Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1901)
- Date
- 1901-12-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2109 Wie wahr und sinnig! Gold wird mit der Zeit nicht anders, als es früher war, es wird nicht schwarz, es rostet nicht, Gold bleibt Gold. Man kann es biegen, brechen, schmelzen, Gold bleibt Gold. Und das gilt auch von Israel, vom Judenthum. Man kann Israel anseinden, verfolgen, begeifern, man kann das Judenthum schmähen, lästern: Gold bleibt Gold, das Judenthum verliert nichts an innerem Werth, und Israel vertiert nichts an innerer Würde. Wem verdankt aber Israel seine Gediegenheit, seine Unverwüstlichkeit!? Den zwei Oelbäumen Thora und Jirah, das sind die zwei Quellen, aus denen Israel seine Kraft und Macht durch alle Jahrtausende schöpfte. Und dafür, daß diese zwei Quellen nicht versiegen, daß diese zwei Brunnen nicht verdorren, sondern blühen, wachsen und gedeihen, dafür lastet uns sorgen, arbeiten und kämpfen bis zu unserem letzten Athemzuge! Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, im Dez. Ueber die Gründe der Einstellung des „Jüdischen Tagblattes" in V u d a p e st erhielten wir von sehr glaubwürdiger Seite zwei Berichte, die wir aber mit Rücksicht auf den bekannten Ton einer in Budapest mit hebräischen Lettern erscheinenden jüdischen Zeitung nicht veröffentlichten. Die ungarischen Freunde und Leser unseres Blattes werden uns deßwegen gewiß keine Vorwürfe machen. Nun ist es aber der Nothschrei eines plötzlich brodlos gewordenen jüdischen Journalisten, dem wir diese Zeilen widmen. Herr M. Dornbusch, der unter dem Pseudonym Mar-Draur bis vor kurzer Zeit das „Jüd. Tagblatt" redigirte, appellirt an den jüdischen Edelsinn mit folgender „dringenden Bitte": Mitte Juni 1899 wurde ich vom hiesigen reichen Buchdrucker und Hausbesitzer Herrn Eduard Neum a v e r als Redakteur der von ihm mit Hilfe der orthodoxen isr. Landeskanzlei gegründeten Zeitung „Jüdisches Tageblatt" angestellt. Als aber im August 1900 die orthodoxe Kanzlei dem Blatte, welches langsam. aber stetig gediehen war, keine materielle Subvention mehr gewähren wollte, da sie diesbezüglich nur auf eine einjährige Verpflichtung eingegangen war, wollte sich Herr Neumayer nicht mit der moralischen Unterstützung der Kanzlei allein begnügen und er nahm der Letzteren gegenüber eine schroffe Haltung an. Die dadurch eingetretene Erkaltung der Beziehungen konnte nicht unbemerkt bleiben und hatte eine Abnahme der Abonnentenzahl zur Folge. Da sprach Herr Neumayer zu mir: „Nach reiflicher Ueberlegung bin ich zu dem festen Entschlüße gelangt, unerschütterlich weiter auszuhalten. Ich bitte Sie jedoch, keinen entscheidenden Schritt zu machen, um sich dem Concurrenzblatte (einer durch u n f l ät h i g e n Schimpf in Verruf gerathenen hiesigen jüdischen Zeitung) zu nähern. Dagegen verspreche auch ich Ihnen, diesbezüglich nichts ohne Sie zu unternehmen." Ich erklärte mich damit einverstanden. Doch am 24. Oktober 1901, eine Stunde vor Schluß des Blattes, erklärte Herr Neumayer mir, der ich nichts Böses ahnte, das „Jüdische Tageblatt" erscheine heute „zum letzten Male," da er sich mit dem Concurrenzblatte geeinigt habe. Und so erschien in der letzten Nummer, an deren Spitze mein Name, als der des verantwortlichen Redakteurs, ersichtlich war, ohne mein Misten an leitender Stelle ein „Abschied von unseren geehrten Lesern" überschriebener Artikel, worin die ganze bisherige Thätigkeit des „Jüd. Tagbl." als eine geradezu verlogene bezeichnet, das „Concurrenzblatt jedoch in den Himmel gehoben wurde." Dies war schon vorher zwischen Herrn Neumayer und seinem bisherigen Concurrenten „vertragsmäßig" abgemacht worden, um dem Concurrenzblatte auf so lügenhafte Weise Lob zu spenden und gleichzeitig mich vor dem Leserkreise zu kompromitiren. Da ich nun so plötzlich brodlos gemacht wurde, und mit Frau und Kindern aller Mittel entblößt dastehe, wende ich mich mit der ergebenen Bitte um eine Unterstützung an Alle, die ein Herz haben für eine schuldlos in's Unglück grathene Familie. Die kleinste Unterstützung wird dankend angenommen, am liebsten aber in Form der Zuwendung von Arbeit, da ich im Deutschen Alles vorzüglich konzipire, ferner aus dem Ungarischen, Hebräischen, Französischen und aus mehreren slavischen Sprachen vortrefflich in's Deutsche übersehe, schließlich auch treffende Reden für jede Gelegenheit verfasse, nämlich ungarische und deutsche mit lateinischen, französischen und anderen Citaten, auch hebräischen aus Bibel, Talmud und Midrasch. Aber auch geringfügigere schriftliche Arbeiten, welcher Art immer, übernehme ich gerne gegen mäßige Entlohnung, um nur meine Familie, wenn auch sehr kärglich, in Ehren erhalten zu können." Berlin, 4. Dez. Die Ersatzwahl der R e - Präsentanten der jüdischen Gemeinde hat mit dem Siege der Orthodoxen geendet. Letztere hatten diesmal eine ungemein rührige Hausagitation entfaltet. Nach den provisorischen Ermittelungen sind folgende acht ausscheidende Repräsentanten mit großer Majorität wiedergewählt: 1) F r ä n k e l, Joseph, Maurermeister, 2) Loew e n b e r g , Gustav, Bankier, 3) Oppenheim, Julius, Rentier, 4) Senator, Dr., Geheimer Medizinalrath, 5) Blumenthal, Dr., Geheimer Sanitätsrath, 6) Baginsky, Dr., Professor, 7) A p o l a n t, Dr., Justizrath, 8) S i e ß k i n d , Louis, Rentier. Weiter sind voraussichtlich aus derselben Liste zu Repräsentanten gewählt: 9) Hirsch, Aron, Fabrikbesitzer, 10) Sachs, Immanuel, Rentier.