Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1901)
- Date
- 1901-12-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2108 die übrige Menschheit überragen, wenn es des Namens Israel Werth und würdig sein soll. Zuerst in Bezug auf Misten, Erkenntniß, Bildung, Erleuchtung, mit einem Mort in Bezug auf Thora, „denn die Mizwah ist ein Licht und die Thora eine Leuchte." (Sprüche 6. 23.) Das Licht der geistigen Erkenntniß muß inmitten Israels brennen und leuchten, wenn es seine Aufgabe würdig lösen soll. Ein unwistendes, ungebildetes Israel, ein jüdisches Volk ohne Thora, ist ein Zerrbild, ein Widerspruch in sich selber und völlig unfähig. etwas Nützliches inmitten der Menschheit zu leisten. Wie sollen wir andere Völker mit dem Himmelsbrod der Gotteserkenntniß speisen, wenn wir selber darben und Hunger leiden! Wie ihnen die lebendigen Gewässer der Thora zur Erfrischung reichen, wenn wir selber schmachten und verdursten?! Die erste Stufe, aus der wir stehen müsten, ist also Thora, Wissen. Erkenntniß, und die zweite ist wieder Jirah, Gottesfurcht! Wir müsten das auch im Leben praktisch üben und bestätigen, was wir theoretisch erkennen und lernen, b'~: ' nryc nb s'iob* Die Theorie hat nur insofern Werth und Bedeutung, als sie praktisch verwerthet, bestätigt werden kann. Wie wollen wir andere Völker zur Tugend, Sittlichkeit und Heiligkeit anspornen, wenn wir selber keine Selbstbeherrschung besitzen, uns von der niedrigen Sinnlichkeit hinreißen lasten, das Gotteswort im praktischen Leben mißachten und nur der Stimme der Leidenschaft und Begierde Gehör geben! Also Thora und Jirah sind die zwei ersten Stufen! Die dritte Stufe aber, auf der Israel stehen und also alle anderenVölker überragen muß, ist u. heißt Emunah, d. i. Selbstständigkeit, Festigkeit, Unerschrockenheit, unverbrüchliche und unwandelbare Treue unter allen Verhältnissen und Umständen! Treue bis in den Tod, in der Ueberzeugung, „jedes Geräth, geschmiedet gegen Dich, richtet nichts aus, und jede Zunge, die gegen Dich auftritt zum Gerichte, sprichst Du schuldig." sJesaias 54. 17.) Mögen sie sagen, die Völker, was sie wollen, mögen sie uns schmähen, lästern, verhöhnen, verspotten! Wir stehen fest und hocherhaben über jedem Angriff, über jeder Verleumdung, über jeder Verunglimpfung und bleiben treu unserem Gotte, unserem Glauben, der uns am Sinai geoffenbarten hochheiligen Lehre! III. An einen unvergleichlichen hohen Grad von Muth und Unerschrockenheit erinnert uns das schöne Chanukkafest, das wir alljährlich feiern. Es war eine furchtbare, grauenerregende Zeit, in der unsere Vorfahren, das Geschlecht der Matlabäer gekämpft und gerungen! Feinde von Außen und Innen! Von Außen! Das war Antiocbus, der König der Syrer, der das Licht der Gotteserkenntniß in Israel auslöschen und die Finsterniß griechischer Sinnlichkeit, griechischer Zügellosigkeit und Ausgelassenheit über das Haus und Haupt Israels breiten wollte! Es gibt keinen Geist, kein geistiges Wesen! Alles ist Materie und Staub, alles irdisch und sinnlich! Also lautete die griechische Lehre, und zu dieser Lehre wollte man das Judenthum bekehren! L" nns mse noxi yw bv'bz "ins nauro cir nn p*B' n"rz u npbnn nn obipn p H2W nmx w xb dxk» ♦D’Ätrn bj isciDi '~cy „Es gab dort einen ruchlosen Abtrünnigen, der rieth und sprach: Israel hat Ein Gebot, das, wenn es nicht befolgt und beobachtet wird, besten Verderben, besten Vernichtung herbeiführt, das Gebot ist und heißt: Das Anzünden des Lichtes im Tempel des Herrn. Da machten sie sich auf und verunreinigten alles Oel, das vorhanden war." (Midrasch Chanuka.) Ein tiefes, bedeutungsvolles Wort das! Da ist nicht von materiellem, irdischem, sondern von geistigem, idealen Licht und Oel die Rede, von der reinen, lichten, über jeden Materialismus hocherhabenen Gotteserkenntniß des Judenthums! Dieses geistige Licht wollte Antiochus auslöschen, dieses ideale, heilige Oel wollte er verunreinigen durch griechischen Materialismus, durch griechische Irrlehren, durch Erhebung des niedrigen Staubes zum höchsten Gotte! Es waren aber nicht nur Heiden, sondern auch Israeliten, Priester, die das heilige Oel verunreinigen, den griechischen Anschauungen Eingang in's Juden thum verschaffen und Israel Glauben und Glaubensfurcht aus dem Herzen reißen wollten. Da standen auf Mathatias und seine Heldensöhne. Sie erkannten die Gefahr, die dem geistigen, sittlichen Leben Israels drohte und kämpften an der Spitze eines kleinen Häufleins, mit einer Unerschrockenheit, mit einem Löwenmuth, wie ihn nur die Begeisterung für Gott eingeben und einflößen kann; und sie kämpften so lange, bis sie gesiegt, bis das kleine Häuflein Israeliten das mächtige Syrerheer aufgerieben und vernichtet und Israel voll Dank und Jubel ini Herzen, das Licht im Tempel zu Ehren des Herrn der Heerschaaren wieder anzünden konnte. Wir bürfen aber nicht glauben, daß der Heldenmutb der Makkabäer und des damaligen Israel etwa eine natürliche Anlage, eine angeborene Eigenschaft war, die mit Frömmigkeit und Gottesfurcht nichts zu schaffen hatte! O nein! Unerschrockenheit, Löwenmuth, Hingebung und Aufopferung für die ideellen Güter der Religion, das ist die dritte Stufe auf jenem Stein im Heiligthum des Herrn: man erreicht aber die dritte Stufe nicht, ohne die zwei ersten erstiegen zu haben. Die zwei ersten aber heißen Thora und Jirah, Gotteserkenntniß und Gottesfurcht! Es war eben eine Generation, in deren Seele das Licht der Weisheit und Frömmigkeit brannte und leuchtete und der Geist von Tbora und Jirah befähigte sie zu solch glorreichen, unsterblichen Thaten. In der Hafthorah zum Sabbat Chanukka erzählt der Prophet: „Ich sah einen Leuchter ganz aus Gold, und zwei Oelbäume daran." (Zecharja 4. 2—3.) Unsere Weisen sagen: „Der Leuchter ganz aus Gold, das ist das Symbol Israels. (Jalkut z. St.)