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Der Israelit · 1901-11-28 · Heft 94 (28.11.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 94 (28.11.1901)
Date
1901-11-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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2065 Der Redner schloß seinen geistreichen und in schwungvoller, edler Sprache gehaltenen Vortrag mit dem Wunsch, daß diese geistige Einwirkung, die sich vor Hunderten von Jahren nach außenhin in solchem Maße bewährt habe, fernerhin auch im Innern des Juden thums von ebensolchem Erfolg begleitet sein möge. Eine lebhafte Diskussion, die sich dem Vortrage anschloß, zeugte von dem Interesse, das die Anwesenden dem Thema entgegengebracht haben. O e st e r r c i ch. Wien, 20. Nov. (H ö ch st e r A n t i s e m i t i S m u s.l Die „Arbeiter-Ztg." schreibt: Im magistratischen Bezirksamt Herals ist eine Kundmachung des Wiener Magistrats angeschlagen, derzufolge die Interessen der L a z a r G o l d st e i n'schen Stiftung im Betraue von 1220 Kronen an drei hilfsbedürftige christliche Wittwen vergeben werden. Bevorzugt werden Bewerberinnen, deren Ehemänner dem Rabbinatsstande angehört haben. Den Gesuchen ist der Taufschein beizulegen. — Jeder gute Ehr ist, der diese Kundmachung liest, lvird zugestehen müssen, daß der Wiener Magistrat in seinem Antisemitismus doch ein wenig zu weit geht. Man kann einer Rabbinerswittwe, die Anspruch auf die Stiftung eines Herrn — Lazar Goldstein hat, viel zumuthen, aber daß sie eine Christin sein und einen Taufschein vorlegen solle, das ist denn doch zu viel verlangt. Weil das Jeder einsehen muß, sind auch wir geneigt, anzunehmen, daß der Magistrat auch nicht so unbillig denkt, und daß die fpassige Kundmachung weniger ein Ausdruck streng christlicher Gesinnung, als ein Ausdruck altehrwürdiger österreichischer Schlamperei ist. Frankreich. Paris, 26. Nov. Wie ich Ihnen bereits mitgeiheilt habe, hat ein Aussatz Labori's die Aufmerksamkeit der ganzen Presse auf sich gelenkt. Einige Blätter haben in sehr illoyaler Weise den Sinn dieses Aufsatzes zu mißdeuten und zu verdrehen gesucht. Die Freunde Labori's haben es daher mit vollem Recht für angebracht gehalten, eine große Versammlung zu veranstalten, um dem muthigen Vertheidiger von Alfred Dreyfus Gelegenheit zu geben, seine Ideen vor einem größeren Publikum zu entwickeln. Diese Versammlung fand auch vor einigen Tagen im „Theater de la Renaissance" statt. Ueber 6000 Personen drängten sich, um die schönen Worte des so berühmten Juristen zu vernehmen. Alle Männer, die in der Dreyfusaffaire eine hervorragende Rolle gespielt haben, waren anwesend: Zola, Buisson, Gaston Mach, Elemenceau, Frederic, Passy. Bruneau, befanden sich zur Rechten Labori's. In einem Augenblick erhebt sich die ganze Versammlung wie ein Mann und von allen Seiten erbraust der Ruf: „Vive Pwquardt! Vive Picguardt!" Es ist der edle und muthige Oberstleutnant a. D., der eben an der Seite Zolas Platz nimmt. Diese Ovation zu Ehren Picquardt's hat mich unendlich gerührt. Wenn man auch der Sache der Wahrheit und der Gerechtigkeit um der Sache selbst willen seine ganze Kraft und sein ganzes Wollen darbringen muß, und im Bewußtsein seiner Pflicht als Mensch und Staatsbürger erfüllt zu haben die schönste und reichste Belohnung zu suchen hat, so ist es doch trotzdem für diese Geistesheroen eine große Genugthuung, wenn sie sehen, daß die Edelsten und Besten der Nation mit ihnen sind und ihre Verdienste zu würdigen wissen. Gehobenen Hauptes können sie dann voll Verachtung auf die urtheilslose, von Demagogen verführte Menge herabblicken, die an den Ecken der Boulevards „ü bn8 Jes Juifs" schreit. lind darauf begann Labori in meisterhafter Weise seine großartige Rede. Er hat sich zuerst an die Jugend gewandt und sie aufgefordert, nie ihre heilige Begeisterung zu verlieren und stets der Wahrheit und dem Fortschritte treu zu bleiben. Und dann entwickelte er seine politischen und ökonomischen Ansichten in sehr scharfer und genauer Weise. Ich will nur das hervorheben, was uns besonders interessirt. „Die Dreyfusaffaire," sagte Labori, „habe viele Männer, deren politische, ökonomische und religiöse Anschauungen durchaus verschieden sind, zu einem gemeinsamen Zwecke, dem Schutze der Menschenrechte, vereinigt. Wir wollen," fährt Labori fort, „daß auch noch nach der Dreyfusaffaire diese Vereinigung bestehen bleibe. Mir wollen gründen eine federation des travailleurs intellectuels! Jeder von uns bewahrt seine Selbstständigkeit, nur arbeiten wir an unserem gemeinsamen großen Ziele zusammen!" Stürmischer, langanhaltender Beifall war die Antwort der nach Tausenden zählenden Zuhörerschaft auf diese trefflichen Ausführungen Labori's. Wir können nur wünschen, daß es Labori gelingen möge, sein hohes Ziel zu erreichen, Ueberall werden Versuche gemacht, unsere Staatsbürgerrechte zu beeinträchtigen und uns als Bürger zweiter oder gar dritter Klasse zu behandeln. Demgegenüber müssen wir wie mächtige Löwen kämpfen, um die unwürdigen Pläne unserer Feinde zu vereiteln. Wir müssen unaufhörlich an das schöne Wort Ludwig Uhland's denken: „Der Dienst der Freiheit ist ein schwerer Dienst! Er bringt nicht Gold, er bringt nicht Fürstengunst, Er bringt Verbannung, Hunger, Noth und Tod, Und doch ist dieser Dienst — der größte Dienst! Pi. Holland. Aus Holland. Maarßen, ein Ort mit Pracht voller Umgebung, den herrlichsten Anlagen und elektri scher Beleuchtung, ist von Amsterdam in Ifö Stunde erreichbar und beträgt die Entfernung von Utrecht per Bahn zehn Minuten. Die vielen sehr hübschen Villen welche im Sommer und Winter von Patrizierfamilie:', bewohnt werden, die anerkannt guten Damen-Pensi> nate, Knaben Institute, Elementar-Staatsschulen u. s. w., lassen Maarßen als geeignet zum angenebmen Aufenthalt auch für religiös lebende Israeliten, die be

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