Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 93 (25.11.1901)
- Date
- 1901-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. mm WWW Wj Z-T^T^SAT^-!- M SS. Der Israelit. Ein Hentrak-Hrgan für das orthodoxe Audenthum. Begründet von Dr. in Maittf. Montag, den 25. November 5662 (1901). Für Eine MtneK abonntrt man bei allen Postanstaltcn für den Monat Dezember auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzesiig am Post ZcilungSschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbrieftrüaer am'acaeben werden WU" Die Briefträger sind berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen de- Monats gegen Quittung in Emvsang zn nehmen.^Auöland entsvrechcrvy daher Die Expedition des ^Israelit." Leitender Artikel. Die iiii)ii(lifn KerhSlt»', in Ungar». Budapest, 18. 9tov. Die neologen Distriktspräsidenten haben heute ihre Jahresversammlung abgehalten. Man sollte meinen, daß die Beraihungen und Beschlüsse dieser „israelitischen" Landcsvertretung — var excellence — das gesetzestreue Judenthum gar nicht interessire. In Wirtlichkeit verhält sich aber die Sache ganz anders. Der wichtigste Gegenstand dieser Jahresversammlungen ist immer die offene Frage: Wie könnte man das im ungarischen Judenthum auch „landesgesetzlich" anerkannte Schisma aus der Welt schassen? Daß diese Frage aber für die Orthodoxen von größter Tragweite ist, wird wohl jeder gesetzestreue Jude zugcben. Es ist eine bekannte Taktik der Neologen, in aller Herren Länder über die religiösen Spaltungen im Judenthum Krokodillthränen zu vergießen, die Orthodoxen als Friedensstörer zu stygmatisiren und die Welt glauben zu machen, daß sie, die Neologen, das „einheitliche Judenthum" als das Hochziel aller ihrer Bestrebungen betrachten. Hier in Ungarn wird aber diese Eintrachts-Duselei mit mehr Nachdruck, als sonstwo betrieben. Und das hat einen tiefen Grund. In anderen Ländern, wo religiöse Differenzen zu Spaltungen geführt haben, werden im besten Falle die Orthodoxen von den Landesregierungen nach Thunlichkeit unterstützt, sind aber de jure im Verhältniß zu ihren neologen Brüdern nicht als selbstständige autonome Konfession anerkannt. In Ungarn steht die Sache der Gesetzestreuen viel günstiger. Hier besitzen die Orthodoxen eine königlich sanktionirte Landesverfassung, bilden in allen Stücken eine ganz separirte jüdische Konfession und sind an das Kongreßstatut, welches ursprünlich für die gesammte ungarische Judenheit geschaffen wurde, in keiner Weise gebunden. Die Gesetzlichkeit dieser orthodoxen Organisation wollte aber die israelitische Landeskanzlei der neologen Juden niemals anerkennen. In allen Kundgebungen geriete sich diese Behörde als legale Vertretung der Juden des ganzen Landes und im letzten Regierungsjahre des ehemaligen Kultusministers August Tresort ist es ihr auch gelungen, die ungarische Kultusregierung für diese Ansicht zu gewinnen. Tresort war nach dem Kongresse vom Jahre 1868 der erste und einzige ungarische Kultusminister, der den Muth hatte, die im orthodoxen Organisationsstatute verbrieften Hauptrechte der Orthodoxen förmlich zu konfisziren. Die Herrlichkeit der Neologen dauerte aber nicht lange. Der Nachfolger Treforts, der derzeitige Präsident des Magnatenhauses, Graf Albin Csaky, hat die volle Gültigkeit der orthodoxen Verfassung neuerdings proklamiri, und seitdem hat es die israelitische Landeskanzlei nicht nochmals versucht, die prinzipielle Außerkraftsetzung des orthodoxen Organisationsstatutes bei der Kultusregierung zu betreiben. Es wurde ein ganz anderer, der sogenannte friedliche Weg eingeschlagen. Im Jahre 1896 hatten nämlich die Distriktsprästdenten eine geniale Idee. Sie kombinirten etwa folgendermaßen: Der Kongreß im Jahre 1868 ist nun einmal nicht gelungen. Die bösen Orthodoxen und Statusquo-Gemeinden wollten in