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Der Israelit · 1901-11-28 · Heft 94 (28.11.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 94 (28.11.1901)
Date
1901-11-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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2072 Übung des Guten um des Guten »Villen bekundet und in dem „religiös gesetzestreuen Juden," d. b. dem Israeliten, Mensch oder Gottesdiener, nach dem Begriffe von Samson Raph. Hirsch. Um Kinder aber, die wie die hiesigen, au Körper und Geist oerwildert und elend, biefem Ziele zu erziehen, dazu bedürfen wir der „Vesten der Nation oder der Auserwählten des Volkes" als Erzieher, die nicht allein den Geist unserer Kinder zu bilden haben, sondern auch deren Gemütb. Denn da wir in der sittlichen Freiheit unser Ziel sehen und Freiheit auch im Gemüth gedeihen kann, deswegen bedarf dieses ebensogut der Erziehung, welche zwar die Mutter zu leiten hätte, aber bisher aus mangelnder Fähigkeit derselben unterbleiben mutzte. Diese Aus' erwählten müssen selbstverständlich die denkbar höchste Stufe der Wirklichkeit einnehmen, sich von der Wahrheit ihres Berufes durchdrungen fühlen und Juden sein in des Wortes vollster Bedeutung. Und nicht als Letztes Charaktere. Denn ein Charakter, das höchste Ergebniß der Erziehung, bildet sich nur an Charakteren: Individuen, deren inneres Wesen ein geschlossenes, harmonisches Ganze bildet, »voraus die. bleibende Art zu wollen und zu handeln, das Zeichen des Charakters, entspringt. Denn nur sog. einheitliche Persönlichkeiten könnten das Ganze überschauen und für das Ganze, dein Zwecke des Lebens, arbeiten. Derart also müssen unsere neuen Erzieher beschaffen sein. Jüdische Männer und jüdische Frauen, die stark genug sind, einem Ideal ihr Leben zu widmen, und, wenn es sein muß, es dafür zu opfern. Denn nur Solche können unsere Kleinen lehren, wie man groß wird' Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 22. Nov. Der „Mainzer Anzeiger" berichtet: (Bo in SchlachtundBiehhos.) Vorgestern ist es in der Schlachthalle vorgekommen, daß eine Anzahl Thiere nach dem Tödtungsschusse nicht sofort zusammenfielen, sondern aufsprangen und hcrumrasten. Die Thiere mußten nach dem Einsangen noch einmal geschossen werden. Man führt die Ursache auf schlechte Munition zurück und daß dadurch die zuerst abgeschossene Kugel nicht die Hirnschale des Thieres durchschlagen hat. Frankfurt a. M., im Nov. Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sprach am 18. Nov. Herr Lehrer S. Rothschild aus Worms, über den Dichter und Philantropen Ludwig August Frankl, einem Manne, der mit Gabriel Rießer das Schicksal theilt, unter seinen Glaubensgenossen unverdienter Weise in Vergessenheit zu gerathen. Der Redner betrachtete Frankl von drei Gesichtspunkten aus: Als Dichter, dann als Dichter unter Dichtern, schließlich in seinem Amt und seiner äußeren Stellung. Geboren am 3. Februar 1810 in Ehrast in Böhmen, empfing er seine erste Erziehung im elterlicken Hause, »vo deutsch und tschechisch gesprochen »vurde. Das Lateinische lernte er beim Pfarrer des Ortes; 1823 ging er nach Prag, um in das Piaristengymnasium einzutreten, »vo er durch Fleiß und stylistisches Talent die Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf zog. Das Hebräische setzte er bei seinem Verwandten Zacharias Frankel, dem späteren Sein» nardirektor, fort. Bei den Piaristen in Leitoinisck! börte er Philosophie. Da er für eine Wandertruppe ein beifällig ausgenommenes Drama schrieb, »vurde ihn» von der Konferenz eine Rüge zu Theil. In Prag und Wien »vidmete er sich der Medizin, ohne die Poesie zu vernachlässigen: in Padua bestand er sein Examen, machte jedoch keinen Versuch, Praxis auszuüben, sondern nah»»» eine Stelle als Sekretär der Kultusgemeinde in Wien an. Eine Ferienreise nach dem Salzkammer gut veranlaßte eine Anzahl von Gedichten, die im Druck erschienen und solchen Erfolg hatten, daß Frankl seine im Pult liegenden Balladen vereinigte und unter dem Titel „Habsburg-Lieder" herausgab. Später veröffentlichte er eine Anzahl epischer und lyrischer Gedichte, vielfach dem Stofs nach orientalisch, dann ein Gedicht „Christosoro Colombo," »velches Hebbel ganz besonders hochschätzte, und »vofür ihm die Stadt Genua klingenden Lohn zu Theil werden ließ. Der Redner ging auf Frankl's Dichtungen näher ein und verlas Einzelnes aus denselben. Auch das Gebiet des Humors »var Frankl nicht verschlossen. Die „Ahnenbilder" und „Libanon" sind eine Frucht seiner Reise nach Palästina und fanden namentlich den Beifall von Anastasius Grün. Außer mit diesem stand er auch in lebendigem Verkehr mit Uhland, Auerbach, Grillparzer, Lenau, Hebbel, Meyerbeer u. A. In Italien »nachte er u. A. die Bekanntschaft von Thorwaldsen und Mezzofanti. 1872 gründete er die „Sonntagsblätter," eine äußerst gediegene Zeitschrift, in der er so- »vohl eigene Arbeiten veröffentlichte, als auch anderen Dichtern Gelegenheit gab, bekannt zu »verden. Grillparzer liebte ihn als Dichter, aber ganz besonders als Juden, während ihm getaufte Juden, z. B. Saphir, sehr zu»vider waren. Auch Hebbel gehörte zu dem Kreis des „Silbernen Kaffeehauses." Er ging mit Frankl zur Beerdigung der jungen Frau Mosenthals, dabei hörte er Kantor Sulzer die üblichen Gebete singen. Plötzlich faßte er Frankl am Arm und sagte: „Ich höre heute zum ersten Male die Laute der Bibel aus den Propheten in der Ursprache. Es ist wunderbar, eine Sprache aus Jahrtausenden an's Ohr schlagen zu hören. Weil sie an ihrer Sprache f e st halten, sind die Juden einig. Mir ist's, als verstände ich mehr von der Ursprache, als von deutschen Worten. Fühlten Sie sich g e t r ö st e t durch das, was der Redner in deutscher Sprache spricht? Ein Volk, das aus sich Dichter, wie David, wie die Propheten hervorgehen sah, darf sich mit Recht das auserwählte nennen."

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