Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1901)
- Date
- 1901-11-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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2073 Die Bewegung von 1848 riß Frankl so mit, daß er die „Abendzeitung" herausgab; im Oktober wurde sie jedoch unterdrückt. Als Frankl 1838 das Amt eines Sekretärs und Archivars der Gemeinde Wien angenommen hatte, fand er ungeheure Arbeit vor. Sein Vorgänger hatte neben dem Amt eines Sekretärs noch eine Menge untergeordnete Dinge zu erledigen gehabt. 11,000 Aktenstücke waren zu ordnen. Er stiftete ein Bad für das jüdische Krankenhaus, schuf eine Leichenordnung, Gemeinde-Matrikel, ließ den Friedhof reinigen und die Grabsteine entziffern, veranlaßte die Errichtung eines jüdischen Findelhauses u. s. w. Vor allem aber sind zwei seiner Schöpfungen zu nennen. Die eine ist die Gründung einer Schule für arme Kinder jüdischer österreichischer Unterthanen in Jerusalem, wozu Frau Herz, geb. von Lämmel, 60,000 Gulden zur Verfügung stellte. Seine Reise nach Aegypten und Palästina hat er in zwei Werken beschrieben. Später hatte er die Freude, daß ihm Kaiser Franz Joseph aus Jerusalem den Adel (von Hochwart) verlieh. Freudig schreibt er an Grün, daß es ihm nach vielen Widerwärtigkeiten gelungen sei, 40 hungrigen und nackten Kindern Kleidung, Essen und Unterricht zu geben. Jaffa und Liberias ernannten ihn zum Ehrenvorstand, zu welchem Zweck sie ihm eine kleine Parzelle schenkten. (Hierzu bemerkt Ihr Berichterstatter, daß die Schule zum Andenken des Vaters der Stifterin, Simon Edler von Lämmel-Schule genannt wurde. Nachdem die Schule etwa dreißig Jahre bestanden, dabei aber immer mehr in pädagogischer Hinsicht zurückgegangen war, übernahm sie der „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina/' der unter dem Vorsitze des Rabbiners Dr. Horovitz in Frankfurt a. M. domizilirt, und machte daraus eine Anstalt mit dem Lehrplan einer guten europäischen Volksschule. Gegenwärtig zählt sie 160 Schüler. Die gemietheten Räume, in denen die Schule untergebracht, entsprechen in keiner Weise den zu stellenden Anforderungen. Deßhalb ist der genannte Verein bemüht, ein Schulhaus zu errichten, und hat bereits ein geeignetes Grundstück gekauft. Zum Bau und zur Einrichtung reichen seine Mittel nicht aus: wenn nicht Freunde ocs heil. Landes ihn dabei unterstützen, wird das Projekt vorerst unausführbar sein.) Das zweite große Werk Frankl's war die Gründung eines jüdischen Blindeninstitutes. Als Ritter von Schey Freiherr wurde, erbat sich Frankl dazu 10,000 Gulden von ihm; Baron Königswarter schenkte ein Haus und richtete es für 60 Zöglinge ein; der Kaiser und die Kaiserin gaben je 1000 Gulden. Am 1. Dez. 1872 wurde der Schlußstein gelegt, wozu auch der Kaiser kam. Frankl gründete auch einen „Verein zur Unterstützung der Zöglinge." 1873 betrieb er mit Erfolg die Einberufung eines Blindenlehrerkongreffes. — Nach 42jährigem Dienst trat er von seinem Amte zurück. Aber noch als Einundachtzigjährige: schien er unverwüstlich. Am 3. Nov. 1873 brach er einmal plötzlich zusammen, war jedoch nach einer Woche wieder emsig mit Ordnung seiner Schriften beschäftigt. Am 10. März schrieb er einen Artikel für die „N. Fr. Pr." über die Märzbewegung von 1848, wie alljährlich. Am 12. März verschied er bei Tische mitten im Gespräch, ohne jeglichen Todeskampf. Die Betheiligung bei der Beerdigung war außerordentlich, das Grab wurde von der Gemeinde mit einem Denkmal geziert. Er war ein Meister edler Menschlichkeit, ein Meister des Wohlthuns, ein Meister seiner selbst, ein Dichter voll Begeisterung, ein edler Sohn seines Vaterlandes, und vor Allem ein treuer, begeisterter Jude. Kassel, im Nov. Gelegentlich des 60jährigen Jubiläums des „Depeschen-Bureau Reuter" schreibt die „Kaffeler Allg. Zeitung": „Für Kassel hat dieses Jubiläum insofern Interesse, als Reuter von hier stammt und seine Familie zu den altangesehenen israelitischen Familien Kaffel's gehört. Sein Vater hieß Samuel Josaphat, war Rabbiner in Witzenhausen und siedelte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts nach Kassel über. Er hinterließ drei Söhne: Julius Reuter, mit seinem ursprünglichen Namen Israel Josaphat, als dritter Sohn des ehemaligen Witzenhausener Rabbiners, im Jahre 1816 in Kassel geboren, betrieb ein kaufmännisches Geschäft, ohne dabei seine Rechnung zu finden und ging, aller Existenzmittel bar, im Jahre 1861 nach London, wo der intelligente Mann durch die Errichtung des ersten telegraphischen Nachrichtendienstes seine finanzielle Position und seinen Weltruf begründete." Düsseldorf. Dem Rechenschaftsbericht des „Vereins zur Förderung der Handwerke und technischen Berufsarten unter den Juden" pro 1900—1901 entnehmen wir: Bei Beginn des Berichtsjahres hatten wir 36 Lehrlinge bezw. Fachschüler unter unserer Obhut (darunter Aachen drei). Am Ende des Berichtsjahres waren noch 26 Lehrlinge bezw. Fachschüler vorhanden, wovon im Lehrlingsheim zu Düsseldorf 16, in Aachen 3 sich befanden und anderwärts 7 untergebracht waren. Aus dem Rechnungsabschlüsse ist ersichtlich, daß wir über einen Kassenbestand von Mk. 2821.76 in Düsseldorf und Mk. 611.78 in Aachen verfügen. Von der Abtheilung „Jsr. Lehrlingsheim Köln" ist Folgendes zu berichten: Im Berichtsjahre hatten wir in unserer Obhut 41 Zöglinge; bavon waren im Heim 27, bei auswärtigen Meistern 11, bei ihren Eltern in Köln 3. Ausgenommen wurden 12 Zöglinge, als Gesellen entlassen 12. O e st e r r e i ch. Lemberg. In Brzezany hat der Erkenntnißsenat des Kreisgerichts von 68 des Verbrechens der öffentlichen Gewaltihätigkeit angeklagten Bauern, welche in Strzeliska in Häusern der jüdischen Bevölkerung revoltierten, auf Juden und Gendarmen losschlugen, 47 schuldig erkannt und zu schweren Kerkerstrafen in der Dauer von 3 Wochen bis zu 4 Monaten verurtheill.