Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 95 (2.12.1901)
- Date
- 1901-12-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449236--54797-2505517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aber alle diese glänzenden Schilderungen treten zurück vor dem, was Adolf Rosenblatt war. Sie geben ein schwaches Bild dessen, was von den edlen Impulsen dieses groß angelegten Herzens in die Sefsentlichleit gelangte. Was er aber seiner Familie, dem Kreise seiner Freunde, seiner näheren Bekannten war, Adolf Rosenblatt als Gatte, als Vater, als Freund, alle die Herzlichkeit, die Liebe, die Treue und Innigkeit, mit der er alle Lieben umfing, die sein Herz beglückt und die er beglückend die Seinen nannte, dieser Schilderung versagt die Wehmutb das Wort, die am eigenen Herzen nagt. Schmerz und Freuden mischen sich für immer in die Erinnerung an dem Grabesbügel eines solchen Mannes. Ewig beglückende Freude, dem Trefflichen iin Leben nahe gestanden zu sein — ein verzehrender Schmerz ihn verloren zu haben und nur noch die Erinnerung an ihn im Herzen zu tragen. Aber die Erinnerung bleibt und wird segnend noch weiter wirken im Leben der Seinen, denen er sein Herz und seine Gesinnung vererbt, weiterwirken im Streben seiner Genollen, denen Adolf Rosenblatt das vorleuchtende Bild hinterlasten von dem, was auch der Einzelwille eines jüdischen Mannes segensreich vermag, der sein ganzes Leben darin aufgehen läßt, als Jude seiner Menschenvflicht zu genügen! p—x *3T. Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. München, 29. Nov. (Der An t r a g H e i m in der bäuerischen A b g e o,r d n e t e n t a m m e r.) Zum Antrag Dr. Heim und Genossen gegen die jüdischen Richter benrerkt der Justizminister von Leonrod, er denke, die Antragsteller wollten das Recht der Krone auf Ernennung der Beamten nicht beeinträchtigen. Er betrachte den Antrag mit als „Wunsch." Mit dem Gesetz von 1869 seien alle aus der Verschiedenheit der Konfessionen herrührenden Rechtsungleichheiten ansgehoben worden. Den jüdischen Rechtspraktikanten könne daher der Eintritt in den Staatsdienst nicht verwehrt werden. Der Prozentsatz der Bevölkernngsziffer könnte nicht maßgebend bei Anstellungen sein. Er verkenne aber nicht, daß in Folge der Stimmung der Bevölkerung die Wirksamkeit eines Beamten beeinträchtigt werden könne. Deßhalb habe er stets das Bestreben gehabt, daß jüdische Beamte nicht in solchen Bezirken verwendet würden, in denen eine unfreundliche Trimmung gegen sie herrsche. Dem Antrag könne aus gesetzlichen Gründen nicht entsprochen werden. Er werde aber der von der Stimmung der Bevölkerung ausgehenden Tendenz des Antrags Rechnung tragen. Abg. Adolf Müller (Soz.) ironisir: den Am trag und die Stellung des Justizminister. Letzterer stehe auf dem Standpunkt: „Es ist ungesetzlich, aber wir machen's ja doch." Er müsse sich wundern, daß so viele Mitglieder einer Partei (Centrum), die selbst so lange und so schwer unter Ausnahmegesetzen gelitten, und noch gegen das Ausnahmegesetz wider die Jesuiten so hart ankäinpfen, hier ein Ausnahmegesetz schaffen .'vollen. Die Sozialdemokraten werden gegen den Antrag stimmen. Abg. Dr. Casselmann erklärt Namens der Liberalen, daß sie den Antrag Heim ablehnen, und zwar zunächst aus Gründen staatsrechtlicher Natur. Der Eintrag verstoße gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung der Konfessionen in staatsbürgerlicher und staatsrechtlicher Hinsicht. Der Antrag sei ein bedenklicher Versuch, ein Kronrecht unter Verletzung der Verfaffling zli beeinträchtigen. In dieser Anschauung würden die Liberalen nicht beim durch den verfehlten Hinweis, durch die Gelegenheitsphrase Dr. Heim's, daß es sich nicht um die Konfestion der Juden handle. Die Ver faffung kenne keine Nassenunterschiede und Rassenvorrechte. Die Liberalen würden umsomehr in ihrer Ablehnung des Antrages Heim bestärkt, als Niemand miste, ob liefe Aspiration nicht über die Juden hinaus auf andere Konfessionen übergreifen würde, um so mehr, alt im Landtag schon einmal Vorwürfe wegen Zurücksetzung rer Katholiken im Verwaltungsdienst gegen die Regierung erhoben wurden. Im Ausschuß habe der Abgeordnete Dr. von Doller (Zentrum) den Antrag Heim zu Falle gebracht. Dr. Schädler (Zentrum) habe sich dagegen erklärt und bemerkt, unsere Zustimmung tonnte einmal eine Waffe gegen uns werden. Dr. Pichler habe Bedenken gehabt, und nur ein imw.-mt consales ailssprechen '.vollen, utib der Justizetatreferent Lerno < Zentrum! habe den Antrag als unannehmbar erklärt 'and gesagt, es könnte einmal gegen eine andere Konfession geben. Unter diesen Uniständen bewundert er iEasKlmannt den Muth jener protestantischen Mitglieder des Hauses (agrarische freie Vereinigung), die den Antrag unterzeichnen. Abg. Hilpert (fr. Ver.) verwahrt sich gegen die letztere Bemerkung Casselmanns, die eine Bevormundung sei. Zur Sache sagt er, wir haben erreicht, was wir wollten, da die Justizverwaltung die Tendenz des Antrages anerkennt. Abg. Dr. v. D a! l e r (Zentrum): Er habe im Ausschuß die materielle Begründung des Antrages rvohl begriffen und anerkannt, daß schwere Klagen irn Volke über das Jndenthnm bestehen, aber er. habe staatsrechtliche Bedenken und Bedenken vom Standpunkt der Religionsfreiheit ans gehabt. Nachdem aber Dr. Heim dargethan, daß die Verfassung nicht alterirt werde, das; gegen die Religion der Juden nichts gesagt werde, und nachdem er in der Begründung Dr. Heims seine eigene Ueberzeugung wiedergefunden habe und nach Abänderung des ursprünglichen Antrags Heim durch Einschie-