Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 93 (25.11.1901)
- Date
- 1901-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2040 tfn sauren Apfel nicht Hineinbeitzen. Wie wäre es, wenn der jüd. Kongretz noch einmal Unberufen würde? Vielleicht gelingt es doch, die Orthodoxen irgendwie zu versöhnen? Und mit großer Parade und noch größeren Hoffnungen gingen die Herren Distriktspräsidenten korporativ zum Kultusminister und verlangten allen Ernstes die neuerliche Einberufung eines Israelitischen Landeskongresses. Und die Herren Juden, die auch im politischen Leben eine große Rolle spielen, wiederholten seitdem diesen Auszug mehrere Male. Ter Kultusminister hatte auch alleweil für diese imposante Abordnung gar schöne Reden: aber die Erfüllung ihres Wunsches hat er für absehbare Zeit nicht in Aussicht gestellt. Auch bei der heute stattgefundenen Versammlung ist nach Erledigung mehrerer Angelegenheiten geringeren Belanges dieser Gegenstand zur Sprache gekommen. Der Vorsitzende erklärre diesbezüglich folgendes: „Die Regierung bat in dieser Angelegenheit beruhigende ( ch Erklärungen abgegeben, doch will der Kultusminister, so lange die katholische Autonomie nickst geregelt ist <sielt nickst an die Erledigung ähnlicher Angelegenheiten einer anderen Konfession schreiten." Trotz dieser Erklärung beantragte jedoch der Vorsitzende selbst: Die Versammlung möge auch, bei dieser Gelegenheit beim Kultusminister die Erledigung der noch im Jahre?89st an ihn gerichteten Eingabe wegen Einberufung des israelitischen Kongresses nachdrücklichst urgiren. Selbstverständlich hat die Versammlung diesen Antrag auch einhellig aeeeptirt. Unwillkürlich drängt sich aber einem da die Trage aus: wenn der Kultus minister eine motioirte apodiktische Erklärung diesbezüglich abgegeben hat, zu welchem Zwecke soll die d e rzeit wenigstens doch immerhin vergebliche Urgieruug der Erledigung jener sonderbaren Eingabe wieder einmal nachdrücklichst wiederholt werden? Wie tverden demnächst Gelegenheit nehmen, diese Trage näher in's Auge zu fassen. Zur Kennzeichnung der Situation wollen >vir blos folgendes hervorheben: Um die Angelegenheiten der Orthodoxen ist es in Ungarn nicht au: Besten bestellt. Zerwürfnisse im eigenen Lager, sckstoenviegen.de Meimingsverschieden heitcn über die Ausgabe der Orthodoxie überhaupt, haben es bisher verhindert, daß die Sache der Gesehestreuen irgendwelche Tortschritte nach 'Außen hin gemacht hätte. Die leitenden Männer hatten immer auch vollauf zu thun, um die Interessen der Orthodoxie gegen verschiedene Angriffe in Schutz zu nehmen. Tie traurige Tbatsache kann auch nicht unterdrückt tverden, daß im Interesse des gesetzestreuen Judenthums i n d e n t e tzte n 3 o Ja h r e u keine einzige der Oefseutlichteit imvonirende Landesinstitunon geschaffen wurde. Hingegen ist es der offiziellen Leitung der Kongreßpartei vollkommen gelungen, in religiöser und kultureller Beziehung allerdings im Geiste und im Sinne der AeM'gen ungeheuere Tortschritte zu machen. Mit den: geivaltigen Tortschritt ihrer blühenden Institution, ist auch ihr Ansehen bei der Regierung und den Landesbehörden außerordentlich gewachsen. Neberdies sind die Tührer der Kongretzpartei auch sehr reiche Männer und einflußreiche Politiker. Jede Aktion der Kongretzpartei ist detzwegen auch für die Orthodoxen von größter Bedeutung. Aber so weit wird ihre Macht doch nicht hinreicheu, die Orthodoxen zu bestimmen, datz sie dem neuerlichen Kongretzprojekte auch ihrerseits beinflichten. Die Erledigung der katholischen Autonomie liegt noch sehr weit im Felde, die Zustimmung der Regierung zur neuerlichen Einberufung eines jüdischen Kongresses aber noch viel weiter. Wir sind auch denen überzeugt, kein ungarischer Kultusminister wird den Orthodoxen den einheitlichen Kongreß aufoktroiren wollen. Sollte sich aber eine Kultusregierung doch hierzu entschließen, so tverden die Orthodoxen ganz gewiß den größten Widerstand leisten. Mit einem Morte: Die Idee eines zweiten einheitlichen Kongresses ist eine U totste. Und das wissen auch die Herren Joses Simon und Martin Schweiger sehr gut. Diese zwei Männer beherrschen nämlich die Situation seit dreitzig Jahren mit diplomatischer Genialität. Sie haben es verstanden, in diesem großen Zeiträume die Prärogative ihrer Partei aus der Basis des Kongretzstatuts bei jeder sich dargebotenen Gelegenheit glänzend zu demonstriren. Es fällt ihnen nur schwer, „nach dreitzig Jahren" zugeben zu müssen, daß der Kongreß mitsammt seinen Beschlüssen, ebenso uste die Politik nach dem Kongreße eine ganz verfehlte Spekulation gewesen. Sie willen es ganz gut, diese zwei Machthaber, daß eine Transaktion zwischen den Orthodoxen und Reologen unter den bestehenden Verhältnissen ganz ausgesckstollen ist. Sie wissen es ganz gut, daß die Orthodoxen mit Orgel Sonagogen, mit Damenchor, mit Seminarrabbiner, Schochtim und Kantoren, die fast durchloegs öffentliche mir Abrnv und irmr --n sind, in religiöser Beziehung niemals etwas gemein haben können. Sie wissen es ganz gut. daß die ungarländischen Orthodoxen die ihnen gewährleisteten Rechte durch keinerlei Verlockung tverden preisgeben. Sie stallen es auch ganz gut, daß sebft die Konareßgemeindeu und deren Rabbiner die Unifikation auf der Basis der „einzigen", ehrlichen und gerechten Möglichkeit, durch Rückkehr aus den Boden des Gottesgesetzes auf der ganzen Linie rr'p“ ■py pSr *r bv garnickst wünschen können, niemals wünschen tverden - und doch bleibt die Losung dieser Kreise seit vielen Jahren: Einheitlicher Kongreß.' Einheitliche Autonomie! Mehrere hervorragende Männer der Reotogeu, die aber zur jüngeren Generation gehören, haben auch bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Unmöglichkeit einer religiösen Unifikation mit den Orthodoxen hingewiesen und verlangten auch, daß die israelitische Landeskanzlei die Einberufung eines Krogresses nur für die eigene Partei bei der Regierung erwirke. Eine solche Aktion