Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 95 (2.12.1901)
- Date
- 1901-12-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2087 reiche Lösung ihrer großen Aufgaben nur den hingebungsvollen Distriktspräsidenten gutgeschrieben. Wer aber in den jüdischen Verhältnissen eingeweiht ist. weiß es, daß dies alles Humbug und Spiegelfechterei ist. Dr. Josef Simon allein ist seit mehr als dreißig Jahren die Seele der ganzen Kongreßpartei. Seiner rasfinirten Thätigleit lind thatfächlich die großen Erfolge der Landestanzlei zuzuschreiben. Die Fäden jeder Aktion in jüdischen Angelegenheiten führen bis zu Dr. Simon. Alle Ministerialerlässe hat er selbst inaugurirt, ja wörtlich verfaßt. Freilich hat er dies alles zur Unterdrückung der Orthodoxie gethan. Aber von seinem Standpunkte und im Interesse seiner Partei hat ec unendlich viel geleistet. Selten hatte er mehr als einen ganz gewöhnlichen jungen Schreiber zur Seite, aber niemals war in seiner Kanzlei eine Stockung der Amtsgeschäftc eingetreten. In diesem Belange könnte unsere orthodoxe Leitung noch so manches lernen. Nun geschieht es zum zweiten Male, daß Dr. Josef Siinon sein Inkognito lüftet. Bor einigen Jahren gab er es zu. daß seine werthe Person mit dem Titel eines lönigl. Rathes in Zusammenhang gebracht lverde. Er hat diesen Titel —- wie gesagt, vom Standpunkte der Neologenpartei — vollkommen verdient. Nun wird ihm wieder eine Ehrling zu Theil. Mit Rücksicht ans seine Gesundheit lvird ihm ein Substitut zur Seite gestellt, während er selbst von nun ab als Kanzleichef -tnngiren wird. Der Substitut wird den Titel Sekretär führen, lvie er überhaupt allgemein als der präsumtive Nachfolger Simon's angesehen wird. Was die Person des neuen Sekretärs belriift. so bätte die israelit. Landeskanzlei — immer von ihrem Standpunkte aus. keine bessere Wahl treffen können. Dr. Franz Mezen wurde nämlich mit der Substitution betraut. Er ist gerade so. wie sein neuer Kanzleichef, ein leidenschaftlicher Feind der Orthodoxen, denn schon als jugendlicher Rechtshörer arbeitete er mehrere Jahre hindurch an der Seite seines Herrn, und alle Zeichen sprechen dasiir, daß er seinen Pfadweiser dereinst noch überflügeln wird. Tr. Franz Mczey hat in seiner Jugend auch eine Jeschiba besucht, später aber die theologischen Studien unterbrochen. Als Redakteur des „M. Zs. Szemle" bat er konfessionelle Politik im Geiste Simon's getrieben. Nachher hatte er als Sekretär der Ehewra Kadischa mit seinem Waffenbruder, dem jüdischen Redakteur Szabolcsi ein Duell ausgesochten, welches aber glücklicherweise unblutig verlaufen war. In seinen späteren schriftstellerischen Arbeiten schilderte er die Zustände der frommen Juden in Bereg und Marmaros so schrecklich, daß die Freunde des seligen Antisemiten Egon ihren Gesinnungsgenossen, mit den litterarischen Enthüllungen Mezey's in Schutz nahmen. Derzeit ist er eifrig bemüht, als Kommissär des israelitischen Landesfonds. die Inden jener Gegend zu tultiviren. > sir! Mit einem Wort. Dr. Mezey hat in jüdischen Angelegenheiten eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. Als ehemaliger Rabbinatskandidat wird er auch in offiziellen Kreisen seinen Ansichten noch mehr Geltung verschaffen können, als sein Lehrer und Meister, der seine Laufbahn ursprünglich doch nur als vollendeter ey begonnen. Und unter solchen Auspizien soll das unheilverkündende Werk des zweiten einheitlichen Kongresses eingeleitet lverden! O. die Unverbesterlichen! O e st e r r e i ch. Rikolsburg, iin Nov. Es ist eine schlimme Nachricht. die mir heute zu verkünden haben. Herr Bernhard Deutsch, ehemaliger Staats- und Neligionslehrer, wurde am nbvy e*-n pst zu seinem Volke vern sammelt. Der Verblichene, welcher im 72. Lebensjahre stand, war ein sehr bedeutender Kenner der heiligen Schriften. Er war geradezu ein hervorragender "pr bz und hatte sich auch im Talmud ganz namhafte Kenntniffe erworben. Als Lehrer verstand er es, durch seine erziehende Methode die Aufmerksamkeit der Schüler rege zu erhalten. wie auch durch seine Milde sich die Anhänglichkeit seiner Schüler zu erwerben. An dem Donnerstag, 14. Dss., stattgehabten Leichenbegängnisse betheiligte sich die Schuljugend unter Führung ihres Lehrkörpers, der t. l. Bezirksschuliuspetto'- Johann Körper, der Ortsschulrath, die Gemeinde- und Kultnsvertretung der Jsraelitengemeinde,!vie auch ein zahlreiches Publikum. In der Friedhofshalle des hiesigen Friedhofes hielt Herr Rabbiner Dr. F e it ch t w li n g eine ergreifende Rede. An der Hand res Berstheiles ps*; vn führte der Redner ans. daß auch bei uns Noth und Mangel von solchen Mäunecn ist, welche die Kenntniffe und Fähigkeiten besitzen, das Wort Gottes zu lehren, und wenn ein solcher Mann von uns scheidet, an einen Ersatz nicht zu denken ist. Hierauf führte der Redner aus. daß das Ami eines Lehrers dos verantwortungsvollste und erhabenste, aber zugleich das am wenigsten lohnende, daß es ein Amt sei, welches arm an Rechten, aber reich an Vslichien und Enttäuschungen sei. Trotz aller dieser Widerwärtigkeiten sei der Verblichene mit größter Geinissenhaftigkeit und Pflichttreue seinem Amte abgelegen und habe selbst dann, als die Körperkräste im Sinken lnaren, die größten Anstrengungen gemacht, nur der Jugend die erbabenen Lehren unserer Religion beiznbringen. Hieraus schilderte Tr. Feuchtwang die Eigenschaften des Verblichenen als Gatte, Vater und Mitbürger. Namens des Lehrkörpers sprach hierauf Herr Lehrer Bernhard K r a k a u e r, welcher die hervorragenden Eigenschaften des Dahingeschiedenen als Lehrer und Kollege einer Erörterung unterzog. Eine große Bewegung ging durch die Trauerversammlung, als der Redner erwähnte, daß er (Redner) der einzige am Leben von allen jüdischen Lehrern sei. welche so wacker und mit musterhaftem Erfolge an der hiesigen Schule gewirkt und welche so bedeutende Männer