettesten Synagogen der würitembergischen Landgemeinden, unter Betheiligung der Behörden und der Bevölkerung feierlich eirt geweiht. Die israennsche Gemeinde hatte zur Feier des seltenen Jubiläums ein einfaches, erhebendes Fest veranstaltet. Beim Festgottesdienste, dem auch der L)rtsvorstand anwohnte, überbrackte Herr Bezirtsrabbiner .Sv a h n von Heitbronn in einem sehr warm gehaltenen Erlast die Glück und Segenswünsche der Kgl. Israel. Dberkirchenbehörde. In einer prächtigen Festvredigt, ivelcher Psalm 84, 85 u. 8«Z zu Grunde gelegt war, bat der Rabbiner die Gemeinde, sie solle ihr Gotteshaus nie vergessen, mahnte aber auch vor einseitiger Neber- Schätzung desselben. Das ganze Leben sei ein Gottes dienst. Der Religionslehrer der Gemeinde, Herr Schul' lchrcr Spatz, hielt die Gedächtnistrede, anknüpfend au die Stelle des Wochenabschnittes (Genes. K. 35,8): „Aus, lasset uns nach Bethel hinaus ziehen etc.!" Redner gedachte in dieser Rede der verdienten Gründer der Gemeinde und Synagoge. lieber dem Draun hakandesch waren zwei Cherubim angebracht. Redner bat sie entfernen und durch einen „Mögen David" ersetzen lasten. Entsprechend einem treffenden Midrasch sollen nämlich nicht die Engel die Hüter und Wächter der Thora sein; Moses hat sie vielmehr uns sündigen Menschen überbracht und zur Hut und Wacht anvertraut. .NL'L '.A 7NL.tt. Und so fordert Redner namentlich die Jugend aus, zur „Maltabäersahne" zu schwören, Gut und Blut siir die Thora einzusetzen, entgegen den Lorlungen der vTx" des Zeitgeistes. Am Abend wurde ein Festbankett abgehalten. Vertreter der israelitischen Nachbargemeinden hatten sich hierzu zahlreich eingesunden. .Herr Kirchenratb Kroner von Stuttgart sandte telcgravhische Gratulation, die evana. und kathok. Herren Drtsgeist licheu, welche zu ihrem grössten Bedauern wegen des beginnenden Adventsfestes der Feier fern bleiben mussten, hatten persönlich beim Lebrer der Gemeinde voraesprochen, resp. schriftlich der Gemeinde herzlich gratulirt und gewünscht, dasz auch fernerhin das schöne Einvernehmen der Konfessionen keine Trübung erfahren möchte. Beim Bankett begrüstle Herr Lehrer S v a tz als Vorsitzender des israelit. Kirchenvorsteheramtes die Gäste und toastirte auf unseren in Ehrfurcht geliebten König, den gütigen und gerechten Beschützer aller seiner Landeskinder. Herr Bernhard Levi, Kaufmann und Mitglied des Kgl. Borfteher-Amtes, liest Rabbinat uns Sberkirch.znbehörde hochleben. Herr Rabbiner K a h n , zugleich als Vertreter der Dberkirchenbehorde, toastirte auf die Jubelgemeinde, Herr Vorsänger T ch n von Debringen im Auftrag seines Kollegiums oist gute Nachbarschaft und Freundschaft, Herr L. Thal h e i m e r aus Lehrensteinfeld auf Lehrer Spatz uns die anderen Vorstandsmitglieder, letzterer noch auf die ,stillten." Dazwischen hinein ertönten die Klänge einer Kapelle. Gesang- und Gedichtvorträge ernsten und heiteren Inhalts. Ein Festgedicht, von Herrn Lehrer Spatz verfallt, „Treuschwur," mußte wiederholt vorgetragen werden. Bis in den Morgen hinein blieb die stwstgcsellschaft bei einander. Jeder nahm das Bewußtsein mit nach Hause, daß die kleiner gewordene Gemeinde Affaltrach in der Begeisterung für unsere heil. Religion und in der Dpferwilligkeit den Ahnen der Gemeinde nicht nachsteht. Das betvies auch die prächtige und koschere Mikwoh, welche die Gemeinde zum Jubiläum erstellte, Möge unsere Khilloh blühen und gedeihen. Worms. Sie haben kürzlich über den Antrag Backes lSbcrlehrer in Darmstadt) berichtet, der die Vesterstettung der israelit. Religionslehrer bezweckt und der au eine Kommission verwiesen worden ist, die ihn jedenfalls beim nächsten Zusammentritt der Kammer in's Plenum zur Verhandlung und Beschlußfassung bringen wird. Nicht ohne Interesse sind die folgenden Zeilen, welche die „Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung", das hervorragendste Lehrerorgan Deutschlands, über diesen Antrag Backes bringt. „Eine gar wenig beneidenswerthe Stellung nehmen bei uns noch die israelitischen Lebrer ein. Nur ganz wenige sind an öffent licken Volksschulen eingestellt, die meisten stehen im Dienste einer israelitischen Religionsqemeinde, sind Vorbeter und Neligionslehrer zugleich und beziehen als solche zumeist mir einen Gesammtgehalt von 600—800 Mart obne jeglichen Pensionsanspruch und ohne Aussicht aus allmählige Ausbesserung. Kein Wunder, daß daher viele versuchen, durch Nebernahme des Schächter amics ihr schmales Einkommen zu erhöhen. Aber in welchem Abhängigkeitsgefühl stehen diese Lehrer zu Nn Gemeindevorständen, die ihnen in den meisten Fällen an Bildung dock lange nicht gleichkommen. Wo fick der Lehrer nickt fügt, kann ihm bald der Stuhl vor di- Tbürc gesetzt werden; und dazu kommt noch, daß ein Tbeil unserer israelitischen Neligionslehrer eine nickt vollständig genügende Ausbildung besitzt, wenn er auch nach dem Ministerialerlass vom Jahre 1800 in dieser Hinsicht entschieden besser geworden ist. Die Neaeluna dieser Ausbiidnngs- und Besoldungsfrage "•'er israelitischen Neligionslehrer ist nunmehr durch einen Antrag des Abgeordneten Backes bei Großb. Staatsregierung in Anregung gebracht. Möge ste im

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