Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 95 (2.12.1901)
- Date
- 1901-12-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449236--54806-2505526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2101 Religion für das Voll — da gibt es nur eine uns Allen am Sinai gewordene Offenbarung, die alle Gegensätze in vollendeter Harmonie auflöst und uns so zur 2^2 Höhe hinanführt, die die ganze Menschheit uns beglücken heißt durch den Pflichtgedanken des Gottesgesetzes ms mir *7^2 12b. So führe uns das Pflichtenleben unseres Sinai-Gesetzes hin zu dem zpv' r^np ntsna Erbe der Jakobs-Gemeinde. Reihen wir, von dem Pflichtbewußtsein der Thora erfüllt, Stein an Stein — dann wird's wieder Licht in Jacob's Hütten und Tempeln, und von Stufe zu Stufe eilen wir, von unseren Kindern in das herrliche Zelten- und Familienleben Jacobs, erstarkend zu jüdischen Gemeinden, unserem Ziele zu — dann wird Jacob's Gelübde sich erfüllen, '-127 'vr L'pbx Ln wenn so der Gottesgedanke Leitmotiv unseres Lebens sein wird, dann losen sich alle Schwierigkeiten "sbin ’jx 2trx hh -p-a '^22v auf in herrliche Accorde, Gott schützt unsere Pfade und, entschlagen unserer irdischen Sorgen, na acty ax kehren wir zu den Idealen, den unsterblichen Idealen unserer Väter — Jakob gleich. Meine Werthenl So trete ich denn in mein neues Amt mit dem Gelübde Jakobs: '"727 'n rr ex Leitstern meines Handelns sei Gott allein, dann wird mein Lebensweg von Dir, 0 Gott, beschützt sein — nicht fremd stehe ich Ihnen so gegenüber 7xt a»x bzb mx -len nicht als Ihr Führer, nein, als Ihr gleichstrebender Genoste sind wir so nun schon Freunde. Und Ihr Freund und Mitarbeiter möchte ich sein — Freund der Vorstände unserer Gemeinden, Freund und Mitarbeiter der Lehrer, der Bildner unserer Jugend, die alle begeistert für Gott, mit ihrem ganzen Sein für die heilige Sache Gottes eintreten — Freund jedes Einzelnen von Ihnen! Und so in gemeinsamer Arbeit wollen wir Jakobs Ideale wieder zur Wahrheit gestalten! Dann ax na dx ci^aa aatr wird Jakobs Geist in Israel nicht erstorben sein apr 'nv Jakob lebt wieder, weil no xd uax apy seine Ideale unsterblich ax na dx t'h\ja aatta Wir werden uns die Vollkommenheit, den harmonischen Frieden sichern, der in den Häusern unserer Väter gewaltet, weil "~ L'pdxd 'd unser gütiger Vater Richtschnur unseres Lebens geworden! Erfülle dich, Traumbild, wie es unserm Stammvater zur Wahrheit geworden! Amen! Wir haben hier nur skizzenhaft die Rede wiedergegeben. die dem Leser aber dennoch ein Bild des Gedankenganges vor Augen führen dürfte. Jubelnder Beifall lohnte dem Redner für den Hochgenuß, den er der Versammlung bereitet hatte, und jeder Einzelne rechnete es sich zur Ehrenpflicht und machte sich eine Herzensfreude daraus, dem Herrn Rabbiner auch persönlich seinen Dank abstaiten zu dürfen. Nachdem somit der Redeakt sein Ende genommen batte, ging man zu dem geschäftlichen Theile des Programmes, der Generalversammlung, über, Nach Eröffnung derselben durch den Vorsitzenden erstattete Herr Direktor Dr. Lange Bericht über seine Thätigkeit während seiner vierjährigen Amtsdauer. Seine Prinzipien, so Hub der hochverehrte Referent an, habe er bereits in seiner Rede dargelegt. Es habe gegolten, ohne Kampf durch Aufklärung an's Ziel zu gelangen, deßhalb sei zunächst zu erstreben gewesen, jedem Juden die Möglichkeit zu schassen, thunlichst überall leben zu können, ohne daß sein Gewisten beschwert zu sein brauche. Es mußte somit Sorge dafür getragen werden, daß die Gemeinde-Institutionen im Sinne des jüdischen Gesetzes in Ordnung seien. So wurde die Schechita in vielen Orten geregelt und, soweit es die Verhältnisse gestatteten, nur ein Schochet und ein Stellvertreter desselben bestellt. Der Herr Referent drückte diesbezüglich sein Bedauern darüber aus, daß die Herren Lehrer sich durch die Ausübung der Schechita oft etwas zu vergeben vermeinten und glaubten, solche paste nicht für ihr Amt, indem sie vergessen, daß eben diese Funktion eine Mizwa, ein hochwichtiges Gebot, auf dessen gewissenhafte Erfüllung der höchste Werth zu legen sei. Ebenso sei es bedauerlich, daß sich mancher Schochet hie und da fand, der persönlicher Verhältnisse halber dem Einen oder Andern die Schechita weigerte, daher war nicht überall obenerwähnte Maßregel durchzuführen. An vielen Orten jedoch, wo selbst nur einzelne Jehudim wohnten, wurde für Schechita gesorgt. Es habe nun oft Anstoß erregt, daß nicht Jedem, der selbst die erkannte, nbsp ertheilt worden ist. Da sei aber wohl zu bedenken, daß die Schechita ein zbb tsch -a-:, eine Gewissenssache, ist; beim Ertheilen der nbap müsse also darauf gesehen werden, daß Betreffender die genügenden Bürgschaften für das in ihn gesetzte Vertrauen bietet und sowohl als Jude, wie als Mensch alle seine Pflichten gewissenhaft erfüllt. Was die fernere Institution, den Gottesdienst, betrifft, so erklärt Herr Dr. Lange, daß jener in allen angeschlossenen Gemeinden derart märe, daß man ihn anstandslos besuchen könne. Nur in einer Gemeinde existire ein Chor, in welchem Schulmädchen mitwirkten. Es ist jedoch anzunehmen, daß dies durch Unkenntnis; geschehen, denn diese Gemeinde habe stets, wenn etwas vorlag, auf Gutachten gehört, und es sei zu hoffen, daß somit auch erwähnte Aussetzung bald behoben würde. Für die dritte Einrichtung, rrs-pa, ist ebenfalls Sorge getragen worden, und ist eine Reihe solcher neu angelegt, eine andere renovirt worden. Bei dieser Gelegenheit gedachte Referent dankend der „Freien Vereinigung für das orthodoxe Judenthum" zu Frankfurt a. M. und des seligen Baron's W. von Rothschild, welche die dahingehenden Bestrebungen oftmals unterstützt hätten, und bei denen er niemals eine Fehlbitte gethan habe. Besonderes Gewicht ist aus den Religionsunterricht gelegt worden; vielfach wurden Schulprüfungen abgehalten und mit den Lehrern alles Bemerlenswerthe besprochen. Dabei stellte sich allerdings heraus, daß noch kein einheitlicher Lehrplan vorhanden ist. Im letzten Jahre, sagt Herr Dr. Lange, habe er