Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-11-25 · Heft 93 (25.11.1901) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 93 (25.11.1901)
Date
1901-11-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449234--54752-2505470
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

2049 sondern Elieser »hm eine Braut sucht, und daß dieser immer nur bei Laban vom ’Jhk p dem „Kinde seines Herrn" spricht. Der Vers, übersieht, daß es sich nicht um eine Brautwerbung zunächst handelt, sondern daß die Braut überhaupt erst gesucht werden muß. dies aber der Stellung eines Isaak nicht entspricht. Und wenn Elieser vom „Sobne seines Herrn" spricht (p heißt der Sohn und nicht das Kind), so zeigt das eben die diplomatische Feinheit in jedem Worte des Gesandten. Er ist von Abraham geschickt und nicht von Isaak, deßhalb muß er Abraham in den Vordergrund stellen und deßhalb spricht er vom „Sohne seines Herrn" genau so, wie Laban vom „Sohne des Herrn" zu Elieser in gleicher Rücksichtnahme spricht. Und wenn gar der Vers, dem Patriarchen Energielosigkeit vorwirft, weil er die Verbindung Esau's mit heidnischen Frauen nicht untersagte, so scheint der Vers, wirklich zu glauben, daß Esau mit ihm vorher großen Rath gepflogen und nicht vielmehr mit der vollendeten Thatsache vor ihn hingetreten war. Väter können auch nicht immer erwachsenen Söhnen ihren Willen untersagen. Wir sehen ja Eap. 28, V. 2, wie er Jakob dringend bittet, sich nur aus dem Hause seiner Mutter ein Weib zu freien. Warum also dieses künstliche Hervorsuchen von Momenten, die den Charakter des Patriarchen in ein ungünstiges Licht stellen sollen. Ick setze voraus, daß der Vers, der pädagogischen Studie konservativ ist, da er für dieses Blatt schreibt, ich bitte ihn indeß, mir zu gestatten, die Worte eines liberalen Predigers zu citiren: „Rein, m. H., Isaak erscheint in unserer ganzen Erzählung nirgends als ein Schwächling, sondern durchaus als eine kraftvolle, ehrwürdige Gestalt, die die Bibel offenbar verherrlichen will. Die in unserer Erzählung das Gegentheil gefunden, sind nicht tief genug in den Sinn der heiligen Schrift gedrungen; hätten sie tiefer gegraben, dann würden sie, wir die Knechte Jsaak's, freudig ausrufen können: cd „wir haben Wasser gefunden." Angesichts der neueren Gewohnheiten, in den Schulen bibelkritische Studien zu treiben und an den hervorragenden Bibelgestalten Ueberkritik zu halten, ist es überaus wichtig, auf das Gefährliche dieser oft unbewußten Bemühungen hinzuweisen. Darum ergeht an die jüdische Lehrerwelt, die es ja gut und ehrlich mit ihrer Sache meint, der Ruf: „Erfüllet Euch und die Kinder mit Ehrfurcht vor dem Bibelwort! Hinweg die Schuhe von. Euren Füßen, denn der Boden, auf dem Ihr st e h t, i st h e i l i g Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, im Rov. (Die Früchte der antisemitischen Verhetzung.) Aus akademischen Kreisen schreibt man dem „Vorwärts": In seiner Vorlesung über den Reichs-Civilprozeß sprach dieser Tage Professor Köhler über die Litteratur, die wir auf diesem Gebiete besitzen. Unter anderem erwähnte er dabei als einen sehr brauchbaren und in der Praxis sehr verbreiteten Kommentar den von „Wilmowski und Levy." Kaum hatten die Zuhörer den Namen Levy gehört, als sie auch schon durch ein allgemeines Scharren mit den Füßen ihrem Mißfallen darüber Ausdruck gaben, daß ein Mann mit solchem Namen sich erlaubte, etwas wirklich Brauchbares zu schreiben. Doch dies war erst das Vorspiel; denn als Prof. Köhler bedauerte, daß dieser Kommentar leider nicht in neuer Auflage zu haben sei, weil Wilmowski gestorben und Levy, der bekannte Berliner Justizrath, vor noch gar nicht langer Zeit ermordet worden sei, da gab die Gesellschaft durch ein starkes, anhaltendes Trampeln ihrem Beifall darüber Ausdruck, daß der Mann mit dem jüdischen Namen ein solches Ende gefunden. Berlin, im Nov. Der „Reichsanzeiger" berichtet: Seit einigen Jahren ist den Libanonweinen eine große Konkurrenz in den Palästinaweinen erwachsen, die in großen Mengen von Jaffa und Haifa nach Europa, namentlich nach Hamburg und Antwerven, ausgeführt werden. In Palästina sind es besonders die jüdischen Kolonien und die deutschen Niederlassungen in Jaffa, Sarona, Jerusalem und Haifa, denen der Weinbau und die Weinbereitung große Fortschritte verdanken. Non den jüdischen Kolonien befassen sich speziell Rischon le-Zion bei Jaffa und Sammarin (Zichron Jakob) bei Haifa mit der Weinbereitung in allergrößtem Stil und unter Anwenduna der modernsten Fabrikationsmethoden. An beiden Orten sind sehr ausgedehnte Kellereien angelegt. Die Ergebnisse sind sehr günstige. In Sammarin werden jährlich durchschnittlich 10,000 Hl. erzeugt. Ein Dampfer der deutschen Levanetelinie verlud Anfangs Mai 1901 in Tautura, dem Küstenplatz von Sammarin, 2710 Faß zu je 2 Hl. oder ca. 700 T. Wein nach Hamburg. Köln. Der hiesige „Verein für jüdische Krankenvflegerinnen" versendet seinen Bericht für das Jahr 1900. Mit einem Bestände von sechs Schwestern und fünf Schülerinnen trat der Verein in das zweite Jahr seiner Thätiakeit ein. Von den sechs Schwestern versahen drei Dienst im Asyl, während drei in der Privatvflege thätig waren: zwei dieser letzteren, welche vor Jahren von dem Münchener Verein zur Ausbildung überwiesen waren, wurden am 1. Oktober gemäß Uebereinkunft in ihren neuen Wirkungskreis nach München entlassen. Am Schluß des Jahres 1900 waren im Verein insgesammt thätig sieben Schwestern und sechs Schülerinnen. Dieser Zahl von Schwestern geaenüber mußte der junge Pensionsfonds auch bei den bescheidensten Ansprüchen als unzureichend erscheinen. Zur Sicherstellung der den Schwestern satzungsgemäß verbürgten Pensionsrechte sah sich der Vorstand daher genöthigt, mit der Versicherungsgesellschaft ..Anker" einen Vertrag betreffs Versicherung gegen Krankheit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.