Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 95 (2.12.1901)
- Date
- 1901-12-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449236--54798-2505518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2093 bring des Wortes „möglichst" (möglichst nur im Verhäliniß der jüdischen Bevölkerung zur Gesammtbevölkerung) eine starre Anwendung der Bevölkerungsziffer nicht verlangt werde — meine Herren, wir reden immer von Parität: eine gewisse Parität muß herrschen — stimme ich f ü r den Antrag. (Bravo rechts.) Abg. .st ö h l (D. Bp.) spricht sich gegen den Antrag von dein Fundamentalsatz der Gleichberechtigung aller Staatsbürger aus. Eine Anzahl Zentrumsmitglieder beantragt namentliche Abstimmung. Domkapitular Dr. Zimmern (Zentrums: Er könne sich mit dem Antrag unter den gleichen Gesichtspunkten rvie Dr. Daller befreunden. Redner spricht vom Judenthum, als von einer nationalen Gesahr. Abgeord. Dr. C a s s e l m a n n (lib.s erklärt, auf die antisemitischen Reden etwas zu erwiedern, hieße, der Sache zu viel Ehre anthun. Abg. Dr. v. Daller habe bisher als der Führer der Zentrumspartei gegolten. Nachdem er sich jedoch heute dem Dr. Heim so sehr unterworfen, habe er wohl die Führung der Fraktion an Dr. Heim abgegeben. Abgeord. Dr. Heim (Zentrum) sagt in seinem Schlußwort, wenn etwas einen Katholiken zum Antisemiten machen könne, so wäre es das Verhalten der Juden uns gegenüber. (Zuruf rechts: Presse.) Jawohl der Presse, der „Frankfurter Zeitung," der „Reuen Fr. Presse," des „Berliner Tageblatt," welche mit dem den Juden eigenthümlichen Sarkasmus uns behandeln und stch freuen, wenn die anderen Konfessionen hintereinander kommen, welche sie auch hintereinander Hetzen. Redner sagt, er wisse, daß auch bei den Liberalen Anhänger seines Antrages seien. Sie seien aber heute nicht anwesend, z. B. die elf Herren vom Bunde der Landwirthe. Etatsreferent Abg. L e r n o (Zentrum) erklärt, er verkenne die wirthschafklichen Klagen des Volkes gegen das Judenthum nicht, stimme aber gegen den Antrag Heim, 'veil das Gesetz von 1869 (Gleichberechtigungs nicht verletzt werden dürfe und die absolute richterliche Unabhängigkeit und Autorität hochstehen müsse. Darauf wurde der Antrag in namentlicher Abstimmung mit 77 Stimmen des Zentrums und der agrarischen freien Vereinigung gegen 51 Stimmen der übrigen Parteien angenommen. Vom Zentrum stimmten die Abgg. Reb, Dr. Siben, Dr, Schädler und die Oberlandesgerichtsräthe Geiger und Lerner gegen den Antrag. Auf liberaler Seite fehlten verschiedene Mitglieder, darunter Anhänger des Bundes der Landwirthe. — 30. Rov. Rach einer Aufstellung des Justizministeriums gibt es in Bayern 3 Oberrichterbeamte, 13 Landgerchtsräthe, 10 Staatsanwälte u. s. w., im Ganzen einschließlich Notare und Sekretäre: 51 Juristen jüdischer Konfession im Justizdienst. Darmstadt, 27. Rov. Als erste jüdische Lehrerin in Hessen wurde mit Beginn des Wintersemesters Fräulein Anna Oppenheimer, Tochter des Kantors Oppenheimer von hier, an der hiesigen Mädchenmittelschule angestellt. Den beiden anderen jüdischen Lehrkräften, die an den Darmstädter Schulen staatlich an gestellt sind, den Herren Stern und Sandheimer, wurde bei der Reuregulirung der Gehalte ihre gesammte, im privaten (Religions-) Schuldienst verbrachte Dienstzeit angerechnet. Mannheim, 28. Rov. Bei der gestern hier stattgehabten Wahl zur Gemeindevertretung hat sich die hiesige zionistische Ortsgruppe zum ersten Male beiheiligt. Ihre Eompromißliste errang mit fünf Zionisten bei ungewöhnlicher Vetheiligung den Sieg. Ungarn. Budapest, im Rov. Eine Deputation der Fiumaner jüdischen Gemeinde sprach dieser Tage, unter Führung des Gouverneurs Grafen L. Szapary, beim Kultusminister I. Wlassics vor und bat, den Bau einer Synagoge durch ein Darlehen aus dem isr. Schulfond zu ermöglichen. Der Minister versprach, dem Ansuchen innerhalb der bestehenden Vorschriften auf Grundlage einer Pupillargarantie Folge zu leisten. - Die hauptstädtische Unterrichtskommission hat beschlossen, das Gesuch der isr. Kulkusgemeinde um Erhöhung der jährlichen Subvention auf 60,000 Kr. bei der Kommune zu befürworten. — Der Minister des Innern hat angeordnet, daß blos diejenigen rumänisch-jüdischen Auswanderer über die Grenze gelassen werden und das Land passiren dürfen, welche zur Deckung ihrer Reisekosten — wenn sie das zehnte Lebensjahr überschritten haben — wenigstens 400 Kronen, wenn sie im Alter von zwei bis zehn Jahren stehen, 200 Kronen mitführen oder über eine von irgend einem Transportunternehmer ausgestellte i Fahrkarte verfügen, welche auch für ihre gesammte Berpflegungs-, event. Heil- und Begräbnißkosten Garantie bietet. Ein Ministeralbeamter wurde auch nach der Grenze entsendet, um an Ort und Stelle Studien zu machen. Juristischer Betratst des „Israelit." Nufere Abonnenten erhalten unentgeltliche Aus» kunftin allen Rechtsangelegenheiten, sowohl! im Briefkasten als auch direkt brieflich. Abonne» ' mentsquittung ist gest. beizulegen. Auch wolle man! angeben, ob man die Anfragen brieflich oder im j Blatte beantwortet zu haben wünscht. Die Anfragen j werden von einem bedeutenden Juristen eingehend beantwortet. Frage: „Darf man Gottesdienstordmingen aus anderem Zeltungen abdrucken, wenn sie mit einem Nachdrucksverbot versehen sind?" A n t w o r t: Unter Gottesdicnstordm ng verstehe ich eine Bestimmung, Anordnung, in welcher Reihenfolge und an welchen Tagen verschiedene einen religiösen Ritus dienende gottesdienstliche