Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1901)
- Date
- 1901-11-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2059 gegeben. Der Mensch, mit dein geschmackvollen Beinamen das „Herdenthier", sei von Jugend aus schlecht in seinem Sinnen und Trachten, mit der Erbsünde be lastet, und ihn ziehe nur das Irdische, Sinnliche, Ber gängliche, Erniedrigende an. Nicht zu Höherem ge boren. liebe er, . das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen." Sehen wir. hochverehrte Versammlung, hin aus unseren Stammvater Jakob, wie er in den Menschen kreis hineinschaut, mit welchem Gedanken erfüllt, er seine eminente schwierige Aufgabe zum Ziele führen kvill. Er hat buch gewiß bereits die bittersten Er fahrungen gemacht ----- der eigene Bruder sein Todfeind Stein, Holz anbetende Götzendiener soll er für die tiefsten und höchsten Ideen des reinen, abstrakten Gottesbewutztseins empfänglich machen. Und dennoch in seiner scheinbaren Hilflosigkeit, wie siegesgewifz spiegelt das Traumbild seine Zukunft: z'b'V cp^s '2st>2 rr^rr Er sieht Gottes boten, die gen Himmel steigen, nicht im Himmel schaute er, nicht in den Himmel versetzte er die Engel, die Erde sieht er eriüllt mit Gottesboten, der Erdenkreis ist die Wohnstätte ihres Schaffens und Strebens. Die Menschen sind ihm Gottesboten, in den Menschen, die Gott mit der unsterblichen Seele begabt, die im Herzen das Ebenbild Gottes tragen — schaut er heilige Gefäße zur Aufnahme alles Guten, des Reinen, Schönen fähig, die Menschen sind Z'b'y nach der Sonne strebende, für Ideale zu gelvinnende Geschöpfe. Und dieser Gedanke, lvie erhebend must er aus ihn wirken! .Hochansehnliche Versammlung! Mit diesem auch mich beglückenden! Gedanken und Bewußtsein trete ich unter Sie ll'H- 's ’rxbc Ich weist es, ich trete in einen MeuscheiEreis, der geschlossen ward, um die höchsten Ideale der Menschheit zu verwirtlichen. Es gilt, Vas altüberlieferte Judenthum zur sicheren, aber steilcu Höhe hinauzusühren. Und lvv ich inich in solch für das Judenthum begeistertem Kreise weist, im Kreise derer, die Gottesboten gleich, immer nur ihr Ziel im Auge haben 'X txPe da zage und zittere ick nicht für die Zukunft unserer Sache. Die jüdische Seele ist unsterblich - sie sollte nicht wiederum geweckt, erwärmt und begeistert lverden können für die jüdische Wahrheit, lväre nicht siegesstark genug, um sich Eingang zu schassen in aller Herzen? Wahrlich, es müstie schlecht mit unseren Führern bestellt sein, die diese Ueberzengnng nicht besäßen. Nur lviedcr Wilsen und Ertenntniß der Größe unserer religiösen Ueberzeuguug muß dem iüdischen Bolle gegeben werden, dann ist die Zukunft unser, dann wird auch Wcstpbalen Metropole der Judenheit. 's 'vsb2 n;n Ja. wir streben gern der lichten Höhe zu und stellen »ns freudig als Gottesboten in den Dienst Ws Höchsten c'b'V ’s ron unser ist die Zukunft. ^Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im Nov. In seiner am 20. dss. Mts. stattgehabten Sitzung hat sich das unter Vorsitz des Herrn Generalkonsul Eugen Landau hier bestehende „Komitee zur Unterstützung der nothleidenden rumäni scheu Juden" nach einjährigem Bestände aufgelöst. Die Auflösung dieses Sondertomitees ist erfolgt, weil in dem in jüngster Zeit oearündeten „Hilfsverein der deutschen Juden" eine Centralstelle für humanitäre An gelegenheiten geschaffen worden ist. Das Rumänenkomitee hat iui Ganzen Mk. 107,340 vereinnahmt. Davon ist der größte Theil in Rumänien selbst für Volksküchen und ähnliche Institute, ein kleinerer zur Unterstützung der Auswanderer verwendet worden. Der noch vorhandene Kastenbestand wurde dem „Hilfsverein der deutschen Juden" mit der Maßgabe überwiesen, daß dieser Betrag nur für Rumänien Verwendung finden dürfe. Jnowrazlaw, im Nov. Der kurze Freitag Rach- Ulittag im Winter bereitet nicht nur den Frauen, sondern auch den Rabbinern manche Sorge. Da der Wochenmarkt hier auf Freitag fällt und die Fleischer vormittags keine Zeit zum Schlachten haben, wurde die Schechitab Freitag Nachmittags besorgt. Zuweilen »vurde aber so viel geschlachtet, daß der Schächter beim besten Willen nicht fertig werden konnte. Wie soll man auch in so kurzer Zeit, an einem kurzen Freitag Nachmittag pm o\:£ jpns besorgen, und dann noch jedes einzelne Stück mit den nöthigen Plomben und Stempel versehen! Um allen hieraus erwachsenden Unzuträglichteiten vorzubeugen, um jede Möglichkeit eines zu verhüten, Hai der Rabbiner unserer Gemeinde folgende. gewiß vollkommen berechtigte Anordnung getroffen. In einem an die Schächter und Fleischer gerichteten Schreiben äußert sich der Herr Rabbiner wie folgt' „Da die stürze des Tages eine vollkommene Erfüllung der religiösen Pflichten in Bezug auf rrontt Hpnr am Freitag Nachmittag nicht zuläßt, wird hier mit angeordnet: 1) Vom 15. November bis zum 15. Februar ist am Freitag Nachmittag das Schlachten von Nindern strengstens verboten. 2) Nur mpi d. i. Kälber und Lämmer dürfen Freitag Nachmittag geschlachtet werden. Wer Freitags Rinder schlachten lassen will, der muß das Vormittags bis 12 Uhr thun. Dieses Schriftstück ist nach erfolgter Unterschrift von Seiten der Schächter und Fleischer, dem Wohllöbl. Vorstände zur gefälligen Kenntnißnahme zu übergeben. I n o w r a : law, 25. November 1901. Rabbiner Dr. Koh n.