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Der Israelit · 1901-11-28 · Heft 94 (28.11.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 94 (28.11.1901)
Date
1901-11-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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München, 26. Nov. (Unlieb verspätet.) Mit dem t.m 7. Cheschwan nach langem Leiden im ehrwürdigen; Alter von 77 Jahren hier verstorbenen Herrn Jsak , Sternberger ist wiederum einer von den heute; leider in nicht mehr sehr großer Anzahl vorhandenen! Männern, welche hinsichtlich Religionsbegeisterung, hin-! gebender Frömmigkeit und standhafter Treue in Aus-! Übung der göttlichen Pflichten, zur guten alten Garde? zählen, aus diesem Dasein geschieden. Der Verstorbene , gehörte nicht zu den Vielen, welche — zwar nicht auf j radikalem Standpunkte stehend — eben meinen, weil man als Jehudi nun einmal geboren und erzogen sei, muffe man sich mit seinem Judenthume abfinden, nöthigensalls mit einigen Opfern, im allgemeinen jedoch nur insoweit, als es sich ohne allzugroße Unbequemlichkeit und Schwierigkeiten erreichen läßt. Vor vier bis fünf Jahrzehnten standen deni jüdischen Geschäftsmanne, der die ganze Woche hindurch seinem Berufe weit außerhalb seines Wohnortes bald da, bald dort, nachgehen mußte, bekanntlich die bequemen Verkehrsgelegenheiten, noch die sonstigen modernen Erleichterungen, welche die Widerwärrigkeiten und Mühseligkeiten des Reifens heute auch einem gesetzestreuen Bekenner unseres Glaubens erträglicher machen, in keiner Weise zu Gebote. Die Verhältnisse schienen so, daß einem jüdischen Geschäftsmanne auf Reisen sein Beruf sauer werden konnte; er wurde aber nicht sauer demjenigen, der die Entbehrungen und Schwierigkeiten nicht mißmuthig und oerdroffen ertrug, sondern vielmehr im vollen Bewußtsein dessen, dadurch die gottgebotenen Pflichten zu erfüllen und die Liebe zu neripn urrnn zu bethätigen. Rur von solchen Gesinnungen beseelt, konnte es dem Dahingeschiedenen auch möglich geworden sein, eine so lange Reihe von Jahren hindurch in Ulm, einem für unser religiöses Leben gewiß ungünstigen Boden, als einziger Wächter auf exponirtem Posten, die Fahne der standhaften Gesetzestreue hochzuhalten. Vis zu seinem Wegzuge von Ulm wurde in einem von ihm eingerichteten und zur Verfügung gestellten Betsaal regelmäßig in vorschriftsmäßiger, hergebrachter Weise Gottesdienst abgehalten. Rach dem Gesagten braucht kaum noch betont zu werden, daß der Dahingeschiedene in Ulm trotz der dort bestehenden Schwierigkeiten auch hinsichtlich Beobachtung der Speisegesetze ein in vollem Umfange strengjüdisches Haus führte. Es war ihm stets eine Freude, nach Ulm in Geschäften kommenden und in jüdischer Gesinnung gleichstrebenden Religionsgenoffen in gastfreier! Weise sein Haus nebst Tisch zur Verfügung zu stellen. ' Der Verstorbene war ein Bruder des erst vor einigen Monaten Hingeschiedenen Herrn Meier Sternberger, der viele Jahre hindurch in so überaus verdienstvoller und ersprießlicher Weise als das Muster eines Kultusbeamten in Ansbach gewirkt hatte, wie dies auch s. Z. in diesen Blättern geschildert wurde. Gleich seinem Bruder war auch Jsak Sternberger stets bemüht gewesen, nach jenem Ziele zu streben, das dem wahrhaft gläubigen Jehudi vorgezeichnet ist durch die Worte ,trr> rao»3 pnat als getreuer Bekenner des Judenthums nur in, durch und für seinen Glauben zu leben. In den Kreisen, wo der Dahingeschiedene und seine Lebensführung als Jehudi bekannt gewesen. wird ihm ein ehrendes Andenken gewahrt bleiben. Kitzingen. Mit Vorliebe schreiben die Gegner der „Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur", es sei weit besser, statt dieser Vereine, solche zu gründen, in welchen Mischnah und Gemoroh gelehrt und gelernt wird. Daß nun erstere Vereine keine Konkurrenz für letztere sind, davon wurde in unserer aufblühenden Gemeinde ein glänzender Beweis geliefert. Schon seit Jahren besteht hier ein „Thorath- Emeth-Verein," dessen $ 1 seiner Statuten lautet: „Der Verein hat den Zweck, die im traditionellen Judenthum als unverbrüchliche Wahrheit geltende Thora pflegen, jüdisch-religiösen Glauben zu fördern und Begeisterung für wahre jüdische Interessen zu wecken." Jeden Sabbat finden abwechselnd Vorträge über die laufende Sidrah mit Raschi-Commentar und aus dem Chaje-Odom statt. In Folge Anregung mehrerer jungen Herren werden seit kurzer Zeit auch wöchentlich zweimal — und zwar Montag und Donnerstag Abend — freie Vorträge mit darauffolgender Diskussion im strengsten Sinne des orthodoren Judenthums abgehalten. Es ist eine wahre Freude, zu sehen, welch' zahlreiche Zuhörerschaft zu diesen Vorträgen sich bisher eingesunden haben, um den Worten unserer heiligen Thora zu lauschen- und das alles trotz des Litteraturvereins, der sich nach wie vor einer großen Anhängerschaft und Beliebtheit erfreut. Möge aller Orten, wo dies bisher noch nicht der Fall ist, sich berufene Männer finden, die ähnliche Bestrebungen verfolgen zum Segen des Judenthums, seiner heil. Religion u. seiner getreuen Anhänger. England. London, 25. Nov. Die Federation der Synagogen, an deren Spitze Sir Samuel Montagu steht, wählte den Rabbiner Dr. C h a i k i m als Dajon und Prediger. Derselbe ist wegen seiner großen Gelehrsamkeit allgemein bekannt; er war früher in Paris und seit einigen Jahren in Sheffield. Wir hoffen, daß derselbe zum Mitglied des hiesigen Bet Din ernannt werde. vermischtes Memel, 26. Nov. (Mischna-Verein.) Gestern Abend beendigte der hiesige Mischna-Verein den Evclus seiner Vorträge. Die Festmahlzeit (Ql'D) fand im Hause des Gemetndeältesten Herrn Benjamin Hahnemann statt. Herr Rabbiner Dr. Emanuel Carlebach beehrte die Festversammlung mit seinem Besuche und hielt die Festrede, die anlehnend an die Schlußworte der Mischna in Würdigung der Friedens-Idee gipfelte und sehr beifällig ausgenommen wurde. C. B. Regensburg, 25. November. Hier entschlief heute im sechsundsechzigsten Lebensjahre Herr Adolf Rofenblatt, ein wegen stiner Frömmigkeit und großen Wohl' thäligkeit hochangeseheneS Mitglied unserer Gemeinde. Die Beerdigung wird übermorgen stattfinden.

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