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Der Israelit · 1901-12-02 · Heft 95 (2.12.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 95 (2.12.1901)
Date
1901-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2086 wann er am andern Morgen geweckt zu sein wünschte — an die Stubenthüre des im Hause befindlichen Wirthschaftssräuleins geklopft und war daraus in das Zimmer getreten. Obwohl das Fräulein bereits im Bette lag und dem Eindringling in nicht mißzuverstehender Weise die Thüre wies, verließ der Herr Pastor doch nicht das Zimmer, sondern soll, nach Aussage des Fräuleins, sogar noch näher auf das Bett zugekommen sein. Das Fräulein mußte die Aufforderung an den Herrn Pastor, das Zimmer zu verlassen, daher nochmals wiederholen. Es wurde Strafantrag auf Hausfriedensbruch gegen den Pastor gestellt und dieser am 27. August vom Schöffengericht in Greifenhagen zu .30 Mark Geldstrafe verurtheilt. Pfarrer Krösell legte gegen dieses Urtheil Berufung ein, weßbalb die Angelegenheit vor dem Landgericht verhandelt wurde. Das Gericht kam auf Grund der Beweisaufnahme zu einer Berurtheilung des Angeklagten. Dasselbe nahm zwar nicht an, daß unsittliche Motive die Beiv anlassung zum Eindringen in das Zimmer gewesen wären, ein Hausfriedensbruch liege aber dennoch vor; denn der Mann mußte als Mann von Bildung die Peinlichkeit der Situation sofort erkennen und das Zimmer ohne lveitere Aufforderung verlassen. Die Be^ rufung des Angeklagten war daher zu verwerfen. Ungarn. Budapest, im Nov. (Das neue isr. Mädchen - W a i s e n h a us.) Unter Theilnahme der Vertreter der Landesregierung, der Stadtbehörde, der kulturellen und Wohlthätigkeitsanstalten, wurde ain Sonntag, den 24. d. Mts., das neue Mädchen-Waisenhaus des „Pester isr. Frauenvereins" eingeweiht. Ein imposanter, zwei Stockwerke hoher Bau, inmitten von Gärten gelegen, beherbergt die große Schaar der Waisenmädchen, deren Erziehung und Ausbildung der genannte Verein in hochherziger Weise besorgt. Der „Pester isr. Frauenverein," welcher seit fünfunddreißig Jahren auf dem Gebiete des Wohlthuns Ersprießliches leistet, beschloß noch im Jahre 1399 die Gründung eines neuen Mädchen-Waisenhauses, da das bisherige, nach dem großen Philantropen Baron Moriz v. Hirsch benannte Halbwaisenasyl zur Unterbringung der Vereinsschützlinge sich als ungenügend erwiesen hatte. Die hochherzige Wittwe des Baron Hirsch förderte die Ausführung der Absicht, indem sie zu Zwecken des neuen Waisenhauses den Betrag von 230,000 Kronen spendete. Im Herbst 1399 wurde der Bau in Angriff genommen, und im heurigen Frühjahr übersiedelten die Waisenkinder aus beiden Häusern in ihr neues, prächtiges Heim. Das imposante neue Waisenhaus, ein ansprechender Bau im Sezessionsstile, umfaßt 1000 Quadratmeter und wird von drei Elasten begrenzt. Das Gebäude besteht aus einem Mitteltrakte und zwei Seitenflügeln. Im Parterre und ersten Stockwerke des Haupttraktes befinden sich die Lehrsäle der in der Anstalt untergebrachten sechsklassigen Elementarschule und der in Aussicht genommenen Erzieherinnen-Präparandie, der mächtige Prunksaal und die Arbeitsräume. In den Seitenflügeln sind die Schlafsäle, die Wasch- und Vaderäume placirt, welche auf den 2000 Ouadratklafter fassenden Garten stoßen. Um den Hof des Waisenhauses gruppiren sich der Tempel, der Speise- und Turnsaal und die abgesonderten Krankenzimmer. Die Kommunikation in dem Gebäude vermitteln die weiten geschlossenen Fluren, eine Haupt- und zwei Nebenstiegen. Im Souterrain sind die Centralheizung, die Küchen und Waschküchen, die Wohnungen des Dienstpersonals, die Garderoben u. s. w. untergebracht. In: ganzen Hause ist in vollstem Maße für Licht und Luft vorgesorgt. Die grandiose humanitäre Wirksamkeit des Frauenvereins wird durch folgende statistische Daten in's rechte Licht gerückt. Während seines 36jährigen Bestandes hat der Verein an Baargeldunterstützungen mehr als 1,000,000 Kronen verausgabt, für die Verköstigung Armer und Hungernder mehr als 700,000 Kronen, für die Erziehung von Waisenkindern mehr als 1,200,000 Kronen verwendet; auf dem Altar der Nächstenliebe demnach bisher mehr als drei Millionen geopfert. Unter seinem Schutze befinden sich gegenwärtig 120 interne und 40 externe Waisenmädchen; 230 Mädchen haben bisher das Waisenhaus verladen. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Sie verkünden den grandiosen Erfolg, den de'' „Pester isr. Frauenverein" auf dein Gebiete der Nächstenliebe erzielt hat. Seinem edlen Werke hat nun der Verein durab die Schaffung des neuen Waisenhauses die Krone aufgesetzt. Wie edel, großartig und dem wahren Zwecke entsvrechend wären aber diese zahlreichen großen Werke der Humanität, wenn in denselben auch der Geist jüdischer Gesetzestreue zum Ausdrucke käme! Werden diese Waisenmädchen auch zu gesetzestreuen Jüdinnen erzogen7 Werden diese jüdischen Anstalten nicht mit vollendetem Ehilul Sehabbes verwaltet? Das sind Hauptfragen, die auch der jüdische Frauenverein sich einmal vorlegen sollte. Leider wird in dieser Beziehung von der Budapester großen und reichen jüdischen Gemeinde sebr viel gesiindigt. Wenn aber jüdische Wohlfahrtsinstitute ohne echt jüdischen Sinn gepflegt werden, ist es sehr ßraglich, ob diese auch noch den Ehrennamen „jüdische Zedokoh" verdienen. IGewiß nicht! Anmerkung der Red.) Budapest, im Nov. (R e st a u r i r u n g der isr. L a n d e s k a n z l e i.) Dr. Josef Simon, Sekretär der israelitischen sneologen) Landeskanzlei, ist bekanntlich sehr leidend. Zu seiner Ehre muß es aber zugegeben werden, daß er mit beispiellosem Eifer und mit eiserner Ausdauer stets seines Amtes gewaltet. Freilich, >vo es galt, offiziell zu repräsentiren, bemerkte man stets nur den Präsidenten Martin Schweiger. Auch die Kritik ließ den verborgenen Sekretär in den. meisten Fällen ungeschoren. In den Jahresversammlungen der Landeskanzlei hingegen thaten beide, Präsident und Sekretär, sehr bescheiden, indem sie die erfolg-

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