Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 95 (2.12.1901)
- Date
- 1901-12-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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2100' sinken — bii aber, jüdisches Volk, bist unsterblich! Auch du steigst, und auch du s ä l l st, aber nie vergehend. Du gleichst der Woge, die, vom Surm gepeitscht, steigt und fällt und steigt in ständigem Wechsel, um binauszugleiten in das ewige Meer der Weltengeschichte. Ja, es ist wahr enrv c*^j> spbtt vxbo .u.n die jüdischen Gottesboten blühen und welken, ihr Steigen und Sinken in unvergänglichem Wechsel aber ist der glänzendste Beweis rbv 25i; rr rurr, daß &otte§ jgartb uns beschützt, und daß es Gottes Sache ist, für die wir kämpfen. Israel ist ewig! Und nun, meine wertsten Freunde, was war dieses Traumbild, das Jacob stier geschaut in den steigenden und fallenden Engeln, die Gott schützt, was war es anders, als die Verheißung, die ihm nun ward? H"i “jjrt rrrv, deine Nachkommen werden sein wie der Staub der Erde — dem Staube der Erde gleichen sie, der getreten und gedrückt — die aber auch durch die ausgehenden Saaten die Menschen beglückt. Der Erde gleichst du, die bald erstarrt, bald herrliche Blüten und Früchte hervorzaubert. — Was war dieses Traumbild anders, als die Verheißung: „Wie deine Ahnen, so werde Ich auch dich in der Sonnenhöhe des Glückes und den Tieien und Niederungen des Schattendaseins schützen." 111. Und als diese Verheißung unserm Stammvater ward, pp"i da erhellte sich sein Sinn — und zum Bewußtsein gelangte ihm die Größe des göttlichen Weltenzieles, nrn c:pon x*»; ra 12x1 2pr Wer möchte ibm ob des gewaltigen Zukunftsplanes Gottes in seiner Freude das Zittern und Beben nicht nachfühlen! Und nun ringt sich von seinem Herzen zu den Lippen das Bekenntniß und die herrliche Erkenntnis: 2X '2 tu ,"x rcpn “iyw nr cpPx r:z. „Führwahr, hier ist ein Gotteshaus und hier ist die Pforte, die uns himmlische Verheißungen eröffnet!" Hochansehnliche Versammlung! Das herrlichste Wort in dieser ganzen Erzählung! Noch ist es tiefe Nacht um Jakob, noch befindet er sich in der Wüste des Daseins ohne Menschenseele, noch ist nichts sein eigen, als das Steinlager zu seinen Füßen — nichts unternommen — und dennoch — und dennoch jauchzt Jakobs Seele hiinmelhoch und jubelt: Hier ist das Gotteshaus, das ich errichten soll, bereits erbaut,' er schaut bereits Jerusalems Gottestempel, zu dem Israel hinauswandert, er schaut, bereits errichtet in endlichem Siege, den Zu kunststempel, zu dem geeint die ganze Menschheit unter Israels Aegide hinströmt. Jakob gleicht in diesem Augenblick dem Künstler, der in dem unbehauenem Marmorblock bereits die herrlichste Figur leibhaftig vor Augen sieht, bevor er den Meisel nur gehoben. Da haben Sie, meine Freunde, einen idealen jüdischen Führer! Das Bewußtsein allein, der W.a h r heit der jüdischen Sache zu dienen, und der eblet Glaube, den er von der Reinheit und Gesinnung der' Menschen besitzt, machen ihm den Traum zur lebenswahren T h a t s a ch e, lassen ihm Zukunft jetzt schon Gegenwart sein, z'pbxrrz ex v n* px fürwahr, hier i st das Gotteshaus. Und nun J222 2pr L2Lw strahlt unserm Jakob erst die Morgensonne, geschwunden ist ihm das Dunkel der Nacht, zerrissen die Nebenschleier der Zukunft. Diese lichtvollen, eine sonnige Zukunft verheißenden Gedanken erfüllen in dieser weihevollen Stunde auch mich, lleberzeugten Herzens rufe ich Ihnen zu L'pbx ~rZ cx '2 nr px. Hier ist bereits der Bau unserer heiligen Sache vollendet, weil ich Sie erfüllt weiß von dem Willen und Gedanken der v'pbx '2xbv der Gottesboten, die Gottes Willen allein aussühren, weil ich Sie unter Führung meiner hochwürdigen Vorgänger begeistert habe Ihrem Ziele zustreben sehen. Auch unser Traum ist mir bereits heute Wahrheit: cx '2 nr px epbx fürwahr, hier i st ein Gotteshaus! Aber bei Worten wollen wir nicht bleiben. Zur That. vam Bau des Gottestempels müssen wir schreiten. Wiederum sei uns Jakob ein Vorbild! Aus dem idealen, träumenden Dichter wird nun der realistisch schaffende Künstler: sexn nx r.p", er schafft das Fundament des Gottestempels — das im Hinblick aus seinen Zweck als N2^2den Namen dx rv>2 trägt. Ja, die Steine für unser dxw2 die Grundlage für unsere Zukunft, müsten wir uns schaffen. Und dieseSteine unseres Zukunftstempels, das lind unsere 20:2, unsere Kinder, d. h. c\T2 unsere Jugend. Ja, sie durchglühen lassen von der Gottesbegeisterung, sie gewinnen für unsereGottessache, das heißt unsere Zukunft sichern. Und wie herrlich und schön die Mittel! Im Traumbild sah Jakob die Stufenleiter zur Erde gestellt und die Spitze gen Himmel ragend! Hin zu dieser Stufenleiter wollen wir unsere Kinder führen, die Himmel und Erde verbindet. — Ach, wie einfach und groß ist dieses Bild, ganze Bände der Erziehungskunst ersetzend. Nicht für die „Religion" erziehen wir die Jugend im I u d e n t h u m . nicht für die Askese, das frisch pulsirende Leben. Juden sein, heißt ja, sein ganzes Leben von der heiterstrahlenden Sonne des Gottesgesetzes erleuchten lasten. An die Stufenleiter hin darum mit der Jugend, die rtfix zTcxm Boden wurzelt! Für die Erde, für den Lebenslauf, zu tüchtigen Bürgern müsten wir Juden unsere Kinder erziehen, dann aber auch sie durch und durch von den idealen Gedanken des Judenthums durchfluthen lasten: nemr'n j?*:a eine Lebensrichtung himmelwärts ihnen geben, die sie zu beispielgebenden Juden und darum Kulturträgern der Menschheit gestaltet! Denn noch ist u n s e r e relig. Ueberzeugung in der Höhe ihrer Anschauung unerreicht. Hinaus zur Sonne, Israel! 'rc n: zhz, hinauf zur Höhe sinaitischer Gedankensonnen hast du die Menschheit zu führen. Noch sind wir Juden moderner, als Alle! Das Judenthum kennt ja die Gegensätze unserer zerklüfteten Gegenwart nicht. Da gibt es keinen Klaffenhaß, keine sozialen Unterschiede, wie arm und reich, hoch und nieder, keinen Gegensatz zwischen Sitte und Sittlichkeit, Glaube und Wissen, da gibt es keine