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Der Israelit · 1901-11-28 · Heft 94 (28.11.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 94 (28.11.1901)
Date
1901-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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3058 wpi imnp p72 Gelobt seist Du, gütiger Vater, der Du mir das Leben gegeben, um jüdisches Leben zu wecken, der Du hast mich bestärkt in meinem Streben, um mit der ganzen Vollkraft des Seins für den vnxos mp die Erhaltung und den Bestand unseres Gottesgesetzes einzutreten 7,771 svid und zur Verwirklichung dieses Ideals mir nun einen Wirkungskreis gegeben, wie er fruchtbringender und herrlicher nicht gedockt werden kann. Segen und Dank für diese glücklich ernste Stunde. Dank aber auch sei gleich mein erstes Wort, das ich an Sie, hochansehnliche Versammlung, richte, für das Vertrauen, das mich in so ungewöhnlich ehrenvoller Weise hierher berief, und das mir soeben unser hochverehrter Direktor und unser verehrter Vorsitzende durch ihren so liebevollen Empfang und mich tief ergreifenden Begrüßungsworte zu Theil werden ließen, ein Vertrauen, das gleich bei meinem Eintritt die Hoffnung meiner Seele belebt und mich mit Zuversicht erwarten läßt, daß in Ihrer Mitte durch gemeinsame begeisterte Thätigkeit gelingen wird, fortzubauen, was die geniale Hand meiner würdigen Vorgänger bereits geschaffen; auch Ihnen, hochverehrte Herren Kollegen, Dank aus tiefstem Herzensgrund, die Sie herge eilt, Dank, denn leicht haben Sie es mir hier gemachr in meinem neuen Wirkungskreise, den Sie erschlaffen, hochverehrter Herr Direktor, im Kreise begeisterter Freunde und zu ungeahnter Entwickelung brachten, dem Sie, lieber Kollege, hilfsbereit und mit Schaffensfreudigkeit als Freund unserer Sache zur Seite standen. In den Wirkungskreis solcher gottbegeisterter und bewährter Männer einzutreten, sie fortzusetzen — welch' ernste, schwierige Aufgabe? Aber über all die Zweifel und bangen Fragen, die mich bestürmen wollen, eile ich stolz hinweg einem Phantasiegemälde zu, das ich mir erträumt als einen Zukunftstraum, zu dem mir der Traum unseres Stammvaters Jakob,' der in unserer dieswöchigen Sidrah erzählt wird, Farbe und Pinsel leihen soll. I. Hinausgestoßen in die Fremde sehen wir unfern Stammvater Jakob, von der eigenen Hand und Bosheit und Tücke und Rachsucht des Bruders. Noch eben in dem herrlichen Fürsten- und Vaterhaus eines Jizchak — nun verlassen, einsam — ein Bettler. Soeben aus der Hochschule des Schem und Ewer kommend, wo er eifrig seinen Studien obgelegen, soll der weltentfremdete, jeder Lebenserfahrung bare Stubengelehrte in den Kampf um's Dasein treten, ja noch mehr, sortsetzen, was sein Vater und Großvater erstrebt - die Menschheit gewinnen für den Gottesglauben, soll gründen eine Familie im Kreise götzendienerischer Verwandten, die die Grundlage bilden soll des späteren jüdischen Volkes — der Kulturträgerin der Menschheit. Wie schwer muß es dem einer schweren, ungewissen Zukunft entgegeneilenden Jüngling um's Herz gewesen sein. Gewiß, da wankt er zagenden Schrittes einher, gebeugt, einem Greise gleichend, die Stirne in Sorgenfalten gelegt, mit gebleichtem und abgehärmtem Gesicht, keine Ruhe und Kraft findend. Aber nichts von alledem erzählt die sonst so beredte heilige Schrift. Als die Sonne untergegangen war, da machte der ruhig dahinschreitende Jüngling Halt, - - und findet auf einem Steineslager den sorglosen Schlaf eines Kindes aaan Kinn cpo2 er schläft, und er träumt. Und er träumt den herrlichsten Traum, den je ein Menschenkind ge träumt. Was er wachend gedacht, das verdichtet sich nun zu einem herrlichen Traumgebilde. Er wird zum Dichter. Dichter und Denker ivaren Träumer und Idealisten — und was das jüdische Volk und seine Großen gewollt, erstrebr - und erlangt, das hat es als Ideal zunächst erträumt. Unb so träumt denn Jakob. Und was. in kurzen Strichen, erträumt er? abr HJn D*-nn c'bv op^x ,n:m nmctrn y:c 'Luxnxnx 3x0 v'31 -Hp 3X3 'n Tijm 12. Und siehe, eine Leiter war gestellt auf der Erde, ihre Spitze aber reichte gen Himmel und Engel Gottes stiegen hinauf und herab auf derselben. Und Gott verheißt ihm eine glückliche Zukunft — es wird Dein Same wie Staub der Erde Du wirst zu einem die Welt beglückenden Volte heran blühen und schützend werde ich meine Hand über Dich halten. Aus diesem Zutnnftstraume erlvachend, erblickte Jakob sofort in ihm Gotteswort — und noch er^ schauernd unter der furchtbaren und dennoch beglückenden Verheißung und Anwesenheit Gottes ringt sich ihm von den Lippen.' a'vs>7i nr ap^x rra cx *2 ni ,“x (Nicht anders ist's, hier ist ein Haus Gottes und dies das Thor des Himmels). Und es wird Tag und aus seinem Steineslager Gott einen Denkstein errichtet Jakob und gelobt Gott 17-12 '372en ncy 2pbx tp dx TT! '2X 772 ^X 2^572 TCtT 1’21 "S'n ’2JX “2\K 717 vp^xb '71 Wenn Gott mit mir sein wird, den gewählten Lebensweg in seine Hut nehmen und mir den Lebens unterhalt gewährt, ----- dann werde ich in Vollkommenheit und Frieden wieder in mein Vaterhaus kehren, und der sich mir durch diese Verheißung als gütiger Vater bewährende Gott wird in meiner Lebensführung mir gesetzgebender Faktor sein und bleiben. In diesem Traumbild haben Sie, hochansehnliche Versammlung, ein Zukunftsbild des jüdischen Volkes, wie Jakob es geschaut, und wie wir es, und vor allem der Führer der jüdischen Gemeinde heute noch gestalten soll. Hier haben Sie die Prinzipien verborgen ruhend, von denen der 27 durchglüht und durchdrungen sein muß, will er die jüdische Sache zum Siege führen. Die pessimistische Weltanschauung, die unsere moderne Zeit beherrscht, ist gar grausam mit den Idealen der Menschheit umgegangen. Man hat den Menschen des 19. und 20. Jahrhundert für Ideale für zu reif erklärt. Ideale seien nichts anderes als Phan tastereien und Schwärmereien — Märchen. Und wenn dann große, herrliche Bestrebungen scheiterten, dann hat man die Schuld den Menschenmassen, den Menschen

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